Armored Core: For Answer
Donnerstag, 04. Dezember 2008
17:44 Uhr - Ihr liebt riesige Kampfroboter? Ein arcadiges Ballerspiel wird euch trotz Daueraction nicht so schnell langweilig? Umgebungsgrafik wird eurer Meinung nach sowieso überbewertet und wichtig ist in einem Shooter ohnehin nur die Anzahl gebäudezerstörender Waffen? - Habt ihr hinter jede dieser Fragen in Gedanken ein grünes Häkchen gesetzt, dann könnte Armored Core: For Answer eventuell einen vorsichtigen Blick für euch wert sein.
Doch selbst Fans der ewig fortgesetzten Serie und Mechfreunde allgemein, müssen bei diesem Titel dazu bereit sein, über sehr offensichtliche Macken hinwegzusehen. Was nach wie vor stimmt, ist der Hauptaspekt: Lockeres Dauerballern in übermächtigem Kriegsgerät, hat solide umgesetzt von Natur aus einen gewissen Funfaktor.
Umgebung minimal, dafür schicker Stahl
Gut zehn Jahre nach der Serienpremiere auf der PlayStation, hat Armored Core allerdings eine der ehemaligen Stärken offenbar endgültig verloren. Was technisch früher mal ein echtes Benchmark für die damals aktuelle Sony Konsole war, wirkt in der nunmehr zweiten Next-Gen Version, auch mit zwei zugedrückten Fanaugen, einfach angestaubt. Wie viel zu oft im Simulationsgenre, sei es nun bei Flugzeug- oder eben Mechroboterspielen, hat man das Gefühl die Entwickler haben einzig in die Fahrzeugmodelle wirklich Mühe investiert. Die verschiedenen Schauplätze wirken von kaputten Städten bis hin zu verstrahlten Wüsten vollkommen generisch und detailarm, manchmal denkt man sogar man bewege sich bloß durch eine Art VR Mission und das eigentliche Spiel beginne irgendwann später erst. Dass diese Mängel nicht zwangsläufig mit dem Setting kriegsverwüsteter Welten einhergehen müssen, hat Fallout 3 jüngst selbst als riesiges Rollenspiel mit frei begehbarer Welt demonstriert. Armored Core mag zwar in der Zukunft angesiedelt sein, seine Kulissen versetzen uns aber viel mehr wieder zurück in die Last-Gen Vergangenheit. Aber ich hab’s ja schon geschrieben, für die meisten Mechfreunde kommt es hauptsächlich auf die stählernen Hauptdarsteller des Games an und die sind auch hier wieder recht ansehnlich designt worden.
Mehr Automatenflair, statt Endzeitstimmung
Eine absolut stimmungsvoll inszenierte Cutscene (mal ganz zu schweigen vom ultrarealistischen Renderintro...) klärt auch Serienneulinge über die groben Hintergründe des Armored Core Universums auf, am Ende steht abseits der visuellen Darbietung aber trotzdem nur der Eindruck einer weder originellen, noch unbedingt schlechten Endzeitstory. Die Erde ist irgendwann mal so ziemlich zusammengebrochen und das hat die meisten großen Städte zerstört bzw. im Meer versinken lassen. Wer es sich leisten konnte, ist auf schwebende Himmelsplattformen gezogen. Dort ist sowieso der einzige Ort in der Spielwelt, an dem man ohne technische Hilfsmittel noch Luft zum Atmen findet. Dafür haben wir als Sci-Fi Söldner unseren mit Flugfähigkeit und Waffen ausgestatteten Mech (hier NEXT genannt), es stehen sogar je nach zu Anfang gewählter Partei gleich mehrere Modelle mit unterschiedlichen Eigenschaften zur Verfügung. Leider hat sich das Thema Mainplot mit dem Intro und der Seitenwahl schon so gut wie erledigt, viel mehr als dröge präsentierte Aufträge am Fließband, wird euch danach nicht mehr geboten. Seltsamerweise erfüllt ihr diese dann doch wieder quer durcheinander für unterschiedlichste Auftraggeber. Das ist für einen Söldner nichts ungewöhnliches, macht eure Entscheidung für eine Startpartei aber so ziemlich bedeutungslos. Hier erneut die klare Warnung: Das neue Armored Core ist auch jetzt wieder kein Storyerlebnis, sondern pures Arcadegeballer von simpler Mission zu simpler Mission. Man kommt sich dabei eher so vor wie an einem mittelmäßigen Spielautomaten, an dem ein Gamepad angeschlossen wurde, als in einer echten postapokalyptischen Welt.
