16.01.2007 11:32
Burnout 2: Point of Impact
Manche Spiele schreien bereits kurz nach dem Release förmlich nach einem Nachfolger, denn trotz unbestrittener Qualitäten fallen schnell objektiv unnötige Mängel im Detail auf, die dem jeweiligen Titel dem Sprung auf den Topspiel-Olymp verwähren. Burnout war seinerzeit ein solches Spiel, das ein tolles Gesamtkonzept durch nervige Detailmängel abschwächte. Neben einem zu geringen Umfang störten sich viele Zocker an unvermeidbaren Zufalls-Crashes und spielfluss-störenden Unfallzeitlupen während der Rennen.
Nun war es an Entwickler Criterion Games, sich dieser Hauptkritikpunkte für den Nachfolger Burnout 2: Point of Impact anzunehmen. Glücklicherweise bot schon die vor rund sechs Monaten erschienene PS2-Version des Nachfolgers kaum noch Anlass zur Kritik, trotzdem haben die renommierten Briten die (durch temporäre Sony-Exklusivität bedingte) Wartezeit genutzt, um der Xbox-Fassung einige neue Features zu spendieren.
Euer erster Weg im Spiel führt Euch in die Offensive Driving 101 gennante Fahrschule, die Euch in klassischer Tutorial-Form mit dem Gameplay von Burnout 2 vertraut macht. Dieses ist in den wesentlichen Punkten unverändert geblieben: In zahlreichen Runden- und Checkpoint-Rennen müsst Ihr Euch gegen 3 computergesteuerte Konkurrenten und den zahlreich vertretenen Zivielverkehr behaupten. Mit riskanten Manövern wie dem Fahren im Gegenverkehr, knappem Passieren anderer Verkehrsteilnehmer, langen Drifts oder unfallfreien Runden füllt Ihr Euren Turbo-Vorrat auf.
Neu hinzugekommen sind diverse Sprungmöglichkeiten, die Euch mit zunehmender Flugweite ebenfalls zu einem gesteigerten Boost-Reservoir verhelfen. Wie auch schon im Vorgänger werden Unfälle mittels einer kurzen Zeitlupeneinspielung zeleiert. Auch die Gegner-KI verhält sich wie gehabt sehr arcade-orientiert, so dass während der Rennen weder Ihr noch Eure Gegner große Vorsprünge herausfahren können.
Das Kernstück von Burnout 2 bildet wie so oft die Meisterschaft, die genaugenommen aus zwei großen Wettbewerben besteht: Die normale Meisterschaft setzt sich aus kleinen Turnieren (mehrere Rundenrennen mit Punktezählung), einzelnen Checkpoint-Läufen, Verfolgungsjagden und Duellen gegen spezielle Fahrzeuge zusammen. Das Ganze ist äußerst abwechslungsreich gestaltet, und baut mit einem Freischaltungssystem aufeinander auf: Generell müsst Ihr mindestens Platz 3 belegen, um das jeweils nächste Meisterschaftsrennen freizuschalten. Je nach Plazierung erhaltet Ihr eine Gold-, Silber- oder Bronze-Medaille, die weitere freigeschaltete Features bestimmt: Nur Goldmedaillen verschaffen Euch Zugang zu neuen Wagenmodellen, die Ihr durch Duell-Siege Eurem Fuhrpark hinzufügt. Eilige Zockernaturen können das Spiel mit dem Erreichen der jeweiligen Minimalpositionen auch in relativ kurzer Zeit durchspielen - die wahre Herausforderung liegt jedoch im Erspielen aller Bonusfahrzeuge, Strecken und Goodies, die das Gewinnen sämtlicher Goldmedaillen voraussetzen. Im Modus Verfolgung schlüpft Ihr (als weitere Neuerung) in die Rolle der Polizei, und müsst, ganz nach Vorbild der Genre-Konkurrenz, ein bestimmtes Fahrzeug innerhalb einer vorgegebenen Strecke oft genug rammen und zum Stillstand ingen. Nachdem Ihr die normale Meisterschaft abgeschlossen habt, öffnet sich die Eigene Meisterschaft, die Euch mit neuen Strecken und getunten Custom-Varianten der bisherigen Fahrzeuge konfrontiert.
