Battlestations: Pacific
20:30 Uhr - Nehmt Battlefield und zieht die Infanterie ins Ferienlager ab, stellt die Panzer ins Museum, werft die Helikopter in eine für Helikopter gekennzeichnete Abfalltonne und... ja was bleibt danach noch übrig? Erstaunlicherweise ein ziemlich unterhaltsames Kriegsspiel, das innerhalb seines Genres trotz der Beschreibung oben alles andere als minimalistisch ausfällt. Ob das Konzept beim neusten Serienteil der „Battlestations“-Reihe auch in Hinblick auf den Spielspaß aufging, gibt’s hier im Test zu lesen.
WWII rewritten
Historisch gesehen knüpft Battlestations: Pacific quasi direkt an seinen Vorgänger „Midway“ an, was für den ein oder anderen jetzt erst mal nach „boooooring“ WWII-Setting „as usual“ klingt. Könnte man ja auch meinen, wenn man nicht wüsste, dass zumindest die japanische Kampagne dieses mal einer fiktiven Zeitlinie folgt. In dieser Parallelwelt weitet ihr das Reich der Kamikaze-Erfinder nach dem erfolgreichen Angriff auf Pearl Harbor über den Pazifik aus und bekommt so neben dem traditionellen U.S.-Feldzug wenigstens hier etwas weniger vorhersehbar verlaufende Kriegsszenarien zu bieten. Da sich das Storytelling jedoch sowohl bei den Amerikanern als auch den Japanern auf rotfadenlose Missionsbriefings im obligatorischen Archivmaterial-Look beschränkt, kriegt man davon leider nur in wesentlichen Zügen etwas mit. Genre-Veteranen werden es verzeihen, denen kommt es in erster Linie sowieso auf feine Schlachten an. Und da die Serie nun mal „BATTLEstations“ heißt, ging meine persönliche Erwartungshaltung ebenfalls von Anfang an in diese Richtung. Was das Aufgebot an steuerbaren Vehikeln angeht, wurde sie letztendlich auch ganz und gar nicht enttäuscht. Insgesamt konzentriert sich das Spiel zwar vor allem auf Flugzeug-Dogfights und Bombereinsätze, in vielen Missionen darf man aber auch die Kontrolle über Großkampfschiffe sowie U-Boote und deren einzelne Geschütze übernehmen. Meistens hat man gleich eine ganze Armee unter seiner Fuchtel, zwischen deren Einheiten man genau so munter hin und her schalten darf, während die übrigen Truppen stets von der K.I. im Geschehen gehalten werden. Wer abstürzt legt eben gleich das nächste Soldatenleben in seine Spielerhände. Wem es auf dem unmittelbaren Schlachtfeld immer schon zu viel „Bumm-Bumm“ gab, der darf seine Streitmacht auch gerne komplett per strategischer Karte kommandieren. Deren Einsatz ist zum Manövrieren ganzer Schiffsflotten sowieso oft unerlässlich. Das an sich angenehm simpel und effektiv gehaltene Feature wird nur dann zum nervigen Geduldsspiel, wenn man mehrere Schiffe auf engerem Raum auf Kurs halten muss. Nicht nur einmal versuchte meine Marine - pffifig aber dumm - lange Strecken einfach direkt über dicht mit Bäumen bewachsene Inseln abzukürzen oder gleich blind durch Verbündete hindurch zu brettern. Solche Momente sind es auch, welche die relativ offenen Maps der Kampagnen immer dann langwierig in die Länge ziehen, wenn man zwischen einzelnen Zielpunkten nichts als träge Wegfindung und gemütliches vor sich hin Schippern zu überstehen hat. Will gar nicht wissen, wie viele meiner tapferen Matrosen während dieser Zwischenstrecken schlicht und ergreifend verhungert oder verdurstet sind.
