Blacklight: Tango Down
15:13 Uhr - "Der futuristische Shooter stellt durch Spaß ohne Ende und seine packende Atmosphäre eine beispiellose Bereicherung in der heutigen Downloadspiel-Landschaft dar." - Dieser Satz aus einer offiziellen Pressemeldung klang eigentlich nach einem verdammt guten Deal! 1200 MS Points für unendlich Unterhaltung? Ich bin dabei! Zumal ich meinen Downloadcode für Blacklight: Tango Down als Tester ja sogar kostenlos erhalten habe. Wie passend, denn "Spaß ohne Ende" und "packende Atmosphäre" habe ich dann nach dem Herunterladen von Ignitions/Zombies Shooter gänzlich umsonst gesucht.
Blacklight: Storymode Down
"Blacklight: Tango Down spielt 25 Jahre in der Zukunft. Die Spieler übernehmen die Kontrolle über ein geheimes Elite-Kommandoteam, das mit der Suche nach dem vermissten US-Colonel Klein und seinem persönlichen Blacklight- Team beauftragt ist." - So hätte ich die Story des Spiels nicht ansatzweise zusammenfassen können, wäre mir nicht ein weiterer Satz aus einer der vielen Pressemeldungen im Gedächtnis hängen geblieben. Die Story des Shooters, dessen Verfilmung angeblich auch schon längst festehen soll, wird im Spiel einzig dadurch erzählt, dass man sich im Optionsmenü in den Bereich verirrt, der einem eine dröge Zusammenfassung der Geschehnisse in Textform abliefert. Die vermeintliche Kampagne von Blacklight setzt sich aus vier Levels zusammen, die von nicht mehr als einem Lobbymenü miteinander verbunden werden. Ich spreche hier von vier schnurgeraden, öde designten, tristen, abwechslungsarmen, wenig begeisternden Levels, denen es an der so vollmundig versprochenen Atmosphäre gänzlich fehlt.
Durch diese seelenlosen, mit wenig Liebe zum Detail designten Areale laufe ich nun von Checkpoint zu Checkpoint, betätige zwischendurch ein paar Terminals, bin hauptsächlich aber damit beschäftigt, wellenweise hohler K.I.-Gegner auszuschalten. Die Feinde, deren festgefahrene Laufwege entweder ständig von links nach rechts oder schmerzfrei auf mich zu führen, Spawnen zu festgelegten Zeitpunkten, in festgelegter Anzahl an festgelegten Orten, was offenbar den Gedanken pflegen soll, dass sich die eher als Challenges denn als Kampagne rüberkommenden Stages auswendig lernen lassen, um sie perfekt zu beherrschen. Letzteres muss man auch, denn in Blacklight steckt man kaum ein paar Treffer ein und hat nur genau ein Leben, ehe man das komplette Level von Anfang an wiederholen muss. Zwar sorgen regelmäßig verteilte Munitions- und Gesundheitskisten dafür, dass man sich mit taktisch sehr diszipliniert vorsichtigem Verhalten im Normalfall erfolgreich vortasten kann, hat man dabei allerdings nur einmal etwas Pech, bestraft einen der Checkpointlose Shooter wie gesagt gleich richtig brutal.
Und dann gibt es da auch noch die designtechnisch bedingten Situationen, in denen man stirbt, weil eine viel zu große Anzahl an Gegnern ganz unvermittelt an einer extra fiesen Position spawnt, die selbst dann nur mit Glück zu schaffen ist, wenn man das jeweilige Level schon einmal so weit gespielt hat. All das wäre als gewolltes Konzept für Hardcorespieler mit Hang zu Arcade-Ballereien ja noch durchgegangen, würde sich Blacklight nicht in vielen Bereichen so hakelig anfühlen. Ein Spezialvisor, der alle bereits gespawnten Feinde und nahen Vorratskisten im Level durch Wände hindurch sichtbar macht, muss sich nach jedem Gebrauch neu aufladen und man kann ihn nicht benutzen, während man ballert. Granaten zeigen kaum eine Wirkung und lassen sich nicht gezielt werfen. Headshots mit 'nem Sniper töten nur selten sofort, schon die erstbeste Assault-Rifle ist viel effektiver als das Scharfschützengewehr... nichts daran spielt sich rund, zeitgemäß oder wirklich spaßig. Die Möglichkeit, das Spiel mit bis zu drei weiteren Teilnehmern anzugehen, hat schon Klassiker wie Russisches Roulette nicht wirklich zu einem angenehmeren Zeitvertreib gemacht. Wenn schon das Kernspiel zu viel Spaßbremsenpotenzial enthält, hat man nicht unbedingt mehr davon, die Enttäuschung darüber mit anderen zu teilen.
