BioShock 2
11:45 Uhr - Mass Effect ZWEI, Assassin`s Creed ZWEI, warum nicht auch ein BioShock ZWEI? Und obwohl die beiden erstgenannten Titel von Spielern sehnsüchtig erwartet wurden, waberte eine Wolke der Unzufriedenheit über den zweiten Ausflug nach Rapture. Warum die Unterwasserstadt aber allen Unkenrufen zum Trotz wieder einen Besuch wert ist, lest ihr in unserem Testbericht.
Auch unter Wasser kompliziert: Dreier-Beziehungen
Wir schreiben das Jahr 1968. Zehn Jahre sind seit den Ereignissen des Erstlings vergangen, und doch hat sich in Rapture nicht viel verändert. Noch immer verfällt die Unterwasserwelt langsam vor sich hin und noch immer tummeln sich jede Menge Splicer, Little Sisters und Big Daddies im maritimen Utopia. Einer dieser Big Daddies, genauer gesagt Projekt Delta, bekommt eine ganz besondere Rolle: Schließlich schlüpft ihr in die Rolle des ersten Big Daddys, sozusagen einem Prototypen, der noch über ein ausgeprägteres Bewusstsein als seine Kollegen verfügt, etwas beweglicher daherkommt und obendrein allerlei Plasmide nutzen kann. Damit der Spieler gar nicht erst darüber grübelt, was denn dieser Ur-Big Daddy eigentlich die letzten 10 Jahre so getrieben hat, erzählt das Intro kurz die Rahmengeschichte, laut der man das letzte Jahrzehnt bewusst war, nachdem einem die Psychiaterin Sofia Lamb dazu aufgefordert hat, sich eine Kugel in den Kopf zu jagen. Man merkt schnell, die Grenzen des freien Willen sind auch in Bioshock 2 wieder ein bestimmendes Thema.
Sofia Lamb kristallisiert sich damit auch schnell zum Gegenspieler im Spiel heraus. Und wie es die Geschichte will, verbindet euch natürlich einiges mit der guten Gehirnklempnerin. Im Grunde ist Bioshock 2 die Geschichte eines Sorgerechtstreites unter dem Meer, denn als Big Daddy kämpft man mit Sofia um das kleine Mädchen Eleanore, dass sich als gemeinsame Tochter herausstellt. Und bevor die Spoilerfraktion schon wieder nervös mit den Augen zuckt. All dies sind Erkenntnisse, die einem das Spiel in den ersten 10 Minuten vermitteln. Wie immer heben wir uns größere Spoiler für den Podcast auf, macht auch mehr Spaß, wenn Johannes zuhören muss. Unterstützung erhält man von Miss Tennenbaum, die man bereits aus Bioshock 1 kennt und die einem dabei helfen will, dass mysteriöse Verschwinden von Mädchen vom Festland aufzuklären. Denn wie Miss Tennenbaum richtig vermutet, scheinen böse Kräfte auf Rapture das Little Sister Programm auf eigene Faust fortzuführen. Little Sister, Tennenbaum, ihr versteht nur Bahnhof. Dann sollte auf jeden Fall erst einmal Bioshock nachgeholt werden, denn zum wahren Verständnis der Vorgänge von Bioshock 2 ist eine Kenntnis des Vorgängers absolut notwendig. Man kann zwar auch gewisse Infos aus dem Ingame-Nachschlagewerk nachlesen, aber die ganze Geschichte um Andrew Ryan und Mr. Fontaine sollte man schon selbst erlebt haben.
Achtung Lüge: Mama, er hat gar nicht gebohrt....
Auch wenn man sich unter der schweren Taucherausrüstung eines Big Daddies befindet, unterscheiden sich die Kämpfe im Spiel nicht sonderlich von denen des Vorgängers. Okay, wenn er sich nicht gerade unter Wasser befindet kann der gute Metallriese nicht springen, dafür leistet aber der festmontierte Bohrer am rechten Arm gute Dienste im Nahkampf. Die Kämpfe von Bioshock 2 wirken darüber hinaus weitaus flüssiger als in Teil Eins. Vor allem ist es die Verlagerung der Plasmide auf die linke Hand, so dass gleichzeitig eine Waffe eingesetzt werden kann. Nervige Wechsel entfallen, darüber hinaus lassen sich völlig neue Strategien entwickeln. Bei einem höheren Feindaufkommen ist es zum Beispiel denkbar, einige der altbekannten Widersacher durch geschickten Einsatz von Feuer oder Telepathie fernzuhalten, während der Rest mit der Durchschlagskraft eines Maschinengewehrs bekanntgemacht wird. Gekämpft wird wie immer um die zahlreichen Little Sisters, denen man zu erst ihren Big Daddy Bodyguard vor der Nase wegpustet, um sich dann schnell als Vaterersatz anzubieten. Hat man erst einmal eines dieser kleinen Mädchen adoptiert, muss man sie vor allem vor den zahlreichen Splicern beschützen, die an das Adam der Kleinen kommen wollen. Sitzt das Mädchen nicht gerade auf unserer Schulter sammelt es selbstständig mit seiner Spritze das Adam aus herumliegenden Leichen ein. Natürlich hält diese Freundschaft nicht ewig und wie in Vorgänger steht der Spieler erneut vor der Entscheidung, die Mädchen am Ende ihrer Dienstzeit auszubeuten (altmodisch ausgedrückt: umzubringen) oder von ihrer Sucht zu befreien. Die Auswirkung euer Entscheidung bekommt ihr dann nach ca. 10 Stunden zu spüren, wenn der Abspann des Spiels über den Bildschirm läuft.
