Battlefield: Bad Company
11:05 Uhr - Bereits mit Modern Combat versuchte EA, sein Battlefield Franchise auf Konsolen populär zu machen. Das Game war nicht schlecht, schaffte es allerdings nie wirklich so einen Impact zu hinterlassen wie Halo, Gears of War oder inzwischen auch Call of Duty. Vielleicht war das Hauptproblem ja, dass man sich als Konsolero auf den Schlachtfeldern eher wie in einer Battlefield 2 Light Version vorkam? Dieser Depression wollen DICE nun mit einem komplett eigens für Konsolen entwickelten Serienteil entgegenwirken, der mit einem individuellen Gesicht, sowie einigen neuartigen Features für Begeisterung sorgen soll.
Könige ja, aber keine Heiligen
Im Grunde eine sehr simple Story, die auch im Verlauf keinerlei nennenswerte Wendungen oder emotionale Momente bereithält. Trotzdem passt das, denn sie ist nicht mehr als die Schaubühne auf der sich die Bad Company Truppe so richtig austoben kann. Zwischensequenzen im Spiel sind nämlich eher wie Stand-Up Comedyshows veranlagt, wobei Haggard und Co. im Rampenlicht stehen. Ob einfach nur so für sich süffisant, oder mit Querverweisen an andere Games sowie Filme versehen, die Wortgefechte der Truppe sind ein ums andere mal zum Schießen komisch. Dabei haben DICE es geschafft ihren Comic Charakteren Seele und Leben einzuhauchen, mit den Jungs ist man einfach saugerne unterwegs. Auf jeden Fall Tausend mal lieber, als mit den üblichen “Jawohl, SIR!“ Kollegen der meisten Konkurrenzspiele. Was man der Story des Spiels letztendlich aber sehr übel nehmen muss, ist das höchst unoriginelle Finale gegen den absoluten Klischee Endgegner...*SPOILER*... *SPOILER*... WER DIESEN ABSATZ WEITERLIEST IST SELBER SCHULD...einen Hubschrauber.
“Die Tür klemmt, ich nehm’ die Wand!“
Genug ‚abers’ aber jetzt (hehe, abers aber...), trotzdem überzeugen die Verschrotungsmöglichkeiten von Bad Company absolut: Mit allem was explodiert oder Explosionen bewirken kann, dürft ihr nach Belieben so lange Löcher in Mauern bomben, bis es keine Wände mehr zum Löcherdurchbomben gibt. So gut wie jede Art von Deckung ist zerstörbar, kleine Rasteinlagen mitten auf dem Schlachtfeld könnt ihr euch also schon mal abschminken. Natürlich wird dadurch das Tempo des Spiels angezogen, denn was sonst tun als Rennen und Kämpfen, wenn es keinen Ort mehr zum Verstecken gibt? Campen war gestern, nur von einer Seite einnehmbare Stützpunkte sind ebenso passé. Und auch wenn die von den Entwicklern behaupteten “rund 90%“ Zerstörungsgrad der Umgebung unseres Erachtens nach keinesfalls erreicht werden, Aisskommando zu spielen ist uns in Bad Company bis zuletzt nicht langweilig geworden. Viel zu oft ertappten wir uns sogar dabei Ölfässer hochzujagen, obwohl gar nirgendwo weit und eit ein Feind zu sehen war. Nicht selten zum Leidwesen kleiner Klohäuser...
