16.01.2007 11:58
Batman Vengeance
Wer kennt ihn nicht, den dunklen Ritter aus Gotham City. Ubisoft hat sich die Batman-Lizenz geangelt und ein 3D-Action-Adventure rund um den maskierten Rächer gestrickt. Dabei basiert das Spiel auf der Comic-Fernsehserie, die momentan jeden Samstag auf Pro7 zu sehen ist. Dunkle Gassen, ständige Prügeleien mit Gothams Ganoven und der Einblick die seelischen Abgründe Batmans haben diese TV-Serie in den USA zu einem echten Hit werden lassen.
In Batman: Vengeance übernehmt ihr die Rolle der menschlichen Fledermaus und stellt euch euren zahlreichen Erzfeinden, wie z.B. dem Joker, Mr. Freeze und Poision Ivy. Aus der, für Action-Adventures gewohnten Perspektive, bei der ihr eurem Protagonisten über die Schulter seht, könnt ihr zahlreiche Manöver ausüben, um die anstürmende Gegnermeute zur Vernunft zu ingen oder eines der kleinen Rätsel zu lösen. Die dritte Perspektive ist sehr nett gelungen, da Batmans Umhang noch nie schöner als in diesem Spiel flatterte. Später dürft ihr sogar das berühmte Batmobil und den Batwing durch Gotham lenken.
Nach einem spielbaren Intro, das den Auftakt zur ersten Episode des Spiels darstellt, dürft ihr euch im Batman-Cave mit der Steuerung näher vertraut machen. Dies ist auch bitter nötig, da die Belegung des Pads und einige Manöver nicht unbedingt perfekt durchdacht wirken. Neben den üblichen Aktionen wie z.B. Springen, Treten und Faustschlag beherrscht unser Freund noch einige Tricks. Mit Hilfe seines Umhangs kann er eine kurze Distanz lang segeln, was sehr hilfreich ist, um einige Abgründe zu überwinden. Auch sein bekanntes Sammelsurium an Ausrüstung kann Batman gezielt einsetzen. In einer Anzeige blättert man durch die verschiedenen Waffen und Hilfsmittel, die Batman zur Verfügung stehen. So kann Batman ein Stahlseil einsetzen, um sich auf höher und weiter entfernt liegende Plattformen zu ziehen. Auch die berühmten Batarangs, Wurfgeschosse in Fledermausform, kommen zum Einsatz. Leider muss man für den Einsatz dieser Gadgets in einen speziellen 1st Person-Modus wechseln, so dass es nicht möglich ist, seine Gegner effektvoll zu verkloppen und gleichzeitig mit Batarangs nach ihnen zu werfen..
Im Kampf wehrt sich Batman mit verschiedenen Würfen und Tritten, die man durch Kombination der Buttons mit dem Steuerkreuz variieren kann. Nachdem ein Gegner zu Boden gegangen ist, sollte man ihm möglichst schnell Handschellen anlegen, da sich die Bösewichter nach einiger Zeit wieder erholen und dem tapferen Recken in den Rücken fallen würden.
Aber auch Batman kann sich an seine Gegner unbemerkt anschleichen. Mittels Knopfdruck lehnt er sich an Häuserwände und kann sich im Schutz des Schattens an seine Gegner heranpirschen. An Hausecken hilft ein schneller Blick um die Ecke die Lage zu erkunden und seinen Gegner mit einem gezielten Bumerangwurf die Waffen aus der Hand zu schießen.
