Bigger is better? Der Nintendo DSi XL im Praxistest
13:47 Uhr - Knapp ein Jahr nach dem multimedia gepimpten DSi bringt Nintendo eine weitere Version seines, nach wie vor unverschämt kassenträchtigen Handhelds auf den Markt und schafft es damit auf inzwischen satte vier Inkarnationen praktisch ein und des selben Videospielsystem. So viel, wie nie zuvor in der jungen Geschichte des Mediums. Lohnt sich auch diese Anschaffung oder sollte jetzt endlich mal gut sein? Wir prüfen den DSi XL auf seinen Kaufanreiz.
Von allen bislang erhältlichen Variationen des Doppelbildschirmers, verzeichnet der DSi XL die wenigsten und – wenn wir auf der geometrischen Ebene bleiben – doch größten Unterschiede zu seinem Vorgänger. Während der DS Lite, deutlich verkleinert, mit helleren Screens und dem wesentlich eleganteren Design gesegnet, die Modelausgabe des Ur-DS darstellte, wurde der DSi nochmals verschlankt, aber gleichzeitig mit größeren Bildschirmen, Download-, Foto- und MP3-Funktionen, sowie SD-Card-Support ausgestattet und etablierte endlich auch auf einem Nintendo-Handheld das Herunterladen witziger Spiele und sonstiger kleiner Programme aus dem Netz. Der DSi XL stellt, wie der Name es nicht anders vermuten lässt, eigentlich „nur“ dessen aufgeblasene Version dar.
Von der Fülle der Funktionen, bis zu dem, gegenüber dem Lite verbesserten Lautstärkeregler und Power-Knopf, sowie den überarbeiteten Aktionstasten, gleicht der DSi XL seinem kleineren Namensvetter bis aufs Haar. Inzwischen hat er aber wieder die Dicke des DS Lite erreicht und überragt diesen in der Breite, um gut anderthalb, in der Länge, um circa 2,5 cm und bringt, mit stolzen 312 g, ein Drittel mehr Gewicht auf die Waage. Dies führt leider dazu, dass gerade bei Spielen oder Programmen, die nur mit dem Touchpen bedient werden und bei denen ihr den DS lediglich in einer Hand halten könnt, Ermüdungserscheinungen schneller auftreten. Weniger problematisch, wenn ihr ihn auf einen Tisch oder ähnliches legt, da er dort, durch seine Schwere, wiederum einen guten Halt bekommt, aber sicher nicht der Sinn eines Handhelds.
Die großzügigen Abmessungen resultieren allem voran in den nun wesentlich größeren Displays. Mit 6,5 mal 8,6 cm weisen diese tatsächlich eine beachtliche Ausdehnung auf, ist doch jeder von ihnen nun fast doppelt so groß, wie einer der DS Lite-Screens. Das ist allerdings gleichermaßen Segen, wie (dramatisiert) Fluch. Zum einen fällt es nun leichter darauf Texte zu lesen und bei Stylus-gesteuerten Titeln, wie Zelda – Spirit Tracks punktgenaue Aktionen anzufertigen bzw. etwa in Kreativprogrammen kleinteilige Zeichnungen anzufertigen. Außerdem ist das gewachsene Bild an sich schon ein Hingucker, hat man so doch fast ein bisschen das Gefühl die Spiele auf einem Fernseher zu zocken, was einen Retro-Fan wie mich noch stärker in die Zeiten von SNES und Nintendo 64 zurückwirft. Greift man danach wieder zum Lite, bekommt man erstmal das Gefühl, man hätte einen Game Boy Advance Micro vor der Nase. Andererseits gibt es auch ein großes Aber, denn trotz des weiträumigen Bildformats, ist die Auflösung erwartungsgemäß gleich geblieben. Das hat zur Folge, dass die, ohnehin nicht HD-protzenden Grafiken noch etwas pixeliger und, für mein Empfinden, auch dezent blasser wirken. Hier bieten die älteren DS-Versionen eindeutig das schärfere und farbintensivere Bild. Im Test ist mir außerdem aufgefallen, dass sich die Führung über den Touchscreen nicht so weich anfühlt, wie etwa beim DS Lite. Man hat ständig den (falschen) Eindruck man würde den Bildschirm zerkratzen. Das liegt allerdings weder an den Stiften, noch bleiben wirklich irgendwelche Spuren zurück, ist also eine reine Sache der Empfindung und unwichtig, wenn man das auszublenden vermag.