Natürlich könnt ihr auf dem Weg dahin auch wieder zahlreiche Sicherheitssysteme zu eurem Vorteil nutzen. Kameras, Geschütze und Bots können wieder gehackt werden, allerdings in leichter Abwandlung der bereits bekannten Taktik. Mit einer Armbrust schiesst ihr kleine "Hackpfeile" auf das entsprechende Gerät (wenn ihr nicht gerade daneben steht, dann geht es auch ohne) und startet dann das neue Minispiel "Hacken", dass nun nicht mehr auf den Spuren von Pipemania wandelt, sondern ein recht simpler Reaktionstest ist. Da es in Bioshock 2 zu weitaus mehr und kniffligeren Kämpfen kommt, bei dem ihr zumeist auch noch eine Little Sister beschützen müsst, ist der Einsatz von Sicherheitsbots, Bomben und anderen Fallen diesmal auch weitaus nützlicher. Obwohl die meisten Gegner Variationen der altbekannten Splicer sind, gibt es mit der neuen Big Sister natürlich einen besonders flinken und gefährlichen Gegner. Die Kämpfe mit dieser Killerbraut werden zwar immer über ein bestimmtest Skript ausgelöst, sind aber trotzdem immer ein spannendes Highlight in jedem Abschnitt. Überhaupt machen die Kämpfe einen der größten Pluspunkte des Spiels auf. Sie gestalten sich herausfordernd und taktisch anspruchsvoll und machen dank der zahlreichen Plasmide und Waffenkombinationen auch bei mehrfachen Anläufen immer wieder Spaß. Ein weiter Motivationsträger ist die Videokamera, mit der man Gegner filmen kann. Richtig gelesen, der Fotoapparat des Vorgängers wurde durch eine Kamera ersetzt, die Funktion ist allerdings die selbe: Je besser ihr einen Gegner auskundschaftet und filmt, desto mehr wisst ihr über seine Schwachstellen und bekommt so Angriffsboni.
Geh in die richtige Ecke von Rapture, und du kannst alles erleben....
Man merkt es schon am Spielprinzip: Im Grunde hat sich in den zehn Jahren nach dem ersten Spiel nicht viel in Rapture getan. Und das ist auch gut so: Denn die Programmierer von 2K Marin haben das Kunststück geschafft und neue, interessante Ecken von Rapture gezaubert, die ohne jeden Bruch den Eindruck vermitteln, man befände sich wieder genau in der Spielwelt, die man 2008 verlassen hat. Ob man sich in Bahndepots, Vergnügungsparks oder Maschinenräumen bewegt, es gibt fast immer unzählige Details zu bewundern und nach jedem Kampf bestaunt man erst einmal in Ruhe die Pracht des Art Designs (und stöbert natürlich nach Audiologs und Munition). Neu hinzugekommen sind kleinere Abschnitte in denen man unter Wasser umherschreitet, was in der wasserdichten Haut eines Big Daddies natürlich kein Problem ist. Diese kurzen Abschnitte schaffen zwar meistens imposante "Findet Nemo" Szenerien, dienen aber oft nur als schlauchförmige Verbindungen zwischen den einzelnen Leveln. Unterwasserkämpfe bekommt ihr in Bioshock 2 nicht zu sehen. Wenn es eine deutliche Einschränkung gegenüber dem ersten Bioshock gibt, dann in der Levelstruktur: Bioshock kommt wesentlich linearer zur Sache und ist auch stärker geskriptet. Das heisst allerdings auch, dass Freunde des freien Erforschens nicht mehr so ganz auf ihre Kosten kommen. Habt ihr erstmal von einem Abschnitt zum nächsten gewechselt, gibt es kein Zurück mehr. Man sollte sich also im Klaren sein, schon beim ersten Besuch eines Levels gründlich in jede Ecke geguckt zu haben, um nichts zu verpassen. Ein Vorteil der strengen Levelabfolge ist natürlich, dass es keine Missionen mehr gibt, in der bekannte Schauplätze noch einmal besucht werden müssen, ein Backtracking entfällt damit.
