4x4 Evo 2
16.01.2007 12:03
4x4 Evo 2
Was habe ich mich seinerzeit auf ein angekündigtes Dreamcast-Spiel namens 4x4 Evolution gefreut. Den Versprechungen der Entwickler zufolge schien das lange Warten vieler Offroad-Fans wie mir endlich ein Ende zu haben: Die ersten Screenshots machten durch nie dagewesenen Detailreichtum und lizensierte Originalboliden Lust auf mehr, zahlreiche Spielmodi sowie ein umfangreicher Karrieremodus klangen wie so oft fast zu schön, um wahr zu sein. Mit dem Release zerplatzten daraufhin jedoch alle Träume wie Blasen im vielbefahrenen Schlamm - so schön das Rahmenprogramm aus Umfang und Fahrzeugauswahl auch ausfiel, Fahrzeughandling sowie mittelschwere Grafik- und Designpatzer enttäuschten auf ganzer Linie.
Dementsprechend gering fielen meine Erwartungen bezüglich des Xbox-Nachfolgers 4x4 Evo 2 aus. In den USA bereits zum dortigen Launch im November 2001 erschienen, musste unsereins geschlagene sechs Monate auf eine PAL-Version warten. Nun, da Publisher Take 2 (respektive dessen Unter-Label GOD Games) ein Herz für die Xbox gezeigt hat, ist es für uns an der Zeit, auch den Nachfolger einer ausführlichen Diagnose zu unterziehen - stets in der Hoffnung, dass die Entwickler die am Vorgänger verübte Kritik beherzigt haben.
Zunächst wird der geneigte Evolutionsfachmann keine elementaren Änderungen im Vergleich zum Vorgänger erkennen, vielmehr wurde hier konsequent weiterentwickelt. Neben den üblichen Spielmodi wie Zeitfahren oder Einzelrennen fällt nach wie vor das Hauptaugenmerk auf den Karrieremodus: Hier beginnt Ihr in bester Gran Turismo-Manier ohne Fahrzeug, dafür aber mit einem Budget von 30.000 Dollar, das weise investiert werden sollte. Greift daher zu einem zwangsläufig günstigen Einstiegsmodell der zahlreich zur Auswahl stehenden Geländeboliden namenhafter Hersteller wie Chevrolet, Jeep, Dodge, GMC oder auch Mitsubishi. Im äußerst umfangreichen Teile-Shop könnt Ihr Eurer Gefährt nun im Rahmen Eurer finanziellen Möglichkeiten zunächst dezent aufbohren. Mit zunehmender Finanzkraft eröffnet sich Euch allerdings eine Auswahl verschiedenster Tuning-Teile, Optikverschönerungen und Reifen, die das Portfolio eines Gran Turismo 3 quantitativ locker um ein Vielfaches übertrifft.
Ist Euer Allradbaby entsprechend ausgestattet, habt Ihr die Qual der Wahl, mit Hilfe welcher Spielmodi sich am schnellsten das meiste Geld scheffeln lässt. Zur Verfügung stehen zahlreiche Meisterschaften, die wiederum verschiedene Fahrzeug- oder Qualifizierungsvorgaben voraussetzen. Verbessert Ihr durch stetiges Siegen Euren Ruf, besteht die Chance, dass Euch etablierte Rennteams aufnehmen und Euch somit der Zugang zu vorher gesperrten Wettberwerben ermöglicht wird.
Seid Ihr der Rennen überdrüssig, nehmt doch einfach an einer der Spezielmissionen teil: Hier gilt es, verschiedene Aufträge durchzuführen und im Erfolgsfall einen Extrabatzen Bares einzustecken. Neben simplen Transportmissionen, in denen Ihr bestimmte Waren von Punkt A zu Punkt B kutschieren müsst, setzen viele Rettungseinsätze die Montage einer Winde am Fahrzeug voraus. Habt Ihr das besagtes Teil nicht gekauft und am Offroader installiert, ist ein erfolgreiches Abschließen der jeweiligen Mission unmöglich.
Die Wahrheit liegt bekanntlich auf der Strecke, und leider gibt sich 4x4 Evo 2 in diesem Punkt eine wesentlich größere Blöße als noch bei dem vorbildlichen Umfang der Spielmodi. Zwar stehen Euch mit über 32 Offroad-Arealen eine stattliche Anzahl an Pisten zur Verfügung, die auch abseits der Strecke sehr weiträumig frei befahren werden können. Zudem verschlägt es Euch in bergige Waldgebiete, staubige Wüsten oder auch tiefschneeerprobte Polarlandschaften - auch in diesem Punkt wird Abwechslung groß geschrieben.
