Battalion Wars
15:46 Uhr - Nähert man sich Battalion Wars, sollte man zuerst alle Assoziation zur Advance Wars-Serie vergessen, auch wenn das Spiel lange Zeit als Konsolen-Ableger der bekannten und beliebten Gameboy-Strategieserie gehandelt wurde. Selbst wenn die Programmierer dieses Anliegen anfangs noch verfolgt haben sollten, haben sie sich im Entstehungsprozess des Spiels offensichtlich immer weiter davon entfernt. Letzlich verbindet Battalion Wars mit der AW-Serie nur noch eine gewisse Ähnlichkeit im comicartigen Look des Charakter- und Waffendesigns, sowie der typische Aufbau der humorigen Hintergrundstory, die in Battalion Wars aber wesentlich besser integriert wurde. Spielerisch liegen dazwischen Welten.
Ein Krieg kommt selten allein
Während erste Grenzüberschreitungen noch als gelungene Einführung in die Spielsteuerung dienen, geht es schon bald richtig zur Sache und der Krieg ist im vollen Gange. Im späteren Verlauf sehen sich die beiden Kontrahenten allerdings dazu genötigt gemeinsam gegen eine dritte Armee in die Schlacht zu ziehen, die vom exilvanischen Kaiser Vlad und seinen Kommandeuren Ubel und Gräfin Ingrid befehligt werden. Ihr ehemals glorreiches Exilvania war lange Zeit der gedemütigte Spielball zwischen der Allianz und den Tundranas und sinnt nun auf Vergeltung.
Abwechslungsreiche Kriegsspiele
Dagegen wird in den devensiven Missionen oftmals verlangt, dass man einen strategisch wichtigen Stützpunkt gegen feindliche Angriffswellen schützt und verhindert, dass der Gegner dort seine Fahne wehen lässt. Zwischendurch gibt es auch Missionen in denen z.B. eine lange, actionreiche Fahrt mit dem Jeep im Mittelpunkt steht. Zudem kommt in es in allen Missionen zu überraschenden Wendungen.Wirklich abwechslungsreich werden die einzelnen Missionen aber erst dadurch, dass kontinuierlich neue Truppeneinheiten in das Kampfgeschehen eingefügt werden. Zu Beginn hat man lediglich einfache Gewehrschützen und ein leichtes Spähfahrzeug zur Verfügung, doch schnell gesellen sich Spezialkräfte, Flammenwerfer, Bazooka- und Rakteten-, ja sogar Mörserschützen hinzu. Leichte und schwere Panzer, Artillere- und Flugabwehrpanzer, sowie Spezialpanzer unterstützen die Fusstruppen, während es mit Kampfhelikoptern, Jägern, Bombern und gewaltigen Stratozerstörern aus der Luft kräftig zur Sache geht. Die einzigen Einheiten die Battalion Wars nicht bietet sind Seekräfte, ansonsten bleiben keine Wünsche offen.So kurzweilig die Missionsinhalte aus sind, so schnell ist das Spiel allerdings auch wieder vorbei. Die 20 Missionen erledigt man in 5-7 erfolgreichen Spielstunden, wobei darin nicht die Zeit mitgezählt ist, die man mit den vielen, gescheiterten Anläufen veracht hat.Danach hat man noch die Möglichkeit zu jedem Kapitel eine Zusatzmission freizuschalten, indem man den Durchschnittswert der Missionen auf mindestens 85% ingt. Das lohnt sich und macht Spass, denn der Wiederspielwert der Missionen ist ohnehin recht hoch, auch wenn sie gerade im letzten Kapitel einen äusserst hohen Schwierigkeitsgrad erreichen.Deutlich negativ fällt dagegen das Nichtvorhandensein eines Multiplayermodus auf, der sich beim Spielprinzip von Battalion Wars geradezu aufdrängt.
