BlazBlue: Calamity Trigger
15:20 Uhr - Fragt gar nicht erst. Wir verstehen den Titel auch nicht. Dafür spricht er sich cool: BleysBluh: Källemmitie Twiggä. Sounds good! Außerdem fasst der Name die Ambivalenz des exentrischen Beat'em ups auch gleich treffend zusammen. Denn einerseits wirft das Spiel mehr Fragen auf, als ein Fünfjähriger im Zoo, andererseits ist es einer der einfallsreichsten und durchdachtesten One-on-One-Klopper, seit Begründung des Genres.
So wie es kaum möglich ist, über BlazBlue zu schreiben, ohne auf Animes zu verweisen, dürfte es kaum möglich sein, zumindest den Story-Modus des Spiels zu ertragen, ohne eine gewisse Affinität für die japanische Zeichentrick-Kultur mitzubringen. Deren Geschichtenschreiber tendieren ja nun gerne mal zu hochkomplexer Zeichnung phantastischer Paralleluniversen, samt eigenwilliger Namensgebungen, bizarrer Figurenmischungen aus psychischem Wrack und karnevalesker Karikatur, hochentwickelter Technologie, arkaner Magie und religiösen Einflüssen, abgeschmeckt mit Comedy, Pathos und jeder Menge Blutbad. Ziemlich geiler Scheiß also, aber sicher nicht allgemeinverträglich. BlazBlue setzt dieser verwegenen Mixtur die Krone auf und seine Alles-oder-nichts-Attitüde kann einem den Atem rauben. In welchen Sinne, bleibt aber wohl eine individuelle Erfahrung. Leider haben die Autoren kein Talent gezeigt, empfindsame Gemüter sorgfältig in die Welt einzuführen. Kleiner Vorgeschmack, gefällig? Zu Beginn seht ihr Wissenschaftler in einer hochtechnisierten Anlage auf den Beginn eines durchschlagenden Großereignisses warten. Plötzlich geht Alarm los, weil irgendwas schiefgelaufen ist. Ein riesiges, leuchtendes Ding erhebt sich aus einer Schleuse in einem Krater. Im Orbit geht ein Satellit auf, eine widerwärtige Monsterfratze guckt raus und schießt aus ihrem Maul einen gewaltigen Strahl ... des Todes auf die Erde. Auf einer Wiese liegt Ragna in jungen Jahren und macht sich Gedanken über seine lieben beiden jüngeren Geschwister. Da rumpelt und donnert es. Die Kirche in der die Kinder wohnen brennt lichterloh. Seine kleine Schwester Saya liegt auf dem Boden und sein Bruder Jin, ganz Joker-Style verrückt geworden, hackt ihm den Arm ab. Doch halt! Es war eine Rückblende! In der Gegenwart – das Jahr 2199 – wacht Ragna von seinem Albtraum auf und steht der Vampir-Prinzessin Rachel Alucard (!) gegenüber und der geneigte Spieler wird sich zur Frage verführt sehen: Was zur Hölle geht hier eigentlich ab? Die unverblümte Maßlosigkeit, mit welcher BlazBlue euch, ohne jede Erklärung, scheinbar zusammenhangslose Informationen, Namen und Charaktere um die Ohren schleudert, fordert eine gewaltige Portion Verständnis, Konzentration und den unerschütterlichen Glauben, dass die erlösende Antwort im Fortschritt des Spiels lauert.