Im ersten Burnout-Teil erfreuten sich besonders die Crashes großer Beliebtheit, weshalb die Entwickler von Criterion dem Nachfolger gleich einen kompletten, eigenständigen Crash-Modus spendiert haben. Dabei ist es Eure Aufgabe, in einem vorgegebenen Szenario einen möglichst kostenintensiven Unfall zu verursachen. Zu Anfang gestaltet sich der Ablauf noch recht simpel, doch mit zunehmender Spielzeit werden die Situationen komplizierter und erfordern eine gewisse Taktik. Highscores lassen sich nur mit dem richtigen Auto und wohl dosiertem Turbo-Einsatz erreichen, zudem bestimmt das Tempo und der Angriffswinkel über die Höhe der zu vergebenen Schadenspunkte. Insgesamt beinhaltet das Spiel 30 Crash-Kreuzungen (PS2-Version: 15), die einen nicht zu unterschätzenden Suchtfaktor offenbaren. Zugleich wurde die Präsentation der Crashes während der Rennen deutlich reduziert, denn die (nicht abechbaren) Unfallwiederholungen fallen diesmal sehr viel kürzer aus.
Nachdem die Strecken der Prequels vornehmlich in Europa angesiedelt waren, liegt der Fokus jetzt in den Vereinigten Staaten von Amerika. Auf insgesamt 32 Kursen in 6 abwechslungsreichen Szenarien befahrt Ihr zum Teil ausschweifend lange und durch die Bank gut designte Straßenzüge, die zudem um sich veränderte Wetterverhältnisse und Tageszeiten aufgestockt wurden. Der berühmt-berüchtigte Zivilverkehr treibt sich selbstverständlich ebenfalls auf allen Strecken herum, die mit weiten Sprüngen sowie vielen Alternativrouten und Kreuzungen punkten können. Die insgesamt rund 20 verfügbaren Autos (inklusive-Custom-Varianten) wurden zumeist realen Vorbildern nachempfunden und fallen kategorisch unterschiedlich aus: Im Gegensatz zum Vorgänger gibt es jetzt neben modernen Flitzern im Japan- oder USA-Stil auch Exoten wie einen Hot Rod, einen Polizeiwagen oder gar ein Stock Car.
Grafisch gibt es wieder einmal wenig Anlass zur Kritik, denn Burnout 2 bildet nach wie vor die Asphalt-Messlatte in Sachen Spielgeschwindigkeit: Trotz aller Schnelligkeit bleibt die Framerate stets bombenstabil bei 60 fps, auch im 2 Spieler-Splitscreen. Die Autos wurden ansprechend modelliert, auch wenn wir in diesem Bereich schon Besseres gesehen haben. Lackreflektionen in Echtzeit mit physikalisch korrekten Licht- und Schattenverhältnissen gehören heutzutage zwar zum Standard, doch wurden sie in diesem Fall hervorragend umgesetzt. Hinzu kommen zahlreiche Detail- und Verwischeffekte, die in derartiger Perfektion Ihresgleichen suchen: Insbesondere die Crashes haben an Details zugelegt, so dass jetzt neben einer tollen Physik besonders umherfliegende Karosserieteile und Reifen zu begeistern wissen. Die Strecken gefallen mit detaillierten Randbebauungen und sonnig-glänzendem Asphalt, dem allerdings etwas detailliertere Texturen mit Bump Mapping gut zu Gesicht gestanden hätten. Das durch fehlendes Anti-Aliasing auftretende, dezente Bildflimmern hält sich zwar in Grenzen, jedoch zeigt die Genre-Konkurrenz, dass es auf der Xbox auch besser geht. Nichtsdestotrotz stimmt das grafische Gesamtbild, so dass Burnout 2 sich - nicht zuletzt wegen der rasenden Geschwindigkeit mit stabil-hoher Framerate - im oberen Xbox-Referenzbereich bewegt. Technik-Puristen freuen sich abschließend über eine absolut vorbildliche 16:9- und HDTV-Unterstützung.
