Afro Samurai
15:53 Uhr - Während unserer damaligen Anspielsession im Januar konnten wir „Afro Samurai“ bereits einen originalgetreuen Look sowie eine absolut überzeugende Synchronisation attestieren. Allerdings stand eine große Frage im Raum: Bietet der Titel auf längere Spieldauer gesehen genügend Abwechslung? Die Antwort lautet: Nein. Warum Namco Bandais neustes Werk trotzdem einen Blick wert ist, verrät unser Testbericht.
Stirnbandträger auf Rachefeldzug
Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Manga-Geschichten steht bei „Afro Samurai“ nicht gleich die ganze Welt vor dem Abgrund. Hier dreht sich alles um den titelgebenden Schwertmeister, dessen Vater noch während seiner Kindstage von einem zwielichtigen Mann namens Justice kaltblütig ermordet wurde. Natürlich nicht vollkommen ohne Grund: Die Familie war einst im Besitz des so genannten Stirnbands Nummer Eins, welches der Sage nach gottähnliche Kräfte weitergibt. Doch es ist nicht das Verlangen nach Macht, welches den Afro Samurai im offiziellen Videospiel auf eine kampfreiche Reise schickt. Vielmehr ist sein Motiv Rache für die Ermordung seines Vaters. Aus reinem Spott überlässt Justice dem jungen Krieger nämlich das Stirnband Nummer Zwei, denn nur mit diesem kann Justice überhaupt zum Kampf herausgefordert werden. Als Spieler schlüpft man also in die Rolle von Afro und wehrt sich gegen Scharen dahergelaufener Diebe und Ninjas, die das zweitmächtigste Stirnband entwenden wollen. Gleichzeitig schlägt man sich zum Erzfeind durch, um ihn im finalen Kampf zur Rechenschaft zu ziehen. Viele Verbündete hat der Samurai leider nicht. Immerhin ermordet er selbst seinen langjährigen Dojo-Trainer, da dieser seinen Schüler vor dem Rachefeldzug zurückhalten will. Sein einziger Freund ist imaginärer Natur: Ninja Ninja, so der abwechslungsreiche Doppelname, hat stets einen guten Rat auf Lager.
Leider schafft es das Spiel nicht immer, die Story artgerecht zu präsentieren. Wieder und wieder findet die Handlung einfach ohne weitere Erklärung statt und neue Charaktere kommen und gehen. Welche Rolle sie dabei einnehmen, bleibt aber häufig unklar. Die immer wieder eingestreuten Rückblicke in die Vergangenheit des rachsüchtigen Schwertmeisters irritieren dabei zusätzlich. Damit sei schon jetzt die erste Warnung ausgesprochen: Geht man ohne vorherige Kenntnisse an diesen Titel heran, muss man mit größeren Verständnislücken rechnen.
Höchst brutale Comic-Optik
Nicht nur die grundlegende Geschichte des Abenteuers wurde eins zu eins übernommen. Der Grafikstil orientiert sich natürlich ebenfalls an der Vorlage und präsentiert sich in Manga-kompatibler Cel-Shading-Optik. Nur eines hat der Titel anderen Vertretern dieser Technik („Prince of Persia“, „Jet Set Radio“, „The Wind Waker“) dann voraus: Literweise Blut. Wer sich einen Trailer oder Gameplay-Szenen zu Afro Samurai (zu finden natürlich auch im unteren Teil dieses Tests) ansieht, der wird schnell feststellen, dass mit dem roten Lebenssaft keinesfalls gegeizt wird. Es spritzt durch die Luft, bleibt am Schwert des Protagonisten hartnäckig kleben und an abgefetzten Körperteilen darf natürlich eine kleine Fontäne ebenfalls nicht fehlen.
Noch originalgetreuer verhält es sich mit der Synchronisation des Hauptcharakters. Schließlich wurde Samuel L. Jackson höchstpersönlich ins Tonstudio beordert, um gänzlich neue Zeilen für das Spiel einzusprechen. Hier passt einfach alles: Wenn der Samurai seinen Feinden das vorzeitige Ableben verbal ankündigt, bleibt uns außer „Verdammt cool!“ eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Und dann wäre da auch noch der originale Soundtrack von „The RZA“, vor allem bekannt durch den Wu-Tang Clan. Die markanten Töne gehen mit den Kämpfen Hand in Hand und fügen sich nahezu immer perfekt in das Geschehen. Zusammen mit dem optischen „Hip Hop / Samurai“-Flair ergibt sich also ein äußerst stimmiges und stylisches Gesamtbild.
