19.01.2007 10:17
Buffy The Vampire Slayer: Chaos Bleeds
Sieben Jahre lang konnten sich alle serientreuen Buffy-Fans sicher sein, dass die Dämonen und Vampire dieser Welt vermutlich niemals in der eigenen Stadt vorbeischauen würden. Der Höllenschlund lag schließlich in Sunnydale, wo Buffy, die Vampirjägerin (alias Sarah Michelle Gellar) mit Leib, Seele und Pflock zur Stelle war, um die lästigen Kreaturen zu pfählen oder ihren Allerwertesten ins strahlendste Sonnenlicht zu halten. Doch mit Ende der siebten Staffel fand Joss Whedons Kultserie ein für Fans viel zu frühes Ende. Seitdem müssen sie sich an das mittlerweile ebenfalls recht erfolgreiche Spinoff von Angel (alias David Boreanaz) halten, sich immer wieder die DVDs zur Serie anschauen, in Buffy-Büchern schmökern oder aber in Buffys Videospielauftritte eintauchen.
Nachdem die Entwickler von The Collective im vergangenen Jahr einen Überraschungshit mit Buffy the Vampire Slayer landeten, soll auch der Nachfolger Buffy the Vampire Slayer: Chaos Bleeds wieder Action-Adventure-Freunde begeistern. Entwickelt wurde Chaos Bleeds dieses Mal von Eurocom und im Gegensatz zum Vorgänger erscheint das Spiel auf allen aktuellen Konsolen-Plattformen. Die Erwartungshaltung an das Spiel ist nach den im Gedächtnis gebliebenen Eindrücken vom Prequel besonders groß und zumindest Buffy-Fans werden nicht enttäuscht werden. Denn Vivendi Universal Games konnte nicht nur alle deutschen Synchronsprecher der Serie verpflichten, sondern bietet mit Ausnahme von Sarah Michelle Gellar und Alyson Hannigan (Willow) auch wieder das komplette Cast der amerikanischen Originalstimmen. Je nach Spracheinstellung der Xbox darf man die interaktive Episode von Buffy also im Originalton oder in deutscher Synchronisation spielen.
Die Geschichte von Buffy the Vampire Slayer: Chaos Bleeds beginnt, als eines Tages Ethan Rayne wieder auftaucht, der in der Serie erstmals in Episode 6 der zweiten Staffel auftaucht under dort einen Besitzer eines Kostümverleihs spielt. Trotz manch gruseliger Outfits, die es bei ihm in der Halloween-Nacht zu erstehen gibt, ist die dunkle Geschichte hinter Ethan allerdings wesentlich tiefgründiger und würde den Rahmen dieser Review sprengen. Sicher ist nur, dass sein Auftauchen nichts Gutes bedeuten kann, zumal Buffy sich gerade wieder einmal im Kampf gegen das abgrundtief Böse befindet. Als dann auch noch Kakistos auftaucht, die Bauchrednerpuppe Sid plötzlich wieder da ist und jede Menge Vampire Buffy an den Kragen wollen, ist das Szenario perfekt. Buffy: Chaos Bleeds setzt dabei verstärkter als der Vorgänger auf Hintergrundwissen über die TV-Serie, so dass Nichtkennern einige Andeutungen verschlossen bleiben und sie gerade anfangs doch Probleme haben könnten, die verschiedenen Handlungsstränge zu verfolgen. Wer allerdings die Serie regelmäßig bis zum Ende der fünften Staffel gesehen hat, dürfte keine Probleme haben, in die Welt von Buffy und ihren Freunden einzutauchen.
Buffy: Chaos Bleeds ist das, was man ein klassisches Action-Adventure nennt, wobei beide Teile des Wortes gleichermaßen realisiert werden. Action gibt es genügend, denn immerhin schlägt sich dieses Mal nicht nur Buffy durch das Abenteuer und kleine Rätsel gibt es auch, wenn sich diese auch oft nach dem Prinzip "Finde Gegenstand A, um ihn bei Punkt B zu benutzen" aufbauen. Dass Buffy dieses Mal nicht alleine gegen Vampire und Dämonen kämpft, war eine hervorragende Idee und verleiht dem Spiel einiges an mehr Abwechslung.