Story zum selber basteln
Dies sei nur zur Warnung gesagt. Doch als langjähriger Anime-Fan, kann ich zur Beruhigung ergänzen: Wenn Ihr Euch darauf einlasst und die notwendige Lesefreude mitbringt, werdet ihr mit einer dramatischen Geschichte voller interessanter Figuren, in einer tiefgehenden und sorgfältig gestalteten Welt belohnt. Zwar ist die Handlung kompliziert, aber nie langweilig und die Entwickler haben es verstanden, durch den Aufbau des Story-Modus unabdingbar zum Weiterspielen anzuheizen. Diesen spielt Ihr nämlich nach und nach, in frei wählbarer Reihenfolge mit jedem der zwölf Charaktere. Dabei eröffnet sich stets erstmal nur ein Teil des Gesamtbildes. In einigen Momenten müsst Ihr Euch nämlich zwischen mehreren Möglichkeiten des Vorgehens entscheiden oder es gilt einen bestimmten Kampf auch mal zu verlieren, um den Verlauf zu ändern und das Rätsel aufzudecken. Eine Prozentanzeige klärt Euch hier über den Fortschritt auf. Weitere Story-Schnipsel erhaltet Ihr im spielerisch klassischen Arcade-Mode, wo ihr nacheinander zehn Recken die Tusche aus der Visage rubbelt und es hin und wieder zu dialoghaltigen Schicksalsbegegnungen kommt. Als Lohn winkt, neben einem individuellen Abspann, der weitere Fragezeichen in euer Gesicht malt, die vollwertige Version der jeweiligen Figur, sowie deren Astral-Finisher. (Ich kann das Wort „Sternenbrunst“ nicht schreiben, ohne dabei mit der Hand reflexartig an meine Stirn zu fassen. Und einhändig schreibt es sich so schlecht. Ihr findet das paradox? Spielt erstmal den Story-Modus von BlazBlue!) Dazu aber später mehr. Wie es sich gehört, spielt Ihr natürlich auch einen ganzen Landesvorrat an Sounds und Artworks, welche die Entwickler herzlicherweise sogar persönlich kommentiert haben oder die brillant-bescheuerten „Bring' mir was bei, Miss Litchi!“-Episoden frei. Einsame Krieger toben sich außerdem im Survival-Mode (hier Score-Attack) aus oder feilen im Trainingsmodus an Combos und ihrer Fähigkeit zehnmal in der Sekunde einen Knopf zu drücken. Und der wird lieber euer bester Freund, wenn Ihr offline vor euren, vielleicht noch zu beeindruckenden Gegenspielern protzen und online wenigstens nicht absolut lächerlich dastehen wollt. Bei Letzterem dürft Ihr in schnelle Matches einsteigen, selber ein Spiel kreieren und so festlegen, ob Ihr etwa einfache Special-Moves und Astral-Finisher zulasst und lieber gegen erfahrene oder unbeleckte Kämpfer antreten wollt, einen Freund einladen oder Euch im weltweiten Ranking messen. Macht Euch hier aber darauf gefasst den Boden zu küssen. Ich glaube, einige von denen schaffen es sogar elfmal pro Sekunde auf die Buttons zu hämmern. Dennoch, für eine gute Schlägerei bin ich immer zu haben. Meine Nickname: Migoshuro. Mein Level: Eins! Aber der is' nur so niedrig, um die ganzen Möchtegern-Karateka da draußen hinters Licht zu führen ... hähä ... ähem ... räußper ... Wie dem auch sei, BlazBlue beeindruckt hier durch hervorragende Technik. Ich habe über WLAN gezockt und nicht einmal irgendwelche Ruckler oder Verzögerungen feststellen können. Wenn ihr also eure Online-Feindschaften mit Vollkontakt pflegen wollt, ist hier euer Spiel. Jedoch noch eine Sache zum Trainingsmodus, die ich fortan bei Beat'em ups nicht mehr nicht sehen will. Zwar habt Ihr, wie üblich, freie Hand bei der Konfiguration und anschließenden Misshandlung eures Sparringsdummies. Doch wo ist das Tutorial?