Die Grafik orientiert sich sehr stark am Vorbild der TV-Serie. Vor jeder Mission werden kurze FMV-Schnippsel eingespielt, die vor allem für Fans des maskierten Gesetzeshüters ein wahrer Augenschmauss sind. Im Spiel selber herrschen dunkle und graue Farben vor, die leider eher einen eintönigen Eindruck hinterlassen, manchmal einige Details im Schatten verschwinden lassen und den Blick auf das Spielgeschehen arg verdunkeln. Die Animationen von Batman und seinen Gegner sind durchaus gelungen. Alle Xbox-Besitzer, die nur das Standard-AV-Kabel verwenden, seien an dieser Stelle besonders gewarnt: "Dank" größerer gleichfarbiger Flächen neigt das Bild ein prinzipielles Problem dieser Anschluss-Art besonders stark zu zeigen. Die Farben verschwimmen sehr stark und die Grafik wirkt dadurch sehr undetailliert. Wer bereits die PS2-Version von Batman kennt, kann auf die Xboxumsetzung getrost verzichten. Bis auf ein kleines Kosmetikliftung in Sachen Texturen sind keine großen Unterschiede auszumachen. Dennoch ist Batman Vengeance trotz der abstakten Grafik die "schönste" Comicadaptierung seit langem.
Der Sound unterstützt wie alle bisherigen Xbox-Spiele Dolby Digital 5.1 und untermalt das Spielgeschehen ohne sich dabei in den Vordergrund zu spielen. In den nicht deutsch synchronisierten Zwischensequenzen hört ihr Kevin Conroy als Batman and Mark Hamill (alias Luke Skywalker) als seinen Erzfeind Joker. Die Festplatte wird nur als Zwischenspeicher und Spielstandlager genützt. Schon bestandene Levels darf man frei anwählen, um sich dort genauer umzusehen. Ebenso darf man sich alle bisher gesehenen Zwischensequenzen noch einmal zu Gemüte führen. Gerade Fans der Comicvorlage werden diese Funktion sehr schätzen, das die FMV effektvoll in Szene gesetzt sind und den Charme der Serie sehr gut einfangen. Leider ist bei der PAL-Konvertierung der Zwischensequenzen etwas schiefgelaufen. Statt die Vidos flüssig abzuspielen, ist ein unschöner Ruckeleffekt zu spüren. Das eigentliche Spiel läuft aber sehr flüssig.
Als in der März-Ausgabe von Detective Comics aus dem Jahre 1937 das erste mal ein neuer Comicheld namens THE BATMAN das Licht der Welt erblicke, konnte wohl niemand ahnen, welche Dimensionen der Fankult rund um den dunklen Ritter einmal annehmen würde. Und wie das mit erfolgreichen Comics immer so ist, wurde auch Batman bereits mehrmals verfilmt. Die gleichnamige TV-Serie erreichte in den 60ern Jahren wegen der übertriebenen Albernheit sogar einen echten Kultstatus. Doch die originale Geschichte um den nächtlichen Rächer ist wesentlich düsterer als diese angestaubte Fernsehproduktion. So geschah es, dass fast 30 Jahre später mit Tim Burton genau der richtige Mann auf dem Regiestuhl Platz nahm und Batman seinen würdigen Platz in der Filmgeschichte verpasste. Dabei wurde die Story ganz im Stil der ernsthaften Comics von Batmanschöpfer Bob Kane verfilmt. Schließlich sollten die Gangster vor einer riesigen menschlichen Fledermaus eine Heidenangst haben und sich nicht über einen albernen Typen in Strumpfhosen Tod lachen. Wobei letztere Methode natürlich auch wirkungsvoll wäre...
Die US-Filmpremiere von Batman im Jahr 1989 und der darauf folgende Hype konnten den Mythos rund um den Flattermann tatsächlich wiederbeleben. Michael Keaton war zweifelsohne die Idealbesetzung des smarten Millionärs Bruce Wayne und Jack Nicholson illierte in der Rolle als diabolischer Joker. Die Filmmusik stammt üigens von Burtons Lieblingskomponist Danny Elfmann - seitdem orientieren sich alle weiteren Verfilmungen und TV-Serien an diesem dramatischen Sinfoniemeisterwerk. 3 Jahre nach Batman folgte Burtons extrem düstere Fortsetzung Batman Returns. Im selben Jahr startete am 5.September die TV-Serie Batman: The Animated Series mit einem stilisierten, relativ einfachem Design, welches von Bruce Timm entworfen wurde und sich inhaltlich an die beiden neuen Kinofilme anlehnte. Auch Batman Vengeance orientiert sich an dieser abstrakten zeichnerischen Darstellung, aber auch an der tollen Filmmusik. Wer also unter diesen Voraussetzungen an das Spiel herangeht, hat wesentlich mehr Spaß als über mangelnde Realitätsnähe und schwache Grafik zu fachsimpeln.
