Bleach – Dark Souls
16:10 Uhr - Zum platzen gefüllt mit allem, was das Prügelspielerherz begehrt, schickt sich der Nachfolger des Überraschungshits Bleach – The Blade of Fate an, den Nintendo DS zu stürmen und bietet damit die selben Vorzüge wie sein genialer Vorgänger. Doch lohnt sich der erneute Ausflug in die Soul Society auch für Kenner des Erstlings?
Hey, das ist wieder mal eine Gelegenheit für mich, den kürzesten Test der Welt zu schreiben! Denn Bleach – Dark Souls ist zu mindestens 90% das gleiche Spiel wie der erste Teil von 2008. Somit verweise ich einfach faul auf meine Review aus dem letzten Jahr und baue darauf, dass ihr euch den Rest einfach dazudenkt. Ende der Geschichte! Danke es liegt sich sehr bequem in dieser Hängematte! ... Hm, na gut, so läuft die Sache wohl nicht. Allerdings wäre es für „Beat’em up“-Fans, welche The Blade of Fate nicht kennen, wohl tatsächlich besser, zuerst den Test des Vorgängers zu lesen, weil dort eher die Begeisterung rüberkommt, die auch Dark Souls gebührt. Doch die große Ähnlichkeit zum Vorgänger ist gleichzeitig dessen größte Stärke und auffälligste Schwäche.
Aus neu mach alt
Kenner werden nämlich von einem Déjà-vu-Moment nach dem anderen erschlagen: Selbe Grafik-Engine, selbe Charaktermodelle, selber Menüaufbau, (größtenteils) selbe Move-Palette, selbe Spielmodi, selbe Sprachsamples und Musik, selbe Standbilder in den Zwischensequenzen und die selben Macken. Das ist alles natürlich nur halb so schlimm, da sich die genannten Punkte fast alle auf sehr hohem Niveau befinden. Doch das heißt nicht, dass nicht auch noch Verbesserungsspielraum vorhanden ist, den man von einer vollwertigen Fortsetzung ausgenutzt sehen will. Die Hintergründe – auch die wenigen neu hinzugekommenen – sind nach wie vor etwas trist, die zahlreichen Cutscenes immer noch frei von Animationen oder wenigstens beeindruckenden Bildern. Die fetzigen, aber altbekannten Sprüche während der Kämpfe haben beim zweiten Mal längst nicht mehr einen so coolen Effekt und es gibt kaum neue Musikstücke! Hier verschenkt Treasure Potential bei der Präsentation, um ein brillantes Spiel zum absoluten Meisterwerk zu veredeln. Außerdem wurden alte Probleme, wie gelegentliche Lags im Online-Multiplayer und die mangelnde Übersicht bei vier infernalisch wütenden Charakteren auf dem Schirm, nicht angegangen.
Gesellschaftsspiele
Bei allem Wiederaufkochen haben sich aber doch noch ein paar Dinge geändert. Allen voran der Umstand, dass die zugrundeliegende Anime-Serie jetzt nämlich endlich auch auf Deutsch erhältlich ist und dem Spiel damit hoffentlich eine angemessene Fan-Basis verschafft. Sequel-Obligatorisch dürft ihr mit einem Batzen neuer Kämpfer antreten, welche allesamt ellenlange Namen haben, die sich kein Nicht-Japaner merken kann und nach und nach im stark überarbeiteten Story-Modus vorgestellt und freigespielt werden. Dieser lässt sich nun am ehesten mit dem Waffenmeister-Modus aus Soul Calibur II vergleichen. Auf einer Karte seht ihr Felder, auf denen es Missionen zu erfüllen oder hin und wieder auch einfach nur Dialoge zu bestaunen gilt. Ist die Aufgabe erledigt, erscheinen neue Felder, oft in verschiedenen Richtungen, so dass ihr euren Weg relativ frei wählen könnt. Einige werden durch Schlösser versperrt, deren zugehörige Schlüssel ihr an anderer Stelle erspielt. Es gibt eine wenig aufregende Hauptstory über dämonische Seelen in Süßigkeiten, die sterben müssen, aber auch nur leben wollen bluaah ... Ich geb’s zu: So ganz hab’ ich die Geschichte nicht geschnallt! Auf vielen anderen Feldern werden (banale) Nebenhandlungen erzählt. Dabei müsst ihr euch vor und nach einer Mission stets durch oft meterlange Dialoge arbeiten. Und glaubt mir, ihr werdet euch mindestens einmal fragen, worüber die Typen überhaupt reden und was das ganze eigentlich soll. Dennoch hat die Sache zwei schöne Vorteile. Denn einerseits werden so die ganzen Charaktere mit ihren individuellen Eigenheiten gut rübergebracht, sodass man mit jeder Figur auch eine Persönlichkeit verbindet, und zweitens ist das immer noch wesentlich besser als die wort- und zusammenhangslos abgerissenen Kämpfe anderer Prügelspiele.
