16.01.2007 11:52
Black
Es gibt ihn also doch noch. Den Titel aus dem Hause EA, hinter dem sich ausnahmsweise mal keine Lizenzversoftung verbirgt, keine Fortsetzung einer seit Jahren etablierten Reihe und (man mag es kaum glauben) im Titel befindet sich auch kein bekannter Franchise der von sich aus gute Verkaufszahlen garantiert. Der unscheinbar klingende Titel Black ist ein vollkommen eigenständiger Titel, der es wagt in der von Ideenlosigkeit geprägten Welt der Videospiele Fuß fassen zu wollen. Nun immerhin setzt man im Egoshooter aus dem Hause Criterion Games (Burnout) auf ein zu genüge bekanntes Genre und gibt sich auch sonst sehr traditionell.
Denn Neuerungen suchen Fans zünftiger Ballereien mit der Lupe - statt dessen, bietet Black vor allen Dingen eines: Action satt. Hier gibt es keine leidigen Schleichabschnitte, keine Fahrzeuge, keine verzweigten Missionsziele, keine Rätsel und schon mal gar nicht eine Story die sich allzu ernst nimmt. In Black zählt nur der Bleigehalt in der Luft. Eben dieses pumpt der Spieler nicht nur in die ständig anrückenden Gegnertruppen sondern auch in gut platzierte Fässer, Tanks oder was halt sonst noch explodieren kann und lässt seiner Zerstörungswut freien Lauf.
Pazifisten sollten Black meiden, wie der Videospieler die Sonne, in den acht weitläufigen Stages kracht und scheppert es an jeder Ecke, irgendwo explodiert immer etwas, und Gebäude scheinen nur deshalb ins Spiel integriert worden zu sein, um sie möglichst stilvoll wieder abzureißen. Schutt und Asche sind das Fundament auf dem Criterions Materialschlacht aufgebaut wurde, die unterschiedlichen Tötungsinstrumente sind des Baumeisters Mörtel und die Dachkonstruktion bildet natürlich die technische Umsetzung in die das Spiel verpackt wurde.
Mit tollen Polygonbauten, unzähligen Partikeleffekten, krachigen Explosionen, erstklassigen Waffenmodellen, tollen Texturen und einem Levelinventar in dem sich fast alles zerstören lässt, ist EAs Produkt ein Fest fürs Auge und lässt noch mal deutlich die Grafikmuskeln der alten Generation spielen, bis diese in Kürze von Xbox 360 und Playstation 3 abgelöst wird. Ausgeschmückt wird das Grafikett von abwechslungsreichen Missionsorten die den Spieler in dichte Wälder führt, durch ein Stahlwerk und eine sterile Anstalt bis hin zu einem Gulag in dem der finale Showdown stattfindet. Das Black völlig flüssig über den Schirm läuft bedarf bei einem EA Produkt eine Extraerwähnung.
Verzaubert wird der Spieler auch von der erstklassigen Sounduntermalung in Dolby Surround. Was als erstes auffällt sind natürlich die krachigen Soundeffekte mit tollen Schussgeräuschen, lauten Explosionen und schönen Klängen wie ein Rauschen im Wald oder das laute Knirschen schwerer Maschinenanlagen. Natürlich kommt auch der Kugelhagel mit den einschlagenden Projektilen rechts und links wunderbar zur Geltung. Abgerundet wird der Hörgenuss von einem erstklassigen Soundtrack der immer zum Geschehen passt und mit heroischen Klängen zu gefallen weiß. Was nicht verwundert, immerhin verpflichtete man für die professionelle Musikunterstützung niemand anderen als Michael Giacchino, der schon den Soundtrack für bekannte Fernsehserien wie Lost oder Alias beisteuerte. Wem der Soundtrack nicht passt, darf sich natürlich via Festplatte auch einen eigenen zusammenstellen, die AXB Redaktion empfiehlt die OST zu „The Rock“.
