Aliens vs. Predator
16:35 Uhr - Im neuen Aliens vs. Predator geht man - wie bereits in den beiden Vorgängerspielen - gleich dreifach auf die Jagd: als Marine, Alien und schließlich Predator. Ob sich diese Teile zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen, welche Herausforderungen euch sowohl in der Kampagne als auch im Mehrspielermodus erwarten und für wen sich der Import aus dem Umland vor allem auszahlt, erklärt euch der folgende Testbericht.
Der Marine, ...
Ich habe zwar Rebellions erstes „Aliens vs. Predator“-Game (trotz mittlerweile spotthaft günstiger Steam-Fassung) nie gespielt, bin aber dank diversen Filme sowie dem zweiten Shooter von Monolith durchaus vorbelastet. Daher war meine Erwartungshaltung an die Marine-Kampagne, die vorgeschlagene, aber nicht gezwungenermaßen erste des Spiels, überschaubar: dunkle Räume, in Lüftungsschächten herumkrabbelnde Aliens und ein vor sich herumpiepender Motion Tracker sollten für ein spannendes Shooter-Erlebnis sorgen. Und genau das wird mir in der ersten Hälfte auch geboten. Anfangs nur mit einer Pistole, Taschenlampe und besagtem Bewegungserkenner bewaffnet - wohlwissend, dass diese Ausrüstung niemals für das Bevorstehende ausreicht - schleicht man sich durch die verwinkelten und nur selten von Licht durchfluteten Gänge einer Anlage. Blaue Punkte auf dem Radar kommen und gehen, immer wieder dringen besorgniserregende Geräusche aus den dunkelsten Ecken hervor. Mit dem wortwörtlichen Anstürmen des ersten Monsters und dem darauf folgenden Kampf erreicht der Spannungsbogen dann leider auch schon seinen Höhepunkt, und wird nur noch selten durch spezielle Scriptevents kurzzeitig wieder angespannt. Etwa dann, wenn sich auf dem Bewegungssensor eine kleine Armee von Monstern ankündigt und dem automatischen MG, welches eigentlich den Großteil der Gegnerschar auslöschen sollte, urplötzlich die Munition ausgeht! Oder als man sich mit vorgehaltenem Maschinengewehr durch eine üppige Dschungellandschaft pirscht und in den Baumwipfeln einen längst auf der Lauer liegenden Predator zwar hört, ihn aber nicht sieht. Ich will euch allerdings nicht zu viel vorwegnehmen...
Einen wesentlichen Beitrag zur teilweise phänomenal dichten Atmosphäre trägt vor allem der hervorragend gemischte 5.1-Sound, der bei entsprechender Anlage klar und deutlich macht, aus welcher Richtung Gefahr droht. Leider hinken Sprachausgabe, egal ob in Deutsch oder Englisch, als auch die musikalische Untermalung deutlich hinterher. Dafür überzeugen Waffengeräusche sowie diverse Soundeffekte, z.B. die letzten, quälenden Schreie eines Aliens. Als zweischneidig ist auch die grafische Präsentation zu bezeichnen. Unterstützen die gelungenen Licht- und Schatteneffekte noch den Gänsehautmarsch durch die industriell wirkenden Gänge, so machen sich zahlreiche unscharfe Texturen vor allem in den eher helleren Abschnitten bemerkbar. Das ist vorrangig ein Problem der beiden Konsolenversionen - auf einem gut bestückten PC, der am besten auch "DirectX 11"-Fähigkeit mitbringt, wirkt alles wesentlich schärfer und somit schicker.
... das Alien, ...
Nach etwa dreieinhalb Stunden ist der Ausflug mit dem Marine dann auch schon beendet, und damit ebenfalls der herkömmliche Shooter-Part von Aliens vs. Predator. Als nächstes schlüpfen wir in die glitschige Haut eines Aliens. Leider dürfen wir die brutale „Geburt“ aus einem Menschenleib dieses Mal nicht selbst miterleben, dafür aber die Flucht aus einem Forschungslabor. Bereits ab der ersten Sekunde werden die wesentlichen Unterschiede deutlich: als Alien bewegt man sich wesentlich schneller, krabbelt an Wänden bzw. Decken entlang und erledigt seine Beute in guter alter Hand- oder Schwanzarbeit. Letzteres hört sich zugegebenermaßen recht seltsam an. Der Vorgang ist allerdings einfach: auf Knopfdruck durchstößt unser außerirdischer Freund seine Widersacher mit dem spitzen Ende seines Hinterteils. Das klappt vor allem dann gut, wenn wir uns unbemerkt an Marines und dergleichen anschleichen. Auf Stealth-Gameplay ist dieser Part des Spiels dabei so oder so ausgelegt, meist agiert man aus dem Schatten heraus, nützt schmale Schächte um voranzukommen und schmeißt sich von der Decke auf unwissende Gewehrträger hinunter. Meist endet eine Auseinandersetzung dann mit einem der äußerst brutalen Finishing-Moves, welche verdeutlichen, warum Publisher SEGA erst gar nicht versucht hat, Aliens vs. Predator in Deutschland zu veröffentlichen. Hier beobachten wir quasi aus dem Rachen des Aliens heraus, wie sich seine scharfen Zähne in das Gesicht eines Menschen hineinbohren, oder wie ihm von hinten das Genick gebrochen wird. An solchen Animationen mangelt es dem Spiel keinesfalls, der Großteil setzt dabei auf regen Bluteinsatz. Jetzt könnte man sich natürlich wieder einmal fragen, ob das alles denn notwendig ist. Machen wir aber nicht, sondern lassen euren persönlichen Geschmack entscheiden.
