Auf Abruf: Spielekauf mit Steam & Co.
11:04 Uhr - Erinnern wir uns an den lang herbeigesehnten Verkaufsstart von „Half Life 2“ gegen Ende des Jahres 2004. Damals, vor nunmehr fast fünf Jahren, rannten unzählige Fans in die Elektronikläden oder zum kleinen Spielehändler um die Ecke, um sich ein Exemplar sichern zu können. Entsprechend groß war die Enttäuschung über die aufgezwungene Nutzung von Valves eigener Online-Plattform Steam – ein noch eher unbekanntes, augenscheinlich störendes Programm. Situation heute: über 20 Millionen registrierte Nutzeraccounts befinden sich in der Obhut von Gabe Newell & Co. Wir werfen einen Blick auf die stetig wachsende Online-Distribution und deren berühmteste Vertreter!
Was ist das?
Steam ist die Online-Plattform des amerikanischen Entwicklers Valve und wurde der Öffentlichkeit erstmals im Jahr 2002 zuänglich gemacht. Zu dieser Zeit befand sich der noch immer beliebte Online-Shooter "Counter Strike" in der Beta-Phase für die Version 1.6. Die Client-Software wurde zum damaligen Zeitpunkt vornehmlich genutzt, um etwaige Patches über einen einheitlichen Kanal gleichzeitig für alle Spieler zur Verfügung zu stellen. Eine ungleich höhere Aufmerksamkeit erfuhr Steam dann im November 2004 mit dem Start des preisgekrönten "Half Life 2". Letzteres verwendete das Programm zur unumgänglichen Online-Registrierung, was bei vielen Käufern für Frust sorgte. Aufgrund des riesigen Ansturms traten Serverprobleme auf, die das Spielen des Titels für mehrere Stunden unmöglich machten. Trotz der daraus resultierenden, negativen Kritik ist Steam heutzutage das führende Portal für Online-Distribution.
Welche Spiele stehen zur Verfügung?
Logische Konsequenz der Marktführerschaft: Auf Steam findet man viele Spiele! Über 700 Titel sind derzeit in der für Deutschland vorgesehenen Bibliothek vorhanden (Stand: August 2009), darunter sowohl Valves eigene Blockbuster wie „Left 4 Dead“, der „Orange Box“ oder „Counter Strike Source“, aber auch zahlreiche Titel der verschiedensten Industrie-Giganten. EAs „Mass Effect“, „Burnout Paradise: The Ultimate Box“ oder „Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3“ finden sich hier genauso wieder wie „Call of Duty 4: Modern Warfare“ und „Prototype“ von Activision. Doch gerade auch kleinere Entwicklerstuben fanden auf Steam ein neues Zuhause, angefangen mit „Darwinia“ von Introversion Software aus dem Jahr 2005, bis hin zu aktuellen Indie-Hits wie Jonathan Blows „Braid“ oder dem wunderschönen „Trine“. All diese Spiele haben leider eine Sache gemeinsam: Sie sind relativ teuer. Oft liegen die Preise der Steam-Produkte sogar über denen der Retail-Versionen, obwohl es hier keinerlei Verpackung, Anleitung oder sonstige Extras gibt. Nichtsdestotrotz haben sich auch schon die ersten Collector's Editions auf dem virtuellen Marktplatz breit gemacht, wie das im September erscheinende „Aion“. Hier erhält man dann statt der ausklappbaren Karte oder einem Artbook eben exklusive Items, Charakterbewegungen und Farblackierungen für Ausrüstungsgegenstände. Insgesamt findet sich bei Steam eine der am meisten ausgewogenen Spielarchive mit einer gesunden Mischung aus aktuellen Top-Titeln und ehrwürdigen Klassikern wieder. Und es wächst ständig in alle Richtungen – erst vor wenigen Wochen lies sich Lucasarts dazu überreden, „Indiana Jones and the Fate of Atlantis“ neben einigen anderen Adventure-Klassikern für kleines Geld anzubieten! Besonderes Highlight auf dem virtuellen Marktplatz sind aber die wöchentlichen Weekend-Deals, durch die bestimmte Spiele bzw. Spielreihen oder Sammlungen im Preis (z.T. deutlich) reduziert werden. Hier schlägt man dann selbst als Gegner von digitaler Distribution immer wieder gerne zu.
Wie kann ich bezahlen?
Vor nicht allzu langer Vergangenheit herrschte Kreditkartenpflicht, wenn man irgendetwas über Valves Plattform erwerben wollte. Neben Visa, Mastercard und American Express stehen zusätzlich Discover und JCB zur Auswahl. Mittlerweile können aber auch Nutzer mit einem ganz normalen Giro-Konto einen Blick auf die Online-Distribution werfen, denn mit PayPal sowie Click&Buy stehen gleich zwei alternative Optionen für den durchschnittlichen Käufer ohne Kreditkarte zur Verfügung.
Gibt es Maßnahmen zum Kopierschutz?
