Alan Wake: The Signal
22:49 Uhr - Es ist im Fernsehen keine Selbstverständlichkeit, dass eine Serie trotz enttäuschender Einschaltquoten nach der ersten Staffel doch noch fortgesetzt wird. Stromberg sei mal als einer der wenigen Fälle genannt, bei denen es tatsächlich so gelaufen ist. Alan Wake, das sich einer "TV-Serien"-typischen Präsentationsstruktur bedient, hatte allerdings sowieso einen Freifahrtschein: Dass weitere DLC-Episoden folgen würden, war schon vor Release beschlossene Sache. Zum Glück, denn die erste Downloadfolge ist richtig gut geworden!
Das Auge guckt mit
"Previously on Alan Wake" - Auch die erste Spezialepisode des Spiels begrüßt euch ab dem 27.07. (offizieller Releasetermin für Normalsterbliche) mit einer kurzen Zusammenfassung der jüngsten Geschehnisse in der mysteriösen Geschichte rund um den Autoren mit Schreibblockade, seine Frau Alice und die nicht ganz so koschere Stadt Bright Falls. Da wir inzwischen aber schon wissen, dass Alan in Wirklichkeit ganz tief in einem dunklen Strudel, am Grunde eines verwunschenen Sees steckt, der von einer fiesen Hexe beherrscht wird, gibt es für Remedy in The Signal keinen Grund mehr, das Tempo niedrig zu halten und die surreale Traumkarte nicht komplett auszuspielen. Sie brauchen uns nicht mehr mühseelig zu täuschen versuchen. Wir befinden uns zum Zeitpunkt des DLCs komplett in einer fiktiven Welt, die von Alan Wakes kreativem Verstand gepaart mit böser Magie materialisiert wird und aus der er sich zu befreien versucht, um einen Ausweg zu finden, der seine geliebte Frau nicht wieder zurück ins Dunkle schickt. Letzteres wäre ja blöd, sonst hätte Alan sich nämlich am Ende des Hauptspiels umsonst für sie eingetauscht und er hätte gar nicht erst wieder ins Reich des Bösen eintauchen müssen. Was die storytechnische Ausgangssituation von The Signal so interessant macht ist die Tatsache, dass Bright Falls in dieser Episode von Anfang bis Ende eine richtig surreale Kulisse darstellt. Die Welt scheint auseinanderzubrechen, was anhand einiger spektakulärer Scriptsequenzen zur Schau gestellt wird, welche passend zum kurz bevor stehenden Kinostart an die (bereits im Trailer zu sehenden) einbröckelnden Traumwelten eines Inception erinnern. Bekannte Orte finden sich plötzlich an verkehrten Stellen wieder, andere Charaktere trifft man nur noch in Geisterform und Munition findet man vorwiegend in geschriebener Form, welche man per Taschenlampe erst noch in greifbare Objekte verwandeln muss. Mancherorts manipuliert man mit der Leuchte auch gleich die Spielwelt selbst, so wie man es am Ende des Hauptspiels ebenfalls schon erleben durfte. Und obwohl man weiß, dass die surrealen Kulissen von The Signal alle dem außer Kontrolle geratenen Hirn Wakes entspringen, so steht man im DLC doch noch viel mehr unter Spannung, als im ganzen Hauptspiel zuvor. Schuld daran ist Alans Gegenspieler: Er selbst. Eine besessene, böse Form des Schriftstellers verfolgt ihn auf Schritt und Tritt, um sich auf gruseligen Fernsehgeräten zu zeigen, die meistens Augäpfel auf der Mattscheibe flimmern lassen, welche sich hektisch hin und her bewegen. Man kauft der Zusatzepisode den Kampf ihres Protagonisten gegen sich selbst wirklich ab, da er so spannend und Albtraum-artig inszeniert wurde. Schon alleine wegen der höchst gelungenen Story-Forführung dürfte The Signal also ein Pflichtdownload für alle "Alan Wake"-Fans sein.
