19.01.2007 10:19
Baldurs Gate: Dark Alliance II
Schwelgen wir kurz in Erinnerungen. In Baldurs Gate: Dark Alliance machten sich drei tapfere Krieger auf, die Unterjochung von Baldurs Tor durch Eldrith, der Verräterin zu durchechen. Je nachdem wie geschickt der Spieler mit dem Joypad umging, sollte sich die Geschichte auch zum guten wenden. Leider scheint die frohe Kunde über die Befreiung der Stadt nicht überall im Land angekommen zu sein, und so machen sich in Baldurs Gate: Dark Alliance II erneut fünf Helden auf den Weg in die Hauptstadt des Landes. Die erste Enttäuschung bei den Kämpfern über den Fall von Eldrith und dem Onyx Turm, weicht schnell einer Vorfreude auf neue Heldentaten.
Denn in Baldurs Tor machen sich erneut, düstere, rätselhafte Kräfte daran, die Stadt von innen zu zerstören. Intrigen, Mord und Verechen sind an der Tagesordnung in der Hafenstadt, und so gibt es für die fünf Helden genug zu tun. Die Geschichte und die damit verbundenen Aufträge werden dabei im Verlaufe des Spieles weit weniger linear erzählt, als noch im beliebten Vorgänger. So kommt es häufiger vor, das man sich als Spieler zwischen mehreren Sidequests entscheiden muss. Aber keine Angst, durch eine geschickte Verquickung von schon erreichten Levelzielen und der jeweiligen Heldenstufe, bleibt das ganze stets übersichtlich und man weiß immer, wohin man sich als nächstes begeben sollte.
Bevor der Spieler sich allerdings in die Welt von Abeir-Toril stürzt, um die westlichen Herzlande unsicher zu machen, darf er sich erst mal zwischen fünf spielbaren Charakteren sein virtuelles Alter Ego aussuchen, die alle mit anderen positiven und negativen Eigenschaften ausgestattet sind. Zur Auswahl stehen dabei „Dorn Rotbär“ der massive und kräftige Barbar, der listige Zwergenschurke „Borador Goldhand“, die Klerikerin „Allessia Faithhammer“, der mysteriöse Nekromant „Ysuran Auondril“ und der weibliche Mönch „Vhaidra Uoswiir“. Das Aussehen und die Charakterwerte werden dabei vom Programm vorgegeben, der Spieler hat nur im Verlauf des Spiels die Möglichkeit den ausgewählten Charakter nach seinen eigenen Vorstellungen zu beeinflussen.
Wie in Hack´n Slay Rollenspielen üblich, macht das Aufleveln von Charakteren und das Zusammensuchen einer möglichst effektiven Rüstung und Waffe den Großteil des Spiels aus. So metzelt man sich stundenlang durch dunkle Gemäuer, immer auf der Suche nach verborgenen Schätzen, jeder Menge Gold und ekligen Kreaturen dessen Tötung für viel Ruhm im Land sorgen würde. Eine der Neuerungen gegenüber dem Erstlingswerk ist dabei die Möglichkeit, mit Hilfe von Runen- und Edelsteinen eigene Waffen und Rüstungen zu kreieren, dessen Eigenschaften einzigartig sind.
Um sich nicht nur auf die eigenen Gegenstände verlassen zu müssen, können die Charaktere im Verlauf des Spiels auch neue Zauber und Talente erlernen. Nach jedem Levelanstieg erhält der Spieler hierbei eine bestimmte Anzahl von Punkten, die sich dann in neue Fähigkeiten investieren lassen. Natürlich besitzt jeder Charakter unterschiedliche Talente, so das auch beim mehrmaligen durchspielen keine Langeweile aufkommt.