Du bist alle
Wie gut, dass es über die komplette Spielzeit gesehen meistens dann doch in Feuergefechten zur Sache geht. Hier kann Battlestations: Pacific sich speziell im Bereich der Flugzeuge durch geschickt vorgegaukelte Authentizität hervorheben, indem es allzu waghalsige Kunststücke via gefährlichen Strömungsabfalls auf den fast schon sprichwörtlichen Boden der Tatsachen zurückholt. Außerdem bewegen sich die historischen Flieger - im Vergleich zu ihren Pendants aus Blazing Angels und Co. - in der Luft ziemlich behäbig, von Modell zu Modell fast schon träge. Von einer realistischen Simulation ist Eidos' Arcade-Actiongame nichtsdestoweniger weit entfernt, was auch gut und ganz gewollt so ist, man fühlt sich dadurch bloß eben etwas mehr wie in einer echten Maschine mit tatsächlicher Masse. Das macht meiner Meinung auch die direkten Duelle mit anderen Flugzeugen um einiges spannender, da man sich hier quasi nicht am laufenden Bande sinnlos in alle Himmelsrichtungen um die eigene Achse dreht, bis man den sich ebenfalls ständig drehenden Feind ins Visier bekommt. Stattdessen müssen alle Kampfakteure darauf achten, einigermaßen gerade und stabil zu fliegen, um erfolgreiche Angriffe absolvieren zu können. Die Waffe ist dabei also weniger der Abzug, als ein relaxter Daumen am Ministick (bzw. eine nicht so zittrige Hand am Flightstick). Nach einer sehr kurzen Gewöhnungsphase belohnt Battlestations: Pacific euch im Kampfgeschehen auf diesem Wege damit, dass ihr euch nicht wie im (fürs Sub-Genre sehr typischen) Cockpit eines von Naturgesetzen freigesprochenen Papierfliegers fühlt. Cockpit ist gleich auch ein gutes Stichwort, denn das aufgehende Konzept, einen Spagat zwischen Arcade-Flugaction und Realismus-Feeling zu schaffen, wird weiter von famos ausgeleuchteten Innenperspektiven der bewaffneten Himmelsgefährte unterstützt. Mehr wie Railshooter funktionieren übrigens die Schiffe, in denen ihr fließend zwischen unterschiedlichen Waffensystemen (Luftabwehr-Flaks, Torpedos, Artillerie,... bei U-Booten gibt’s noch die Funktion, das lustige Guckrohr zu benutzen und aufzutauchen...) umher hüpft, während der Kahn selber euren auf der Karte vorgezeichneten Kurs abfährt. Nebenher befehlt ihr der Crew, beschädigte Teilsektionen des Schiffes zu reparieren und Feuer zu löschen. Bevor noch irgendjemand kurioser Weise auf dem Wasser verbrennt. Die Tatsache, dass man jederzeit zwischen allen möglichen Einheitentypen einer Mission durchschalten darf und nach Belieben einfach auf der taktischen Ansicht verweilt, lässt die Vielfalt an Aktivitäten auf dem Schlachtfeld des Pazifiks nie überfordernd oder nervig werden. Man macht das, was einem am meisten Spaß macht, hilft wo man kann, wird aber andererseits auch zu nichts gezwungen. Hat natürlich den negativen Nachgeschmack, dass man nie an jedem Ort gleichzeitig sein kann und so oft etwas verwundert ist, warum das Missionsziel plötzlich schon erfüllt wurde oder wo zum Teufel der eigene Flugzeugträger auf einmal hin verschwunden ist, der vor wenigen Minuten noch da stand, wo jetzt eine Art ozeanisches Osterfeuer brennt. Was irgendwie aber auch ein Kompliment an die sehr fähige K.I. des Spiels ist.