Neben ihren Vampirjägerinnenfähigkeiten, darf zum Beispiel Willow auch ihr Zauberarsenal zum Einsatz ingen, Xander gibt man am besten eine Waffe in die Hand (so eine Armust ist doch was feines) und auch Faith, Spike und nicht zuletzt Sid, die Bauchredner-Puppe, haben ihren eigenen Kampfstil. Die größten kämpferischen Ausnahmen stellen dabei Willow und Sid dar. Da Sid immerhin nicht der Größte ist und nur die verkörperte Puppenform eines Dämonenjägergeistes ist, ist es für ihn nicht einfach, wie einer der Großen zu kämpfen. Willow dagegen ist nicht gerade die geborene Schlägerin und hat trotz ihrer Fähigkeiten ihre immer leicht schüchterne und verunsicherte Art beibehalten. Dementsprechend agiert sie fast nur mit Zaubern, die sie in ihrem jederzeit einsehbaren Zauberbuch nachlesen kann.
Wer die Serie kennt, der weiß, dass mit den genannten Personen Buffys Freunde noch lange nicht komplett sind. Selbstverständlich sind auch Tara und Anya dabei, die allerdings genauso wenig aktiv kämpfen wie Buffys Wächter Rupert Giles, der trotz Eigentümerschaft der Magic Box (dem Zauberladen von Sunnydale) letztendlich der liebenswürdige Bücherwurm geblieben ist, der er von Anbeginn der Serie war. Trotz der Vielfalt der Charaktere macht das Kämpfen nach wie vor mit Buffy am meisten Spaß, die auf eine ganze Reihe von verschiedenen Angriffstechniken zurückgreifen kann, deren Tastenkombination sie dank Besitz des Jägerinnenhandbuchs jederzeit nachlesen kann.
Buffy & Co kämpfen sich in Chaos Bleeds durch insgesamt zwölf sehr abwechslungsreiche und lange Level, bei denen echte Dämonenfans alles geboten bekommen, was die Blutdurst begehrt. Alles beginnt im Zauberladen Magic Box, während Buffy später Stationen wie den Friedhof, eine Blutbank und verschiedene Orte in Sunnydale (wie beispielsweise das Krankenhaus, die Schule oder den Zoo) mehr oder weniger freiwillig besucht. Höhepunkt ist am Ende natürlich das Aufeinandertreffen von Buffy mit dem Urbösen, dem allerersten Bösen, das die Welt beherrschte. Während gerade dieses Urböse sich für Serienfremde doch sehr kitschig anhört, dürften sich Buffy-Fans über ein "Wiedersehen" mit dem Anfang aller Schlechtigkeit freuen.
Der Schwierigkeitsgrad während Buffys Reise schwankt dabei, ist jedoch insgesamt fair. Allerdings entschieden sich die Entwickler dazu, dass immer nur nach jedem Level gespeichert werden kann, so dass man sich für jeden Abschnitt Zeit mitingen sollte, wenn man ihn durchspielen will. Wenn man das Zeitliche segnet, muss man zwar dank einiger und meist fairer Rücksetzpunkte nicht ganz von vorne anfangen, problematisch ist allerdings der Moment, an dem man einen Abschnitt nicht schafft, aber gleichzeitig fast gezwungen wird, weiterzuspielen, weil man das bisher in diesem Level absolvierte nicht noch einmal machen möchte. Da man für die insgesamt zwölf Level ungefähr 10 bis 14 Stunden aucht, um sie durchzuspielen (je nach Fähigkeit des Spielers), kann sich jeder ausrechnen, wieviel Zeit man in einem Level veringt. Nach jedem erfolgreich absolvierten Level warten einige Statistiken auf die Spieler und neue Extras werden freigeschaltet. So gibt es im dazugehörigen Menü unter anderem Interviews mit Darstellern, genau so wie eine Fotogalerie und Outtakes aus der Serie.
Spieler des Vorgängers werden sich von Anfang an bei Buffys zweitem Xbox-Auftritt wohl fühlen und wissen, dass das Waffenarsenal im Spiel nicht nur groß, sondern auch der Schrecken einer finsteren Kreatur ist. Typischerweise haben alle Charaktere immer eine große Anzahl von Pflöcken dabei, die sich zwar abnutzen und irgendwann zerechen, aber zu Hauf in irgendwelchen Kisten oder Ecken eines Levels herumliegen. Wer es gerne etwas rabiater hat, greift nicht zum Pflock, sondern zur Axt oder zum Schwert. Empfehlenswert auch die Variante "Brennender Vampir" zur Weihnachtszeit, denn die Protagonisten beweisen einmal mehr, dass eine Fackel nicht nur zur Beleuchtung gut ist. Diverse Nutzgegenstände wie ein Billiardqueue, eine Heugabel oder ein Baseballschläger tun ihr üiges und dank Armust und Wasserspritze wird man auch den "Spieltrieben" der Crew gerecht. Es geht doch nichts über eine mit Weihwasser geladene Wasserpistole - da wirds den Vampiren doch gleich richtig sonnig ums Herz. Besonderer Clou ist es allerdings, Vampire auf herausragende und abgeochene Holzstücke zu schmeißen. Leider bietet sich dazu viel zu selten die Gelegenheit, die Freude ist bei jedem Zerfallen der Vampire dafür aber umso größer. Natürlich dürfen auch obligatorische Gegenstände wie MediPacks nicht fehlen, die in regelmäßigen Abständen - meist leicht versteckt - herumliegen und so manches Mal die letzte Rettung in der Not sind.