Sehnsucht nach dem Steel Battalion Controller
Was die Action an sich – und hierauf konzentriert Armored Core: For Answer sich ja mal wieder – angeht, kann man als Genrefan zufrieden sein. Sich trotz gewiss nicht leichtem Roboteruntersatz, mit Düsenantrieb, sogar frei durch die Lüfte zu bewegen, tut der Geschwindigkeit des Spiels gut und gibt euch das Gefühl, auch abseits eurer Kanonen wirklich eine Hightechwaffe zu sein. Größtenteils in offenen Arealen zu kämpfen, ist bei dieser Art von Spiel außerdem immer sehr willkommen. Wenn ich mag, hüpfe ich auf einen Wolkenkratzer. Wenn mir danach ist, schieße ich selbigen in Grund und Boden. Armored Core spielt sich gewohnt ungezwungen, simpel, dafür jedoch wie gesagt auch sehr unabwechslungsreich. Eine variantenreichere Levelgestaltung hätte dem Game in dem Zusammenhang jedenfalls mehr als gut getan und bestimmt etwas über das monotone Gameplay hinwegtäuschen können. Steuerungstechnisch finde ich das Standardschema nach kurzer Eingewöhnung ganz brauchbar, obwohl so ein Mech mit seinen vielen Primär- und Sekundärfunktionen auch nach Stunden noch genug Potenzial für falsch gedrückte Tasten bietet. Und wehe dem, der auf die Idee kommt im unübersichtlichen Spielmenü an den Steuerungsoptionen herumzufummeln. Hier muss man Geduld und Freude am Herumsuchen mitbringen, sonst endet es schnell in einem Desaster.
Immer noch das Forza für Mech Warriors
Einem solchen ähnelt leider auch das nicht sehr weit reichende Radar eures Mechs. Ich mag gar nicht daran denken, wie oft ich die letzten verbleibenden Feinde auf den über mehrere Höhenebenen verlaufenden, sehr weitläufigen Maps gesucht habe. Gar nicht komfortabel ist außerdem der Umstand, dass man nach dem Scheitern einer Mission nicht erst mal wieder zurück ins Ausrüstungsmenü geleitet wird. Ein Druck auf
„Restart“ versetzt euch augenblicklich an den Auftragsanfang, taktische Fehler bei der Mechkonstruktion können dann nicht mehr behoben werden. Meistens erfährt man erst während der Mission, welche Waffen am geeignetsten wären und auf welche Art von Gegner man vorwiegend trifft. Dass man darauf oft nicht mehr mit Feintuning am eigenen Mech reagieren kann, ist angesichts der umfangreichen Herumschraubemöglichkeiten eigentlich eine Schande. Hier ist Armored Core nämlich erneut das Mekka für alle Kriegswerkzeugsfreunde. Vom Energiegenerator bis hin zum Schildsystem dürft ihr euren Mech komplett von Grund auf selbst zusammenbauen, das Kaufen neuer Teile ist von daher für Bastler eine ordentliche Motivation auf den trostlosen Schlachtfeldern Geld verdienen zu gehen/stampfen/gleiten/fliegen.
In der aktuellen Konsolengeneration wurden Mechfans bisher nicht sonderlich verwöhnt, der Ein oder Andere wird sich von daher genötigt fühlen, trotz langweiliger Präsentation und fehlender Abwechslung zu Armored Core: For Answer zu greifen. Diese Randgruppe unter euch sollte dann auch so hardcore sein, das umfangreiche Robotertuning in der Werkstatt als Entschädigung für all die drögen Teile von Armored Core zu empfinden. Wer aus Mangel an Alternativen zugreift, muss damit Leben auch mit Fanbonus nicht unbedingt ein Next-Gen würdiges Mechspiel gekauft zu haben. Deutlich besser als die Transformers Filmumsetzung ist es aber auf jeden Fall und für zwischendurch ballert es sich damit auch immer mal ganz nett. Wer plant den Titel online (unter anderem im Koop) zu spielen, sollte dank Abstinenz anderer Spieler besser noch ein paar Freunde zum Kauf überreden. Ob sie allerdings auch nachher noch eure Freunde sein werden, hängt ganz von ihrer Liebe zur Mech Thematik ab.
Bewertung
Kein Spiel gewählt
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--/10
Kommentare (16)
blueeye
Armored Core ist wiedermal typisch japanisch. Fette Cutscenes aber das eigentliche Spiel sieht aus wie Grütze.
Spielereins
Grandmaster
JohnBaphomet
ZoE!!!
Das war so verdammt gut!
Das würde ich auch sehr gern mal wieder sehen,... Petition?! ;)
Kashik
Dumah
Naja ein bissel ähnlich, aber man kann die ja aus x komponenten zusammenbauen.
@Topic
Ich war von AC4 enttäuscht weil es zu kurz war und viele Dinge gefehlt haben wie unterschiedliche z.Bsp Parteien und das (für mich) wichtigste: Der Arenamodus. Den hab ich sehr vermisst, aber da die Sachen wieder drin sind und das Spiel auch ein koop hat werd ich wohl mal reinschauen.
Daniel Pook
Doch, aber das ist finde ich bei den meisten Mechspielen aus Japan so. :)
@Dumah
Ich glaube wenn das so deine einzigen Kritikpunkte an Armored Core 4 waren und du solche Spiele allgemein magst, ist das was für dich.
Dumah
xangor
Kit Kat ChunkY