Kinderspiele
Meistens laufen die Ereignisse auf einen Kampf gegen einen bis drei (oder noch mehr!) Gegner hinaus. Manchmal nehmt ihr aber auch an mehr oder weniger durchdachten Minispielen teil und müsst dann etwa mehr Süßkram verdrücken als euer Konkurrent, Schmetterlinge einfangen, an einem Quiz teilnehmen oder Patienten einer Krankenstation heilen. Die letzteren beiden sind zwei eher misslungene Beispiele. Für das Quiz müsst ihr bei den Namen und Rangordnungen des Bleach-Universums extrem fit sein und obendrein während eines Kampfes gegen drei Kontrahenten noch die Fragen lesen, was irgendwann nur noch auf pures Raten und Hoffen, dass der Gegner falsch liegt, hinausläuft. Bei der Heilung erhaltet ihr keinerlei Anhaltspunkte, wie ihr das Wunder vollbringen sollt, denn die Patienten sterben beim kleinsten Treffer und mit einem Charakter der Prügelspieltypisch nun mal nur darauf ausgelegt ist, Schläge zu verteilen, ist guter Rat teuer. Habt ihr es schließlich rausgefunden, wird die Aufgabe lächerlich einfach. Überhaupt lässt Dark Souls stellenweise etwas sorgfältigere Balance vermissen: Bei einigen Missionen wäre ich beinahe komplett ausgerastet, weil ich einfach nur in Grund und Boden gekloppt wurde, viele andere erledigt man im Vorbeigehen. Ebenso erscheinen ein paar Kämpfer doch arg schwach und sinnlos im Vergleich zu den Obermackern. (Ein Punkt der allerdings auch beim Vorgänger zu beanstanden ist.) Held der „Nintendo DS“-exklusiven Geschichte ist übrigens wieder Rotblondling Ichigo. Nur selten übernehmt ihr die Kontrolle über eine der anderen schrägen Figuren. Dafür habt ihr in den weiteren Spielmodi natürlich wieder die freie Auswahl. Auch nach einmaligem Durchspielen des Story-Modus bekommt ihr lediglich die Gelegenheit, noch nicht erledigte Aufgaben anzugehen und weiteren Content freizuschalten. Kleinere Handlungsstränge für die anderen Charaktere, wie im ersten Teil, gibt es diesmal nicht. Insgesamt fand ich den Story-Modus aus The Blade of Fate trotz nun gestiegener Abwechslung und Freiheit etwas besser und die Erzählung auch spannender.
Kartenspiele
Zweite größere und auch wirklich gelungene Neuerung betrifft die Geisterkarten beziehungsweise den wesentlich ausgefeilteren Deckbau-Modus. Zur Erinnerung: Die Geisterkarten können zu Decks zusammengelegt werden und verschaffen euch im Gefecht kurzzeitige Vorteile, wie erhöhte Geschwindigkeit, Giftschaden, Unsichtbarkeit oder beeinträchtigen euren Feind, indem er etwa zum Ducken gezwungen wird oder seine Spezialattacken unterbunden werden etc. Die Auswahlmöglichkeiten sind schier endlos und durch neu hinzugekommene Karten noch erweitert. Während des Kampfes bekommt ihr auf dem Touchscreen nun vier, statt bislang zwei Geisterkarten angezeigt, wodurch deren Einsatz noch flexibler wird. Bei der Ausarbeitung eines Decks werden die Karten nun in verschiedene Rahmen gepackt. Jeder Rahmen nimmt nur eine begrenzte Anzahl bestimmter Karten-Typen auf. Diese sind wieder in Kategorien, wie Verstärkung, Angriff, Regeneration oder Sonstiges, eingeteilt. Außerdem verbrauchen sie je nach Stärke Deckbaupunkte, welche eine festgelegte Menge ebenfalls nicht überschreiten dürfen. Somit könnt ihr nie ein absolutes Überdeck zusammenstellen und müsst schon genau überlegen, welche Features zu eurem Spielstil oder zur jeweiligen Situation passen. Ein nicht zu unterschätzendes taktisches Element. Ihr könnt verschiedene Decks speichern und direkt vor dem Kampf anwählen. Zusätzlich enthalten einige Rahmen Felder, in die ihr spezielle Steine, sogenannte Reijus, einsetzen könnt, welche euch dann dauerhaft geringfügige Verbesserungen bei Beweglichkeit, Verteidigung usw. verleihen.Neben dem Story- und Deckbau-Modus könnt ihr euch noch im (erklärungsunbedürftigen) Arcade-, Trainigs-, Time-Attack-, Survival- und Versus-Mode gegen den Computer oder menschliche Mitspieler austoben. Im Uruhara-Shop dürft ihr eure hart verdiente Kohle dann wieder für Artworks, Musikstücke, neue Kämpferfarben, Systemstimmen, Reijus, Rahmen und Geisterkarten ausgeben. Wer alles freispielen will, ist vermutlich wochenlang beschäftigt und hat dabei auch noch Spaß!