Blacklight: Multiplayer Down
Bringen wir es hinter uns: Blacklight sieht für ein reines Downloadspiel von XBLA-Ausmaßen recht gut aus. Zwar läuft die verwendete Unreal Engine 3 nicht mal ansatzweise zu Höchstformen auf und die Optik wäre speziell mit ihrem tristen, detailarmen Look eher zum Ende der letzten Konsolengeneration hin auf dem offiziell angepeilten AAA-Niveau gewesen, dafür lauft das Spiel aber jederzeit technisch sauber, flüssig und ohne peinliche Aussetzer über den Bildschirm. Von daher hat es manch einem heutigen Vollpreistitel also doch noch etwas voraus. Die bloße Tatsache, einen nach "echtem" FPS aussehenden Shooter zum Download für verhältnismäßig wenig Geld angeboten zu bekommen, kann mich in Zeiten von Battlefield 1943 allerdings nicht mehr begeistern. Der DICE-Multiplayershooter erschien bereits letztes Jahr und er sieht ganz im Gegenteil zu Blacklight tatsächlich nach einem modernen, knackig hellen, hübschen Titel der aktuellen Generation aus. Und er macht im Mehrspielermodus auch wirklich genau so viel Spaß wie seine großen Brürder. Nicht so Tango Down, obwohl es seinen erklärten Schwerpunkt laut den Entwicklern ebenfalls auf den Onlinebereich legen möchte. Trotzdem kann ich mich diesbezüglich kurz fassen, denn mir ist sehr schnell die Lust am kompetitiven Ballern vergangen.
Wozu ein Erfahrungspunktesystem mit freischaltbaren Waffenmodifikatoren, wenn von Anfang an jede Wumme fast sofort tödlich ist und sich Duelle eigentlich nur dadurch entscheiden, wer den jeweils Anderen glücklicher Weise zuerst gesehen hat? Wozu habe ich eine Lebensenergieleiste mit bis zu 175 Punkten und leichter Regenerationsfähigkeit, wenn mich ohnehin jeder zweite Treffer dahinrafft? Welche Motivation soll ich haben, mich zu verbessern, wenn Spawn-Camping ohnehin die effektivste und beliebteste Onlinetaktik in Blacklight ist? Kaum durchdacht und unausbalanciert, nenne ich das. Besonders wenn Glück in den Shootouts ganz offensichtlich vor jeglichem Können über den Erfolg entscheidet, denn sonst wäre der "realistischere" Ansatz des schnellen Sterbens für mich grundsätzlich kein Problem gewesen. Das nirgendwo zufriedenstellend erklärte Waffenbasteln mit zahlreichen Upgrades und Kombinationsmöglichkeiten verläuft jetzt jedenfalls komplett im Sande, weil vermutlich jemand bei der Entwicklung des Spiels nach einer feuchtfröhlichen Nacht der Albernheit vergessen hat, den Instant-Kill-Modus wieder abzuschalten.
Das ist fast schon tragisch, denn mit einem tollen Umfang von zwölf Multiplayermaps und sieben Spielmodi hätte Blacklight: Tango Down mit ausgereifterem Gameplay sicherlich ein fantastisches Preis/Leistungsverhältnis für alle Mehrspielerfreunde zu bieten gehabt. In der Realität ist es jetzt nur umso deprimierender, dass man schon nach ein paar Onlinerunden überhaupt keine Lust mehr hat, das große Paket richtig auszunutzen. Und wenn das noch mehr Leute so düster sehen wie ich, wird sich bald sowieso kaum noch jemand mehr zum Multiplayerspielen auf den Servern finden.
