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Aggressive Inline

Donnerstag, 30. August 2007
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12:02 Uhr - Wenn es nach den Entwicklern von Neversoft gehen würde, dann wäre im Lexikon direkt neben dem Suchbegriff "Funsport" ein großes Bild von Tony Hawk abgebildet. Aber wie es bei Lexika nun einmal so ist: Informationen veralten und so dürften die Herausgeber bei einer neuen Auflage des Sachbuches seit dem Erscheinen von Aggressive Inline von den Z-Axis-Entwicklern kräftig überlegen, ob das triumphierende Grinsen eines Tony Hawks zumindest bis zum Erscheinen seines vierten Auftritts durch Bilder aus einem anderen Spiel ersetzt werden muss. Klammheimlich hat sich nämlich Aggressive Inline in die Szeneläden geschlichen und wo gestern noch das Skateboard Mittel zum spaßigen Zweck war, hat man die Old Skool-Bretter kurzerhand gegen moderne Inline-Skates ausgetauscht.

Da es auch bei diesem Test für Phrasen wie "verglichen mit Tony Hawk" und "aber bei Tony Hawk war alles anders" keine zusätzlichen Ovationen gibt, sollte man Taig Khris und seinen Inline-Kollegen die Möglichkeit einräumen, erst einmal ohne Tony Hawk das Können unter Beweis zu stellen, natürlich darf ein abschließender Vergleich am Ende des Spieletests aber nicht fehlen. Und eins sei vorweg gesagt: Aggressive Inline bietet jede Menge Stoff, über den geredet werden muss, denn lange stand Tony Hawk an einsamer Spitze und war sich sicher, den Genre-Thron so schnell nicht wieder hergeben zu müssen. Auch wenn es letztendlich eine Entscheidung für die ein oder andere Trendsportart ist: Aggressive Inline hat das nötige Potential, um sich ganz nach oben zu bladen. Rollerblades an, Helm auf und ab ins Vergnügen.

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Dass hier kein gemütliches Strategiespiel und auch kein kindliches Jump´n´Run zur Debatte steht, wird bereits im Intro klar. Wie man es bei dieser Art Spiele gewohnt ist, wird der Reigen durch einen guten Mix aus faboulöser Action und überzeugenden Punkrock-Klängen eingeleitet. Dass selbst die schlechtesten Spiele sich bei Intros nicht immer schwer tun, ist seit langem bekannt und so fiebern wir den actionreichen Auftritten der Inline-Skaterhelden entgegen, die dann vollends von der Qualität des Spiels überzeugen. Schon das Hauptmenü kann Punkte sammeln. Mit klaren Konturen, einer hervorragenden Übersicht und stylishem Graffiti-Ambiente wird höchstens der verirrte Zocker im Nadelstreifen-Anzug abgeschreckt, alle anderen fühlen sich sofort wie zu Hause. Vergessen ist, dass man auf Rollerblades im richtigen Leben gerade einmal normal fahren kann (wenn überhaupt), dass man bei jedem Sprung, der höher als ein paar Zentimeter ist, seine Krankenversicherung hervorragend ausnutzen würde und dass man eher den Weltrekord im Pullover Stricken schlägt als auf Inlinern waghalsige Stunts zu demonstrieren.