“Offen... iss offen!“
Wir schrieben im letzten Absatz „beinhalten die Level auf den ersten Blick kaum Barrieren oder festgelegte Marschrouten“. Mit gutem Grund, denn so wirklich darf sich Bad Company unserer Meinung nach nicht als Sandboxspiel bezeichnen. Jedes Level grenzt den begehbaren Bereich zu Anfang enorm ein, erst nach und nach darf man sich per Abarbeitung der linearen Zielpunkte einen größeren Kartenausschnitt verdienen. Nie ist es dabei aber mal der Fall, dass man wirklich ein komplettes Terrain erschließen kann. Der Blick auf die Minimap zeigt meist nicht mehr als eine lineare Marschroute, die bloß viel grober umzeichnet ist als bei den meisten anderen Games. Auch wenn die Einsatzgebiete um ein Vielfaches weitläufiger und quer durch die Pampa uneingeschränkter begehbar sind als bei Call of Duty oder Frontlines, so hat man mangels Alternativmissionen und eben aufgrund der klar verzeichneten Verbotsbereiche (übertritt man die rote Levelgrenze, wird man von Flaks zerballert), spielerisch doch eher das Gefühl ein clever gemachtes Schlauchspiel wie beispielsweise Halo 3 zu zocken. Trotzdem, auf der Habenseite des Ganzen steht natürlich das Gefühl sich wirklich in einer zusammenhängenden Welt zu bewegen.Um der größeren Distanzen zwischen Zielpunkten im Spiel Herr zu werden, stehen eine Reihe von Fahrzeugen zur Verfügung. Der Fuhrpark reicht von Panzern über bewaffnete Jeeps bis hin zu Helikoptern und sogar geschützbestückten Booten. Nur von Flugzeugträgern, Düsenjägern und Großkampfschiffen muss man absehen, das gilt auch für den Mehrspielerpart. Leider fehlt es den vorhandenen Gefährten ein wenig an Motorpower, denn schon bei leichten Steigungen machen sie alle ihre Mucken. Dass Panzer oft schon an kleinen Objekten hängen bleiben, ist ja bekanntlich eine Art weit vereitete Videospielekrankheit. Hier etwas entschärft, denn man darf Häuser “einfahren“, Bäume unter den Stahlketten begraben und Zaunrasenmäher spielen. Klappt mit etwas Schmackes auch mit den meisten Autos, inklusive des Wände Zerdepperns.
Good Weaponry
Besonders gegen Fahrzeuge helfen intuitiv einsetzbare Gadgets, die einer feinen Balance zwischen Ausführungsdauer und Zerstörungsstärke unterliegen. Ein lasergesteuerter Luftschlag beispielsweise, muss erst mal einige lange Sekunden auf das Ziel gerichtet werden. Erst dann düst ein verheerend explosiver Sprengkopf vom Himmel, der in bester Pearl Harbor Filmmanier direkt vom Spieler aus der Rückansicht heraus gesteuert wird. Das Prinzip gilt auch bei der anderen Luftschlagvariante sowie dem Mörsergeschütz. Es dauert eine Weile die Zieldaten einzufangen und den Schuss auszuführen, dafür werden Katz und Maus im Einschlagsgebiet ihrer Leben nicht mehr glücklich. Ob nun die beschriebenen Sonderwaffen oder Fahrzeugreparaturbohrer, irgendwie sind fast alle Gadgets im neuen Battlefield verdammt nützlich. Da man aber immer nur eines von ihnen mit sich tragen kann, fällt die Entscheidung oft schwer. Zumal sie in der Einzelspielerkampagne an jeder Ecke zu finden sind.
Selfmade Sanitäter und Lebensmüde
Das Einzige was trotzdem manchmal etwas nervt ist, dass die russischen Soldaten in bereits gesäuberten Dörfern schon nach kurzer Zeit wieder auf mysteriöse Art auftauchen. Ebenso lästig sind die ständigen Kämpfe gegen Panzer und andere bewaffnete Fahrzeuge, die bei längeren Wegstrecken nach dem Zufallsprinzip auch mal alle paar Kilometer herumstehen. Eine supergroße Herausforderung stellen diese Scharmützel zwar nicht dar, jedoch ist man von deren Beliebigkeit relativ schnell genervt. Nicht minder ärgerlich ist die Ineffektivität eurer drei Teamkameraden. Deren ständige Sprüche mögen während der Feuergefechte zwar selbst bei Wiederholung immer wieder gern gehört sein, dass sie aber mal einen Gegner umnieten ist eine große Ausnahme. Da sie es zudem lieben auf dem offenen Schlachtfeld die Gesellschaft von Geschossen und Explosionen zu suchen, kann man über ihre Unsterblichkeit eigentlich nur froh sein. So spielt sich Battlefield: Bad Company trotz des anders versprechenden Titels wie ein absoluter Soloshooter, ohne Team K.I. Aspekte. Zumal es auch keinen Koopmodus für menschliche Mitspieler gibt.