Learning by googling
Für den Anfang gibt sich BB überschaubar: Mit dem Digi-Kreuz schickt ihr euren Charakter auf Wanderschaft, inklusive Block, Dash, High-Jump und so weiter. Mit den Buttons könnt ihr leichten, mittleren oder schweren Stress verursachen. Typische Halb-, Vietel- und Viertel-nein-doch-wieder-zurück-und-dann-nochmal-nur-ein-Achtelkreis-Bewegungen plus Haueknopf entlocken schmetternde Special-Moves, die Pussi ... Ich meine Anfänger auch locker über den rechten Analogstick abrufen dürfen. Prügelspielkonventionen, die gleich für heimisches Wohlgefühl sorgen, aber auch irgendwie zeigen, dass sich das Genre nicht so richtig von der Stelle bewegen will. Etwas komplizierter wird es schon, wenn der vierte Knopf zum Einsatz kommt, der für die Drive-Moves zuständig ist. Diese sind höchst einfallsreich und verleihen BlazBlue einen Großteil seines entzückenden Spielwitzes. Ich will darauf näher eingehen, wenn ich über die Charaktere rede. Einige dieser Figuren-spezifischen Aktionen haben sogar einen eigenen Balken und ihre Wirkung erschließt sich nicht sofort. In den Menüs bzw. den Befehlslisten gibt es dafür meistens Beschreibungen in Textform. Dennoch fühlt man sich des Öfteren ein wenig allein gelassen und muss sich seine Erklärungen selber suchen. Kommt es zum Beispiel zu Feinheiten, wie dem Sperrschicht-Block (eine stärkere Abwehr, mit zugehöriger Energie-Anzeige), Wurfflucht, Abwehr-Gleichgewicht (verhindert zu langes Blocken) oder der Sperrschicht-Explosion oder den Astral-Finishern (Special-Moves, die nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich sind und den sorfortigen Sieg herbeiführen) und ihren teils drastischen Folgen, seid Ihr ohne Anleitung aufgeschmissen. Und auch die klärt Euch nicht restlos über sämtliche Elemente auf. Ich bin der Meinung, dass Videospiele sich grundsätzlich selbst erklären sollten. Das Booklet ist nur für den Klogang, wenn vor lauter Vorfreude auf das Spiel das letzte Essen das alte verdrängt. Sicher gehört es in bestimmten Genres zum eigentlichen Reiz die Möglichkeiten eines Spiels zu ergründen und selbstständig effektive Strategien zu entwickeln und Prügelspiele zählen hier definitiv zur Riege der Hauptverdächtigen. Aber wenn mein Kämpfer plötzlich weiß aufleuchtet, von einer roter Aura umgeben ist und irgendeine Gefahrenmeldung eingeblendet wird oder plötzlich mehr Schaden einsteckt, dann möchte ich einfach wissen wie, warum und wieso. Eine ausführliche Einführung über die komplexe Spielmechanik des Titels hätte mir einige Sorgen genommen. Hier sei wieder einmal Bleach – The Blade of Fate als vorbildliches Ausnahmebeispiel genannt. Abhilfe schafft glücklicherweise die versierte Online-Community oder die Tutorial-DVD der Collector's Edition (siehe Kasten). Abgesehen von diesem Komfort-Defizit ist vielleicht schon durchgedrungen, dass das Kampfsystem ein wahres Paradies für ernsthafte Fans blitzschneller 2D-Beat'em ups ist. Oberflächlich simpel und einsteigerfreundlich, findet Ihr auch nach Wochen noch weitere Möglichkeiten, einzelne Elemente der durchdachten Mechanik zu eurem Vorteil einzusetzen, um etwa den Gegner während einer Combo zum Ducken zu zwingen, weil sich nur dann ein bestimmter Schlag anwenden lässt, der die Angriffskette nochmal deutlich verlängert oder Ihr eine, lediglich milisekundenlange Bewegungsunfähigkeit des Opponenten herbeiführt, um einen bestimmten Special-Move nachsetzen zu können. Ausführlicher darüber zu referieren, würde hier den Rahmen sprengen. Das ist Beat'em up-Faszination, mit der man locker einen ganzen Spieleberater füllen könnte.
Das neue Schönheitsideal