Sechs Auswahlmöglichkeiten stehen dem GameCube-Besitzer (als auch Xbox- und PS2-Fetischisten, die ebenfalls mit Versionen bedacht wurden) zur Verfügung, als da wären die obligatorischen Optionen, ein Park-Editor, der Multiplayer-Bereich, das Zeitrennen, der Freeskate-Modus und der alles entscheidende Karriere-Modus. Die Optionen kann man erst einmal getrost ignorieren, da die Steuerung von Anfang an überzeugend konfiguriert ist, es am Sound nichts zu bemängeln gibt und - so hoch der Respekt gegenüber dem Entwicklerteam auch ist - uns auch die Mitwirkenden erst einmal nicht interessieren. Freigeschaltete Cheats sind für Schattenparker und im Karriere-Modus freigeschaltete Videos müssen wir uns erst einmal hart erkämpfen. Auf den Parkeditor werfen wir einen gesonderten Blick und wozu Freiskaten, schließlich haben wir ja den Karrieremodus, wo zur Freude aller kein Zeitlimit auf den Zocker wartet.Für Leute, die gerne eine Zeittaktung im Rücken haben, wurde das Zeitrennen erfundet, wo man nur mit sich und dem Zeitlimit beschäftigt ist. Es mag der ein oder andere sicherlich Spaß mit der tickenden Uhr im Rücken haben, "meinereiner" zieht den Karrieremodus vor, denn hier kann man auftrumpfen und das ganz ohne - wenn man es sich richtig überlegt - unlogische zeitliche Einschränkung: Denn echte Inliner fahren immer... tagsüber, abends und nachts.Nachdem man aus namhaften Skatern wie Jaren Grob, Matt Lindenmuth und Chris Edwards ausgewählt hat (insgesamt gibt es 19 Skater, davon sieben, die erst freigeschaltet werden müssen und natürlich sind auch (sexy) Babes mit von der Partie), hat man die Wahl. Entweder man begibt sich ins Tutorial, wo man in kurzen Einführungsaufgaben nahezu perfekt in die Steuerung des Spiels eingeführt wird oder man betritt das Filmgelände, das erste von sieben geradezu unverschämt riesigen Arealen. Da das Behördenviertel, die Faik, der Jahrmarkt, die Thunfischfaik, der Flugplatz und das Museum für kleine Anfangerskater wie wir es derzeit noch sind Tabuzone darstellen, geht es ab ins Filmgelände, das nicht nur - wie bereits angesprochen - durch Größe, sondern auch durch Leveldesign und Liebe zum Detail vollends überzeugen kann (ebenso wie die anderen Areale, die nicht etwa nur billige Variationen, sondern vollends eigene Gebiete darstellen, von denen jedes einzelne eine Goldmedaille verdient hätte).Vieles kennt man bereits aus Tony Hawk (jetzt habe ich es doch gesagt...), aber ebenso vieles ist neu und unglaublich motivierend. Ohne Zeitdruck bladet man durch die Areale und entdeckt an jeder Ecke etwas Neues. Zahlreiche Rampen, Geländer, Laternen, Pipes und vor allem Fahrzeuge sorgen dafür, dass man nicht lange herumfahren muss, bis man die ersten Flips, Grabs, Spins und Manuals aningen kann. Während in anderen Spielen die Freude oft nur von kurzer Dauer ist, bevor man einen spielspaßhemmenden Neustart hinlegen muss, kann man sich hier erstmal in aller Ruhe umgucken und das stets passende Ambiente genießen.

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Am linken oberen Bildschirmrand findet man das Juice-Meter, das sich bei namensgebend saftigen Sprüngen und Grinds auffüllt, um bei blutigen Stürzen, bei denen der Pixellebenssaft fröhlich durch die Gegend spritzt, wieder zu sinken. Hat man die Anzeige ganz aufgefüllt, dann ist der Blader on Fire, was nicht nur an den lodernden Skates zu erkennen ist, sondern auch zu einem gehörigen Geschwindigkeitsschub führt. Es versteht sich von selbst, dass man dann noch höher springen und noch bessere Tricks ausführen kann. Wer es wirklich schafft, das Juice-Meter auf 0 zu befördern, der wird unsanft aus dem Areal geschmissen, aber man muss sich schon sehr anstrengen, um dieses Gefühl einmal zu erleben.