Die totale Kontrolle
Grundsätzlich kann man jede Einheit seiner Truppe zu jeder Zeit selbst steuern. Diese Einheit hat dann automatisch die Befehlsgewalt. Kontrolliert werden die restlichen Einheiten über den C-Stick. In der Praxis funktioniert das so: Mit der L-Taste fixiert man beispielsweise einen feindlichen Geschützturm. Mit dem C-Stick wählt man nun aus, welche Einheiten diesen Turm angreifen sollen. Möglich sind sowohl einzelne Einheitentypen, als auch alle Einheiten auf einmal. Hat man sich entschieden, bläst man mit der Y-Taste zum Kampf und es folgt ein konzentrierter Angriff auf den Geschützturm.Drückt man die X-Taste folgen einem die Einheiten, nochmaliges drücken lässt sie das Areal absichern. So kann man z.B. einen Fahnenmast sichern und mit anderen Einheiten losziehen. Auf die zurückgelassenen Einheiten kann man sich gut verlassen. Wenn sie angegriffen werden, ballern sie aggressiv auf alles was sich der Fahne nähert. Geschwächte Einheiten kümmern sich selbständig um ihre Gesundheit und sammeln pflichtbewusst die Medipacks ein, die gefallenen Feinde stets hinterlassen.Einen Gesamtüberblick über das Schlachtfeld kann man sich über das Kartenmenü verschaffen, für die unmitellbare Umgebung ist stets ein Radar eingeblendet. Innerhalb der Gefechte kann man mit dem Steuerkreuz zwischen einer nahen und einer weiter entfernten automatischen Kameraeinstellungen wählen. Dadurch hat man meistens die optimale Übersicht über das Geschehen.
Chaotische Action mit Taktikeinschlag
Im Schlachtengetümmel von Battalion Wars geht es nicht selten chaotisch und extrem actionreich zu. Nicht das eine gewisse strategische Vorgehensweise unnötig wäre, aber wenn verfeindete Truppen erstmal aufeinanderstossen, dann zählen wieder alte Videospieltugenden wie Reaktionsschnelligkeit und Dauerfeuerpower. Dennoch ist es stets wichtig, gefährliche Primärziele so schnell wie möglich ausser Gefecht zu setzen, da die Schlacht sonst schneller vorbei ist, als einem lieb ist. Die Folge von solchen Unachtsamkeiten ist nicht selten, dass man Missionen mehrmals beginnen muss, bis man sie endlich erfolgreich zuende geführt hat.Ein Missions-Beispiel:
Primäre Angriffsziele werden auf der großen Übersichtskarte mit goldenen Sternen gekennzeichnet, während man die freiwilligen, zusätzlichen Ziele am silbernen Stern erkennt.
Liebevolle Präsentation
Oberflächlich betrachtet bietet Battalion Wars eher durchschnittliche Grafikkost, auch wenn der Comic-Look von Anfang an überzeugt. Auf den ersten Blick fallen vor allem die leicht verwaschenen, etwas blassen Texturen ins Auge. Sobald man sich aber etwas länger mit dem Spiel beschäftigt, bemerkt man die vielen detailverliebten Kleinigkeiten. Jeder Schuss hinterlässt eine Spur in der Luft, aus herabstürzenden Hubschraubern sieht man die Soldaten fallen, aus stark angegriffenen Panzern quillt dicker, schwarzer Rauch und den watschelnden Bodentruppen sieht man wirklich an, dass sie einen schweren Rucksack mit sich rumschleppen. Das ganze läuft meistens flüssig, nur in wirklich effekt- und animationsreichen Situationen kommt das Bild leicht ins Ruckeln.Abgerundet wird das ganze durch gelungene Dolby Pro Logic II- Soundeffekte, die einem in den Schlachten nur so um die Ohren knallen. Die englische Synchronisation der verschiedenen Befehlshaber wurde liebvoll in Englisch vorgenommen und glänzt mit Akzenten und jede Menge Sprachwitz.
Mir persönlich hat der Titel jedenfalls eine Menge Spass gemacht, auch wenn ich manchmal fluchend vor dem Fernseher sass, weil immer wieder Missionen eingestreut werden, die deutlich schwerer sind als der Rest. Da hilft nur Zähne zusammenbeissen und Neustarten. Hatte ich erstmal erkannt, welche Strategie in einer Mission wirklich verlangt wird, dann war es meistens nur noch halb so schwer.Lediglich die etwas kurze Spielzeit und der fehlende Mehrspielermodus fallen negativ ins Gewicht. Zudem werden Spieler, die grundsätzlich damit Probleme haben wenn ein Spiel sämtliche Tasten des Pads nutzt, mit Battalion Wars bestimmt nicht glücklich. Ausgefuchsten Kampfstrategen, die auch unter erschwerten Bedingungen nicht die Kontrolle über ein Videospiel verlieren, kann ich dieses liebevoll inszenierte Spiel wärmstens empfehlen.
Bewertung
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