BLUR
13:28 Uhr - Für Rennspielfans scheint der Mai langsam zu einem Monsun-Monat zu werden. Nach Monaten absoluter Spieledürre, kommt mit BLUR heute schon das dritte Rennspiel des Monats in den Handel. Aber gilt auch für BLUR, das die Letzten die Ersten sein werden? Oder hat sich PGR-Erfinder Bizarre Creation an der Mischung aus Action und Simulation schlichtweg verhoben?
Für alle diejenigen, die noch keine Testrunde mit BLUR gedreht haben (obwohl sie dazu reichlich Gelegenheit hatten): Bei Blur handelt es sich um eine Mischung aus einem klassischen Rennspiel wie Project Gotham Racing, gemischt mit der Action und dem Chaos eines Fun-Racers wie Mario Kart. Was auf den ersten Blick unvereinbar und auf dem zweiten Blick beinahe überflüssig wirkt, macht in der Praxis durchaus Spaß und besitzt einen originellen Ansatz, der mal wieder frischen Wind ins Rennspielgenre bringt. Während Split/Second vor allem auf indirekte Zerstörung durch Objekte in der Spielwelt Wert legt, geht die Action in BLUR weitaus direkter von der Hand. So sammelt ihr auf den Strecken verschiedene Symbole ein, die euch mit Turbo-Boosts oder diversen Waffensytemen versorgen und zielt damit direkt auf eure Gegner. BLUR spielt nicht über Bande, BLUR zielt genau auf die Weichteile.
In BLUR Pflicht: Fanservice!
Während es in letzter Zeit leider Mode geworden ist, den Spieler eines Racinggames irgendwo auf einer riesigen Karte abzusetzen, damit er sich dann gefälligst selber seine Rennen suchen kann, besitzt der Singleplayer-Modus von BLUR eine erfrischende Klarheit, die man bereits aus der PGR-Reihe kennt: Insgesamt wollen neun Street Racer Bosse geschlagen werden, sprich es gibt auch nur neun Event-Slider, die im Singleplayer-Menu auf den Spieler warten. Bevor man allerdings gegen einen dieser Benzinjunkies antreten kann, muss man verschiedene Rennevents absolvieren und bestimmte Sonderziele erreichen. Um den ersten Boss herauszufordern muss man zum Beispiel 80 Mal ein beliebiges Extra einsetzen, fünf Rennen beenden, vier davon gewinnen und 7000 Fans sammeln. Fans sammeln? Richtig gehört, wie bei Rock Band müsst ihr auch in BLUR möglichst eine große Fangemeinde vorweisen können. Fans bekommt ihr natürlich durch riskante Fahrmanöver, den geschickten Einsatz der Extras und durch das Bewältigen von kleinen Mini-Aufgaben während eines Rennens, den sogenannten Fan-Challenges. So müsst ihr unter anderem eine gewisse Anzahl von Toren durchfahren, während um euch natürlich die ganze Hektik des Rennen herrscht, um noch ein paar Extra-Fans von euch zu begeistern. Gerade diese Fan-Challenges gestalten sich oftmals knifflig, denn ihr dürft dabei nicht das eigentliche Ziel des Rennens aus den Augen verlieren. Wer damit beschäftigt ist, Extras einzusammeln, um damit im Zerstörungs-Spielmodus andere Autos von der Strecke zu pusten, der dürfte an dem zusätzlichen Slalom-Parcours durch die Fantore einiges zu knabbern haben. Aber auch bei PGR war es selten einfach, die Platin-Medaille zu bekommen, oder? Statt Medaillen bietet BLUR übrigens sogenannte „Lichter“, die ihr nach Abschluss eines Rennen bekommt. Je nach Abschneiden gibt es bis zu fünf Lichter pro Rennen zu gewinne, echte Racer wollen natürlich immer die volle Punktzahl.