Die Steuerung ist gut und alle Charaktere mit Ausnahme von Xander, der seinem leicht trotteligen Verhalten der Anfangstage von Buffy immer noch gerecht wird, agieren direkt auf die Eingabebefehle. So genügt ein Tastenknopf fürs Treten, Springen, Schlagen sowie das schnelle Pflöcken und auch das Abblocken von Angriffen, was erst im späteren Verlauf des Spiels Sinn macht, ist möglich. Durch gleichzeitiges Drücken der X- und A-Taste werden die Gegner weggeschleudert und während der linke Stick die Charaktere standesgemäß durch die Gegend steuert, darf man am rechten Stick die Kamera justieren. Leider wird das Wort "Kamera" gleich wieder mit dem Wort "Problem" in einem Satz auftauchen....
Die Kamera bei Buffy ist ein großes Problem (ich habe euch gewarnt). Es mag zwar durchaus gar nicht unrealistisch sein, dass Buffy und ihre Freunde die heranstürmenden Vampire erst im allerletzten Moment wahrnehmen und der ein oder andere kurze Schreck wird den meisten Spielern auch durch die Glieder fahren, wenn man mal wieder hinterrücks überrascht wird, aber der Spaß hört leider immer dann auf, wenn man nur noch wenig Lebensenergie hat und sich von hinten mal wieder ein Blutsauger nähert, um einem das letzte bischen aus dem Hals zu saugen. So erwischt man sich beim Spielen des öfteren beim hektischen 360°-Drehen der Kamera, weil man zwar akustisch bereits hört, dass einer der zahlreichen Gegner wieder im Anmarsch ist, allerdings ihn noch nicht visuell ausgemacht hat. Diese Kameraführung stellt leider keine Verbesserung zum Vorgänger dar und hat auch ein paar Punkte bei der Bewertung gekostet.
Auch grafisch hat sich im Vergleich zum Vorgänger nur unwesentlich etwas getan und nur im Bereich der Spezialeffekte sind deutliche Verbesserungen auszumachen. Am sicherlich schönsten sind die Zauber von Willow und auch die Animationen der Charaktere verdienen insgesamt ein Lob. Zwar gibt es auch hier noch Defizite, wie zum Beispiel das relative Unnatürliche Klettern an einer Leiter, aber die Kampfanimationen sind "rund" genug, um echte Stimmung aufkommen zu lassen. Grafisch gehört Buffy in ihrem zweiten Auftritt sicherlich nicht zu den extrem beeindruckenden Spielen, es reicht aber aus, um nicht wirklich daran herummäkeln zu müssen und ist immer noch weit überdurchschnittlich. Die Gesichtszüge der einzelnen Charaktere sind relativ gut getroffen, wirken aber doch sehr künstlich. Wenigstens wurde Willow Rosenberg nicht mehr ganz so "deformiert" wie im Vorgänger und der Wiedererkennungswert ist ohne Frage groß genug.
Die akustische Darstellung ist für ein Action-Adventure absolut großartig, was nicht nur an der buffytypischen Musikuntermalung liegt, sondern vor allem an den Stimmen der Charaktere. Da alle Originalstimmen (für alle, die im O-Ton spielen) eh über alle Zweifel erhaben sind und auch die deutschen Synchronstimmen allesamt passen wie Buffys Faust aufs Dämonenauge, stellt sich nur die Frage, wie die "Ersatzstimmen" von Sarah Michelle Gellar und Alyson Hannigan wirken. Beide machen ihren Job recht gut und müssen eben mit dem schweren Los leben, dass man die Originale lieber gehört hätte. Für alle, die Buffy ohnehin nur in der deutschen Synchronisation kennen, ist die Welt ohnehin in Ordnung, zumal auch der Charme der Serie und die Spritzigkeit der Sprüche ins Spiel geacht wurden.
