AreaGames-Hörspieletests: Far Cry, BloodRayne & Alone in the Dark
14:45 Uhr - Ob nun abstrakter Simpel-Look oder neuste State-of-the-Art-Bombast-Engine, die meisten Videospiele leben insbesondere auch zu großen Teilen von der Tatsache, dass man sie auf dem Bildschirm sehen kann. Sorry, liebe blinde Mitleser, "das ist der Wahrheit". Es steckt ja sogar im Namen der Bezeichnung drin, wie Lateinkundige Menschen gewiss bestätigen können. Man darf also durchaus skeptisch sein, wenn man zum ersten Mal von der Hörspielreihe "Videospielehelden" hört, deren erste drei Ausgaben uns die Holysoft Studios zum Rezensieren zugeschickt haben. So ganz komplett überzeugt bin ich von der CD-Serie zwar auch nach dem zweiten und dritten Hinhören nicht, trotzdem darf man sich als Fan der jeweiligen Franchises ruhig mal vorsichtig mit einem Ohr an BloodRayne, Alone in the Dark, vor allem aber Far Cry in rein gesprochener Form annähern. Wobei... spart euch BloodRayne lieber. Aber dazu unten mehr...
Bevor ich in den (außer, wenn es um Halo geht) gewohnt knallharten Kritikermodus schalte, erst einmal ein paar redlich verdiente Worte des Lobes an das Team rund um Produzent David Holy, Regisseur Björn Korthof und den Komponisten Konstantinos Kalogeropoulos sowie alle anderen an der Reihe Videospielehelden beteiligten Leute. Alles, was sich an der Hörspielserie ganz objektiv betrachten lässt, hat mir durchweg bei allen drei Episoden sehr gut gefallen. Das gilt sowohl für die eingespielte Musik als auch für das enorme Staraufgebot an Sprechern (einzig ein paar der Nebendarsteller fallen vom Betonungs-Talent her merkbar ab, aber das hält sich im Rahmen), die ihre Jobs alle hervorragend machen. Alleine schon Bruce Willis' Stimme in Far Cry oder Christian Slaters deutsche Klangpräsenz in Alone in the Dark haben dafür gesorgt, dass der Spaßfaktor bei den Hörspielen von vornherein ein gewisses Grundlevel erreicht. Ob ich hier jetzt das eine Hörspiel lieber mag als das andere und eines vielleicht überhaupt nicht, selbst beim schwächsten Teil der Reihe hätte ich insgesamt noch immer das Gefühl gehabt, dass der Aufwand und die handwerkliche Qualität der Hörspielproduktion den Kaufpreis um die €10 herum (je nachdem wo man einkauft) auf jeden Fall rechtfertigen können. Das sei deswegen so explizit vorab gesagt, da dies auf alle drei hier getesteten Hörspiele zutrifft und ich mich in den folgenden Fazits lieber weitesgehend auf die subjektiven Eindrücke von der jeweiligen Episode beschränken möchte. Weiter kann man über alle drei sagen, dass sie genau genommen nicht wirklich Adaptionen von Videospielen darstellen. Sowohl Far Cry als auch Alone in the Dark und BloodRayne basieren auf den jeweiligen Lizenzfilmen von Uwe Boll, interpretieren diese jedoch im Falle des Erstgenannten gleich komplett um oder stellen im Falle der beiden danach genannten Sequelstorys zu den Boll-Erstlingen (sowohl zu Alone in the Dark als auch zu BloodRayne gab es "Direct-to-Video"-Nachfolger, welche hier aber keine Rolle spielen) dar.
Kommen wir also nun zu den eigentlichen Tests von mir als Spieleredakteur (!), der im Allgemeinen gar nicht viel mit Hörspielen am Hut hat und seine Eindrücke deswegen auch ganz klar als die eines reinen Spielefreaks verstanden haben möchte, der aufgrund der klangvollen Namen auf den Covers spontan im CD-Regal zugegriffen hat.