Wie Mona Lisa ohne Lächeln
Die schicken Cockpits von Battlestations: Pacific habe ich ja bereits lobend erwähnt, aber auch sonst hat die Grafik des Spiels bei mir insgesamt einen guten Eindruck hinterlassen. Die verschiedenen, großräumigen Maps sind vom Typ her recht variantenreich, bieten von reinen Seestrecken bis zu großen Häfen und Inselgruppen schon rein anatomisch viel Abwechslung. Effekte wie ein düsteres Gewitter mit Blitzen und starkem Regenfall mitten auf dem Meer sorgen mit netten Wolkeneffekten und tollem Wellengang samt natürlich wirkenden Reflexionen für optische Atmosphäre, selbst wenn die Grafikqualität der Kulissen beim Tiefflug auch bei diesem Flugspiel mal wieder proportional zur Höhe abnimmt. Was mir so gut wie im ganzen Spiel fehlt – und das ist auch mein größter Kritikpunkt an Battlestations: Pacific - sind die wuchtigen Knallmomente. Selbst in den epischen Schlachten der Weltgeschichte, die schon damals für alle Beteiligten ganz großes Kino wahren, will nicht so wirklich das Flair großer Happenings aufkommen. Zu klein fallen die Explosionen aus, zu mickrig wirkt das Gesamtaufkommen an Einheiten auf dem Feld in den meisten Einsätzen. Manchmal fliegt man rein zufällig kurz etwas abseits vom Geschehen und kommt sich schlagartig so vor, als sei man ein Hobby-Pilot auf Besichtigungsflug im Urlaub, während man von einem tobenden Krieg überhaupt nichts mehr mitbekommt. Wäre Pearl Harbor seinerzeit tatsächlich dermaßen unscheinbar vonstatten gegangen, hätte Michael Bay wohl nicht mal im Traum daran gedacht, den Stoff zu verfilmen. Im Unterhaltungskrieg muss halt ganz deftig was kaputtgehen, speziell im Videospielebereich. Ansonsten haben wir bei einem grundsätzlich hübschen Spiel (mit putzigen Details wie kleinen 3D-Soldaten auf den Schiffsdecks) die in der Zwischenüberschrift hier beschriebene Situation einer Mona Lisa ohne Lächeln. Am deutlichsten bekommt man dieses kleine aber schwerwiegende Versäumnis des Entwicklerteams von Eidos dann demonstriert, wenn man die an sich coole „Ich flieg' mit der Bombe“-Kameraperspektive aktiviert. Ein kurzes Verpuffen, mehr ist da oft nicht und irgendwann geht das Ziel, nach ein paar rudimentären Zwischenstufen des Zerfalls, nur bedingt befriedigend ansehnlich kaputt. Gut, abgesehen von den weniger überzeugenden Synchronsprechern wissen die satten Soundeffekte samt anheizender Musik in Sachen Ambiente noch ein paar über die Reling gefallene Matrosen ins Trockene zu retten und so ganz schlecht Reden will ich Battlestations: Pacific in der Hinsicht ja auch keineswegs. Es hat mich während der beiden 14 Missionen langen Kampagnen halt eben nur nicht so ganz packen und in seine Schlachten hineinziehen können, wie ich es mir von solch einem Titel normalerweise erhoffe.
Inseln sind die neuen Flaggen
Battlestations: Pacifics Solopart alleine bietet schon genug Umfang, um seine Spieler ordentlich satt zu machen. Was fast schon fatal ist, denn der Multiplayermodus des Spiels ist ein mehr als schmackhafter Nachtisch. Und ein mächtiger obendrein. Fünf unterschiedliche Spielmodi mit zahlreichen Optionsmöglichkeiten beschäftigen auf Wunsch noch ziemlich lange extra, wobei „Island Capture“ der wohl größte und spannendste Zeitfresser im Angebot ist. Zwei Teams mit bis zu vier Spielern versuchen hier getreu des Battlefield-Prinzips mit ihren Armeen Inseln zu erobern, wobei wir tatsächlich gleich von ganzen Geschwadern und Flotten sprechen. Genau wie im Singleplayer kämpft die K.I. hier ordentlich mit und die taktische Karte ist ebenso mit von der Partie. Natürlich verlaufen diese - gerne eine halbe bis eine Stunde beanspruchenden -Dauerschlachten stets mehr als durcheinander und man stirbt dabei gefühlte Tausend Tode, dafür ist das Actionerlebnis hier aber auch durch und durch noch etwas intensiver als im Kampagnenpart des Spiels. Andere Modi lassen euch z.B. um die Wette bestimmte Ziele erfüllen oder handelsübliche Deathmatches ausfechten. Das alles klappt mit der 360-Version sogar lokal an einer Konsole, was für den ein oder anderen Spieler gewiss ein Extra-Kaufanreiz sein dürfte.
