Bulletstorm
Manch einer spricht Bulletstorm nicht im Sinne des Wortschöpfers aus und dann klingt das in etwa so wie ein Lizenzspiel zu Black Swan, nämlich "Ballettstorm". Sinngemäß ist das allerdings gar nicht mal so verkehrt, denn in kaum einem anderen Shooter seit Max Payne habe ich meine Gegner so genüsslich und kunstvoll in der Luft tanzen lassen, um mit besonderen Posen vor imaginären Punktrichtern zu glänzen.
Band of Riddicks
Die Story-Entschuldigung für das Actiongemetzel von Bulleststorm klingt im ersten Moment nach dem gleichen Konzept, das auch dem kommenden Riddick-Film die perfekte Kulisse für brutale Wüterei, vor allem aber genügend Kanonenfutter bescheren soll. Man wird als Ex-Killersquad eines galaktischen Machthabers ins Exil verbannt und landet in Folge actionreicher Ereignisse des spielbaren Prologes auf einem verwahrlosten Planeten voller Naturgefahren, Ausgestoßener und Mutantenmonster. In diesem Falle ist es die Welt Stigya, auf der vor einer großen Katastrophe noch eine Art "Las Vegas"-Urlaubsparadies florierte. Irgendwann ist dann alles den Weg Raptures gegangen, wer hätte es anders erwartet... - Unser (Anti-)Held Grayson Hunt sieht sich nun in Bulletstorm dieser mit Ruinen geschmückten, unnatürlich üppig begrünten Landschaft voller übergroßer Todespflanzen und mutierter Zivilbevölkerung gegenüber, weil er sich in seiner Tätigkeit als Elitesöldner mit seinem ehemaligen Arbeitgeber überworfen hat. Glücklicher Weise muss man auch als ausgestoßener Rüpel, der während des laufenden Spielgeschehens nie um einen derben One-Liner verlegen ist, keinesfalls alleine Unkraut jäten. Dem Ex-Truppe (Dead Echo) des Hauptdarstellers gehörte nämlich auch sein bester Kumpel Ishi Sato an, der nach einem Raumschiff-Absturz zu Anfang des Spiels als Cyborg mit schizophrener Persönlichkeit nur noch selten von seiner Seite weicht. Später gesellen sich zuweilen auch andere NPCs dazu, darunter eine heiße Ballerbraut, wegen deren Brustgröße bei People Can Fly während der Entwicklung die Fetzen geflogen sein sollen. Insgesamt mag die Story von Bulletstorm zwar keinen Originalitätspreis gewinnen und die meisten ihrerer vielen Wendungen sind relativ früh vorhersehbar, für amüsanten Sci-Fi-Trash macht das Ganze aber trotzdem eine ziemlich gute Figur. Und das nicht zuletzt aufgrund der ständigen Verbal-Schlagabtäusche zwischen den Hauptfiguren, welche den Weg von einer Kampfsequenz zur nächsten immer herrlich unterhaltsam gestalten. Auch nett: Selbst dem Skillshotsystem des Spiels wird innerhalb der Story eine schlüssige Erklärung gewidmet.