Keine Geschmacksache, stattdessen höchst unpräzise und schwammig, ist die Kontrolle eines Aliens. Gerade die Krabbelei an Decken und Wänden klappt nicht immer so flüssig, wie man es gerne hätte und führt, gerade auf höheren Schwierigkeitsgraden (die aus der Marine-Kampagne übrigens ein deutlich spannenderes Erlebnis machen), zu dem einen oder anderen ärgerlichen Ableben. Erzfeinde von Freizeitparks im Allgemeinen und Achterbahnen im Speziellen fühlen sich an dieser Stelle übrigens gewarnt, denn als flinkes Alien an Wänden entlang zu klettern erinnert teilweise frappierend an die Wagonfahrten auf Schienen. Die dunklere, gefühlsmäßig eher verschwommene Sicht des Aliens macht die Sache nicht gerade besser.
... der Predator ...
Den letzten Teil des Singleplayer-Erlebnisses von Aliens vs. Predator bestreiten wir natürlich mit einem Predator. Dieser ist am ehesten als Hybrid aus den beiden vorangegangenen Kapiteln zu bezeichnen, müssen wir uns doch wieder auf viele Stealth-Elemente einlassen, während Steuerung und Perspektive eher den Menschen angeglichen sind. Nur, dass wir keinerlei Kanone, sondern zwei Wolverine-artige Klauen mit uns herumschleppen. Selbige dienen natürlich nicht der Dekoration, sondern dem gepflegten Durchstechen von Mägen und Auseinanderreißen der platten Alienköpfe. Ja, auch hier geht es unter Gore-Gesichtspunkten wieder ordentlich zur Sache... Vorrangig allerdings in uralten Tempeln und dem tiefsten Urwald, wo man sich auf Bäumen verstecken und dank Unsichtbarkeit seinen potentiellen Opfern auflauern kann. Macht man sich kurz bemerkbar, verschwindet danach jedoch wieder, kann man unter anderem hören, wie Marines von Angst gepeinigt um sich schießen und ängstlich um Hilfe schreien. In der Haut des Predators fühlt es sich also genauso befriedigen an wie in der des Aliens - sofern man endlich die Steuerung beherrscht. Selbige stellt bei diesem Zeitgenossen allerdings kein derart großes Hindernis dar. Was übrigens alle drei Rassen gemeinsam haben, ist ein schwacher Spannungsbogen sowie die Abwesenheit einer tollen Rahmenhandlung. Irgendwie latscht man in den meist schlauchförmigen Level einfach nur dem Ende entgegen, aus welchem Grund oder mit welcher Motivation das eigentlich geschieht, ist eher Nebensache. Aber gut, vielleicht haben sich Rebellion ja einfach nur an den schwachen Filmvorlagen der letzten Jahre orientiert.
Oder aber man hatte schlichtweg keine Zeit für eine fesselnde Geschichte, denn die Entwickler scheinen gerade dem Mehrspielermodus eine besondere Zuwendung geschenkt zu haben. Angefangen mit den herkömmlichen Spielvarianten Deathmatch und Teamdeathmatch, in denen alle drei Rassen gegeneinander antreten und ihre jeweiligen Spezialfähigkeiten auch hier einsetzen können. Angst vor Balancing-Problemen muss man dabei zum Glück nicht haben: jede Rasse kann jede andere besiegen, es kommt voll auf die Fähigkeit des Spielers an. Wesentlich spaßiger und origineller ist da schon „Infestation“. Hier startet ein Teilnehmer als Alien und versucht, nach und nach immer mehr Marines in seinesgleichen zu verwandeln. Wer als letztes noch mit einem Gewehr fest auf dem Boden steht, gewinnt. In „Predator Hunt“ schlüpft immer ein Spieler in die Rolle des unsichtbaren Jägers und sorgt unter den restlichen Menschen für Angstschweiß. Geradezu konventionell ist dagegen die Checkpoint-Hatz „Domination“, und natürlich geht auch Aliens vs. Predator mit der Shooter-Zeit und bietet mit „Survivor“ einen eigenen Horde-Modus, in dem zwei Karten ausgewählt werden können, die an den spannenden ersten Teil der Marine-Kampagne erinnern.
