Big Game Stores in New York City
16:39 Uhr - Bekannte US-Ketten wie EB Games haben es schon vor geraumer Zeit nach Deutschland geschafft und selbst private Läden wie Digigames oder Spielegrotte präsentieren abseits des Onlinehandels ihre gut sortierten Realgeschäfte zum Reingehen und Anfassen. Da Actionfiguren und Importspiele in den meisten deutschen Spieleshops mittlerweile genauso zum Standardangebot gehören wie Sonderperipherie und Gebrauchtwaren, brauchen die Einzelhändler unserer Heimat sich vor ihren Pendants aus den Vereinigten Staaten keinesfalls zu verstecken. Schaut man sich dagegen in den Big Stores solcher Großstädte wie New York City um, sieht das schon wieder ganz anders aus. Ob die Gamesabteilungen des riesengroßen Toys'R'Us sowie des Virgin Megastores auf dem Times Square, der offizielle MTV Store oder der Nintendo World Store, an diesen Orten wird Einkaufen auch für Gamer zum wahren Erlebnis.
Times Square - MTV Store
Ich fange bewusst mit diesem verhältnismäßig kleinen und gar nicht mal auf Videospiele fokussierten Lädchen an, denn eines sieht in New York City selbst ein Blinder mit Krückstock auf den ersten Blick: Musikspiele dominieren die Regale, Fußböden und Plakatwände amerikanischer Spieleshops ungemein. Im Flagshipstore des MTV Konzerns wundert das allerdings noch am wenigsten, denn der Musiksender publisht den Genrevertreter Rock Band zusammen mit Electronic Arts. Da Teil zwei des Games kurz vor Weihnachten zusammen mit dem neuen AC/DC Album erschienen ist, bot sich selbstverständlich ein Crossover der beiden an und so ist das ganze Geschäft von oben bis unten mit Artikeln der beiden „Franchises“ übersäht... samt Rock Band: AC/DC eben. Obwohl stylisch mit „Rock Band“-Aufklebern verziert, erspähe ich schon von außen durch die Glaswände eine Anspielstation an der eine Kindertruppe in voller Besetzung einen Hit nach dem anderen performt. Gerade beim ziemlich guten Sänger wird allerdings schnell klar, dass er engagiert wurde, um Stimmung in die Bude und verkaufte Spieleboxen in die Einkaufstaschen zu bringen. Beim Blick auf die vielen Merchandisestände könnte man derweil schnell vergessen, dass Rock Band „nur“ ein Videospiel mit Plastikinstrumenten ist. Unterschiedlichste Alternativcontroller, Trommelaufsätze, Gitarrenfaceplates, Kühlschrankmagneten, Ansteckbuttons, T-Shirts... ich wusste vorher gar nicht, dass es 'ne komplette Kleiderkollektion zur digitalen Konzertsimulation gibt. Stapelweise Exemplare von Rock Band 1 & 2 dürften angesichts dessen wohl gar nicht mehr wundern.
Times Square - Virgin Megastore
Das New Yorker Vorzeigegeschäft der Branson Kette ist ebenfalls sehr musikorientiert, was vor allem die bassgeladene Hintergrundmucke im ganzen Geschäft eindrucksvoll zu vermitteln weiß. Man dürfte also nicht davon überrascht sein, dass einem nach dem Betreten des Ladens als erstes Game Guitar Hero: Aerosmith zum Sonderpreis begegnet. Stapelweise, wie es in den größeren US-Läden üblich zu sein scheint. In der tatsächlichen Spieleabteilung sieht das Angebot dann aber wieder deutlich vielfältiger aus: Halo-Actionfiguren an der Wand, ein ganzes Regal einzig mit Gears of War 2 gefüllt, noch immer sehr viele „PlayStation 2“-Games, eine Chartwand mit den aktuell beliebtesten Hits und erneut mehrere Kleidungsständer mit T-Shirts zu Mario, Master Chief, Sackboy, Marcus Fenix... ja, auch Guitar Hero und Rock Band. Womit wir erneut bei den Musikspielen angelangt wären, denn das klassische Gamesareal war natürlich viel zu traditionell, um wahr zu sein. Als ich gerade schon gehen will, sehe ich auf einer Säule im mittleren Treppenbereich ein riesiges „Rock Band 2“-Plakat mit schwarzem Pfeil nach unten. Eine Rolltreppenfahrt später steh ich dann vor einer Art extra aufgebautem „Rock Band 2“-Tempel. Ein Palast voller Musizierstationen, Trailern auf Riesenflatscreens, Kartons aller Franchisevariationen, mit denen man gefühlt ganz China versorgen könnte und noch mehr Kleidungsstücken mit einem Logo der Serie und rockigen Motiven. Das ganze Zelt für ein Spielefranchise einfach so aus dem Boden gestampft zu sehen, in einem Geschäft das wie gesagt eher auf Filme und Musik zum reinen Anhören spezialisiert ist, hat schon Eindruck hinterlassen. Aber nun ist Schluss mit dem bisherigen Musikspieleoverkill, oder?