So macht Buffy ihren Gegnern gewohnt cool klar, dass sie die Jägerin ist, Willow überrascht immer wieder mit ihrer "Hoppla-ich-bin-ja-ne-Hexe"-Art und Xander kalkuliert charmant-unsicher "Vampire tot. Xander lebt noch." Auch wenn sich nach einiger Zeit die Sprachsamples etwas wiederholen, sind sie doch derart witzig, dass man sie einige Male hören kann. Da der Spuk wie bereits erwähnt ohnehin nach 10 bis 14 Stunden vorbei ist, reicht die Anzahl der Sprüche aus, um diesen Zeitraum ohne Nervfaktor zu überücken.
Wer die TV-Serie kennt, der weiß, dass Buffy wohl nicht mehr leben würde, wenn ihre Freunde nicht ein ums andere Mal zur Stelle gewesen wären, um ihr den Rücken freizuhalten. Dementsprechend dürfen sich Vampirjäger und ihre Freunde auch auf einen gelungenen Multiplayer-Part freuen, der dem Spiel neben der Singleplayer-Kampagne noch einmal einen deutlich höheren Spielwert ingt. In insgesamt vier Disziplinen treten dabei bis zu vier Spieler an. Der "Überleben"-Modus erklärt sich eigentlich von selbst - wer hier üig bleibt, gewinnt. Spaßiger ist da schon der "Kaninchenfänger"-Modus, in dem man in einer bestimmten Zeit mehr Kaninchen fangen muss als die anderen. Je nach Farbe des Kaninchens gibt es dabei eine unterschiedliche Punktzahl. Bei der "Jägerin-Herausforderung" heißt es, dem eigenen Ruf gerecht zu werden. Wer hier über die Pentagramme geht, um die Gegner ins Leben zu rufen, der muss sie auch wieder ins Grab zurückschicken. Diesen Spielmodus kann man entweder alleine spielen oder aber mit Freunden, die dann auch die Steuerung der Monster übernehmen können. Auch im Modus "Herrschaft" geht es wieder um die Pentagramme, die dieses mal unter Kontrolle geacht werden müssen. Dabei gilt es, sie möglichst lange zu beherrschen, um eine besonders hohe Punktzahl zu erzielen.
„Kameraführung aus der Gruft“
(Eigene Meinung » Sebastian Philipp)
Chaos Bleeds ist definitiv für Buffyfans ein absolutes Muss, für alle anderen ist es ein sehr gutes Action-Adventure, das neben der durchaus teilweise noch verbesserungswürdigen Grafik eigentlich nur einen wesentlichen Mangel aufweist. Das ist die leider allerhöchstens mittelmäßige Kameraführung, bei der der Spieler selbst nahezu die ganze Zeit nachjustieren muss, um jeden Blutsauger oder jeden Dämon immer im Auge zu behalten. Meiner Meinung nach kann das Genre der Action-Adventure nicht mehr viel weiter vorangetrieben werden, wenn es die Programmierer durch die Bank nicht irgendwann einmal lernen, dass ein Spiel so lange nicht auf den Markt sollte, bis die Kameraführung akzeptabel ist. Das Problem ist schließlich nicht neu.
Trotzdem ist Buffy absolut verdientermaßen einer der als Gesamtpaket am überzeugendsten Action-Adventure-Titel auf der Xbox. Der Charme und der Witz der Serie wurden durch die zahlreichen Originalstimmen und die komplette Riege der deutschen Synchronsprecher perfekt eingefangen und zaubern jedem Fan der TV-Serie das Schmunzeln immer wieder aufs Gesicht. Dank der eingängigen und flüssigen Steuerung der Protagonisten finden aber auch Serienverächter Spaß mit dem Spiel, auch wenn sie hier im Vergleich zum Vorgänger einen etwas schwereren Einstieg in die Geschichte haben.
Insgesamt war es eine gute Idee, neben Buffy auch Willow, Xander, Spike, Faith und Sid als steuerbare Charaktere ins Spiel zu integrieren, da jede der Figuren ihren ganz eigenen Kampfstil hat und somit noch mehr Abwechlung aufkommt, auch wenn die verschiedenen Plots des Spiels nicht wirklich nach mehr Abwechslung schreien. Einzig bei der Variationsvielfalt der Monster hätte ich mir noch ein wenig mehr erwartet, dieses kleine Manko ist bei der spaßigen Prügelei und den zahlreichen Moves von Buffy allerdings akzeptabel. Spieler, die beim Vorgänger nie ernsthaft in Verlegenheit gekommen sind, können darüber nachdenken, sich den Titel für ein Wochenende aus der Videothek auszuleihen, denn bis auf einige schwerere Stellen gegen Ende des Spiels kann man Chaos Bleeds recht ungestört durchspielen, sofern man die nötige Zeit mitingt.