Pro und Contra
- + (besonders anfangs) düstere Atmosphäre
- + dreigeteilte Kampagne
- + spaßiger Mehrspielermodus
- + gelungene Licht- & Schatteneffekte
- + viele gute Ideen
- - Steuerung (als Alien) umständlich
- - kurze Spieldauer im Singleplayer
- - erzählerische Schwächen
- - matschige Texturen (Konsolen + schwacher PC)
- - repetitive Level
... und ich? Find's spitze!
Alles in allem ist das neue Aliens vs. Predator vor allem eines: solide. Die erste Hälfte des Marine-Abschnitts ist hochgradig spannend und überrascht auch grafisch, danach fällt die Qualität durch einen Wechsel der Location allerdings ab. In der Alien-Kampagne findet sich zwar ein Haufen hervorragender Ideen, dafür vermiest die ungenaue Steuerung das Spielvergnügen. Und hat man sich dann erst einmal an selbige gewöhnt, ist das Abenteuer in der Haut des Xenomorphs auch schon fast wieder zuende. Ihr merkt schon: es ist ein ständiges Auf und Ab, welches Rebellion hier auftischt. Schade, das gerade der Einzelspielerpart unter so vielen Macken leidet: ein langweiliger Handlungsstrang, sich ständig wiederholende Örtlichkeiten sowie eine viel zu kurze Spielzeit. Dass der Mehrspielermodus durchweg gelungen ist, stellt fast schon eine kleine Tragödie dar, denn mal ehrlich: wie viele Spieler werden sich hier, im Vergleich zu Modern Warfare, Halo oder Battlefield, dauerhaft einquartieren? Dabei hätte er es redlich verdient. Daher trotzdem mein Tipp für den nächsten Serienableger, der sich höchstwahrscheinlich wieder keine Hoffnungen auf einen Deutschlandrelease machen darf: mehr Konzentration auf die Story und das allgemeine Single-Player-Erlebnis sowie eine einwandfreie Steuerung. Dann klappt‘s auch mit der hohen Wertung am Ende. Trotzdem würde ich den Titeln nicht nur Fans des Franchises empfehlen, sondern jedem importbereiten Shooter-Fan. Die Xenomorphs versprühen eben immer noch ihren ganz eigenen Charme.
Kein Release in Deutschland
Sega kündigte als Publisher von Aliens vs. Predator schon mehrere Monate vor Verkaufsstart die Entscheidung an, erst gar keinen Deutschlandrelease durchzuführen. Als Begründung wurde weniger überraschend angegeben, dass man von Kürzungen hierzulande absehen wolle und den neusten Teil der traditionell brutalen Actiongame-Serie so niemals hätte durch die USK bringen können. Beim (Import-)Händler eures Vertrauens sollte der Titel jedoch zumindest unterhalb der Ladentheke liegen!
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Kommentare (32)
rorschach
Schokotier
Hätte eigentlich mit einer 8/10 gerechnet...
Wo bleibt der Heavy Rain Test?? :)
GewinnerEnzym
Im Multiplayer allerdings recht gut aus den vollen schöpft und nun subjektiv (mit Fanboybonus) betrachtet, einen sehr guten Multiplayer abliefert der zwar nicht ganz mit Genregrößen mithalten kann, für Fans der Xeno´s aber genau das bietet nach was Sie dürstet.
Selbiges gilt für mich selbst...ich hab das Game und kann dem Test eigentlich nur zustimmen! Für mich als Fan der vier Alien und zwei Predatorenfilme (den AvP-Movie-Mist mal außen vorgelassen...) bietet das Spiel genau das richtige...zumindest bis evtl. n´(hoffentlich)-geil gemachtes "Colonial Marines" auf den Markt geworfen wird! :-)
Bayn
Die kampane... naja, ist gut um für denn online modus zu üben;)
Aber alles in allen habe ich auch eine 7\10 gegeben
Cabal2k
Gerade als PC User interessiert es doch ob das vielleicht DAS Spiel ist das den Kauf einer DX11 Karte rechtfertigt....
Nunja, gut das es seiten gibt die auf sowas noch eingehen und auch schön detailliert beschreiben welche Kampagne jetzt wie lang dauert.
http://www.gamers.at/articles/aliens_vs_predator-724/2/
zaziki78
Soll man Stealth benutzen muss man schliesslich fürs "Rambo sein" bestraft werden ;)
Daniel Pook
Cabal2k
Wenn ihr nicht alle Versionen testen könnt lasst einfach den Test weg und vergebt nur Wertungen für das was ihr auch gespielt habt, ist doch garnicht so schwer.
zaziki78
Wirkt ein wenig unseriös Wertungen zu vergeben, bei denen offensichtlich falsche Kritikpunkte genannt werden.
Daniel Pook