Eis am Stiel für die Augen?
Auch wenn der Vorsatz ein hübsches Spiel mit weitläufigen Arealen abzuliefern also keinesfalls missglückt ist, von mit aktuellen PC Games vergleichbarer High-End Grafik kann man bei DICE neustem Werk nicht reden. Dazu fehlt es an zu vielen gängigen Next-Gen Effekten wie feinem HDRR sowie Kantenglättung. Das ist jetzt kein allzu großer Vorwurf, bei vielen anderen Games mit so großen Levels ist das nicht viel anders. Genau so verhält es sich mit kleinen Fehlerchen, die immer mal wieder aufblitzen. So hat man mancherorts flackernde “Risse“ in der Umgebung zu bestaunen, zudem kommt es in seltenen Fällen auch mal zu ärgerlichen Popups. Ärgerlich deswegen, weil sie aus Gegnern bestehen die einen sofort beschießen wenn sie “aufploppen“, allerdings selber nicht mehr zu treffen sind wenn man mal einen Schritt zu weit nach hinten geht. Es gab in dem Zusammenhang Situationen in denen wir mehrere Raketen ins Leere hämmerten, bei dem Versuch einen Großpanzer auszuschalten der über eben diesen “Tarnkappenmodus“ verfügte. Geradezu schade ist es auch, dass die Welt von Bad Company etwas steril wirkt. Pflanzen und Bäume bewegen sich auch beim Gegenlaufen nicht, Tiere bekommt man ebenso wenig zu sehen. Nicht mal Vögel. Mag zwar nicht so tragisch sein, aber wäre alles insgesamt ein großer Atmosphärebonus gewesen. Zumal Sterilität auch innerhäuslich starken Einzug hält und dieser Aspekt ist weit weniger hinnehmbar. Ohne zu übertreiben, gut 90% (hier stimmt die Angabe ausnahmsweise mal) der im Spiel betretbaren Häuser sind die immergleichen zwei bis drei Modellbauten. Grundriss gleich, Zimmer gleich, Texturen gleich. Dazu sind die Gebäude auch stets fast komplett leer, im besten Falle stehen ein karger Holztisch und ein paar Stühle drin. Es ist leider sehr mager, dass DICE es nicht schaffen ihrer Spielwelt das gleiche Flair und die selbe Lebendigkeit einzuhauchen, wie sie es bei den Hauptcharakteren so hervorragend vollacht haben. So kann Bad Company seine Sandboxambitionen also auch optisch nicht wirklich ausspielen und muss was Atmosphäre angeht einen ganzen Schritt hinter den begrenzteren, dafür lebendig gescripteten Konkurrenten zurücktreten. Bis auf das letzte Level in der Wüste, hat man zudem auch echt das Gefühl man würde die ganze Zeit durch die gleiche Normandie-artige Gegend mit den selben Feindbasen und Minidörfern laufen. Dazu noch mit einem für unsere Begriffe störenden Grieselfilter, den man in Mass Effect wenigstens noch abschalten konnte. Hier nicht, die Optik bleibt leider im Solomode aus stilistischen Gründen geschmälert.Absolut positiv bemerkt man dagegen eine selbst bei Panzerschlachten und Hubschrauberflügen durchgehend flüssige Framerate. Überzeugen kann auch die Tatsache, dass Holzwandfetzen und sonstige Überbleibsel der schicken Explosionen im Spiel, nicht nur durch einfache Schadenstexturen dargestellt werden. Auch die anderen für Krawallaction stehenden Effekte wie Mündungsfeuer und Rauch sind sehr gut gelungen. Und so verfliegt zumindest während der Kämpfe diese beschriebene gefühlte Leere der Solokarten, denn Feuer, Dampf sowie herumfliegende Trümmerteile ingen ordentlich Bewegung und Leben ins Bild. Fast schon das Highlight der grafischen Präsentation ist die Bad Company selber, denn Gesichts- und Körpermimik der Hauptcharaktere sind besonders in den Zwischensequenzen, trotz Comicstils, wahre Motion Capture Augenschmäuse.