Überall in den Arealen warten Symbole darauf, die hier nicht nur Mittel zum Zweck sind, sondern sich auch dank Spielstatistikbildschirm hervorragend sammeln lassen. So finden sich unzählige grüne PowerUps, die das Juice-Meter um 50 % steigen lassen, die etwas selteneren violetten PowerUps sorgen sogar für hundertprozentige Power (Zwei weitere Gründe, warum man schon extrem untalentiert sein muss, um das Juice-Meter in den kritischen Bereich zu treiben). Wer die extrem seltenen gelben PowerUps findet, darf sich über eine dauerhaft vergrößerte Power-Anzeige freuen, womit man deutlich besser auf die Herausforderungen der späteren Level vorbereitet ist. Noch mehr anstrengen muss man sich bei der Suche nach Schlüsseln, die geheime Bereiche oder das nächste Level freischalten und wer das Spezialtrick-Item findet, bekommt für den jeweiligen Fahrer einen Spezialtrick. Von letzterem gibt es in jedem Level genau ein Item.Wer die 30 bis 60 verschiedenen Herausforderungen pro Level meistern will, muss sich nicht nur einen Teil der Aufgaben durch das Ansprechen von Leuten in den jeweiligen Bladergebieten verdienen (man erkennt diesbezüglich interessante Leute an einem Item über dem Kopf), er muss auch seine Ausgangswerte in den Kategorien Spin, Grind, Manual, Sprung, Tempo, Fakie und Wallride verbessern. Anders als bei Tony Hawk (jetzt muss der arme Kerl schon wieder vorab zum Vergleich herhalten) gilt es hier aber nicht, die Werte durch zu vergebende Punkte in die Höhe zu treiben, vielmehr darf man sich bei Aggressive Inline an einem dynamischen Eigenschaften-System erfreuen... und das ist wirklich richtig cool.Das bedeutet, dass man, wenn man etwa einen Wallride macht, Experience-Punkte für diese Eigenschaft bekommt - ganz wie man es aus Rollenspielen gewohnt ist. Wer dagegen häufig Manuals benutzt, steigert seinen Manual-Wert, Grindexperience-Punkte gibt es folgerichtig für Grinds usw. In einem schönen Übersichtsbildschirm bekommt man genau aufgelistet, wieviele Experience-Punkte man in den jeweiligen Kategorien besitzt und wie viele noch benötigt werden, um ein Level aufzusteigen. Am rechten unteren Bildschirmrand werden während des Bladens die ganze Zeit die verdienten Experience-Punkte kurz eingeblendet und das Aufsteigen in ein neues Erfahrungslevel wird auch auf dem Spielbildschirm dokumentiert. Endlich bekommt man so das Gefühl geboten, auch etwas erreicht zu haben, wenn man sich nach einiger Zeit noch keiner der noch offenstehenden Herausforderungen gewachsen fühlt. Es versteht sich von selbst, dass diese Erfahrungspunkte als auch die verschiedenen Herausforderungen mit jedem einzelnen Charakter angegangen werden müssen.Die Steuerung des Spiels ist fordernd, aber nicht schwer zu erlernen, zumal man im Tutorial an die Hand genommen und durch die Funktionen des Spiels geführt wird. Gesprungen wird mit der A-Taste, beschleunigt, indem man den linken Ministick nach vorne drückt, einen Fakie-Skate (also rückwärts fahren) macht man, indem man mit der weißen oder schwarzen Taste einmal die Richtung wechselt und dann solange mit dem Hinterkopf vorausfährt, bis man die Taste erneut betätigt. Auch Cess-Slides (um in den Fakie zu kommen) sind natürlich möglich. Der rechte Ministick dient dazu, sich in der Umgebung umzuschauen, um teilweise gut versteckte Items zu sichten.Die verschiedenen Spins, Grabs, Flips und Manuals kann man sich jederzeit im Spiel anzeigen lassen und somit sollte das Erlernen der Wichtigsten auch für niemanden ein Problem darstellen. Wer sich am Anfang häufiger darüber ärgert, dass er vor allem bei Manuals auf die Skater-Nase fällt, sollte nicht vergessen, dass das Manual-Level des Fahrers noch sehr niedrig und dementsprechend die Balance nicht sonderlich gut ist. Für zusätzlichen Unterhaltungseffekt sorgen neben den Standardtricks auch Pole Spins, bei denen man sich durch Drücken der B-Taste an verschiedene Stangen (sowohl horizontaler als auch vertikaler Natur) hängen und fröhlich um selbige drehen kann. Auch das Anhängen an Fahrzeuge (Skitchen) ist richtig nett und darf gerne für eigene Stunts und Aktionen missaucht werden. Eine "Bitte nicht nachmachen"-Warnung bleibt glücklicherweise aus.

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Die grafische Präsentation des Spiels unterscheidet sich im Vergleich zur Xbox-Variante nur minimal, darf aber Pluspunkte im Vergleich zur PS2-Version für sich verbuchen, auch wenn sich die Grafik der beiden Versionen nicht in völlig anderen Sphären abspielt. Dennoch - sie ist schärfer und bietet deutlich prägnantere Farben. Slowdowns sucht man bei dem Spiel vergeblich und so darf man sich mit konstant hohen Frameraten auch ins wildeste Bildschirmspektakel stürzen. Die Animationen sind allesamt sehr überzeugend und wenn man vor lauter Enthusiasmus mal unsanft von einem Bus angefahren wird, dann fühlt man dermaßen mit, dass man in Gedanken schon einmal die Telefonnummer der Unfallklinik wählt.

