Baphomets Fluch - The Director's Cut
13:59 Uhr - Erfolgsrezept: Man nehme einen fast 13 Jahren alten Adventure-Klassiker und setze ihn für die Konsolen-Plattform (bzw. das Handheld) um, die für diese Art von Spielen am besten geeignet ist. Warum der Director's Cut von Baphomets Fluch dennoch keine uneingeschränkte Empfehlung bekommt, erfahrt ihr in folgendem Testbericht.
Schon sieben Jahre bevor der Roman „Sakrileg“ (im Original „The Da Vinci Code“) von Dan Brown zum Weltbestseller wurde und Millionen Menschen zu Gralexperten und Verschwörungstheoretikern machte, nahm sich Charles Cecil, Schöpfer von Adventure-Klassikern wie Lure of the Temptress und Beneath a Steel Sky, des Themas an und schickte die Spieler auf der Suche nach den Geheimnissen der Tempelritter auf eine Rätseltour durch halb Europa und den Nahen Osten. Baphomets Fluch (aka „Broken Sword“ aka „Circle of Blood“) gehört heute zu den Klassikern des Genres, führte zu drei Fortsetzungen – und nun zum ersten Director's Cut, dem im Erfolgsfall noch weitere folgen sollen.
Menschen, Clowns, Explosionen
Damals begann die Geschichte von Baphomets Fluch in einem kleinen Pariser Café, vor dem US-Tourist George Stobbart das „Savoir-vivre“ genießt und der hübschen Kellnerin hinterher starrt. Doch dann deponiert ein mysteriöser Attentäter im Clownskostüm eine Bombe in dem Lokal. Die Folge: Das Cafe wird zerstört, ein alter Mann getötet und die Laune von Stobbart empfindlich getrübt. Kurz nach dem Anschlag erreicht auch die junge Fotojournalistin Nico Collart den Tatort, die dort mit dem Mordopfer verabredet war. Im Director's Cut erfahrt in einem neuen Prolog nun, wie es zu dieser Verabredung kam und welchen Enthüllungen die ebenso ehrgeizige wie charmante Nico auf der Spur war. Zu dem Zeitpunkt, an dem ihr im Original in die Handlung einsteigt, habt ihr in der Neuauflage bereits über eine Stunde gespielt und euch mit Steuerung und Interface vertraut gemacht – beides funktioniert absolut unkompliziert und intuitiv. Mit Touchpen bzw. Wiimote fahrt ihr über den Bildschirm. Bei Personen oder Objekten, mit denen ihr interagieren könnt, erscheint darauf hin das entsprechende Symbol auf dem Screen. Eine Lupe bedeutet, dass man sich etwas genauer ansehen kann, zwei ineinander greifende Zahnräder lassen auf irgendeine Form von Benutzbarkeit schließen. Durch das kontext-sensitive System wird langes Rumprobieren von falschen Optionen vermieden, gefundene Gegenstände wandern automatisch in eure Tasche.Man sollte aus dieser Benutzerfreundlichkeit allerdings nicht schließen, dass es sich bei Baphomets Fluch um ein simples Spiel handelt. Schon zu Beginn stellen Schiebe-, Kombinations- und Code-Rätsel eure grauen Zellen auf harte Proben. Dank des dreistufigen Tipp-Systems ist Frust aber von vornherein ausgeschlossen. Steckt ihr fest, könnt ihr euch von vagen Hinweisen bis zur kompletten Lösung eines Rätsels je nach Bedarf, Geduld und Hartnäckigkeit Hilfestellungen geben lassen. Ein cleveres Prinzip, denn so siegt zum einen meist der Stolz, alleine auf die Lösung zu kommen, anderseits wisst ihr aber auch stets, dass ihr ein Netz habt, das euch auffängt, wenn doch mal alle Gedankenfäden reißen sollten.Die (auf dem DS nicht vertonten) Dialoge laufen ebenfalls nach einem einfachen Muster ab. Alles, wonach ihr fragen könnt, wird als Icon angezeigt. Haben sich die Aussagen zu einem bestimmten Thema erschöpft, verschwindet das entsprechende Symbol ganz einfach.