Times Square – Toys'R'Us
Weit gefehlt! Was ich beim Betreten des großen Spielebereiches bei Toys'R'Us auf dem Times Square zuallererst sehe (während hinter mir ein buntes Riesenrad rotiert), sind mehrere Stapel „Rock Band“- und „Guitar Hero“-Kartons in allen möglichen Ausführungen. Und wenn ich hier von Stapeln rede, dann meine ich Mengen, mit denen man bei uns ganze Shops füllen könnte. XXL-US-Stapel eben. Dass sich die Plastikinstrumentorgien durch die komplette Abteilung (ein eigenständiger Bereich in der untersten Etage) ziehen, entspricht für mich inzwischen schon dem gewohnten Bild New Yorker Großläden. Irgendwann kann ich mich dann auch nicht mehr zurückhalten. Ich schaffe es, einen der vielen ständig im Geschäft herumlaufenden Mitarbeiter zum Stehen zu bringen und frage ihn: „Entschuldigung bitte, warum bestehen hier geschätzte 80% des Ladens aus Guitar Hero und Rock Band? Seid ihr fürs Feriengeschäft extra auf Nummer sicher gegangen oder habt ihr die Nachfrage eher überschätzt?“ - „ICH habe hier sowieso nichts überschätzt, sir.“, weicht die Dame meiner Frage aus, während sie auf einmal wie vom Pferd gebissen so tut, als würde sie Kartons millimetergenau zurecht rücken. „Wissen sie denn, wer mir bei meiner Frage weiterhelfen könnte?“, hoffe ich zumindest an einen Vorgesetzten vermittelt zu werden. „Nein.“, gibt die gute Frau nur noch von sich, die es offenbar mit der Angst zu tun bekommt und bemüht beiläufig aber doch sehr auffällig immer mehr räumliche Distanz zu mir aufbaut, während sie wohlgemerkt weiter ganz marginal Kartons verschiebt. Ich will sie auch gar nicht mehr weiter in Verlegenheit bringen, man merkt förmlich, wie sie Journalistengeruch erschnüffelt hat und fürchtet, ein falsches Wort zu sagen, das mit Sicherheit ihren Job gefährden könnte. Man kennt das ja: Page X schnappt einen unglücklich formulierten Satz auf, große Page Y aus den USA entdeckt das Zitat und Pages A-Z springen auf den im ganzen Netz viel diskutierten Zug auf. Dass Angestellte gerade bei populären Ketten für Situationen wie diese explizit gebrieft werden, ist ja auch kein Geheimnis mehr. Trotzdem schade, AreaGames wäre natürlich gerne Page X gewesen (das sei mit einem Augenzwinkern zu lesen...). Neben dieser humorvollen Anekdote ist vielleicht noch hervorzuheben, dass ich im Areal von Nintendo DS und Wii das Gefühl hatte, es gäbe mehr Accessoires (Styluspakete, Transportboxen, Aufkleber, Wiimote-Aufsätze,...) als Spiele. Spontan lachen musste ich, als zwei Meter entfernt von einer „Xbox 360“-Demostation mit selbstablaufendem Aufklärungsvideo über die Jugendschutzfunktionen ein kleiner Junge von kaum sechs Jahren rief: „LOOK, MORTAL KOMBAT!“. Die prompte Reaktion des Vaters war ein nicht minder fröhliches „YEA!“. Auch das sind eben die Vereinigten Staaten. Die erfüllen übrigens nebenbei auch noch so manches Klischee der Chinesen, wie meine Schnappschüsse mehrerer dreister Wii-Imitate aus dem Eingangsbereich der Toys'R'Us Spieleabteilung beweisen.