Pro und Contra
- + Eine Story existiert...
- + Es gibt eine Kampagne...
- + Das Spiel hat Feinde, genau wie echte AAA-Shooter!
- + Großzügig verteilte Vorratsbehälter
- + Waffenmodifikatoren mit vielen Kombinationen
- + Nette Optik für ein XBLA-Game...
- + Fairer Preis für so viel Umfang & Multiplayer
- + Koopmodus für vier Spieler...
- - ... irgendwo im Spielmenü
- - ... in Form von vier lahmen Levels
- - Hohle K.I., genau wie bei schlechten Fanmade-Bots!
- - Kein Wiederbeleben, keine Checkpoints, fies designt
- - Gameplay teils unausgereift, teils ohne Balance
- - ... ginge bei Weitem nicht als AAA-Vollpreisgrafik durch
- - Unverschämter Preis für so wenig Spielspaß
- - ... aber jetzt überrede erst mal drei Leute dazu, sich Blacklight nach dem Test hier zu kaufen!
Blacklight: Spielspaß Down
Ich habe mir schon so meine Gedanken gemacht, wie hart man Blacklight: Tango Down nun wirklich bewerten sollte. Immerhin darf man nicht vergessen, dass es zwar eher glücklos versucht, den Eindruck eines AAA-Shooters zu erwecken, es sich dabei letztendlich aber natürlich trotzdem `nur`um einen Release für Xbox LIVE Arcade handelt. Sogleich schrillten bei diesem Argumentationsweg allerdings mal wieder die Alarmglocken des ´We have balls`-AreaGames-Gehirns auf. Inzwischen ist doch fast jedes Spiel via Steam & Co. zum Herunterladen erhältlich. Was soll an Blacklights Downloadnatur also so besonders sein? Geschweige denn am Preis. Für den Wert von 1200 MS Points kriege ich sowohl on- als auch offline eine FPS-Perle nach der anderen nachgeschmissen. Diese Faktoren können für mich also nicht als Entschuldigung dafür in Frage kommen, dass Blackligt in meinen Augen nicht mehr als ein uninspirierter, technisch wenig aufregender, langweiliger, oft frustrierender Shooter geworden ist, der mir weder solo noch im Koop und auch nicht im kompetitiven Modus richtig Spaß machen will. Dass Blacklight für eine relativ günstige Neurscheinung auf dem Papier sehr viele Mehrspielerkarten beinhaltet und dazu noch grafisch fehlerlos sauber über den Bildschirm läuft, macht es zumindest komplett objektiv betrachtet zu einem gelungenen Independentprojekt; Subjektiv gesehen reicht das aber angesichts aller Schwächen eben noch lange nicht zu einem Titel, mit dem ich gerne Zeit verbringen möchte. Egal ob für 1200 MS Points oder kostenlos.
Blacklight: Tango Down ist auf dem Xbox LIVE Marktplatz seit gut einer Woche für 1200 MS Points erhältlich. Versionen für PlayStation 3 und PC sind ebenfalls in Arbeit, deren Release folgt noch im Sommer (höchstwahrscheinlich sogar im Juli) 2010.
Bewertung
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Kommentare (25)
Neilz
HCrider
xXDonReneXx
Nachdem ich den Test gelesen hab muss ich sagen, dass die Aussage doch als Fazit gereicht hätte ^^
Aber danke, ohne den Test hätt ichs mir wahrscheinlich sogar geholt, um über die Urlaubstage etwas für Zwischendurch zu haben... Aber so nicht Kameraden!!
Jack Scallion
Das Spiel wurde auch noch von ein paar Usern letztens in irgendeiner News empfohlen. Unglaublich...
Jack Scallion
Hab ich irgendwo einen persönlichen Troll bestellt?
toul81
Moonylinho
jensen
Aerendil
Aber du pöbelst doch hier Jack an! jack sagte nur, dass das neulich sogar noch wer empfohlen hat. UND? JEder normale Mensch, der sich die Demo gezogen hat und schon wegen der Drecks-Menüführung verwirrt war und sich dann noch 2 Min. so grottenschlechtes Gameplay angetan hat, wird bestätiigen, dass das Game der letzte Rotz ist.
toul81