Far Cry
Worum geht's? - "Es sollte ein ganz normaler Auftrag werden. Eine heiße Blondine chartert mein Boot und will abgelegene Inseln mitten in der Karibik erforschen. Leicht verdientes Geld also. Nichts lieber als das, Baby. Aber als mir eine Langstreckenrakete mein Boot unterm Hintern wegsprengt und ich auf einer dieser Inseln lande, ist Schluss mit Lustig. Ich bin sauer. Stinksauer! Und irgendjemand wird mir dafür Rechenschaft schuldig sein! Ich habe keine gute Laune..." - So schildert Hauptdarsteller Jack Carver eine kurze Zusammenfassung der Handlung des "Far Cry"-Hörspiels und man muss schon sagen... der Mann hätte eventuell doch lieber Schriftsteller werden sollen. Ist nicht so gefährlich und ein gewisses Schreibtalent scheint er durchaus zu haben. Besser hätte ich die kaum vorhandene Story seines Abenteuers jedenfalls auch nicht zusammenfassen können.
Es sprechen:
- Erzähler - Manfred Lehmann (Bruce Willis)
- Jack Carver - Thomas Nero Wollf (Hugh Jackman)
- Valerie Constantine - Claudia Urbschat-Mingues (Angelina Jolie)
- Harland Doyle - Engelbert von Nordhausen (Samuel L. Jackson)
- General - Detlef Bierstedt (George Clooney)
- Krieger - Thomas Danneberg (Arnold Schwarzenegger)
In weiteren Rollen:
- K.Dieter Klebsch (Hugh Laurie)
- Jürgen Thormann (Michael Caine)
- Lutz Riedel (Timothy Dalton)
- Gerrit Schmidt-Foss (Leonardo DiCaprio)
- Wolfgang Pampel (Harrison Ford)
- Dietmar Wunder (Daniel Craig)
- Tilo Schmitz (Michael Clarke Duncan)
- Ekkehard Belle (Steven Seagall)
- Martin Kessler (Nicolas Cage)
- Julien Haggége (Eminem)
Backstage verantwortlich:
- Buch & Produzent - David Holy
- Regie: Björn Korthof
- Musik: Konstantinos Kalogeropoulos
- Musikbearbeitung: Sven Weiß, Björn Korthof
Fazit: Schon das Inlay der CD-Hülle von Far Cry verrät, dass Abwechslung und tiefgründige Handlungsstränge wohl kaum die Stärke dieses Hörspiels sein würden. Im Gegensatz zum Cover, mit Til Schweiger (der selber zum Glück gar nicht mitspricht) samt Pistole und einigen Helikoptern, vermittelt die 68 Einträge umfassende Kapitelliste allerdings mit einem kaum zu übersehenden Schmunzeln, dass sich diese Episode der Videospielehelden eigentlich selber gar nicht so ernst nimmt. Chapter 1 trägt die Bezeichnung "Dabei fing alles so gut an...", woraufhin man 66 mal "Keine gute Laune" zu lesen bekommt, um letztendlich ein Finale namens "Echt beschissene Laune" in Aussicht gestellt zu bekommen. Heilige Scheiße, ich find's geil. Da hat jemand mal Eier gezeigt, für einen einfallsreichen Gag das Risiko einzugehen, dass irgendwelche Klugscheißer ihr Geld zurück verlangen, weil man ihnen einen vermeintlichen Fehldruck verkauft hat. Kudos dafür! Und auch sonst hat mir die erste Episode der Reihe Videospielehelden am besten gefallen, obwohl sie objektiv betrachtet die trashigste, schon von der Grundidee her bescheuerdste Ausgabe der Serie ist. Ich meine... jetzt mal ehrlich. Selbst Hardcorefans der "Far Cry"-Games haben sich doch nie im Leben auch nur einmal gedacht, dass die Shooter eine tolle Vorlage für ein Hörspiel darstellen würden. Und wer auch immer so schmerzfrei war, sich Uwe Bolls Verfilmung der Ballerspiele zu geben, wird nach dem Abspann wohl kaum gesagt haben: "Wow, ich will mehr davon! AM BESTEN ZUM ZUHÖREN!" - Genau