Längst überfällig und ein echter Traum ist hingegen der neue, neben dem, wie üblich im Gehäuse des Systems verstauten, normalen Stylus, kugelschreibergroße Touchpen, der endlich auch Menschen mit großen Händen ein sicheres und unverkrampftes Halten ermöglicht. Am Gerät befestigen könnt ihr diesen zwar nicht, mittels Öse und (nicht mitgeliefertem) Band dürft ihr ihn euch aber um den Hals oder sonstwohin hängen. Stichwort „große Hände“: Trotz des allgemeinen Wachstums, sind sowohl Digipad, als auch die Buttons so klein geblieben wie vorher. Das ist ein wenig schade, doch immerhin ist die, im Vergleich zum DS Lite, schon beim DSi wieder verbesserte Präzision des Steuerkreuzes erhalten geblieben. Die Tasten sind, wie auch alles andere am System, Nintendo-typisch extrem sauber und stabil verarbeitet. Mir persönlich ist der Druckpunkt der Knöpfe zwar ein wenig zu flach. Doch das ist sicher eine Frage der Gewöhnung bzw. des individuellen Geschmacks. Durch den längeren Weg zu den Schultertasten, ist es für Menschen mit kleineren Fingern wohl etwas unangenehmer diese zu erreichen. Für mich war das Griffgefühl insgesamt etwas entspannter. Dabei werden ergonomische Probleme, je nach gewählter Software, leicht relativiert. Beat’em ups wie Bleach oder Actionspiele wie die Castlevania-Serie, welche alle Knöpfe in hoher Frequenz nutzen, können, abhängig vom Spieler, schneller belastend werden, profitieren aber natürlich am meisten vom genaueren Steuerkreuz. Titel wie Professor Layton oder eben Zelda, welche ausschließlich auf den Touchpen angewiesen sind, gewinnen in diesem Bereich ebenfalls durch die gestiegene Präzision, aufgrund des größeren Touchscreens, leiden aber, wie bereits erwähnt, unter dem hohen Gewicht beim Halten. Strategie-Spieler freuen sich bei Advance Wars oder Final Fantasy Tactics A2 über die bessere Übersicht. Wer allerdings unterwegs nicht auf Ego-Shooter á la Call of Duty, Dementium oder Metroid Prime Hunters verzichten will, hat ohne Daumenschlaufe (Hallo Nintendo!) verloren. Die waren, meiner Meinung nach, allerdings auch schon vorher kaum spielbar. Wer aber jetzt beim gleichzeitigen Festhalten des Geräts und andauerndem Einhämmern auf die L- oder R-Taste keine Entzündungen in sämtlichen Gelenken bekommt, verdient meine Hochachtung.
Fazit
Abschließend lässt sich sagen, dass der Nintendo DSi XL, wie schon seine Vorgänger-Modelle, ein tolles Stück Handheld-Technik ist. Genau da liegt aber auch das Problem: Er ist wie seine Vorgänger, dabei aber mit satten 180 Euro gleich mal 30 bis 40 Euro teurer, als der, in der Ausstattung fast gleichwertige DSi. Ob ihr die für den besseren Touchpen und zwei deutlich größere Bildschirme ausgeben wollt, müsst ihr selbst entscheiden. Letztere haben ihre, im Haupttext angesprochenen, mehr oder weniger deutlichen Vor-und Nachteile. Ob die zum Launch bereitgestellten Farben, Dunkelbraun und Bordeauxrot, ebenfalls verlockender sind, als ein edles Schwarz, ist wohl auch eine Frage des Geschmacks. Vielleicht strebt Nintendo mit dem, bereits im Vorfeld als Rentner-DS verschriehenen XL ja aber tatsächlich eine andere Zielgruppe an. Da ich persönlich mich nicht sonderlich für DSi-Ware-Titel interessiere, kein großer Nutzer der Foto- und Musikfunktionen bin und mir meine GBA-Spiele nach wie vor heilig sind, kommt für mich ohnehin nur der DS Lite in Frage. Wer sich aber für diese Funktionen erwärmen und auf den GBA-Slot verzichten kann, der auch beim neuen XL fehlt, greift, meiner Meinung nach, am besten zum gleichteuren DSi. Diejenigen unter euch, die aber nicht wissen wohin mit ihrem Geld und sich von den beiden Riesenbildschirmen angezogen fühlen, dürfen auch mit dem DSi XL liebäugeln.
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Kommentare (13)
Zocker 3000
Aber die Grafik der spiele ist immer noch genauso schlecht wie bei den anderen modellen?
Pairikas
- Zum einen Dragon Quest - Die hand der Himmelsbraut; da ich eh grad an dem Spiel dran war hab ich mal auf dem XL weitergezockt. Der Unterschied in der grösse des Bildschirms ist wirklich ziemlich gross, die Grafik wird zwar etwas schlechter durch die vergrösserung aber allzu dramatisch fand ich es nicht.
Aber er liegt bei einem Only-Button-Game wirklich gut in der Hand, allerdings sind hier die Unterschiede nicht grad so gigantisch, wie ich finde.
- Auch mal getestet hab ich mein "200 Klassiche Bücher" ... äh... E-Book für DS. Der Text ist hier zwar grösser, aber durch die vergrösserung entsteht auch eine leichte verwischung. Hält man ihn allerdings nicht grad zu dicht vor die Nase stört die kleine verwischung nicht. Und so dicht halt zumindest ich ihn in der Regel nicht vor mein Gesicht.
Ein Spiel das nur über TS läuft muss ich noch testen, aber so grob würd ich mich eigentlich wiederspruchslos dem Test anschliessen. Wirklich nur was für Leute wie mich die zuviel Geld haben ^^
aber der Kugelschreiber Stylus ist wirklich genial, der wird absofort der Standartstylus auch abseits des XL.
Rikibu
fragen über fragen, die ich doch gerne beantwortet gehabt hätte.
TomIron
Habe am WE recht viel Zelda gespielt, klappte alles erwartungsgemäß sehr gut, nicht besser und nicht schlechter. Das Gewicht habe ich allerdings schnell gespürt und machte sich bemerkbar, sehen wir es positiv, dann macht man auch mal ne Pause.
@Zocker 3000 : da sich die Auflösung nicht geändert hat, hat sich an der Grafik auch nichts geändert.
Kettenhund
RoOhZilla
pc_only_user_95
Und da sich die gleichen Bildpunkte auf eine größere Fläche verteilen, ist das Bild unschärfer. Wie gravierend dies ist, kann ich nicht beurteilen...
@ Johannes
Schöner Überblick, hast dir Daniels Rüffel zu Herzen genommen?? ;)
THE HITBOX
methi
Die MP3 funktion existiert bei meinem Dsi nicht, denn dieser liest leider nur Titel in AAC format ab.
Hat sich da was am Dsi XL geändert??...
bin eigendlich recht zufrieden mit meinem dsi
IM Carlos