„Typisches Lizenspiel“
(Eigene Meinung » Alexander von Freyburg)
Wie an jedes Lizenzspiel bin ich auch an Batman: Vengeance mit gemischten Gefühlen herangegangen. Leider haben sich die Erfahrungen mit Lizenspielen im Allgemeinen auch hier zum Teil bestätigt. Auch diese Versoftung eines großen Namens kommt nicht an das Vorbild heran. Neben vielen kleineren Ungereimtheitn, wie z.B. der Tatsache, dass es kein Autosave während oder beim Verlassen des Spiels gibt, trüben einige größere Mängel den Spielspaß. Dazu zählt unter anderem die seltsame Idee, für die verschiedenen Gimmicks in eine eigene Perspektive zu wechseln und nur diese Perspektive für den Einsatz des Zubehörs zu zulassen. Auch nicht optimal gelöst ist die Kamera, die man zwar per Knopfdruck zentrieren kann, aber leider nicht frei bewegen darf. Da hilft der zuschaltbare Blick aus der Egoperspektive nicht. Unglücklich präsentieren sich auch die Kämpfe. Bei einem Treffer ist Batman für kurze Zeit bewegungsunfähig, so dass der Gegner eine ganze Serie an Treffern landen kann, ohne dass man eine reelle Abwehrchance hat.
Wer nicht am schwankenden Schwierigkeitsgrad scheitert und ein gewisses Faible für Action-Adventures im Comicstil hat, könnte durchaus mit Batman Vengeance glücklich werden.
„Hast du je im blassen Mondlicht mit dem Teufel getanzt?“
(Eigene Meinung » Alexander Wilke)
Comicfreunde sind wirklich leidensfähige Zeitgenossen. Seitdem es Videospiele gibt, wurden wir mit schlampigen Umsetzungen unserer Lieblingshelden traktiert. Dennoch haben wir niemals die Hoffnung aufgegeben, dass eines Tages einmal das "perfekte" Comicgame erscheinen wird. Prima, dass Batman Vengeance endlich einen großen Schritt in die richtige Richtung darstellt. Zwar ist das launige Spiel mit dem düsteren Flattermann keine 100% perfekte Umsetzung der TV-Serie, aber auch nur knapp an einem absoluten Insider-Tipp verbeigeaust. Das einzige (leider sehr große) Manko ist die total misslungene automatische Kameraperspektive und die damit verbundene unpräzise Steuerung - dafür möchte ich den zuständigen Ubi Soft-Programmierer am liebsten in den Säurebottich von Axis Chemicals schubsen.
Zwar gibt es kaum etwas Schöneres als mit Batman durch Gotham zu streifen, aber aufgrund einiger unnötiger Designfehler, hätte ich die Batman-DVD manchmal in 1000 Einzelteile zerechen können. Und trotzdem mag ich das Spiel. Das liegt zum einen daran, dass ich schon lange keinen so atmosphärischen Soundtrack gehört habe (Stichwort Danny Elfman) und zum anderen ist Batman Vengeance wirklich sehr abwechslungsreich und für Batmanfans beinahe ein Muss. Die finale Wertung bezieht sich daher nur auf den Durchschnittsspieler. Echte Comicfans können aber locker noch 20% auf die Gesamtwertung draufrechen und sollten sich dieses Spiel am besten einmal probespielen.