In der Anleitung des Spiels sind Bilder der besten Inline-Skater abgebildet und da man diese im Spiel wiederfindet, darf man gerne Original mit Spielfigur vergleichen. Die Skater wurden sehr unterschiedlich entworfen und überzeugen auf ganzer Linie und da man sich bei den Entwicklern noch rechtzeitig der Erfolgsformel "Sex sells" erinnert hat, hat man auch an Girlies im Minirock seinen Spaß. Auch wenn man von den Gesichtern der Protagonisten im Spiel recht wenig zu sehen bekommt, die Gesichtszüge sind ebenfalls auf recht hohem Niveau angesiedelt.Beim Sound hat man musikalisch auf Altbewährtes gesetzt und so darf man zu Beats von Student Rick, P.O.D, Hoobastank, Sublime, The Ataris, Eric B. & Rakim, Saliva, Reel Big Fish, Pharcyde, The Vandals, Black Sheep und Boy Hits Car (welch passender Name!) die Szenewelt so richtig rocken. Die nicht allzu häufig eingesetzten Stimmen der Charaktere sind lustig und wer damit anfängt, nichtsahnende Passanten mit den Blades über den Haufen zu fahren, der darf sich schon einmal "You Asshole" oder ähnlich charmante Bemerkungen anhören.Das Spiel kann machen, was es will... Es ist ein Singleplayer-Game. Der Multiplayer-Part ist nicht wirklich berauschend und kann trotz verschiedener Spielchen wie "Wer die meisten Punkte hat, gewinnt" oder "Rette als Feuerwehrmann kleine Tiere" keinen Kauf rechtfertigen - ist aber auch angesichts des gigantischen Soloparts nicht wirklich nötig.

Die künstlerische Ader: Der Park Editor

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Wem die riesigen Areale des Spiels noch nicht reichen, kann selbst zum Szenearchitekten werden und im Parkeditor eigene Areale erstellen - wobei das Wort Areal hier schon deutlich übertrieben ist, denn in den insgesamt vier Gebieten, in denen man aktiv werden darf (Flugzeughalle, Lokschuppen, Fun-House und Lagerhaus) ist die kreative Schöpfungsmöglichkeit dank sehr kleiner Bauflächen doch stark eingeschränkt.

Am oberen Rand des Bildschirms wird nach Wahl des Skaters und des Areals eine Werkzeugleiste eingeblendet, in der man schon sieht, dass man hier fast alles verbauen darf, was auch in den Arealen des eigentlichen Spiels Platz gefunden hat und so muss man selbst entscheiden, wo die verschiedenen Rampen und Geländer stehen, darf Quarter Bowls setzen, den Startpunkt des Skaters festlegen und Pipes bauen. Alle Bauelemente stehen dabei in unterschiedlichen Größen zur Verfügung und können natürlich auch um die eigene Achse gedreht werden. Bauteile lassen sich jederzeit wieder entfernen und wer hoch hinaus will, kann das Gelände mittels Geländewerkzeug dementsprechend anpassen.Nach vollrichteter Arbeit steht einem Testlauf in der Eigenkreation nichts mehr im Weg, richtige Atmosphäre will hier aber nicht aufkommen. Wer will kann jetzt das ganze Kunstwerk noch auf Memory Card bannen, prinzipiell gilt beim Parkeditor aber: Nettes Gimmick, das man sich auch hätte schenken können.Als anfänglicher Fan der Tony Hawk Serie haben es die Entwickler Z-Axis endlich einmal geschafft, die Tony-Serie qualitativ zu erreichen oder für meinen Geschmack sogar zu übertrumpfen. Aggressive Inline macht nämlich eine Menge Spaß und bietet dazu noch einen krachenden Soundtrack sowie sieben riesige Areale die mit allen möglichen Aufgaben bespickt sind. Das Missionsdesign unterscheidet sich dabei sehr.Vor allem das nicht vorhandene Zeitlimit und die Charakterverbesserung sind Dinge, denen Aggressive Inline der Tony Hawk Serie voraus ist. Optisch lässt sich das Spiel als gelungen bezeichnen, obwohl mehr aus dem GameCube herauszuholen ist. Leider verfügt das Spiel über so einige Bugs und auf der Memory Card müssen zudem 57 Blöcke frei sein, um seinen Spielstand zu sichern. Doch Aggressive Inline ist mehr als nur eine Alternative zu Tony Hawk, denn es spielt mit ihm auf einer Wellenlänge und ist somit nicht nur für Trendsport-Fans zu empfehlen.

Bewertung

Aggressive Inline gcn

0/10

 

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