Die fünf neuen Heldenklassen, die offenere Missionsstruktur und die Möglichkeit seine Ausrüstung mit Edelsteinen aufzubessern sind leider Gottes aber auch schon alle wesentlichen Verbesserungen die Baldurs Gate: Dark Alliance II vorweisen kann. Ansonsten beschränkten sich die Entwickler von Black Isle auf altbewährte Tugenden. Selbst das Gegnerdesign hat sich gegenüber dem Vorgänger kaum verändert. Noch immer schlachtet man sich durch unzählige Riesenratten, Goblins und Spinnen. Im Verlauf des Spiel werden die Gegner natürlich schwerer, größerer und gemeiner, ausgetretene Fantasypfade verlässt der Titel aber nie.
Technisch ist ebenfalls alles beim alten geblieben. Die Programmierer beließen es bei der bewährten Grafikengine mit all ihren Vorzügen und Nachteilen. So stolziert man immer noch durch schön detaillierte Landschaften, erfreut sich an den wunderbaren Animationen der Charaktere und an einigen schönen Lichteffekten. Aber irgendwie weiß die Optik heutzutage nicht mehr so zu begeistern wie noch Anno 2001. Schmerzlich vermisst wird auch eine frei zoombare Kamera, mit der man sich die schön gestalteten Gegner mal aus der Nähe hätte ansehen können. Black Isle beließ es lediglich bei zwei unterschiedlichen Zoomstufen und freier Drehbarkeit des Blickwinkels.
Und noch ein kleiner Kritikpunkt wurde gegenüber dem Vorgänger nicht verbessert. Die an sich sehr nette Hintergrundmusik ertönt leider viel zu selten aus den Boxen, meist hört man in den tiefen Kellergewölben nur Kampfschreie der Gegner und das obligatorische Waffengeklirre. Dazu ertönt alle dreißig Sekunden einer von zwei unterschiedlichen Sprüchen die jeder Hauptcharakter von sich gibt, wenn er einen schweren Treffer beim Gegner landen konnte. Die deutsche Sprachausgabe sowie die Bildschirmtexte wurden routiniert ins Spielgeschehen eingefügt, überzeugen aber nicht auf der ganzen Linie – Stichwort Baldurs Tor.
Unter der zum Teil fehlenden Akustik leidet natürlich auch die Atmosphäre des Titels, die sich auch sonst eher in den dunklen Ecken der Level verstecken zu scheint. Durch einen zähen Beginn, einer nur sehr schwer in Tritt kommenden Story und den mies gestalteten Zwischensequenzen will der letzte Funken einfach nicht überspringen. Mehr Spaß macht das Monstermeucheln dann schon im Zweispieler Kooperationsmodus. Wobei sich auch hier ein leicht muffiger Nachgeschmack eit macht. In Zeiten von Vierspielermodus, LAN- und Onlineunterstützung wirkt ein einfacher Zweispielermodus ein wenig lieblos. Nichts desto trotz macht die Erkundung der über achtzig Level zu zweit deutlich mehr Spaß als das Sologemetzel.
„Routiniert und nicht mehr“
(Meinung » Mario Schonhoff)
Baldurs Gate: Dark Alliance II ist eine routinierte Fortsetzung, die sich all der Stärken des Vorgängers besinnt, ohne das die Reihe dabei durch neue erfrischende Ideen oder verbesserte Konzepte aber in höhere Spielspaßregionen vordringen kann. Dafür riecht die Fortsetzung einfach zu sehr nach einem einfachen Add-On anstatt einer wirklichen Fortsetzung. Dies lässt sich an einigen Punkten festmachen. So wurde die Grafikengine gegenüber seinem Vorgänger nicht modernisiert, und wirkt heute lange nicht mehr so beeindruckend wie noch vor ein paar Jahren. Auch die Möglichkeit die Welt von Baldurs Tor nur zu zweit erkunden zu können, löst heute keine Begeisterungsstürme mehr aus.
Wer den Vorgänger mochte wird natürlich auch mit der Fortsetzung seinen Spaß haben. Immerhin weiß der Titel durch sein süchtigmachendes Spielprinzip, den neuen Charakteren, der verfeinerten Itemzusammenstellung und der offeneren Missionsstruktur immer noch vor den Bildschirm zu fesseln. Mit ein wenig mehr Liebe zum Detail wäre allerdings eine deutlich höhere Wertung drin gewesen.