Pro und Contra
- + Gelungene Mixtur aus Strategie und Action
- + Hübsche Optik, speziell auf dem Wasser
- + U-Boote, Kriegsschiffe, Flieger über Flieger,...
- + Zwei lange Kampagnen, eine davon fiktiv
- + Multiplayermodus für weit mehr als einen Abend
- + Fein ausgeleuchtete Cockpits
- + Flugzeuge fühlen sich endlich mal nicht wie Papierflieger an
- - Die K.I. fechtet ganze Schlachten auch mal gerne mit sich selber aus
- - Festland wirkt aus der Nähe optisch etwas vernachlässigt
- - Unspektakuläre Explosionen und Schadensmodelle
- - Nüchternes Storytelling, an sich auch keine Story
- - Längere Schifffahrten bremsen Missionstempo oft aus
- - Kampagne ohne wahre `Wow`-Momente
- - Holt aus seinem historischen Setting atmosphärisch genau so wenig heraus wie aus dem Fiktiven
Bigger, better, not badass enough
Battlestations: Pacific ist im Grunde natürlich sein Vorgänger in größer, besser, zugänglicher, weniger verbugt. Und das ist auch verdammt gut so, denn die Mixtur seichter Strategie mit direkter Action macht nicht nur Spaß, sie hebt die Serie auch spielerisch von den sich untereinander meist viel zu ähnlichen Genre-Konkurrenten ab. Was das Game allerdings trotz mehr als 100 steuerbarer Fahr-/Flugzeuge und all diesen eigenen Ansätzen nicht schafft, ist es mich atmosphärisch zu packen oder mir richtige Momente der Begeisterung, des Spektakels, des Besonderen zu bieten. So etwas wie das Space-Shuttle in H.A.W.X. oder die Ballons in Blazing Angels 2 meinetwegen. Oder einfach nur größere Explosionen mit weitaus mehr Partikeleffekten und aufwendigeren Schadensmodellen, speziell bei den Großkampfschiffen. Das Spiel will trotz angenehmer Behäbigkeit bei der Flugzeugsteuerung keine realistische Simulation sein, also wieso einen auf Standardkampf machen und nicht hier oder da mal `ne fettere Bombe zünden? Mehr habe ich angesichts gelungener Grafik und tollem Mehrspielermodus aber nicht groß zu meckern, diese 7 ist eine mit klarer Tendenz nach oben. Richtige Genrefans bekommen ihren Flugnachschub sowieso regelmäßig in solch angenehm langen Abständen geliefert, dass sie bei jedem einigermaßen gelungenen Spiel dieser Art zugreifen. Und wenn sie nichts gegen optisch schicke Kurzweil-Action ohne atmosphärischen Tiefgang aber mit sehr viel Umfang haben, werden sie den Kauf von Battlestations: Pacific garantiert keine Sekunde lang bereuen.
Bewertung
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Kommentare (6)
Freestyle27
Auch die Bewertung stimmt.
LookMyBullet
Das game ist ein traum...Werds mir nächste woche endlich holen.
Teills stimmt der test natürlich aber allein das einzigartige Spielprinzip ist genial.
Dazu hantiere ich gern mit grossem Gerät..Und was ist schön grösser als die dicken Warships aus dem WW2^^
Das Game hat eine wahnsins atmo imo...Klar bei langen strecken wo nix passiert wird sie etwas gebremst aber da genieße ich dann einfach das schippern auf dem wasser...Bis es in der grossen schlacht endlich richtig knallen kann:D
HLecter
I_Moonios
JE1SUS
Kaimarkuske