Symphony of the Battlefield
Fool’s Gold
Wer hinter der Eroberungsspielvariante simples Verbarrikadierer gegen Erstürmer vermutet, hat die umfangreiche Zerstörbarkeit der Deckungen nicht mehr im Hinterkopf. Selbst ein ach so sicheres Haus, ist nach einer gezielten Rakete auf kaum mehr als sein Stahlgerüst reduziert, so sind grundsätzlich immer beide Teams angehalten sich zu Bewegen und nicht auf den Schutz der Kartenobjekte zu verlassen. Einen einzelnen Spieler welcher von einer günstigen Obhut aus unantastbar Frag um Frag sammelt, dabei womöglich ein Zielobjekt zum uneinnehmbaren Kronjuwel macht, kann es deswegen in Bad Company gar nicht geben.Dass zu Matchbeginn klassische Charakterklassen vom Sniper über den Sprengmeister bis zum Versorungssoldaten ausgewählt werden, gehört bei einem echten Battlefield Spiel selbstredend dazu, da kann es noch so individuell daherkommen. Es ist aber auch jederzeit möglich gefallenen Kriegern ihre Ausrüstung zu klauen und so beispielsweise in den Besitz einer noch nicht freigespielten Waffen zu kommen. Dabei ist es nicht zwingend nötig das Waffenarsenal bis auf die 35. Wumme ausgefüllt zu haben, das tolle Balancing von Bad Company lässt schon mit der Standardausrüstung jeder gewählten Schlachtfeldprofession Erfolge zu. Überhaupt, die ausgeglichenen Verhältnisse zwischen Soldatenklassen und Teams sind dank der acht clever designten und überaus großen Maps nach einer kurzen Eingewöhnungsphase doch stark zu merken. Selbst jedes noch so mächtige Fahrzeug vom Hubschrauber bis zum Panzer wurde so integriert, dass es mit der richtigen Taktik genau so einfach auszuschalten ist, wie es bei geübtem Umgang verheerend sein kann. Aber wo wir gerade von Taktik reden, bei den bis zu 24 Spieler Schlachten geht es selbstredend oft ziemlich Drunter und Drüber. Von daher ist es in Hinblick auf die Kommunikation auch etwas unhandlich, dass man nur mit bis zu drei weiteren Spielern ein Squad bilden kann.Auch wenn Battlefield: Bad Companys Onlinepart grafisch und spielmechanisch die Nase vor dem direkten Konkurrenten Frontlines: Fuel of War hat, das Kriegsspiel der Kaos Studios bietet mit mehr als doppelt so großen maximalen Spielerzahlen und gewaltigeren Schlachtfeldern noch immer das bessere, klassischere Battlefield Feeling. Was DICEs Game außerdem unterm Strich dann doch ins Hintertreffen ingt, sind schon seit Release riesige Probleme mit den EA Servern. Wir konnten uns während der Testphase oft auch mal ganze Tage lang nicht mit dem Onlinemodus verbinden und das ist für ein Spiel mit “Battlefield“ im Namen einfach unzulänglich. Was den Karren aber noch etwas aus dem Dreck zieht ist die Tatsache, dass man wenn es denn doch mal klappt, selbst mit Standard DSL Verbindungen absolut lagfreie Matches geboten bekommt. Wenn EA die Netzwerkprobleme in den Begriff bekommen kann und uns dann auch endlich den versprochenen Conquest Mode nachliefert (eigentlich das Herzstück der Battlefield Games und von Fans seit der Bad Company Beta gefordert), erst dann können wir Mehrspielerfreunde eine wirklich uneingeschränkte Empfehlung für das Game aussprechen. Zumal die große Fanbase des Franchises für eine langere Popularität von Bad Company sorgen dürfte und ein fein ausgearbeitetes Rangsystem genau so zum weiterspielen animiert, wie die erwähnte freischaltbaren Waffensammlung. Zum Abschluss sei noch ein nettes Gimmick am Rande erwähnt: In den Multiplayergefechten lassen sich Screenshots machen, die man online auf der offiziellen Website des Spiels betrachten kann.
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