das scheinen die Macher von Videospielehelden bei Far Cry ganz bewusst im Hinterkopf gehabt zu haben, um es auf kreative Weise in etwas positives umzuwandeln. Die zu vernachlässigende Handlung rund um Dr. Kriegers Insel der Söldner & Mutantensoldaten und Jack Carvers eher zufälliges Eintreffen auf eben dieser mal ganz beiseite geschoben, besteht das Hörspiel aus einer Aneinanderreihung von Beschreibungen, auf welche Weise Carver ein Soldatengrüppchen nach dem anderen ausschaltet, während er dabei um Coolness bemühte One-Liner ablässt. Letzteres gelingt ihm manchmal mehr und öfters mal weniger gut, weil die Sprüche meist viel zu unabgefuckt und wie vorher zurechtgelegt rüberkommen. Ein wahrer Knüller sind dagegen die vielen Gegner, die Jack Carver auf seinem Weg über Kriegers Insel stets erst mal belauscht oder in kleine Konversationen verwickelt, ehe er ihnen die Lichter ausballert. Auch wenn ich beileibe nicht alle enttarnen konnte, möchte ich fast behaupten, dass jeder einzelne von Kriegers Schergen eine Hommage an bekannte Charaktere aus Filmen, Videospielen, Comics und anderen Teilen der Popkultur darstellt. Bloß plaudern sie das nicht einfach aus. Gaststars wie das A-Team wollen von uns nerdigen Zuhörern anhand ihrer Textzeilen, leicht abgewandelten Namen oder signifikanter Merkmale ihres Äußeren, welche der Erzähler preisgibt, selbstständig erkannt werden. Und auch wenn man nicht weiß, wer jetzt gerade schon wieder parodiert wird, haben sich Produzent/Autor David Holy und Co. hier mit zahlreichen verdammt lustigen, selbstironischen und voller Anspielungen steckenden Dialogen der Söldner richtig herrlich ausgetobt. Schade, dass sich das Script des Hörspiels nicht komplett auf die Fun-Schiene begeben hat und zwischendrin etwas zu oft versucht, doch wieder ernsthaft die öde "Far Cry"-Geschichte zu erzählen.
Ist Far Cry also spannend? Nicht die Bohne. Ist es die viel zu lange Nacherzählung einer Action-Orgie mit langweiliger Story! Oooh, ja! Ist es ein besonders gutes Hörspiel, nach den Maßstäben, die ein traditioneller Hörspieletester wahrscheinlich anwenden würde? Gott, bewahre! - Aber ist es ein riesiger Spaß für alle Freaks da draußen, die ihr nutzloses Wissen über die Ikonen von Trash, Multimedia-Kultur und Geek-Universen der letzten 20 Jahre auf die Probe stellen wollen? Hell, yes!
Wertung: 7/10
Alone in the Dark
Worum geht's? - Edward Carnby ist am Ende. Zu viele Abgründe, zu viele übernatürliche und übermächtige Gegner haben ihn zerstört. Seines Lebens überdrüssig, sieht er nur noch einen endgültigen Ausweg. Doch ein blonder Todesengel reißt ihn aus seiner Lethargie und mitten hinein in ein neues Rätsel. Schattenkreaturen, seltsame Phänomene und ein alter Freund führen ihn dorthin, wohin er nie wieder gehen wollte: „Allein in die Dunkelheit...!“ - Wer Uwe Bolls Verfilmung des Horrorklassikers gesehen hat, wird sich gewiss an den mysteriösen Cliffhanger am Ende erinnern. Das Hörspiel knüpft praktisch direkt daran an und schafft es sogar ganz überzeugend, gute Gründe dafür zu finden, dass die Story rund um ein wiedererwecktes Übel aus vergangener Zeit stimmig weitererzählt und viele Verknüpfungen zu Figuren sowies Geschehnissen aus dem Boll-Streifen logisch eingebaut werden können.