Auto ohne Extras? Nicht bei BLUR
Jeder Spieler kann dabei bis zu drei Extras aufsammeln, und diese nach Bedarf einsetzen. Zu diesen Extras gehören simple Raketen, die direkt nach vorne zielen, oder auch Minen und Turbo-Boosts. Spannender sind allerdings Extras wie der SHUNT, ein großer Energieball, der zielsuchend den nächsten Spieler aufs Korn nimmt. Okay, Mariofans kennen das als „roten Panzer“. Auf den ersten Blick ist es natürlich ohnehin verführerisch, das Spiel als simplen „Mario-Kart-Klon mit Straßenwagen“ abzutun, aber gerade im Einsatz der Extras zeigt sich weitaus mehr taktischer Spielraum als bei den bekannten Fun-Racern. Das gesamte Zufallselement wurde bei BLUR gestrichen. Ihr wisst immer, welches Extra ihr einsammelt und könnt zwischen den drei gespeicherten das passende wählen. Das verhindert diese etwas frustige Zufallsmechanik, das z.B. der führende Spieler nur Bananen, äh Minen, einsammelt, während der Letztplatzierte eine zielsuchende Bombe nach der anderen abstaubt. Die ganze Action wirkt damit weitaus berechenbarer und planbarer, was vor allem dem Mehrspieler-Modus zu Gute kommen wird, in dem sich bis zu 20 Spieler auf eine Piste wagen werden. Darüber hinaus können die meisten Angriffe allerdings auch abgewehrt werden. Nicht nur passive Elemente wie Schilde helfen hierbei, dadurch, dass die meisten Waffen auch nach hinten abgefeuert werden können, können fast alle ankommenden Geschosse auch neutralisiert werden, wenn ihr das passende Extra auf Lager habt. Kombiniert mit dem gezielten Aufsammeln des passenden Power-Ups bekommt BLUR eine spielerische Tiefe, die Spielen wie Mario Kart völlig fehlt.
Etwas Dunkel, dafür aber schön laut
Die Strecken von BLUR führen euch durch bekannte Stadtkurse wie zum Beispiel San Francisco, aber auch die typischen Überlandfahrten und „Ich kurve im Hafen herum“-Strecken, die man irgendwie alle schon zu kennen glaubt. So richtig originell sind die Kurse leider selten. Damit die farbenfrohen Effekte besser zur Geltung kommen, ist der Spieler auch fast immer in Abend-, oder Morgendämmerung unterwegs. Nur wenige Kurse spielen bei etwas, was man mit viel Phantasie als Tageslicht bezeichnen könnte. Gleiches gilt auch für die Fahrzeuge: Die üblichen Verdächtigen von Audi R8 bis zum Scirocco sehen zwar schick aus, werden auch durch exotische Autos wie den alten VW Käfer ergänzt und verfügen auch über nett animierte Fahrer, die sogar korrekt schalten, einen neuen Benchmark setzen sie jedoch nicht. Im Spiel fällt das natürlich eher selten auf, da hier die zahlreichen Waffenexplosionen, Blitze und Schutzschilde für einige Ablenkung sorgen. Besonders beeindruckend ist hingegen der Sound. Vor allem die Extras bieten viel Bass fürs Geld. Neben den Motorensounds sorgen sie für eine ausgesprochen aktive Soundkulise, die viel zur adrenalingeladenen Stimmungen des Spiels beiträgt. Auch die Musik sorgt mit kräftigen Elektro-Beats für passende Unterstützung während der Rennen, muss allerdings unverständlicherweise vorher noch im Optionsmenu aktiviert werden.
Modern Action im Mehrspieler-Modus
Auch wenn der Singleplayer durchaus für 15-20 Stunden unterhalten kann, ist der eigentlich Star von BLUR jedoch der Mehrspielermodus. Hier wurden deutliche Anleihen bei Call of Duty: Modern Warfare genommen, dabei aber natürlich in dickes Neon verpackt. So gibt es verschiedene Spiel-Ligen, in die ihr erst mit wachsender Erfahrung vorstoßen könnt und nach jedem Rennen gibt es verschiedene kleine Boni, die den Spieler auch bei Laune halten, wenn er nicht immer Erster wird. So gibt es auch dafür Punkte, besonders viele Extras eingesetzt zu haben, oder besonders gut gezielt zu haben. Jedes Online-Spiel zählt damit zu eurer Gesamtpunktzahl und schaltet neue Autos oder dauerhafte Upgrades frei. Dieses Prinzip macht schnell süchtig und sorgt dafür, das man gut und gerne die nächsten Wochen im Multiplayer-Modus verbringt.