Bunte Mysterien
Schon lange vor dem „Da Vinci“-Hype erwiesen sich George und Nico als mindestens ebenso gutes Team, wie es Robert Langdon und Sophie Neveu in Browns Buch sind. Die beiden Hauptcharaktere überzeugen durch Witz und Charme und wachsen im Verlauf des Abenteuers nicht nur dem Spieler, sondern sich auch gegenseitig ans Herz. Für eine große Portion Flair und Farbe in einer sonst stellenweise recht düsteren und immer spannenden Story, sorgt zudem der handgezeichnete Grafikstil, für den niemand geringeres als Dave Gibbons (u.a. Zeichner des grandiosen und jetzt wieder brandaktuellen „Watchmen“) verantwortlich ist. Während die malerischen Kulissen auch heute noch wunderbar funktionieren, hätten die Animationen der Charaktere durchaus eine Frischzellenkur vertragen können. Allzu staksig bewegen sich die Figuren durch die Szenarien. Sowohl die Wii- als auch die DS-Version lassen sich dafür gut und komfortabel steuern, wobei die Handheld-Version durch ihren Touchscreen noch eine Spur griffiger ausgefallen ist. Auch profitiert das Spiel hier in manchen Situationen von seinem zusätzlichen Bildschirm, auf dem z.B. bei Dialogen die Konterfeis der Gesprächspartner eingeblendet werden, während sie sich auf der Wii einfach ins Bild schieben, was nicht ganz so elegant aussieht. Dafür sieht die Wii-Version natürlich allgemein hübscher aus. Die zusätzlichen Rätsel und neuen Erzählstränge sind hingegen auf beiden Plattformen identisch.
Pro und Contra
- + spannende Story
- + sympathische Hauptcharaktere
- + malerischer Grafikstil
- + einfaches Interface
- + frustvermeidende Tippfunktion
- - für Veteranen zu wenig Neues
- - wird zum Vollpreis verkauft
- - DS-Version ohne Sprachausgabe
- - Nicos Frisur
Kostspielige Renaissance eines Adventure-Klassikers
Baphomets Fluch habe ich damals auf der PlayStation in einer Non-Stop-Session mit einem Freund durchgespielt und verbinde daher sehr positive Erinnerungen mit dem Werk von Cecil und Gibbons. Dank der neue Tippfunktion des Directors Cut bleibt allen Neulingen das zeitraubende Hängenbleiben bei manchen der kniffligen Rätsel erspart, das uns damals halb in den Wahnsinn trieb. Diese Funktion hätte es also ruhig auch schon damals geben dürfen. Die weiteren Neuerungen halten sich hingegen etwas zu stark zurück. Sicher ist es schön, neue Szenarien, wie den Prolog mit Nico, zu spielen und ein paar Lücken in der Story zu schließen, aber wer Baphomets Fluch schon kennt, findet zu wenig wirklich Neues, um hier erneut zugreifen zu müssen. Zumal der Directors Cut zum Vollpreis verkauft wird, während man die PC-Version des Originals schon für wenige Euro bekommt. Kulanter wäre es da gewesen, wenn sich z.B. auch noch der Nachfolger „Die Spiegel der Finsternis“ mit auf den Datenträgern befunden hätte. Wem die etwas schiefe Preisgestaltung hingegen nichts ausmacht, kann jetzt einen echten Genreklassiker nachholen.
Bewertung
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Kommentare (6)
Belphegor
Aylon5
Spielereins
Krebsverwertung
Hinterwäldler
In Vergessenheit geraten ruhige atmosphärische Abende, allein vor dem Rechner, Knabbereien und eine Kanne Kaffe. Dann die Aufgaben, dazu keine Lösung, hin und wieder rief man den Kumpel an um einen Tipp abzustauben. Frust hieß damals, zumindest bei diesem Spiel, Herausforderung.
Duderism