Meerwasser und Mehrspieler
Niemand hat ihn im ersten Teil vermisst, nun ist er trotzdem da: Der Bioshock Mehrspielermodus, der so gar recht geschickt in die Geschichte der Spielwelt eingebaut wurde. Denn zeitlich sind die Mehrspielerpartien vor den Geschehnissen des ersten Teils angesiedelt, in denen das Unterwasserparadies langsam zerfällt und zwei Fraktionen um die Vorherrschaft kämpfen: Die Gruppe um Andrew Ryan kämpft gegen die Aufständischen von Atlas. Als Spieler entscheidet man sich für eine der beiden Gruppen die dann aus jeweils 5 Mitspielern zusammengesetzt werden. Die 10 Spieler kämpfen dann auf Maps, die Variationen der Schauplätze des ersten Spiels bieten, und fechten dabei verschiedene Spielmodi aus, die zum Standard von Mehrspielergefechten gehören: Statt Capture the Flag spielt man hier allerdings Capture the Sister. Natürlich gibt es auch in mehreren Modi die Möglichkeit, für kurze Zeit als Big Daddy durch die Gegend zu stampfen und dabei für besonders viel Zerstörung zu sorgen. Und auch wenn einige Stärken des Singleplayer-Spiels, wie z.B. der Einsatz von Plasmiden oder Umwelteinflüssen wie entflammbaren Öllachen, mit in den Multiplayermodus übernommen worden sind, werden die meisten Spieler dem Mehrspielerbereich wohl nur einen kurzen Besuch abstatten. Denn die atmosphärisch beklemmende Welt von Rapture erkundet man am besten allein, als Kulisse für hektische Gefechte mit echten Mitspielern verliert sie einfach zu schnell ihren Reiz, da hilft auch das stufenweise Aufrüsten der Spielfigur mit verschiedenen Plasmid-Sets nicht wirklich weiter.
Qual der Wahl: Bioshock 2 in drei Versionen
Bioshock 2 erscheint hierzulande in drei Versionen: Die Standardversion von Bioshock 2 enthält nur das Spiel und eine Anleitung, wobei die DVD-Hülle in einem schicken, metallischen Präge-Look gehalten ist und überall für knapp 50€ zu erwerben ist. Die Rapture Edition kostet knapp 10€ mehr, steckt in einem kleinen Schuber und bietet neben der Standardversion des Spiels auch ein 164 Seiten dickes, gebundenes Artbook zum Spiel. Und wem das noch nicht genug ist, der greift zur knapp 90€ teuren Bioshock 2 Special Edition, die in Deutschland allerdings nur exklusiv über Amazon.de zu beziehen ist. In der großen Box sind neben dem Spiel und dem Artbook auch eine Audio CD mit dem Soundtrack von Bioshock 2, drei Poster und als besonderer Hingucker, eine Vinyl-Schallplatte mit dem Soundtrack von Bioshock (1) enthalten.
Unglaublich, aber wahr: Die deutsche Version ist ungeschnitten
Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Wurde der Vorgänger noch für den deutschen Markt angepasst, erscheint Bioshock 2 erfreulicherweise ungeschnitten in Deutschland. Das ist besonders bemerkenswert, da gerade der Einsatz des Bohrers für üppige Blutfontänen sorgt. Immerhin wurde genau eine solche Bohrerszene, die der Spieler nur passiv beobachtet, im ersten Teil noch für die deutsche Version entschärft. So freuen sich deutsche Spieler um ein ungetrübtes Spielerlebnis für Erwachsene und freuen sich außerdem über eine gewohnt gelungene Vertonung, bei der alle hochkarätigen Sprecher des ersten Teils wieder mit dabei sind und damit schon akustisch sofort für Wiedererkennungseffekte sorgen.
Pro und Contra
- + Atmosphäre ungeschlagen gut
- + Taktisch anspruchsvolle Kämpfe
- + Motivierendes Aufrüsten von Waffen und Plasmiden
- + Deutsche Version ungeschnitten und perfekt vertont
- + Netter Bonus: Multiplayer
- - Story mit Logikfehlern
- - Quasi weitgehend Innovationsbefreit
Ich bin wieder hier, in meinem Revier....