Pro und Contra
- + Power-Up System mit erstaunlich viel Spieltiefe
- + Abwechslungsreicher Furhpark
- + Umfangreicher Multiplayer
- + Wuchtiger Sound von Motoren und Waffen
- + Tolles Geschwindigkeitsgefühl
- - Streckendesign etwas langweilig
- - Kein Rückspiegel im Splitscreen
PGR mit Waffen? Es funktioniert!
Bizarre hat es wieder geschafft. Aus dem Langweiler-Titel der GamesCom 2009 ist ein schicker Racer geworden, der vor allem dank spielerischer Substanz und Ausgereiftheit überzeugen kann und damit sogar eine Nasenlänge vor der Dynamit-Show von Split/Second über die Ziellinie rast. Gerade im Vergleich zu SEGA Allstars Racing und Mod Nation Racers beweist BLUR, das sich das ganze Power-Up System auch in ein reales Setting transferieren lässt, ohne dabei auf knuddelige Comic Figuren zurückzugreifen. Dank der sehr herausfordernden Ziele in den einzelnen Rennen bietet das Spiel eine Menge Langezeitmotivation, der natürlich auch der ausgereifte und umfangreiche Multiplayer-Part zugute kommt. Gerade in dem Bereich, in dem Split/Second am deutlichsten patzt, beweist Bizarre Creation, dass man nach vier Teilen der PGR Reihe wirklich weiß, wie man ein motivierendes Online-Multiplayer-Erlebnis schafft. Das hier Twitter und Facebookintegration selbstverständlich sind, unterstreicht nur den sehr guten Gesamteindruck, den der Multiplayer-Modus von Blur macht. Warum es in meinen Augen nicht ganz für die 9/10 gereicht hat? Trotz der ganz schicken Neon-Effekte wirkt BLUR optisch etwas angestaubt. Sowohl die Fahrzeuge als auch die Strecken könnten noch etwas mehr Details vertragen. Fans von Project Gotham Racing sollten BLUR auf jeden Fall eine Chance geben, auch wenn sie sich bisher nicht für das Spiel interessiert haben. Denn trotz Energiebällen und Raketen steht auch dieses Spiel ganz klar in der Tradition einer Racing-Legende, die in Metropolis Street Racing ihren Anfang hatte.
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Kommentare (32)
marmion
07dohr
den Text bis hier gelesen her müsste es heißen:
Warum es in meinen Augen nicht ganz für die 10/10 gereicht hat?
der Test liest sich wie eine lupenreine 9/10....
Mortician
Mortician
Claudandus
mr. rogers
Hab mich zwar die meiste Zeit nur im MP rumgetrieben, aber was hier abgeht fetzt schon ungemein. Klar grafisch ist es nicht der Oberhammer, allerdings kommt man vor lauter buntem Effektregen der Power-Ups gar nicht dazu, sich die Sehenswürdigkeiten der Strecken anzuschauen.
Und mit den 20 Spielern auf der Strecke geht so dermaßen die Post ab, da kämpft man sogar um den 13 Platz noch mit Spaß und Freude incl. kleiner Ausrastungen, wenn man dann doch mal ganz oben auf dem Treppchen steht:)
Also, motivierend ohne Ende das Spiel, sowohl im EP als auch im MP. Für mich hat es auch die Nase im Duell mit Split/Second vorne, da es mMn das bessere Kompaktpaket bietet--Kaufen!
Stulle-Man
Nagash
Umso erfreulicher, dass diese Art von Konsument wieder bedient wird. Seit gestern hab ich nun Blur und muss sagen, dass es einfach nur Laune macht. Da war Bizzare Creation mutig einen solchen Genre-Mix zu erschaffen und hat voll meinen Nerv getroffen.
Der MP ist super umfangreich und man kann getrost sein Zelt für die nächste Zeit dort aufstellen. Der MP läuft flüssig, obwohl Gegner des Öfteren vor einem aufpoppen und wieder verschwinden. Das macht das Zielen manchmal unmöglich, aber wird bestimmt noch ausgebessert.
Großes Spiel sag ich nur!!!
Great Test Herr Voigt.
Claudandus
mr. rogers
Also konnte in keinem Test bis jetzt etwas von irgendwelchen Unterschieden lesen...also diesmal kein Grund zur Schadensfreude der Trolle;)