16.01.2007 11:55
Battlefield 2: Modern Combat
Nach 2 Episoden für den PC, inklusive einiger Addons, ingt Electronic Arts das Battlefield-Franchise jetzt auch auf die Konsole. Wer jetzt einen standardmäßigen 2. Weltkriegs-Shooter befürchtet, kann beruhigt aufatmen: Battlefield 2: Modern Combat spielt in der Gegenwart und setzt seinen Schwerpunkt auf den Multiplayer-Modus. Ob der Umzug ins Wohnzimmer gelungen ist, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Test!
PC-Veteranen werden schon beim ersten Anspielen untypische Merkmale in Battlefield 2: Modern Combat feststellen: Da gibt es doch tatsächlich eine Story! Diese ist zwar nicht herausragend, bietet auch keine plötzlichen Wendepunkte oder geht speziell auf Soldaten ein, wird aber immerhin durch nette Zwischensequenzen begleitet. Zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und China herrscht ein Konflikt , auch Truppen aus Europa und dem Mittleren Osten werden miteinbezogen. Die Videos werden meist in Form propagierender TV-Nachrichten gezeigt, danach geht’s sofort ins Geschehen. Diese Geschichte wird mit der zweiten Neuerung verknüpft, ein vollwertiger Einzelspieler-Modus. Auch dieser findet mit Modern Combat seinen Einzug in die Reihe und kann auf beiden Seiten durchgespielt werden, folglich weichen auch Geschichte und Videos voneinander ab...
Wer jetzt denkt, er kann im Solo-Modus den Rambo raushängen lassen, wird enttäuscht sein. Denn selbst hier setzt Battlefield 2: Modern Combat auf taktisches Handeln im Team. Anders als in anderen Taktik-Shootern übernehmt ihr sozusagen die Kontroller über eine ganze Armee, möglich macht dies das neue und innovative „Hotswap-Feature“. Mittels selbigem ist es dem Spieler erlaubt, zwischen einzelnen Einheiten durchzuschalten. Situationsbeispiel: Ihr befindet euch mit einem normalen Sturmsoldaten in einer Auseinandersetzung mit feindlichen Truppen, plötzlich kommt ein dicker Panzer um die Ecke gerollt, um mal so richtig aufzuräumen. Aus der Deckung heraus sehr ihr einen Teamkameraden auf dem Dach, welcher praktischerweise eine Panzerfaust im Gepäck dabei hat. Wenn jetzt das weiße Hotswap-Symbol über ihm aufleuchtet, reicht ein kurzer Druck auf die Y-Taste und ihr werdet mit einem coolen Blur-Effekt in ihn hinein „gebeamt“, den alten Sturmsoldat übernimmt ab jetzt die KI. Jetzt heisst es nur noch Panzerfaust hervorholen und dem Bleckkasten das neuste Raketenmodell vorführen. Wie schon gesagt sind diese Hotswap-Wechsel nur dann möglich, wenn die einzunehmende Einheit in Sichtweite ist und über ihr ein weißes Symbol aufleuchtet. Anfangs war ich gegenüber diesem eher ungewöhnlichen Feature zwar noch ein bisschen skeptisch, mittlerweile ist der Kriegsalltag ohne es aber nicht mehr wegzudenken. Hier haben die Entwickler von Dice wirklich ganze Arbeit geleistet, denn die Umsetzung ihrer Idee ist voll aufgegangen. Neben den Swapping-Aktionen wirkt außerdem ein Punktesystem ausschlaggebend für den Erfolg des Spielers: Für jeden Abschuss oder andere gute Aktionen bekommt ihr Punkte gutgeschrieben, dagegen werden für eigene Verluste Abstriche vorgenommen. Sobald euer Konto leer ist, scheitert die Mission und ihr könnt von neuem beginnen, deswegen entsteht auch eine gewisse Hektik im Kampf. Speichern ist üigens nur zwischen den einzelnen Missionen möglich, versagt ihr also, heisst es neu anfangen! Nette Nebenaufgaben, die im Kampagnenmenü anzuwählen sind, lockern den Soldatenalltag auf: So gilt es etwa, in einer bestimmten Zeit möglichst viele Teamkameraden zu eskortieren.