Furioses Schnetzeln am Stück
Die größte Schwäche von „Afro Samurai“ hatten wir bereits im Vorfeld vermutet: Dem Actiontitel mangelt es schlicht an Abwechslung. Hier reiht sich Kampf an Kampf mit immergleichen Kontrahenten, weitere Gameplay-Elemente dazwischen sind Mangelware. Immerhin beschränkt sich das Spiel nicht auf pures Button-Mashing: Jede Angriffsart, ob schneller oder harter Schlag sowie Kick, hat eine eigene Taste und muss bei den oftmals sehr defensiv ausgerichteten, clever abblockenden Gegnern zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt oder für Combos kombiniert werden. Darüber hinaus lässt sich das Geschehen mithilfe des Fokus-Modes wesentlich verlangsamen. Dadurch wird es dem Samurai möglich, seine Widersacher leichter ins Reich der Toten zu befördern. Auch an das Anvisieren unterschiedlicher Körperzonen wurde gedacht. Daraus resultierende strategische Entscheidungen sind allerdings sehr selten von Nöten, dafür fliegen umso öfter abgetrennte Köpfe durch die Luft… Zuletzt darf ab und an eine mächtige Attacke ausgeführt werden, die alle Feinde mit nur einem Schlag ausschaltet. Dazu muss jedoch genau zu dem Zeitpunkt, an dem das Schwert aufleuchtet bzw. der Controller vibriert, die richtige Taste betätigt werden. SIXAXIS-Besitzer schauen jetzt übrigens traurig in den Himmel. Insgesamt dauern die einzelnen Fights einfach zu lange an und treten in ihrer Gesamtheit viel zu oft auf, auch wenn der Schwierigkeitsgrad zu keinem Zeitpunkt unfair wird.
Ein richtig nerviges Manko müssen wir zum Schluss dann doch noch erwähnen, auch wenn es nicht die Gesamtheit der Spielerschaft betreffen dürfte: Die X-Achse der Kamera, welche mit dem rechten Stick geführt wird, ist fest invertiert. In den Optionen lässt sich, im Gegensatz zur vertikalen Kontrolle, keine Einstellungsmöglichkeit finden. Auch die restliche Tastenbelegung ist von den Entwicklern verbindlich vorgegeben. So etwas darf im Jahr 2009 nun wirklich nicht mehr passieren!
Kein Release in Deutschland
Ihr habt es sicherlich schon erahnt: Aufgrund seiner ausufernden Brutalität geht „Afro Samurai“ nicht gerade mit den blumigen Träumen der Politik und USK einher. Darüber war sich auch Publisher Atari bewusst und verzichtet von Anfang an auf eine Veröffentlichung in Deutschland. Schließlich wolle man den vielen Fans keine halbgare, geschnittene Fassung servieren. Wer also Interesse an dem Spiel hat, steuert am besten den nächsten Importhändler an und besorgt sich eine Fassung aus dem europäischen Umland. Die ist dann auch wenigstens „originalgetreu“…
Pro und Contra
- + Hält sich optisch an die Vorlage
- + Hervorragende Synchronisation
- + Stimmiger Soundtrack
- + Teils fordernde Kämpfe
- - Monotones Gameplay
- - Undurchsichtige Story für Neulinge
- - Nicht invertierbare Kamera
Originalgetreues Gemetzel, auf Dauer leider langweilig
“Afro Samurai“ schöpft keinesfalls das volle Potential der Vorlage aus. Zwar wird das Abenteuer des Rächers optisch hervorragend eingefangen und auch die Synchronisation könnte wohl nicht besser sein, allerdings stoßen zwei Aspekte ziemlich sauer auf. Gerade die mangelnde Abwechslung sticht besonders hervor, denn auf Dauer werden selbst die etwas anspruchsvolleren Kämpfe zäh. Darüber hinaus sollte man ohne Serien- bzw. Manga-Kenntnisse nicht an diesen Titel herantreten, denn dafür wird die Geschichte einfach zu schnell und undurchsichtig abgehandelt. Fans der Vorlage, die so oder so zur hauptsächlich angepeilten Zielgruppe gehören, können darüber aber getrost hinwegsehen und freuen sich auf ein wahres Schlachtfest mit dem Afro Samurai. Den Vollpreis sollte man meiner Meinung nach dafür aber nicht bezahlen, Gebrauchtkauf oder Videothekenausleihe reichen für die relativ kurze Spielzeit von sechs bis sieben Stunden vollkommen aus.
Bewertung
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Kommentare (17)
Werner Stelzenpop
Cabal2k
Ich hatte gehofft es ist nur bei der Demo und nun das....sowas verdirbt mir alles und führt dazu das ich mir das Spiel, was mir eigentlich ganz gut gefallen hat, noch nichtmal als Budget zulegen werde. Selbst Schuld Namco!
Wie kann man als Entwickler so dumm sein und sowas nicht einbauen, als wenn das ein Aufwand wäre...
IM Carlos
Dominic Santiago
paramedic1806
pb2007
Slipknot666
Spielereins
DonTino
chiefrebelangel
ich kaufs mir und hab meinen spaß und paar nette GS :D