Ich habe den erfahrungsgeschwängerten Verdacht, dass mindestens zwei von den drei Beat'em up-Interessierten hier mal wieder bis zur Wertung gescrollt haben. Es wird also Zeit, ein wenig ins Schwärmen zu verfallen. Habe ich zum Beispiel schon erwähnt, was für ein augenschmeichelndes Schmuckstück BlazBlue ist? Vor jedem Kampf fährt die Kamera über die Szenerie und gibt einen schwelgerischen Blick auf die ebenso opulent, wie originell gestalteten Hintergründe, welche vom belebten, historisch-aisatischen Stadtbild, über einen nächtlichen Rosengarten vor Schlosskulisse, bis zum städtischen, zerstörten Untergrund samt Riesenfötus (ihr dürft Euch wohlig an Akira erinnert fühlen) abwechslungsreiche Bilder liefern und mit feinen Details, wie Nebel der durch die Kämpfer verweht wird oder umherfliegenden Blütenblättern protzen. Davor agieren filigran gezeichnete und geradezu verschwenderisch animierte Anime-Figuren, deren Bewegungen im Genre momentan wahrlich ihres Gleichen suchen, die sich aber auch nicht restlos in die Hintergründe einfügen und hier und da leichte Treppchenbildung erkennen lassen. Dafür haben die Krieger endlich mal einen richtigen Schatten ... was man durchaus auch auf ihre Persönlichkeit beziehen kann. Dank malerischer Lichtstimmungen, leuchtender Farbgebung und der allgemeinen enormen Qualität der Zeichnungen, darf man BlazBlue dennoch als grafische Meisterleistung betiteln und in die Riege der schönsten Beat'em ups aller Zeiten eingliedern. Bei aller Pracht ist es allerdings ein bisschen schade, dass ihr in den Zwischensequenzen, bis auf kleinere Ausnahmen, nur weitgehend unanimierte Standbilder zu sehen bekommt und obendrein noch viel Text lesen müsst. Eine Inszenierung innerhalb der Spielgrafik, wäre vielleicht die bessere Lösung gewesen. Zwar sind die Dialoge durchgehend in annehmbarer englischer oder japanischer Sprachausgabe vertont – wobei letzterer mal wieder der Vorzug zu geben ist. Bei der Beschreibung des Geschehens oder des Innenlebens der Charaktere herrscht jedoch Stille. Somit kann die Präsentation nicht mit den ganz großen Spielen, wie Final Fantasy mithalten, liefert aber schon weitaus mehr, als man in dem Genre erwartet bzw. von anderen Vertretern der Gattung gewohnt ist. BlazBlue versteht es zudem eine konsequente stilistische Linie zu fahren. Ob Menüs, Zwischenbilder oder die eigentliche Spielgrafik: Alles wirkt sorgfältig ausgeführt und fügt sich geschmeidig zueinander. Da bildet auch die rasante Musik keine Ausnahme, eine epische Mischung aus klassischen Melodien, Elektro-Beats, melodramatischen bis harten Gesängen und jeder Menge E-Gitarren-Geschrammel, die in ihren besten Momenten an Castlevania erinnert, aber zeitweise die Tendenz entwickelt sich zu einem schwammigen Klangbrei auszubilden. Dennoch bleibt sie stets antreibend und passend und verleiht BB ihren Teil seines eigenwilligen Charakters.
Paradiesvögel mit dem richtigen Drive
Absolutes Highlight des Spiels sind jedoch die Kämpfer selbst. Zwar gibt es derer nur zwölf – eine, auf den ersten Blick spärliche Anzahl, im Vergleich zu Titeln wie Soul Calibur oder den Capcom vs.-Spielen. Dafür hat jeder von ihnen mehr Persönlichkeit und Finesse, als fünf Typen aus den genannten Titeln zusammen und könnte mit seinem Ego allein ein ganzes Spiel füllen. Sei es Bang, der herzensgute, ehrenhafte und mit einem riesigen Nagel (!) bewaffnete Ninja, die altkluge, stets abgebrühte und genau deswegen so verdammt coole Vampir-Prinzessin Rachel, mit ihren beiden Kuscheltieren, die niemals ihre Tea-Time versäumt, der dauerhaft schlecht gelaunte „Seelenfänger“ Ragna, welcher der Regierung den Kampf erklärt hat und so zum meist gesuchten Verbrecher der Welt geworden ist (Ganz nebenbei bemerkt, der Held des Spiels.), sein Bruder und Erzfeind Jin, ein vermutlich schwer geistesgestörter Offizier des Librariums, am ehesten zu beschreiben, als eine Mischung aus Rosiel aus Angel Sanctuary, Vicious aus Cowboy Bebop und Kefka aus Final Fantasy VI (Wie gesagt, er ist krank im Kopf.) oder das strohdumme, aber unverdorbene Katzenmädchen Taokaka. Die Figuren werden Euch in Story- und Arcade-Mode jedoch nicht nur inhaltlich ausführlich beschrieben, sondern sind obendrein auch spielerisch extrem vielseitig. Das liegt vor allem an den, bereits weiter oben erwähnten Drive-Moves. So kann etwa Ragna mit seinem Drive dem Gegner Seelen rauben und damit seine eigene Lebensenrgie ein Stück aufladen. Jin beherrscht Frostattacken, die