Der zentrale Punkt der Battlefield-Reihe ist und bleibt der Multiplayer-Modus. Dieser ist im Konsolenabstecher mit maximal 24 Teilnehmern spielbar und läuft erfreulicherweise auch mit DSL-Light meist absolut flüssig. Es gibt 2 Spielvarianten, einmal einen Capture the Flag-Modus, der sich eigentlich selbst erklärt, und dann noch den Eroberungsmodus. Und hier geht es für Kenner auch auf gewohnte Art und Weise zu: Ihr wählt zwischen 2 Fraktionen, danach eine Charakterklasse und zuletzt euren Einstiegspunkt. Die Charakterklassen unterscheiden sich grundlegend in ihren Waffen: Als Sturmsoldat seit ihr im Besitz eines Maschinengewehrs inklusive eingebautem Granatwerfer sowie verschiedenen Granaten und einer Pistole. Diese Variante eignet sich sehr gut für Einsteiger, da sie sozusagen das „Allround-Talent“ der vorherrschenden Auswahl darstellt. Außerdem gibt es noch Scharfschützen, Special Ops, Pioniere und Versorgungssoldaten, die sich auf bestimmte Bereiche spezialisieren, hier sollte jeder seinen persönlichen Favoriten finden können. Des Weiteren ist es sehr sinnvoll, wenn man in einem Team alle Bereiche abdeckt, denn so ergibt die Truppe ein besseres und vor allem effektiveres Gesamtbild. Während die Scharfschützen aus der Ferne Rückendeckung geben, kümmern sich die Pioniere um anrückende Panzer. Gleichzeitig verarztet der Versorgungssoldat verwundete Einheiten und hetzt Mörserschläge auf die Basen des Feindes. Ihr seht also: Auch eine gelungene Mischung bestimmt den Erfolg in Battlefield 2: Modern Combat mit! Apropos Erfolg, selbiger wird, wie in letzter Zeit auch schon in anderen Spielen üblich, mit Punkten und darauf folgenden Medaillen (meiste Abschüsse mit einem Magazin, bestimmte Anzahl an gewonnenen Spielen, etc.) belohnt. Dies hat den netten Nebeneffekt, dass man noch zusätzliche Motivation erhält, auch wenn ein so tolles Multiplayer-Erlebnis es fast gar nicht mehr nötig hätte… Einziger großer Wehrmutstropfen: Der Kernpunkt von Battlefield 2 ist leider ausschließlich über Xbox Live spielbar, die beiden Offline-Varianten, Splitscreen und System-Link, haben es nicht ins Kriegsspektakel geschafft.
Neben großen Karten bietet Modern Combat auch ein vielfältiges Arsenal an Waffen und einen riesigen Fuhrpark. Das Waffenarsenal gilt es allerdings zum größten Teil im Einzelspielermodus freizuspielen. Wenn hier alles abgeräumt ist, solltet ihr auf eine Anzahl von über 50 Waffen kommen, die sich in Attributen wie Magazingröße, Durchschlagskraft und Genauigkeit unterscheiden. Auf diese Weise richtet ihr nicht nur mehr Schaden auf dem Schlachtfeld an, sondern seit auch noch dazu angespornt, jede Mission, so knifflig und schwer sie auch manchmal sein mögen, erfolgreich zu bewältigen. Neben dem reichhaltigen Aufkommen an Bleiverteilern existiert in Battlefield ein riesiges Kontingent an Fahrzeugen: Vom normalen Zivilisten-Auto, über verschiedene Panzer-Modelle bis hin zum Kampf-Helikopter lässt sich alles frei steuern. Auch hier verhält es sich ähnlich zu den Charakterklassen: Man sollte sich auf eine Fahrzeugklasse spezialisieren, um möglichst effektiv gegen den Feind vorgehen zu können. Viele Fahrzeuge bieten außerdem mehrere Sitzplätze, so kann z.B. Spieler A den Jeep durch die Gegend kutschieren, während Spieler B das angeachte MG bedient, um den Weg freizumachen. Generell lassen sich die Fahrzeuge zwar gut mit dem Controller steuern, es erfordert aber schon ein wenig Umgewöhnung, wenn man schon einen der PC-Ableger gespielt hat: Zum einen reagiert der linke Stick manchmal etwas schwammig, besonders enge Kurven und hohe Präzision erfordern hier einiges an Können. Zum andern kann man sich, wenn man in einem Vehikel sitzt, nicht umsehen. Warum der rechte Analogstick hier unbenutzt bleibt, ist mir ein Rätsel, denn der Übersicht hätte es gut getan, nicht nur stur geradeaus gucken zu können. Wenigstens kann mit einem Druck auf den rechten Stick in eine Außenperspektive umgeschaltet werden.