Akustisch konnte bereits der Vorgänger punkten, doch auch hier wurde Burnout 2 konsequent verbessert. Die feine Dolby Digital 5.1-Unterstützung mit satten Motorengeräuschen und markerschütternden Crashes intensiviert das Spielerlebnis ungemein, während Musikpuristen jetzt neben der neuen (recht gelungenen) Spielmusik auch den klassischen Soundtrack des Prequels auswählen dürfen. Für alle Zweifler gibt es jetzt endlich auch die optionale Einbindung eigener Soundtracks von der Xbox-Festplatte. Während einer Turbo-Phase wird zudem die Musik im Mischverhältnis zur restlichen Soundkulisse angehoben, allerdings kommt dieser stimmungsvolle Effekt nur mit der spieleigenen Musikuntermalung richtig zur Geltung.
Frohe Kunde gibt es für alle Multiplayer-Freunde, denn auch in diesem Bereich wurde viel verbessert. Zu Zweit dürft Ihr im (extrem flüssigen) 2 Spieler-Splitscreen ran und Euch optional ein normales Rennen (wahlweise mit zwei zusätzlichen CPU-Gegnern), einen Crash-Contest oder eine Verfolgungsjagd liefern. Dabei unterteilt das Spiel den Bildschirm im 4:3-Format horizontal, während Besitzer eines 16:9-Fernsehers dank vertikaler Bildtrennung alle Vorteile des Breitbildformats genießen dürfen. Zocker mit Xbox Live-Account freuen sich über die umfangreichen hochladbaren Highscores, die Euch mit Hilfe zahlreicher Filter (unter anderem dürft Ihr Eure Freundesliste herausstellen) übersichtlich präsentiert werden. Damit gibt es für das Gebotene kaum Anlass zur Kritik, wohl aber für die ausgelassenen Möglichkeiten eines 4 Sipeler-Splitscreens oder voller Xbox Live-Spielbarkeit.
"Konsequent verbesserte Hochgeschwindigkeitsorgie"
(Meinung » Matthias Loges)
Wow! Burnout 2: Point of Impact hat alles, was ein hervorragender Arcade-Racer aucht: Ein eingängiges und wunderbar direktes Wagenhandling, das nach wenigen Minuten in Fleisch und Blut übergegangen ist, (fair) geboostete Gegner, abwechslungsreiche Spielmodi und eine pfeilschnelle sowie detaillierte Grafik. Das alte Spielgefühl extremer Geschwindigkeit ist sofort wieder präsent, zudem wurden die aus dem Vorgänger bekannten, unfairen Crashes durch eine verbesserte Kollisionsabfrage minimiert.
In der Meisterschaft kommt dank massig Abwechslung durch sehr unterschiedliche Spielmodi keine Langweile auf, und zusätzlich lockt der Crash-Modus mit ungeahnter Langzeitmotivation. Für Profis ist das Spiel allerdings unter Umständen zu leicht, denn wer sich mit Bronze-Medaillen zufrieden gibt, zockt Burnout 2 in einem Wochenende durch - erst die Jagd nach allen Goldmedaillen und allen freischaltbaren Strecken, Bonuswagen und sonstigen Goodies fesselt Freaks für eine längere Zeitspanne an den Bildschirm. Da die Xbox-Version außerdem in vielen Punkten sinnvoll verbessert wurde (größerer Umfang, bessere Grafik, eigene Soundtracks, Live-Highscores), ist Burnout 2 unter dem Strich ein klarer Pflichtkauf für alle Rennspiel-Fanatiker und -Neulinge mit Hang zu arcade-lastigem Gameplay.