Es sprechen:
- Edward Carnby - Sven Hasper (Christian Slater)
- Ellen Burke - Karen Schulz-Vobach (Tyra Banks)
- Richard Burke - Lutz Riedel (Timothy Dalton)
- Officer Schwartz - K. Dieter Klebsch (Hugh Laurie)
Backstage verantwortlich:
- Produzent: David Holy
- Buch: Manuel Diemand
- Regie und Bearbeitung: Björn Korthof
- Musik: Konstantinos Kalogeropoulos
Fazit: Im Gegensatz zum humorvoll veranlagten Far Cry versucht das Hörspiel zu Alone in the Dark eher, tatsächlich eine spannende Sequelgeschichte zum ersten AitD-Kinofilm der Boll KG zu erzählen. Über weite Strecken gelingt das auch ganz ordentlich, wenn man das Ergebnis mit dem Gedanken im Hinterkopf betrachtet, dass es sich in Sachen Anspruch und Originalität schlichtweg auf dem Level seiner Lizenzvorlage bewegt. Die nahtlose Fortsetzung von Edward Carnbys Abenteuer gestaltet sich also von Anfang bis Ende relativ vorhersehbar und ideenlos, andererseits langweilt sie aber auch nicht, weil Carnby (übrigens gesprochen von Christian Slaters Originalstimme) einfach ein total sympathischer Antiheld ist und sich auch das restliche Story-gefüge auf einem soliden Niveau bewegt, das zum "nebenbei Hören" auf einsamen Autofahrten, zum Entspannen vor dem Einschlafen oder im Hintergrund beim Arbeiten vielleicht sogar genau das Richtige ist. Was vor allem dafür gesorgt hat, dass mich die Hörspielversion von Alone in the Dark nie richtig fesseln konnte ist die Tatsache, dass es keinen echten Erzähler gibt und die Hauptfiguren deswegen sowohl in Monologen als auch miteinander ständig so reden, als müssten sie mir als Zuhörer alle möglichen Details und Gedankengänge peinlichst genau erklären. Das hat auf mich einen sehr seltsamen, unhomogenen Eindruck gemacht, der sich mit jeder weiteren Minute mehr zum Atmosphärekiller entwickelt hat.
Letztendlich ist Alone in the Dark als Hörspiel viel zu sehr an den Film geknüpft, als dass man als Gamer irgendeinen besonderen Bezug zu dessen Story aufbauen könnte. Außer dem Titel und dem Namen des Helden hat es mit den Spieleklassikern, die ich mit Alone in the Dark verbinde, rein gar nichts gemein. Als Horror- und Gruselfan hat mir die wenig subtil erzählte Geschichte genau so wenig zu bieten. Dafür sorgt alleine schon der holprige Versuch, die komplette Handlung von den Protagonisten erzählen und diese dann wiederum zu viel, zu genau erklären zu lassen. Als solide Unterhaltung zum Abschalten verrichtet Alone in the Dark aber dennoch einen guten Dienst und sollte es da draußen allen Ernstes Leute geben, die Fans von Uwe Bolls erster Verfilmung des Franchises sind, haben sie mit diesem Hörspiel ein würdiges Sequel geliefert bekommen, das die unvollendete Handlung der Vorlage stimmig zuende führt.
Wertung: 6/10
BloodRayne
Worum geht's? - Viele Jahre sind seit dem Fall der Brimstone Society vergangen, der ehemaligen Bastion gegen die Vorherrschaft der Vampire. Seitdem streift der Dhampir Rayne, halb Mensch, halb Vampir, durch das Land und bekämpft die Vampire, wo immer und wann immer sie kann. Doch unversehens taucht ein neuer Gegner auf. Noch gefährlicher als Raynes Vater und Gegenspieler Kagan, dem einstigen Vampirfürsten, kennt die Vampirin Oxana nur ein Ziel: die Herrschaft über alle Vampire der Welt zu erlangen und mit ihnen die Menschheit zu versklaven! Rayne scheint machtlos gegen diese Gegnerin, bis ein geheimnisvoller Fremder auftaucht...