Pro und Contra
- + · Interessanter Story-Modus ...
- + Grafik- und Soundkulisse immer noch top …
- + Wagenladungen von Spielmodi
- + Tonnen von Charakteren
- + Tanklaster voll freispielbarem Content
- + Eigenständiges, durchdachtes Kampfsystem
- + Innovativer Geisterkarten-Einsatz
- + Ausgefeilter Deckbaumodus
- + Vier-Spieler-Modus offline mit nur einer DS-Karte möglich
- + Online-Modus
- + Typisch Treasure: Bombastisch und schnell!
- - ... der leider unausgegoren ist
- - ... aber zu großen Teilen wiederverwertet und nicht verbessert
- - Balance-Probleme
- - Verzögerungen im Online-Multiplayer
- - Unspektakuläre Geschichte(n)
„Bleach 09“: Tolle Fortsetzung mit Add-on-Gehalt
Die Entwickler von Treasure (Bangai-O Spirits, Ikaruga) gehören spätestens seit ihren hervorragenden Werken für den Game Boy Advance (Gunstar Future Heroes, Astroboy – Omega Factor) zu meinen persönlichen Helden. Um so schöner, dass sie ihre Qualitätsarbeit auf dem Nintendo DS fortsetzen. Bleach – Dark Souls erweitert die hochklassige Spielebibliothek des Doppelbildschirmers um ein tolles Prügelspiel. Alle diejenigen, die den Vorgänger nicht gespielt haben, möchte ich daher bitten, den eventuell auftretenden negativen Grundtenor im Review-Text zu überlesen und ruhig noch einen Punkt auf die Wertung draufzuschlagen. Dark Souls bietet spektakuläre Prügelaction mit einem ausgereiften, variantenreichen Kampfsystem, welches viel Raum zur persönlichen Perfektionierung gibt, Vierspielermodus und gigantischem Umfang. Veteranen freuen sich über neue Kämpfer und das clevere Geisterkartensystem, müssen aber auch mit jeder Menge Recycling leben. Einsteiger werden von den Möglichkeiten vielleicht erst mal etwas erschlagen, bekommen aber Hilfe durch optionale Autoblock-Funktion und per Touchscreen-Berührung anwählbare Special-Moves. Wer The Blade of Fate nicht besitzt, muss hier zugreifen oder eben den Vorgänger kaufen. Insgesamt wirkt der Titel aber ein bisschen wie die jährlichen Sportspiel-Updates: Nach wie vor super, aber der Knalleffekt des Erstlings fehlt. Deswegen gibt’s „nur“ acht Punkte!
Bewertung
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Kommentare (10)
Spielereins
Antilogic
:(...deswegen nehm ich nicht an das der DS teil hier, trotz einer guten Wertung, viele Anhänger finden wird in D
theWicked999
Johannes Krohn
Es stimmt. Schon der erste Teil schien sich bei uns nicht sonderlich gut zu verkaufen, wenn man bedenkt wie günstig das Spiel mittlerweile zu haben ist. Das ist extrem schade, denn gerade diese beiden Spiele sind auch ohne den Lizenzbonus absolute Pflichttitel. Kein Spiel zu den erfolgreicheren Naruto- oder DragonBall-Franchises hat bislang jemals eine derartige Qualität aufgewiesen.
theWicked999
Johannes Krohn
Dumah
Den Bleach-Anime gibts auch mit deutschen Fansubs und es ist auch eine der wenigen Serien die ich mir mit Untertiteln angeschauthabe. Die Neuen Folgen aus Japan werden noch in der gleichen Woche vom Team tengun.org gesubbed und angeboten. Momentan sinds 211 Folgen.
Und zu Espada: Es gibt Hollows(Die bösen Seelen mit den Masken) die ihre Masken zerbrochen und Shinigamikräfte erlangt haben (heißen Arrancar). Die 10 stärksten unter ihnen nennt man Espada.
Flaming BiFi
Spielereins
Crone
@Johannes Krohn
dein avater erinnert mich an Mugen von Samurai Champloo, oder ist das ein anderer aufm avatar?