Rockefeller Plaza - Nintendo World Store
Ja, auch hier gab es wieder einige Musikspielekartons, aber ausnahmsweise waren sie mal nicht die zahlenmäßig überlegenen Hauptdarsteller. Vielleicht liegt es ja daran, dass der Nintendo World Store als einziger von mir besuchter Laden nicht auf dem Times Square angesiedelt ist? Fadenscheinig kombiniert, selbstredend präsentiert man sich im eigenen Flagshipstore selbst und genau das ist Nintendo ganz vorzüglich gelungen. Zumindest wenn man mit der japanischen Kultschmiede hauptsächlich das glatte, helle Lifestyledesign deren modernerer Geräte verbindet. Optisch wirkt das Ganze jedenfalls wie eine gelungene Liaison eines Apple Stores mit den Klonlaboren auf Kamino. Wobei die ziemlich leere untere Etage für mich weniger Interessant war. Außer ein paar „Nintendo DS“-Demostationen befanden sich dort bloß eine Art in Massenzucht geschaffenes Pokemonfigurenkabinett, einige Pokemon-Lexikoncomputer sowie alles andere, was es so von Pokemon gibt. Oben war es dafür um so interessanter, denn eine gläserne Tischvitrine stellte hier historische Stücke der Geschichte Nintendos und damit auch der Videospielgeschichte aus. Vom Kartenspiel des Vaters von Iwata, welches den Sohnemann zu seiner späteren Schöpfung inspirieren sollte, bis zum noch funktionierenden GameBoy, der im Golfkrieg von einer Bombe getroffen wurde. Ein nie veröffentlichter „Super Nintendo“-Prototyp, der im Prinzip ein früher Vorläufer der Wii gewesen sein könnte, ist ebenfalls dabei. Während Wii Gamestations und Spieleregale natürlich dazugehören, gewinnt der Nintendo World Store in diesem Report den Preis für die größte und vollständigste Bekleidungsabteilung. Von Jacke über Kapuzenpulli bis Hose und sogar Babystrampler reicht die Auswahl. So kann man seinen Körper dort praktisch von oben bis unten in grüne Pilze, Mario, Yoshi, GameBoy, Link,... und alle erdenklichen anderen Charaktere der bunten Nintendo-Spielwelten hüllen. Taschen, Lunchboxen, Gesellschaftsspiele und Armeen von Stofftieren machen das Angebot komplett. Als Fan sollte man den Laden auf alle Fälle nicht ohne verantwortungsvolle Aufsichtsperson besuchen, sonst lässt man aus Sentimentalität schnell den ein oder anderen Dollar mehr da, als es einem im Nachhinein lieb ist... wobei die ganzen Yoshis auch in meinem Wohnzimmerregal noch verdammt süß aussehen! Leute, ich hab' sie in allen Farben! Sogar in Gelb!
Und... was sind nun die weltbewegendsten Erkenntnisse, die ich während meiner Shoppingtour in Manhattan gewinnen konnte? Schwer dürfte das nicht zu erraten sein, in erster Linie zählt natürlich die aggressive Art und Weise dazu, mit der Guitar Hero aber vor allem Rock Band in den New Yorker Riesenläden in den Fokus der Käufer gerückt wurden. Dabei kam mir der Overkill an Musikspielepräsenz gar nicht mal wie die Reaktion auf einen aktuellen Trend vor, sondern eher wie der Versuch der Händler den Kunden genau einen solchen aufzudrängen. Was dabei entsteht, ist zwar einerseits ein gewisses Eventgefühl, welches einem tatsächlich das Feeling vermittelt, es gäbe gerade verdammt noch mal nichts geileres als Plastikinstrumente, einher damit ging jedoch auch ein teuflisch langweiliges Gesamtbild. Standortübergreifend. Als außenstehender Betrachter könnte man in New York City die letzten Tage über gar gemeint haben, außer Musizierspielen habe die weltweit am schnellsten wachsende Unterhaltungsindustrie überhaupt nichts anderes zu bieten gehabt. Kleinere Franchisefilialen von EB Games und Co. machen da übrigens keine Ausnahme, wie das Einzelbild unten in diesem Artikel zeigt. In den vielen Galerien kann man zudem immer wieder die unglaublichen Mengen bestaunen, welche die großen US Stores generell an Blockbustertiteln sowie diversen Lizenzprodukten in die Regale gelegt, an den Haken gehangen und auf den Boden gestellt haben. Mein Auslandsausflug hat am 31.12. begonnen. Wahrscheinlich waren also schon die ersten nachweihnachtlichen Lieferungen in den Läden angekommen und die Vorräte wurden dabei bewusst etwas überschwänglicher aufgestockt. Dass jedoch speziell auf dem Times Square selbst im Normalbetrieb alles etwas größer, umfangreicher, pompöser und erlebnisreicher ausgestellt ist als in den meisten anderen Spielegeschäften auf der Welt, kann ich mir an diesem märchenhaften Ort eigentlich gar nicht anders vorstellen.
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Kommentare (7)
sunsetkilling
Scrub
Daniel Pook
GeneralTessaij
DaOrange
Find auch die Bildergallerien dazu cool, nur auch ein bisschen traurig, wie übertrieben und überflüssig die Stückzahl der ganzen Titel ist. Da kommt der Verdacht auf, dass der Rest der Welt diese Übermengen, die wohl zum Größteil dann im Lager rumdümpeln, mitbezahlt bzw die Kosten ausgleicht...
zubiking
Cpt Reaper