Kreativ ballern, pünktlich absahnen
Ihr habt es sicherlich schon erfasst, Stigya kommt unserem Grayson bei seinen Zielen letztendlich gar nicht mal so ungelegen. Hier kann er seinen Widersachern in die Knie schießen, um sie am Boden kauernd ins Maul einer fleischfressenden Pflanze zu treten. Solch kreative Kombinationen aus Nahkampf und Ballern bringen Punkte ein, die ständig mitgezählt und arcadig samt Beschreibung in der Spielwelt eingeblendet werden. Zwar fertigt man dabei eher einzeln ab, richtige Kill-Comboketten à la The Club oder Total Overdose sind nicht möglich, dafür gibt es eine während des Spielverlaufs ständig erweiterte Riesenliste an unterschiedlichen Killmethoden, deren Abklapperung ein motivierendes Metagame voller abgedrehter Ideen darstellt. Die so verdienten Punkte investiert man in lohnenswerte Upgrades für das im Laufe der Kampagne schön schrittweise vergrößerte Waffenarsenal, damit Grayson nicht immer nur mit der zweifelsohne auch schon verdammt coolen Standardwumme "Peacemaker" zu Werke gehen muss. Eine der coolsten Spezialwaffen steht geradezu demonstrativ-explosiv für die zimperlosigkeit von People Can Flys Punktehatz. Es handelt sich dabei um zwei aneinandergekettete Granaten, die man an Objekte oder Gegner schlingen kann, um im passenden Moment ferngesteuert für den doppelt fiesen Knalleffekt zu sorgen. Die Badassvariante von "Nimm 2" ist natürlich besonders grausam, wenn man ihre Ketten um einen Feindeshals schleudert. Ja, das sorgt gleich in Stereo für Ohrenbluten. Meine persönliche Lieblingswaffe war beim Durchspielen allerdings das Scharfschützengewehr. Es markiert nicht nur alle Feinde im Sichtfeld, sondern lässt den Flug der Kugel auch aus der "Max Payne"-"Bullet Time"-Perspektive direkt ins Ziel steuern. Nach einem Upgrade wird's aber noch geiler, weil man dann den Körper des getroffenen Gegners wie eine Puppe herumfliegen und inmitten seiner Freunde explodieren lassen darf. "BOOM, here comes the BOOM!" - Wer sich durch Zahlen im Bild zu sehr an J-RPGs erinnert fühlt, kann das Skillshotsystem übrigens auch gänzlich ignorieren und die entsprechenden HUD-Elemente optional ausblenden. Zwar sammelt man im Hintergrund weiter Punkte, die man ja auch für den Kauf der wichtigen Waffen-Upgrades und neuer Munition braucht, allerdings kann man Bulletstorm auch prima als "normalen" Shooter genießen, ohne zwangsläufig an seine Stilnote beim Ballern zu denken.
Ihr steht auf Peitschen und Stiefeltritte? Seite 2 ist was für euch... aber nicht für die USK.
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Kommentare (41)
Riplex
König Leo der 2.
Saibot
Guter Test, ich werds wohl doch spielen. Nach der Demo dachte ich, dass es sich doch nicht sonderlich vom Einheitsbrei abhebt, aber das wiederlegst du ja ganz gut.
FETTE_KARTOFFEL
Ich habs noch nicht lang gespielt aber bisher hab ich auch son "8er-Gefühl". ;)
Dr4g0nfir3
Ist mir bei Halo Reach schon aufgefallen. Obwohl ich lange Zeiten mit Halo 1,2,3,ODST verbracht habe und mich irre auf Reach gefreut habe... Nach zwei mal Kampagne durchspielen und einigen Multiplayer-Partien war die Luft draußen, obwohl ich es besser fande, als Halo 3.
Dagegen schwenke ich jetzt zu Genres, mit denen ich früher nie was anfangen konnte oder seit langer Zeit vergessen habe. The Elder Scrolls, Bayonetta und ich hab sogar wieder angefangen Pokemon zu spielen D:
Würd mich mal interessieren, obs da nur mir so geht...
Kritiker
Ich für meinen Teil hab da immer so meine Phasen. Ein Halo Reach will natürlich gespielt werden und auch ein Bulletstorm hat gerade wegen seiner Innovationen seinen Reiz...dennoch ist manchmal die Luft raus.
Ich spiel immer wieder auf meinem SNES oder hole mal wieder Wind Waker für den GC raus...warum auch nicht? Derzeit hab absolut genug von Oblivion, Dragon Age usw.
Klar ist eine gewisse Vorfreude bezüglich des zweiten Teils vorhanden, aber ich weiß jetzt schon das die Scheibe erstmal liegen bleiben muss.
Da kommt so ein Bulletstorm gerade recht.
Daniel Pook
Auf diesen Kommentar habe ich schon den ganzen Tag gewartet und ich wusste, dass er kommen würde. Die Antwort auf deine Frage findest du direkt im Text der News, auf die du anspielst. Es steht kaum missverständlich drin, worin dabei für mich der Unterschied liegt. Lies es, verstehe es oder verstehe es nicht. Mehr kann ich dazu eh nicht sagen. Ich hab schon alles geschrieben.
Kritiker
@Killerspieler: Zwischen Bulletstorm und diesem Schulmassaker-Shooter liegen aber sowas von Welten!