Wenn man nicht gerade von Sportspielen spricht, erwartet man bei Fortsetzungen immer einen gewissen Grad an Verbesserung oder Erneuerung. Mass Effect 2 und Assassin`s Creed 2 haben bewiesen, wie man die Stärken des Vorgängers deutlich ausbaut und dabei trotzdem noch Platz für Innovationen lässt. Das maritime Sorgerechtsdrama von BioShock 2 spielt sich auch in der Haut eines Big Daddies nahezu identisch wie das geniale Erstlingswerk. Man könnte fast meinen, sich noch im Jahr 2008 zu befinden und einfach die nahtlose Fortsetzung von BioShock zu spielen, was kurioser Weise kein Nachteil sein muss: Denn der Spielspaß stellt sich genauso intensiv ein wie vor zwei Jahren und mit Begeisterung suche ich nach jedem Kampf wieder jeden Winkel nach Audiologbüchern ab und tauche tiefer in die Welt des buchstäblich untergegangenen Traumes von Andrew Ryans Rapture ein, dessen Faszination im Gegensatz zu einem Senseo Kaffepad auch beim zweiten Aufguss noch gegeben ist. Die atmosphärische Art Deco Welt von BioShock fasziniert auch beim zweiten Besuch und ist dabei noch lange nicht so aus getrampelt wie so mancher Strand an der Normandie. Auch wenn die Story nicht mehr ganz so fesselnd und logisch wie beim Vorgänger ist, so machen die intensiveren und taktischeren Kämpfe hier doch einige Defizite wett. Die Faszination und vor allem Innovationskraft des ersten Teils kann natürlich mit einer schablonenhaften Fortsetzung dabei nicht erreicht werden. Mir persönlich hat das allerdings nicht den Spaß verdorben, dazu lasse ich mich zu gerne von der ganz besonderen Atmosphäre der BioShock-Welt fesseln. Die um einen Zähler niedrigere Wertung als das Erstlingswerk ist damit auch vor allem als Verbeugung vor der kreativen Schöpferkraft des Ursprungsteams Irrational Games um Ken Levine zu verstehen, auf dessen Lorbeeren sich 2K Marin doch zu sehr ausruhen konnte.
Bewertung
Bewertung
Bewertung
Weitere News
Diese Artikel könnten dich auch interessieren:
Datenblatt - Spieletest - Trailer - Bilder - News ...
Bitte logge Dich ein, um Kommentare zu verfassen.
Coming Soon
Galerien
Bioshock 2
Einige Bilder zum Unterwasser-Abenteuer Bioshock 2BioShock 2
Geniales Wallpaper, hier noch größer: http://tinyurl.com/ycu6qjkBioShock 2
Die internationalen Packshots des ActiongamesBioShock 2
Vinylschallplatte plus sonstiger Special-EditionBioShock 2
Konzeptbilder der alten und neuen Little SisterBioShock 2
Prototypen des Prototypen-"Big Daddys"BioShock 2
Unterwasser lässt es sich scheinbar auch gut hüpfenBioShock 2
18 feuchtfröhliche Screenshots zu BioShock 2Die Neuesten User-Tests
Call of Duty: Modern Warfare 3 XBOX360
"Krieg ensteht aus Täuschung" - das sind die ersten Worte in MW3. Ist es Weisheit, Weitsicht oder Zufall das die gesamte Gaming-Welt sich auf MW ...
The Elder Scrolls V: Skyrim XBOX360
Nach, verhältnismäßig bescheidenen, 50 Stunden Spielzeit und nach Beendigung von Hauperquest nebst zweier Gilden wage ich mich an mein...




























Kommentare (32)
sunsetkilling
mag ich net^^
hbsc14
Dr4g0nfir3
Das passiert in letzter Zeit aber immer häufiger. Was da wohl los ist? Die Entwicklung gefällt mir aber... :D
Alexander Laschewski-Voigt
Scrub
hbsc14
Wenn du es so formulierst, klingts logisch^^ aber trotzdem bin ich froh darüber, dass Bioshock 2 (oder besser Bioshock 1.5 xD) da ist und dass ich wieder in Rapture eintauchen kann, und da mir der Erstling so klasse gefiel, störts mich nicht, dass es eine 1:1 Kopie ist, Gutes kann man ja kopieren
Alexander Laschewski-Voigt
@ Scrub: Dieses Jahr gab es bisher erst eine 9/10 Wertung bei uns...soooo oft also noch nicht
TMoP
Hier wird mal wieder mit unterschiedlichem Maß gemessen!
Bioshock 2 hat sogar einen Multiplayer, welcher im ersten komplett fehlte (obwohl mir der MP egal ist:-))
MW 2 hat nur marginale Änderungen im MP und der Single Player kopiert sich selbst vom ersten Teil!
Also wenn ihr der Meinung seit, dass ausgebliebene Innovation dazu führen, dass ein Punkt abgezogen wird...dann seid bitte auch Konsequent!
ToXsic WaRgoD
Kyu
Hat mich jetzt doch in meiner Absicht bestärkt, mir das Game zuzulegen.
Dank dem Podcast lernt man euch ja einigermasßen kennen - soweit das über ein rein audielles Medium überhaupt geht - und wenn ich den genannten Absatz aus deiner Feder richtig verstehe werd ich definitiv meinen Spass damit haben.