Es sprechen:
- Rayne - Claudia Urbschat-Mingues (Kristanna Loken)
- Fürst Elrich - Detlef Bierstedt (George Clooney)
- Viorel - Tobias Kluckert (Tyrese Gibson)
- Oxana - Marianne Groß (Anjelica Huston)
- Feng Bao - Lutz Riedel (Timothy Dalton)
Backstage verantwortlich:
- Produzent - David Holy
- Buch - Manuel Diemand
- Regie und Bearbeitung - Björn Korthof
- Musik - Konstantinos Kalogeropoulos, Matthias Brinck
Fazit: Ich muss gestehen, dass ich das BloodRayne-Hörspiel nie an einem Stück konzentriert bis zum Ende gehört habe. Ich konnte einfach nicht. Spätestens in der ersten Szene mit dem Hauptbösewicht, in welcher der überaus albern-peinliche Versuch gestartet wird, mit einer extrem unlustigen Gesangseinlage für Gelächter zu sorgen, habe ich mich bei jedem Hörversuch wieder daran erinnert, warum ich beim jeweils letzten Mal nicht durchgehalten hatte. BloodRayne strotzt nur so vor Fremdschäm-Momenten, die schon dadurch entstehen, dass die meisten der "bösen" Synchronsprecher wie Klischee-Cartoonfiguren klingen. Um noch mal auf die beschriebene Gesangsszene zurückzukommen: Ich weiß schon, dass der garstige Herr dort wohl absichtlich so selbstverliebt und dümmlich dargestellt werden soll. Nur geschieht das auf einer so plakativen, viel zu peinlich rüberkommenden Ebene, dass ich diesen Eindruck unweigerlich nicht etwa auf ihn, sondern auf die Hörspielproduktion an sich projiziere. Irgendwie will für mich auch die von der Wortwahl her auf mittelalterlich getrimmte Art, wie die Charaktere miteinander sprechen, nicht mit ihrer sonstigen Ausdrucksweise und dem Feeling zusammenpassen, das die Sprecher mit ihrer Arbeit vor dem Mikro herüberbringen. Für mich klingt das alles so, als habe jemand aus der heutigen Zeit moderne Dialoge verfasst und da dann vereinzelt Begriffe wie "erlaucht", "haltet ein" und "Geschmeiß" eingestreut. Ok, das wäre auch alles nur halb so schlimm, wenn die Dialoge an sich nicht so platt und konstruiert daherkommen würden. Genau wie bei Alone in the Dark übernehmen auch hier wieder die Hauptfiguren selbst sämtliche Erzählerfunktionen, was zu enorm lächerlichen Momenten führt, wenn Rayne die einzelnen Abläufe einer Actionszene vor sich hin plappert, während sie gerade tatsächlich ablaufen sollen. Oder wenn sich die Protagonisten angeblich in heftigen Kämpfen befinden, dabei allerdings trotzdem fröhlich im Dialog miteinander stehen. Das wirkt dann immer genau so, wie es bei der Produktion des Hörspieles ja auch abgemischt wurde: Als wären Sprachtracks und Hintergrundgeräusche separat aufgenommen, später dann beim Editing zusammengefügt worden. Die Illusion, die Sprecher wären mehr als nur Menschen, die vor Mikros stehen, geht bei BloodRayne häufig verloren. Und in seinen besten Momenten macht das Hörspiel zwar keine groben Fehler, dafür ist es dann aber einfach nur langweilig. Alone in the Dark und Far Cry sind auch keine Storywunder geworden. Letzteres rettet sich allerdings mit gewolltem (!) Humor und viel Selbstironie, ersteres beschränkt sich auf eine überschaubare Anzahl an Figuren und eine geradlinige, traditionelle Mysteriegeschichte, die sich angenehm auf ihre gelungen dargestellte Hauptfigur fokussiert. BloodRayne überfordert sich dagegen so verzweifelt damit, mir ständig die Motive seiner vielen Protagonisten/Antagonisten mündlich in aller Ausführlichkeit vorzutragen, authentisch mittelalterlich zu klingen, actionreich und dann auch wieder witzig zu sein, dass man nur teilweise beschämt kichern, größtenteils aber bloß komplett abschalten und sich mit etwas ganz anderem beschäftigen kann, während die CD unbeachtet vor sich hin läuft. Alone in the Dark kann ich eben entspannt und doch aufmerksam vor mich hin hören, weil es bei all seinen Schwächen nie komplizierter und bedeutungsschwangerer zu sein versucht, als es eigentlich ist.