Bei Steam werden die Spiele direkt an den Account geknöpft, d.h. man muss mit dem korrekten Benutzernamen und Passwort eingeloggt sein, um einen Titel überhaupt starten zu können. Das hat aber auch den riesigen Vorteil, dass es Valve erlauben kann, so viele Installationen auf so vielen Rechnern durchzuführen wie man möchte. So lange ein und derselbe Nutzer nur einmal zur gleichen Zeit angemeldet ist, gibt es hier in der Regel keinerlei Probleme. Daher wird man hier auch meist vor SecuROM und andere nervigen Kopierschutzmaßnahmen bewahrt – Ausnahmen, wie etwa „Crysis“, gibt es jedoch hin und wieder...
Was wird sonst noch geboten?
Neben der Funktion als Verkaufskanal bietet Steam dem geneigten User viele weitere Funktionen. Schon seit seinen Anfängen mit „Counter Strike“ versteht sich das System als eine Art Community-Plattform. Wie die meisten Programme in diesem Special dient es als Knotenpunkt für die eigene Spielesammlung, in dem es alle erworbenen und auch von Drittherstellern manuell eingefügten Titel in einer übersichtlichen Liste präsentiert und automatisch Patches und Updates herunterlädt. Darüber hinaus verfügt jeder Nutzer über einen eigenen, individuellen Nickname, um auch in Freundeslisten anderer Spieler Platz finden zu können. Von hier aus können neben einem Ingame-Chat oftmals gezielt Mehrspieler-Sessions gestartet werden, die lästige Server-Suche mit IP-Eingabe entfällt. Wie so viele Communities bietet Steam seit einiger Zeit auch Achievements, von denen vor allem hauseigene Titel wie „Portal“ oder „Team Fortress 2“ Gebrauch machen. Auf einer Übersichtsseite lässt sich dann auch nachprüfen, wann welcher Freund welchen Titel gespielt und dort welche Erfolge erringen konnte. Insbesondere für Modder und Hobby-Entwickler interessant: Unzählige Tools wie z.B. Programme für dedizierte Server oder Software Development Kits lassen sich herunterladen, um das Spielerlebnis weiter zu intensivieren. Für den Normalnutzer stehen zu fast jedem Produkt auch Anleitungen im PDF-Format bereit, darüber hinaus bieten (bislang) wenige Titel die „Steam Cloud“-Funktion: Daten wie Savegames werden dann auf einem zentralen Server bei Valve abgelegt und können von jedem PC aus abgerufen werden.
Games for Windows LIVE
Was ist das?
„Games for Windows – LIVE“ ist, und das sollte niemanden überraschen, eine Client-Software von Microsoft, die dem angeschlagenen PC-Markt wieder auf die Beine helfen sollte. Dass man dabei den Fehler machte, nur wenig auf die Bedürfnisse der Computerveteranen einzugehen und stattdessen eine fast amateurhafte eins-zu-eins-Kopie des etablierten Xbox LIVE Marktplatzes unter Windows ermöglichen wollte, macht sich auch ca. zwei Jahre nach der Einführung noch bemerkbar. Erstes öffentliches Interesse erlangte der Service durch den Launch der Umsetzung von „Halo 2“, welches nicht nur Windows Vista voraussetzte, sondern auch zu den ersten Spielen mit dem „Games for Windows“-Label gehört. Apropos Vista-Zwang, will man den LIVE-Client unter Windows XP installieren, so muss nicht nur das NET-Framework installiert, sondern auch ein spezieller Bugfix heruntergeladen werden. Dabei wird man aufgefordert, Microsoft seine eMail-Adresse zu verraten und bekommt dann ein mit Passwort versehenes Zip-File zugeschickt – umständlicher geht’s kaum. Den letzten großen Skandal auf der Plattform löste der lang ersehnte Release von „Grand Theft Auto IV“ aus. War der LIVE-Client für den Mehrspielermodus unumgänglich, so sollte doch zumindest der Singleplayer auch ohne ihn auskommen... dachte der gutgläubige Zocker. War es sogar, nur konnte kein Spielstand gespeichert werden, so lange das Programm nicht im Hintergrund ausgeführt wurde.
Welche Spiele stehen zur Verfügung?
All diese Ungereimtheiten bescherten „Games for Windows – LIVE“ logischerweise nicht den erhofften Erfolg, so dass auch das Angebot zwangsweise darunter leidet. Und das ist noch düsterer, als man vielleicht vermuten mag. Während die Xbox-Fraktion seit kurzem vollständige Spiele über ihren Marktplatz herunterladen kann, ist davon hier keine Spur. Stattdessen gibt es eine magere Auswahl an Demos (das sind so wenige, dass ich sie aufzählen kann: Viva Pinata, Kane & Lynch, 007: Ein Quantum Trost, Dawn of War II, Battlestations Pacific und FUEL) sowie einige Zusatzinhalte für Fallout 3, Battlestations Pacific und Street Fighter IV. Man sollte dazu sagen, dass wir Spiele-AddOns und Anspielfassungen bei Steam nicht einmal erwähnt haben, obwohl es dort eine reichlich größere Auswahl gibt!