den Kontrahenten kurz lähmen. Carl kann parallel seine Marionette kontrollieren und so etwa von zwei Seiten angreifen. Rachel beeinflusst den Wind, der über das Spielfeld zieht und nutzt diese Fähigkeit für lange Combos, um Projektile zu beschleunigen oder schnell auf die andere Seite des Bildschirms zu gelangen. Der schwere und schlagkräftige, aber langsame Tager lädt sein Gegenüber magnetisch auf und zieht ihn so zu sich heran, um wuchtige Schläge oder verheerende Würfe anzusetzen. Mai Shiranuis Regel-Nr. 2-Konkurrentin Litchi kann ihren Kampfstab abstellen und daran Schwung holen oder ihn rotierend in Richtung Feind schleudern. Bang beherrscht verschiedene Conter-Moves, die eine Symbolleiste füllen, welche ihm dann ermöglicht, zeitweise in einen Dash-Mode überzugehen. Doch auch unabhängig von den jeweiligen Drives, sind die Kämpfer höchst individuell talentiert. Hakumen ist in der Lage Projektilangriffe mit seinem gewaltigen Schwert zu neutralisieren. Das Ohngesich ... Ich meine Arakune kann sich teleportieren und giftige Wolken beschwören. Rachel platziert Blitzableiter in der Arena und setzt sie unter Strom, wenn der Gegner unachtsam daran vorbeiläuft (Sie hat's mir einfach angetan.). Taokaka kann sich der Reichweite vieler Angriffe entziehen, indem sie flach über den Boden krabbelt. Es gibt viel zu entdecken und auszuprobieren. Jeder der Kämpfer bietet ein komplett anderes Spielgefühl und ermöglicht bzw. erfordert völlig unterschiedliche Vorgehensweisen und eigene Taktiken. Dabei wirkt das Kräfteverhältnis kompetent ausbalanciert. Keine Figur erscheint übermächtig und für jede Attacke gibt es eine wirkungsvolle Gegenstrategie. So soll es sein!
Pro und Contra
- + 12 Charaktere die vor Persönlichkeit fast platzen ...
- + ... und sich extrem unterschiedlich spielen
- + originelle Drive-Moves
- + einsteigerfreundlich, ohne Button-Mashing zuzulassen
- + Kampfsystem strotzt vor taktischen Feinheiten
- + Solo-Spieler sind dank umfangreichem Story-Mode mal länger als drei Stunden beschäftigt
- + Hintergründe zum träumen
- + Animationen zum staunen
- + hervorragender Multiplayer dank sauberer Technik und tadelloser Balance
- + rasende Musik
- - fehlende Erklärungen, sowohl bei der Geschichte, als auch der Spielmechanik
- - der ein oder andere Kämpfer mehr wäre doch nicht schlecht
- - Zwischensequenzen meist nur aus Standbildern und Text
- - Mucke ist nichts für Feingeister
Trigger Happy
Wow, die Charaktere von BlazBlue haben mich einfach umgehauen. Selten habe ich eine so exzentrische und vielseitige Kämpfertruppe in einem Beat em up gesehen. Das ihnen durch die umfangreiche, wenn auch reichlich verwirrende Hintergrundgeschichte, eine komplexe Persönlichkeit verliehen wird, ist da nur das Sahnehäubchen und lässt mir die skurrilen Typen, mit ihren jeweiligen Motiven, Eigenarten und zwischenmenschlichen Verbindungen nur noch mehr ans Herz wachsen. BlazBlue strahlt in jeder Ecke Durchdachtheit und Hingabe der Macher zu ihrem Projekt aus. Zwar erfindet auch das aktuelle Meisterwerk der Guilty Gear-Schöpfer das Genre nicht neu. Doch zusammen mit Street Fighter IV stellt es momentan die Speerspitze unter den Prügelspielen dar, an der sich kommende Vertreter messen müssen und überzeugt in allen wichtigen Bereichen vollends. Charaktere, Kampfsystem, Balance und Multiplayer lassen keine Wünsche offen. Das die Grafik bildschön und der Soundtrack wuchtig ist, wirkt da fast schon wie eine Selbstverständlichkeit. Sicher ist BB nicht perfekt. Ein wenig mehr Präsentationsbombast, den ein oder anderen Kämpfer mehr und vor allem ein aufschlussreiches Tutorial oder zumindest vollständige Erklärungen zu den vielen kleinen Facetten des Spiels wären wünschenswert gewesen. Auch wird nicht jeder mit der verwegenen Geschichte, der bizarren Welt und den Over-the-Top-Charakteren klarkommen. So bleibt BlazBlue: Calamity Trigger vor allem eine uneingeschränkte Empfehlung für Beat em up-affine Anime-Fans und allgemein für jeden Zocker, der sich ernsthaft für Prügelspiele begeistern kann.