Allerdings hört der Spaß spätestens im Cockpit auf, denn sowohl Wagenhandling als auch die Kollisionsabfrage an beweglichen und starren Objekten lassen wieder einmal stark zu wünschen üig. Erschwerend hinzu kommen erstaunlich sinnlose Kameraperspektiven, von denen sich letztendlich nur die Cockpit- und Motorhaubenansicht als spielbar erwiesen haben. Und da wären auch noch die zum Teil nicht nachvollziehbaren Regelentscheidungen: Kürzt Ihr (wie alle anderen Rennteilnehmer) in vielen Kurven ab, wird Euch des öfteren Eure Position aberkannt, ohne dass ein Checkpoint nicht durchfahren wurde.
Rein optisch erweckt die Offroad-Hatz gemischte Gefühle: Während die Streckendetails im Vergleich zum Vorgänger nur marginal verbessert wurden, erfreut sich das Zockerauge an echtzeitberechneten und endlich auch ruckelfreien Umgebungsreflektionen im (zumindest während der ersten Rennminute) glänzenden Wagenlack. Leider hat Entwickler Terminal Reality bei der PAL-Anpassung geschlampt - das Ergebnis ist ein frustrierendes Dauerruckeln bei maximal lediglich 6 gleichzeitig auf der Strecke befindlichen Boliden. Immerhin sind dafür die zahlreichen Originaljeeps liebevoll modelliert und wissen durch viele kleine Details zu gefallen.
Die geneigten Spielerohren werden ebenfalls lediglich mit Durchschnittskost konfrontiert - immerhin gibt es durch Dolby Digital 5.1-Unterstützung zumindest ansatzweise Mehrkanalsound zu hören. Nichts desto Trotz klingen nähmaschinenartige Motorengeräusche auch von hinten nicht schöner und die langweilige, rock-orientierte Musikuntermalung ohne Rip-Funktion eigener Audio-Tracks hat auch schon bessere Zeiten gesehen.
Auch den oftmals schmerzhaft vermissten 16:9-Modus haben die Entwickler gnadenlos ignoriert, selbiges gilt für die Information, dass die Xbox über vier (in Zahlen: 4) Controller-Ports verfügt und daher auch im Multiplayer-Quartett angetreten werden sollte. Leider dürft Ihr hier lediglich einen Freund zum mehr oder weniger fröhlichen Offroad-Zock einladen, denn sämtliche Mehrspieler-Modi erweisen sich als altbacken und oft gesehen. Eine Karriere zu zweit wäre eine Innovation, die 4x4 Evo 2 durchaus gut getan hätte, leider wurde auch dieses Mal die Möglichkeit auf Besserung verschenkt.
„Außen hui, innen pfui!“
(Meinung » Matthias Loges)
Wie so oft (und eben auch im Bezug auf den Vorgänger 4x4 Evolution) scheint der Entwickler die elementaren Spielerkritiken kaum beherzigt zu haben und macht aktuell mit 4x4 Evo 2 fast haargenau die selben Fehler ein weiteres Mal: So bietet der Umfang an Strecken, Fahrzeugen und Spielmodi innerhalb der Karriere keinerlei Anlass zur Kritik, im Gegenteil: Auf dieses durchdachte (wenn auch zum großen Teil von der Gran Turismo-Serie geklaute) Spielprinzip lässt sich aufbauen, bitte mehr davon!
Leider sind damit auch schon nahezu alle positiven Punkte abbgehandelt: Im Kern patzt 4x4 Evo 2, denn sowohl Wagenhandling als auch Gegner-KI können allenfalls als Negativbeispiel des Genres punkten. Hinzu kommen massive Grafik-Patzer bei der Anpassung der NTSC-Version (Dauerruckeln bei 50 Hz, vergleichbar mit F1 2002) - so etwas wollen wir nicht mehr sehen, denn der Xbox steht nicht umsonst ein serienmäßiger PAL 60-Modus zur Verfügung. Insgesamt ist somit wieder einmal ein hoffnungsvolles Spielprinzip durch derbe Technik- und Designpatzer zum Durchschnitt verkommen und letztendlich nur noch für Fans des Genres einen Blick wert.
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