Wie kann ich bezahlen?
Bezahlt wird bei „Games for Windows – LIVE“ ausschließlich mit Microsoft Points, die bekanntermaßen auch bei der Xbox 360 zum Einsatz kommen. Wer auf beiden Systemen spielerisch aktiv ist, kann seinen Account immerhin für beide Dienste nutzen und auch das eigene Guthaben parallel verprassen. Um das Konto aufzustocken, benötigt man entweder eine Kreditkarte oder Prepaid-Karten aus dem Handel (und nimmt zum Aufladen einen umständlichen Weg über den Browser). Damit steht quasi jedem die Möglichkeit zur Verfügung, Inhalte über den Marktplatz zu erwerben. Sofern man keine Kreditkarte hat und auf ein leeres Konto blickt, sind Impulskäufe in der Regel aber nicht möglich, da man erst den Weg zum Händler tätigen muss bzw. die Karten über die Post verschickt werden. Einige Online-Shops bieten die Codes jedoch auch zum direkten Abruf bzw. via Mail an.
Gibt es Maßnahmen zum Kopierschutz?
Wie wir anhand des oben aufgeführten GTA-Beispiels bereits erfahren haben, macht es einem der LIVE-Client nicht immer einfach. Im Gegensatz zu diversen anderen Diensten kann man seine Spiele auch nicht beliebig oft wieder herunterladen, schließlich werden sie hier erst gar nicht online vertrieben. Ferner hat Microsoft auch kein Problem damit, wenn die Hersteller weiter Kopierschutzmaßnahmen, wie etwa SecuROM, in ihre Produkte integrieren.
Was wird sonst noch geboten?
Wie bereits erwähnt erschafft man sich hier ein eigenes LIVE-Profil bzw. übernimmt einfach die Daten seines Xbox-360-Accounts. Neben dem gemeinsamen Kontostand werden dann auch die Achievements, die die „Games for Windows“-Titel laut Microsoft'schen Richtlinien beinhalten müssen, auf ein und denselben Account gutgeschrieben. Selbstverständlich hat es auch die berühmte Freundesliste auf den PC geschafft, dank der nicht nur kurze Nachrichten versendet, sondern auch Einladungen zu Mehrspieler-Sessions verschickt werden können. Das alles funktioniert sogar direkt aus dem laufenden Spiel heraus! Seit dem jüngsten Update auf die Version 3.0 ist auch der Marktplatz jederzeit durch das Pausenmenü erreichbar. Wer also in „Fallout 3“ einen Ausflug auf das Mothership Zeta unternehmen möchte, braucht nicht einmal mehr zum Betriebssystem zu wechseln.
Lest im zweiten Teil alles über GOG.com, Metaboli und Gamesload!
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Kommentare (13)
Danzel
Danzel
gandalf
Habe erst letztens das Indie-Pack bei Steam gekauft für den kleinen Spaß zwischendurch.
Bei "richtigen" Spielen stehe ich noch eher auf die retail Box, da man auch nicht bevormundet wird und nur die deutsche Version kaufen darf.
Allein dieses IP-Sperren geschisse treibt mich schon in den Wahnsinn. Siehe XBox Live. Aber istja der Staat. Und ich mag es bevormundet zu werden :-)
Aber solange die PCs bzw. Konsolen noch mit nem Laufwerk daher kommen bleiben echte Spiele bei mir auch "echt".
Für Arcade Titel find ich GoD super. Wie oben schon angedeutet. Wobei auch da der Preis manchmal nicht fair wirkt, aber das ist ja ne andere Geschichte.
Glückauf.
beelzeRob
schachteln nehmen nur platz weg
die dvdhüllen sehen noch schlechter aus
-> online kaufen ist einfach das beste und schnellste
und manchmal stimmt auch der preis
Rhys
ich bin auch der meinung das es schön ist ein spiel ''echt'' zukaufen
weil es ein geiles gefühl ist am realese in den laden zu rennen um sich
vieleicht das letzte exemplar zu schnappen
nicht nur deshalb, sondern weil ich dann auch etwas besitze was ich in der physischen Welt anfassen, und weiterverkaufen kann. Und es beugt der Zensur vor.
liasis-fuscus
Taccou
Der Bericht ist aber wirklich interessant, steht zwar im Bezug auf Steam nicht viel neues drin aber von Games for Windows LIVE hatte ich bisher nicht so wirklich die Ahnung und auch nicht viel mit am Hut.
Und so wie ich das lese, wird es auch in Zukunft so bleiben, ausser es lässt sich nicht umgehen.
@Swonic
Also das ist mir noch nie passiert. Hab ein Spiel im Laden gekauft, installiert und gespielt. Ausser natürlich, es standen noch einige Patches an. Aber das hätte ich ja eh machen müssen und so hat mir Steam die Arbeit abgenommen.