Alan fackelt nicht lange
Selbst was die Kämpfe angeht, fühlt sich The Signal wie eine Formvollendung des repetitiven Effektfeuerwerks aus dem Hauptspiel an. Die neue Episode konzentriert sich zwar über weite Strecken darauf, ganz ohne Gegner ihre kleine Geschichte zu entfalten und sehr viel Atmosphäre aufzubauen, wenn es dann aber mal zu größeren Kämpfen kommt, bietet sie diese in vorher noch nicht erlebten Konstellationen, die selbst Vollprofis einiges an Können abverlangen. Da wäre als Beispiel der Fight gegen eine Horde der Schattenwesen in einem großen Keller voller Öfen genannt, die bei Beschuss riesige Flammen ausspucken und damit sowohl als mächtige Waffe dienen, als auch eine Gefahr für Alan selbst darstellen. Auf einem Schrottplatz kommt es zum Destruction Derby gegen zwei Monstertrucks und in einem größeren Waldabschnitt darf Alan eine ganze Menge getippter Schreibmaschinenwörter anleuchten, um Explosionen, Feuerwerk oder stärkere Waffen herbeizurufen. Schade nur, dass man weiterhin gegen die bekannten, langweiligen Nebelgegner antritt und natürlich auch, dass The Signal mit knapp 1 1/2 Stunden Spielzeit recht flott absolviert ist. Und das würde ich jetzt nicht so traurig als Negativpunkt anbringen, wäre der DLC nicht von Anfang bis Ende so ideenreich, atmosphärisch und auch storytechnisch spannend designt, dass er sein Hauptspiel im Grunde gerade in den Bereichen locker in die Tasche steckt, die beim original Alan Wake etwas zu schwach geraten waren. Die ganze technische Präsentation bewegt sich derweil auf dem gewohnt gelungenen Niveau des Standardgames, wobei ich auch hier die ein oder andere Verbesserung auszumachen glaube. Wie versprochen, fällt der "Uncanny Valley"-Effect im DLC komplett flach, wobei es auch gar nicht so viele Cutscenes oder andere Momente gibt, die einem einen genaueren Blick auf die Gesichtsanimationen der Protagonisten gewähren. Meiner Beobachtung zufolge ist in der neuen Episode auch kein Tearing mehr zu erkennen. Was wiederum daran liegen kann, dass sie sich jedwede Tageslichtszenen spart und die ja in Alan Wake bekanntlich hauptsächlich von dieser kleinen Macke befallen sind. So oder so wirkt The Signal grafisch absolut rund und auf Vollpreisniveau, manch eine kleine Schwäche des Hauptspiels ist zudem sogar, wie gesagt, nicht mehr erkennbar auszumachen. Für den stimmungsvollen Sound des Spiels gilt selbiges und der DLC kommt sogar komplett übersetzt auf Deutsch lokalisiert auf eure Xbox 360. Diesbezüglich ist gleich Entwarnung zu geben: Habe ich bei der ursprünglichen Vollversion noch Kritik an der deutschen Synchro geäußert, vor allem weil ich die merkwürdige Betonung der Sprecher von Alice sowie einigen anderen Nebencharakteren schrecklich fand und die Lippensynchronität sowieso unter aller Geisterkanone war, fällt die Lokalisierung beim DLC nun vom rein subjektiven Eindruck her gelungener aus. Im Grunde sprechen fast nur Alan Wake und sein Autorenkollege Thomas Zane, die beide schon immer ganz ordentlich vertont wurden und mir im DLC nun zu keiner Sekunde mehr negativ aufgefallen sind. Ganz im Gegenteil zu den meiner Meinung nach atmosphärestörenden Sammelgegenständen. Dieses Mal sind es Wecker und im Gegensatz zu den blinkenden Thermoskannen ticken die auch noch hörbar vor sich hin...
Pro und Contra
- + Schließt nahtlos an Alan Wakes Cliffhanger an
- + Bright Falls so surreal wie nie
- + Tearing nicht mehr zu erkennen
- + Originelle neue Kampfsituationen
- + Für viele `Alan Wake`-Käufer kostenlos
- + DLC komplett deutsch synchronisiert
- + 250 frische Gamerscorepunkte
- + Spannender, straffer, ideenreicher als das Hauptspiel!