Black scheint also genau das Actionfeuerwerk geworden zu sein, das jeder Genrefan sich seit der ersten Ankündigung davon erhofft hat. Nun das kann sicherlich bestätigt werden, und trotzdem ist der Titel nicht die ultimative Kaufempfehlung, die man bedenkenlos weiter empfehlen kann. So werden sich viele Spieler sicherlich an der geringen Spielzeit stören. Gerade mal sechs bis acht Stunden werden die meisten Zocker auchen um die acht Level des Shooters auf normalem Schwierigkeitsgrad zu meistern. Dann stehen zwar noch zwei weitere Schwierigkeitsgrade zur Verfügung, neue Missionen sucht man allerdings vergebens.
Denn obwohl man in den höheren Schwierigkeitsgraden neben den Primärzielen noch einige Sekundäraufgaben lösen muss, fallen diese abwechslungsarm aus. Anstatt so die Level mit neuen Spielzielen anzureichern, sucht man die Gegend lediglich nach verschollenen Dokumenten ab, was mit der Zeit einfach keinen Spaß mehr macht. Wer nun denkt er könnte den Singleplayer links liegen lassen, und sich mit einigen Freunden oder Onlinebuddies die Kugeln um die Ohren jagen, wird erneut enttäuscht, denn Black bietet dem Spieler leider nicht die Möglichkeit eines Mehrspielermodus. Für einen so ambitionierten Titel mit einer solch erstklassigen Präsentation eigentlich völlig unverständlich, zudem gerade die Xbox dank Xbox Live einfach prädestiniert ist für bleihaltige Multiplayerschlachten.
Spätestens im Hardmodus wünscht man sich sehnlichst eine Karte oder einen Radar herbei, der dem Spieler mehr Orientierungshilfe gibt. Darauf wurde trotz einiger weitläufiger Level verzichtet, auch eine Speichermöglichkeit während einer laufenden Mission sucht man leider vergebens. Besonders ärgerlich ist der letzte Punkt natürlich im Zusammenhang mit der doch recht langen Spielzeit der meisten Stages von einer guten Stunde und ungenügend verteilter Rücksetzpunkte. Die Steuerung lässt sich im üigen frei belegen, lediglich auf die Empfindlichkeit der X- und Y-Achse hat man keinen Einfluss.
„Grandios gut aber auch grandios kurz“
(Eigene Meinung » Mario Schonhoff)
Wäre Black ein Kinofilm, könnte man ihn als perfektes Popcornkino bezeichnen. Nein Black hat keine anspruchsvolle Story, verzweigtes Missionsdesign oder einen Charakter mit Tiefgang. Black ist einfach nur perfekte Actionunterhaltung mit vielen Explosionen, viel Zerstörungswut und einem Bodycount der jedem Rambofilm die Ehre macht. Und genau deswegen mag ich Black. Hier legt Criterion Games das Augenmerk einfach auf genau das was ich von einem Vertreter des Shootergenres erwarte, und das ist nun mal Action.
Dieser virtuelle Vandalismus, der im üigen vollkommen ohne Blut auskommt ist wahnsinnig gut in Szene gesetzt. Technisch ist es einfach ein Wonne sich durch die Staubwüste zu ballern, während irgendwo immer etwas in die Luft geht oder in sich zusammenfällt. Besonders herausragend präsentiert sich zudem das Soundgewitter das auf meine Ohren niederprasselt, und mich mit tollen Surround Effekten und ordentlich Druck vor den Bildschirm fesselt.
Leider ist der Spaß recht schnell vorbei, und auch einen Mehrspielermodus habe ich schmerzlich vermisst, so dass der Wertungsolymp dem Titel verwehrt bleibt. Das man innerhalb eines Levels nicht speichern kann, fand ich ebenfalls nicht so schön, aber wer ein wenig vorsichtig vorgeht, wird das Ende von Black trotzdem schneller als ihm lieb ist zu sehen bekommen.