Es gibt von mir hierfür nur deswegen noch vier Punkte, weil die technische Qualität dieser Hörspielproduktion dieselbe hohe Güteklasse vorzuweisen hat, die alle Teile der Reihe Videospielehelden zu bieten haben. Von der zuweilen einsetzenden Hintergrundmusik, über die Professionalität der Hauptsprecher bis hin zur Sauberkeit und klanglichen Abmischung der Sprachaufnahmen ist BloodRayne an sich echt toll. Ein schwaches Script und überzogen klischeehaft klingende Bösewichte sorgen unter anderem aber dafür, dass selbst diese gelungenen Elemente selten richtig genossen werden können. Wobei all das für Videospieler kein großer Beinbruch sein dürfte, denn BloodRayne stellt, so wie Alone in the Dark, ebenfalls einen unmittelbaren Nachfolger zur jeweiligen ersten Filmadaption des Herrn Dr. Boll dar. Beziehungen zu den Spielevorlagen sind nur höchst rudimentär vorhanden und den brutalen Style der Games, welcher eigentlich das große Highlight der ohnehin nicht so dollen Actiontitel ist, kann einem das Hörspiel schon grundsätzlich nicht liefern.
Wertung: 4/10
Ein rares Foto von Daniel Pook während des Hörspiele-Testens in authentischer Ghettokulisse
Hört, hört... das könnte mal was werden!
Die drei bisherigen Folgen von Videospielehelden zeigen sehr schön heraushörbar, wie das Konzept rein akustisch adaptierter Games-Franchises sehr gut, ganz ok und wie es überhaupt nicht funktionieren kann. Far Cry ist sich dessen bewusst, wie absurd ein Story-armer Shooter zum Zuhören ist und es fährt deswegen eine oft selbstironische, voller liebevoller Anekdoten und Gags steckende Schiene, die mir beim Zuhören als Spielefan sehr viel Spaß gemacht hat. Von mir aus hätte man die Humornummer ruhig noch konsequenter durchziehen können, dann wäre daraus ein echtes Fest geworden. Wann immer Far Cry allerdings versucht, über längere Strecken ernsthaft zu sein, wird es zu Alone in the Dark. Nie richtig schlecht, aber irgendwie zu uninspiriert und kurzweilig. Nichtsdestoweniger tut Alone in the Dark gut daran, sein solides Standard-Mysterie-Programm auf einem so simplen und übersichtlichen Level zu halten, dass es als seichte Unterhaltung zum Relaxen oder beim Arbeiten sehr angenehm seinen Dienst erfüllt. Hätte es zu viel gewollt, wäre es zu BloodRayne mutiert. Hier zu albern überdreht, da zu viel ausufernder Erklärungsdrang und am Ende doch nur wieder eine belanglose Story, die spannend und atmosphärisch wirken wollte, meine Aufmerksamkeit aber schon ganz früh verloren hatte.