Zuschlagen, statt reintreten: Die Collector's Edition
Als BlazBlue: Clamity Trigger in den USA erschien, kam es anfangs tatsächlich ausschließlich in einer begehrenswerten Limited Edition, zum Preis eines regulären Spiels (!) auf den Markt. Diese enthielt neben dem Spiel, eine Blu-Ray-Disc mit Tutorial-Videos und den 42 Titel starken Soundtrack auf zwei CDs in einer schnieken Pappschachtel. Man muss kein Pessimist sein, um davon auszugehen, dass dem abgedrehten Spiel, mit dem nichtssagenden Titel, in unserer Heimat kein enorm großer Erfolg beschieden sein dürfte und so war die Vorstellung, dass es eine derartige Edition des Geniestreiches auch zu uns schafft, kaum mehr als naive Träumerei. Doch es geschehen noch Zeichen und Wunder. Headup Games haben sich ein Herz gefasst und veröffentlichen auch hierzulande eine schnieke Collector's Edition des Titels. Diese unterscheidet sich allerdings etwas von der US-Version und bietet das Tutorial, mit ca. zwei Stunden Videomaterial an überaus nützlichen Erklärungen und Taktiken für alle Kämpfer auf einer normalen DVD, was euch praktischerweise in die Lage versetzt – sofern ihr denn zwei Fernseher besitzt – die Videos laufen zu lassen, während ihr gleichzeitig das Spiel zockt und so gelernte Techniken gleich umzusetzen. (Schreib' ich nur, weil ich das wirklich so gemacht habe. Hähä.) Allerdings sind die Videos durchgehend in englischer Sprache und nicht untertitelt. Ein tadelloses Gehör wird also dringend empfohlen. Statt des umfangreichen Soundtracks gibt es bei uns ein 96seitiges Artbook, mit vielen hochwertigen Bildern, Skizzen und Fotos von der Arbeit der Entwickler, inklusive zahlreicher Regel-Nr. 2-Artworks. Ihr dürft Euch selbst ausmalen, welches Paket den größeren Reiz ausübt. Interessant ist allerdings die Veröffentlichungspolitik der Collector's Edition. Playstation 3-Besitzer erhalten diese nämlich exklusiv und ausschließlich im Media Markt, während Xbox 360-Spieler zu GameStop wandern müssen. Amazon bietet aber auch die inhaltsgleiche, englische Version der Box an, was in Anbetracht der englischsprachigen DVD und des vermutlich auch auf der britischen Insel multilingual untertitelten Spiels, eine entsprechende Einkaufsalternative darstellen dürfte. Erfreulicherweise kostet die CE für beide Systeme, mit maximal 50 Euro auch hier beinahe gleich viel bzw. nur unwesentlich mehr als das einfache Spiel und ist so oder so günstiger als die meisten anderen Titel. Wer hier nicht zuschlägt, darf sich nachher auch nicht beschwehren, wenn derartiges Entgegenkommen seitens der Publisher nicht Schule macht.
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Kommentare (19)
Belphegor
Bayn
Belästigungs-Panda
Es mag ja sein, dass das Kampfsysthem sehr durchdacht ist, aber ich hab davon NICHTS mitbekommen. Man denkt sich nur "mehr hatt diese Figur nicht drauf ?!?"
Also wer sich dieses Spiel kaufen will sollte sich unbedingt auf einen Studienplatz in Japan bewerben wo dieses Spiel gelehrt wird.
Daniel Pook
Hagelt ja auch nur Topspiele. ;) Aber warte mal den "Dead to Rights"-Test ab... :D
Die andere Möglichkeit wäre, dass du einfach nur schlecht bist! :-))
Jace
Aber mal im ernst, ne 9 von Johannes ist irgendwie wie ne 8 vom Rest der AG-Redaktion. :P
Belästigungs-Panda
aaahhhh neeeee. neeee. Das ist die übelste Beleidigung in meiner über 20 jährigen Gamer-Karierre die ich erleiden musste! Zu meinen Auszeichnungen gehören u.a. die Nintendo-Armbanduhr vom SuperNintendo Mario-Kart Wettbewerb! Ich denke damit bin ich qualifiziert genug.
MaxSchmerz
Du bist einfach zu alt. Evtl. solltest du dir nur noch Casual Games angucken? ;)
@Topic
100% ! Ich mag das Spiel, obwohl ich kein Beat em Up Fan bin.
Bayn
Ich finde er sollte denn test zu Red Dead Redemption schreiben *erschrockenes eintatmen und totale stille nur eine ruft "hat der ne Meise!!!"*