Präsentationstechnisch macht die Schlachten-Simulation fast alles richtig. Weitläufige Territorien und viele nette Details laden zum virtuellen Kriegstreiben ein. Auch nervenaufreibende Effekte haben den Weg ins Spiel gefunden, so ist euer Blick während und nach heftigen Explosionen sehr unscharf, wodurch die Atmosphäre noch mal ein ganzes Stück verschärft wird. Mehr Mühe hätte man sich bei den Explosionen und den Spielermodellen (und deren unnatürlich wirkende Ragdoll-Engine) machen können. Im Üigen sind einige Texturen etwas unschärfer, diese kleinen Mankos trüben das Endresultat jedoch nur unwesentlich, wenn man auf die Größe der Areale blickt. Ebenfalls gut gelungen ist der Soundtrack, der eine wirklich beklemmende Atmosphäre vermittelt. Soundeffekte wie Schussgeräusche und Explosionen kommen ebenfalls wuchtig rüber, am besten durch eine Dolby Digital 5.1 Anlage. Insgesamt sieht Battlefield 2: Modern Combat super aus und zeigt, dass die aktuelle Konsolengeneration noch einiges auf den heimischen Fernseher zaubern kann. Ein wenig Verwirrung gibt es in der Steuerung: Diese unterscheidet sich im Einzel- und im Mehrspielermodus. So wird im Singleplayer per Y-Taste das Hotswap-Feature aktiviert, während man auf derselben Taste im Multiplayer nachlädt. Ansonsten geht alles, bis auf die bereits angesprochene Fahrzeugsteuerung, gut von der Hand. Die KI der Kollegen und der Feinde ist meistens gut, sie begeben sich oft in Deckung und nehmen die Feinde schnell unter Beschuss.
Mit Battlefield 2: Modern Combat gelingt den Entwicklern von Dice ein guter Konsolenport ihres Mehrspielerhits. Und das Wort „Mehrspielerhit“ gilt auch für die Konsolenversion, denn trotz des löblichen Einzelspieler-Teils ist und bleibt die Battlefield-Reihe ein Garant für kompromisslosen Spaß, in diesem Fall, mit maximal 24 Leuten. Daher empfehle ich vor allem den Xbox Live-Spielern, die noch nicht bereit sind, auf die neue Konsolengeneration umzuspringen, sich diesen Titel sehr genau anzusehen. Mehr Freude und Motivation hatte ich beim Online-Spielen schon lange nicht mehr, und selbst wenn die Xbox 360 bald schon in meinem Regal steht, kann ich mir vorstellen, den ein oder anderen Abend noch mal in die Welt von Battlefield einzutauchen, um ein paar Eroberungspunkte einzunehmen. Solo-Puristen sollten genau überlegen, ob ihnen der Einzelspielermodus aus Battlefield 2 genügt, denn mit diesem veringt man bei weitem nicht die Zeit, die man online investiert. Für die Videotheken-Ausleihe oder zum Budgetpreis taugt das Spiel aber auch für den geneigten Offline-Gamer allemal! Insgesamt kann man nur hoffen, dass EA das Spiel noch lange am Leben hält, indem man die Community mit neuen Maps und sonstigen Erweiterungen versorgt, denn dann hat Battlefield 2 sicherlich das Potenzial, zum Dauerenner zu werden. Ich warte auf die schon angekündigte Xbox 360-Version, bis dahin sieht man sich ja vielleicht online…