- - Endet aber selber ohne echten Abschluss
- - Kaum neue Cutscenes
- - Keine Tagesszenen mehr
- - Gegen dieselben Standardgegner wie immer
- - Ansonsten 560 MSP für 1 1/2 Std. Spielzeit
- - Sammelgegenstände machen jetzt Geräusche
Remedy sind endlich aufgewacht
Nur 1 1/2 Stunden - Viel mehr negatives gibt es über The Signal nicht zu sagen. In der Tat wirkt die erste DLC-Episode zu Alan Wake so, als haben Remedy damit noch einmal zeigen wollen, was aus ihrem jüngsten Spiel hätte werden können, wenn sie nicht den Großteil der Entwicklungszeit mit einem Sandboxkonzept verplempert hätten, das dann in kürzester Zeit zu einem geradlinigen Spiel umgemogelt werden musste. Behaupte ich jetzt einfach mal. Natürlich ist das Hauptspiel ein sehr gelungenes Mysterie-Erlebnis mit effektreichen Kämpfen und spannender Story geworden. Trotzdem habe ich mich immer wieder gefragt, ob Alan Wake ohne die vielen Leerlauf-Abschnitte und mit einer noch surrealeren Erzählweise nicht doch viel mehr Wirkung auf mich gehabt hätte. Diese Frage wurde nun beantwortet, denn genau diese Punkte beherzigt The Signal und deswegen ist es für mich einer der besten... wenn nicht DER beste Part des bisherigen Spiels. Vor allem ist es cool, zu sehen, dass die unvollendete Story des Hauptgames so interessant und atmosphärisch weitererzält wird, als wäre die Erweiterung ein homogener Teil des Ganzen. Kurz, verdammt viel zu kurz, ja. 560 MS Points bzw. sieben Euro wären für mich bei der Länge eigentlich schon arg an der Schmerzgrenze. Aber dafür kriegt man eben auch sehr tolle Qualität und hohen Unterhaltungswert geboten, das sollte es einem vielleicht dann doch Wert sein (speziell angesichts all der sinnlosen Avatar-Gegenstände, überteuerten Ingame-Items, usw..., die wir uns fast alle schon für viel mehr Geld geleistet haben...). Zudem: Für alle Frühkäufer und `Special Edition`-Besitzer von Alan Wake gibt es The Signal bekanntlich gleich kostenlos! Erst für die zweite Bonus-Episode The Writer müssen wir dann wirklich alle unsere 560 MS Points zahlen. Sollte die nächste Expansion ebenso stark werden wie der erste DLC, bringe ich Alan Wakes unmittelbare Story-Fortsetzung allerdings trotzdem mit Freude zu ihrem Abschluss. Denn das müsste dann eigentlich ein ganz großes Spektakel werden, welches Alan Wake insgesamt in meiner Erinnerung noch einmal enorm aufwerten könnte.
Selbstredend vorausgesetzt: Das Originalspiel
"Alan Wake: Autor. Schreibblockade seit mehr als zwei Jahren. Thermoskannensammler. Verheiratet mit Frau Alice, verschwunden. - Die nüchternen Fakten klingen so schon recht mysteriös, dabei erwähnen sie noch nicht einmal die unheimliche Spielwelt von Remedys neustem, seit Ewigkeiten in Entwicklung befindlichem und nun endlich fertig gewordenem Spieleprojekt. Zwar bleibt das größte Rätsel nach dessen Abspann eigentlich, weswegen die Finnen für das gebotene Ergebnis so verdammt lange gebraucht haben, ich verrate euch nun aber immerhin, warum speziell Gruselfans und Freunde spannender Storys trotzdem nicht enttäuscht sein werden." - Weiter geht's in unserem Test zum Hauptspiel "Alan Wake"!
Bewertung
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Kommentare (46)
agaso
Krampus
Daniel Pook
Immer gerne! Was ich vielleicht zu erwähnen vergessen habe: Offiziell erscheint der DLC am 27., wenn ich mich nicht irre.
Krampus
Daniel Pook
Krampus
agaso
Hm, verdammt, dann muss ich ja noch bis morgen warten... Aber morgen kommen Mulholland Drive und Lost Highway an. Man, ist das bescheuert. Und Mittwoch ist Inception Mittwoch.
Daniel Pook
Ist der erste DLC. :) Und ja, spiel lieber erst mal Alan Wake durch und lies dann erst den Artikel hier. Er steckt voller Spoiler (bitte nicht beschweren, das dürfte ja eh klar sein).
@agaso
Morgen kommt auch StarCraft II!!! :)
Krampus
Blutengel2002