Nur sind schon die BloodRayne-Games nie sehr tolle Werke gewesen und schon gar keine, die das Potenzial für interessante Hörspiele geboten hätten. Ich kann diesen Ausrutscher also schmerzfrei ausblenden. Alone in the Dark lässt dagegen durchblitzen, dass man auch ohne gewollten Humor durchaus ein nettes Hörspiel mit Videospiele-Anleihen (wie gesagt, eigentlich bedient es sich mehr am Film) auf die Beine stellen kann, wobei es natürlich noch sehr viel Luft nach oben lässt, so etwas in einem weiteren Anlauf viel besser zu machen. Und Far Cry hat mir vor Augen bzw. Ohren geführt, dass es da draußen auch coole Hörspiele für Nerds & Geeks gibt, auf denen nicht immer nur halbnackte Elfen und muskelbepackte Barbaren mit Riesenschwertern posen, die mir das nächste WarCraft- oder "Herr der Ringe"-Erlebnis vorgaukeln wollen. Also, zwei Ansätze mit großem Potenzial sind gefunden und hieran dürfen sich die Macher der Videospielehelden bei künftigen Ausgaben gerne orientieren, dann bin ich mit Freude erneut dabei! Hoffentlich finden sich allerdings auch mal abseits von Uwe Bolls Verfilmungen ein paar kostenmäßig akzeptable Lizenzen tatsächlicher Games, die vielleicht gar viel mehr Freiheit zu bieten haben, aus einem etablierten Universum eine für Hörspiele geschaffene Story zu formen. Gelungene Romane zu Games gibt es ja auch schon haufenweise, die müssten eigentlich nur noch von ein paar tollen Synchronsprechern vorgelesen und mit den Originaleffekten aus den Spielen unterlegt werden. Ok, das sage ich jetzt so leicht, ohne die finanziellen und rechtlichen Hintergründe einer solchen Produktion zu kennen... aber das wäre wohl der wahre Hörspielhammer für uns passionierte Gamer. Ob nun so oder so, angesichts der beeindruckenden Starbesetzung und feinen technischen Qualität der drei bisherigen Videospielehelden-Folgen würde ich es David Holy und seiner Truppe ohne Zweifel zutrauen, dass sie aus der hier erprobten Idee noch mehr herausholen können. Für den Anfang hat das Projekt jedenfalls schon ein respektables Ergebnis auf die Beine gestellt, das noch viel größere Ambitionen erahnen lässt und sich einige Schwächen leistet, die man bei einem so schwierigen Umsetzungsversuch in der ersten Runde nicht selten zu beklagen hat. Wer von der Idee begeistert ist und sowieso nicht genug von Hörspielen bekommen kann, sollte sich der Videospielehelden-Reihe vielleicht ja mal annehmen und das Team dahinter im Anschluss mit Feedback versorgen. Sie würden sich über ehrliche und konstruktive Kritik sehr freuen, das weiß ich aus erster Hand. Und wer die Arbeiten der Truppe auf einem lizenzfreien Gebiet in Höchstform erleben möchte, dem sei ein Blick auf die Hörspielreihe "Die letzten Helden" ans Herz gelegt. Dabei handelt es sich um nicht weniger als eines der größten Hörspielprojekte der jüngeren Zeit; eine ganz neue, epische Fantasystory, an der fast jeder namhafte deutsche Sprecher mitzuwirken scheint, den die Welt je gesehen hat.
Ich träume nun aber erst mal weiter von Halo: The Fall of Reach zum Zuhören...
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Kommentare (15)
PipBoy95
seVn fiRe
Danzel
Rammtier
Fenix Fontaine
Oder gleich Mario:
"THANK YOU MARIO! BUT OUR PRINCESS IS IN ANOTHER CASTLE!" ;-)
Fenix Fontaine
Endlich zeigst du uns hier mal dein Hardcore-Rocker-Ich! Wurde auch mal Zeit! ;-)
Jace
Gonga
ich würd mir sowieso keine hörspiele zu Spielen kaufen
Rammtier
Saibot