Call of Duty 4: Modern Warfare
Freitag, 16. November 2007
14:43 Uhr - The War to finish World War II? Zumindest für das Call of Duty Franchise könnte dieser Spruch zutreffen, denn der Krieg im fiktionalen High-Tech Setting, verdrängt im vierten Teil endlich die ewigen Ausflüge ins historische Zeitalter der bitterbösen Deutschen. Doch ist es die Modern Warfare Szenerie alleine, mit der die zurückgekehrten Ur-Entwickler Infinity Ward, Kriegsfans vor die Next-Gen Konsolen respektive den PC locken wollen?
„Schlappe 1500 Atombomben.“ – „Also ein ganz normaler Arbeitstag“
Mit solchen Superlativen und nicht minder superber Lässigkeit im Ton, leiten Infinity Ward die Kampagne von Call of Duty 4 ein. Spätestens nach der Endbeurteilung des Schusstrainings im Ausbildungskamp („Ihre Obsttötungsfähigkeiten sind erstaunlich.“) sollte jedem Spieler klar sein, dass die Grundstimmung im neusten Teil der Serie weitaus mehr in Richtung Tom Clancy, anstelle von historisch-realistischer Atmosphäre geht. Hier ein Schmunzler, da eine terroristenartige Bedrohung und waffentechnisch alles einen kleinen Tick vor unserer Zeit. Entsprechend dem offensichtlichen Vorbild, haben wir in Modern Warfare auch endlich ein ultimatives Ziel: Die Welt vor einem nuklearen Großangriff bewahren, natürlich.
Aktiv erlebt man die Handlung aus der Perspektive eines SAS Spezialisten sowie eines US Marines, was spielerisch keine dramatischen Unterschiede birgt. Wer nicht sonderlich drauf achtet, läuft sogar Gefahr, den Personenwechsel das Spiel über gar nicht wirklich mitzubekommen. Dass sich so gut wie sämtliche storytechnische Events als gescriptete Ereignisse, direkt vor den Augen des Spielers abspielen, begeistert nicht nur technisch, sondern stärkt vor allem das berühmte aber selten erreichte „Mittendringefühl“. Wenn der soeben angeforderte Kampfhubschrauber ein Gebäude zerlegt, ist es eben ein großer Unterschied, ob man bloß einen schick gerenderten Film vorgesetzt bekommt, oder die Trümmer und Explosionen gleich gefährlich nahe vor der Nase hat. Da geht man, auch wenn es meist unnötig ist, fast schon aus Reflex in Deckung. Und genau so muss es in einem Actionspiel sein, welches keinen Hehl aus seinem reinen Unterhaltungsanspruch machen möchte: Kernige Handlung mit klar definierter Bedrohung aber ohne Falsche Versuche philosophische oder emotionale Tiefe aufzubauen, dafür ein temporeiches Erlebnis mit andauernden Knallmomenten bieten!
Shoot’n’Run in vielen Kleidern
Gleich zum Auftakt wird man mit dem Spielprinzip vertraut gemacht, indem man im Trainingslager das aus Holz nachgebaute Minimodell eines Tankerbootes infiltrieren soll. Bewertet wird man anschließend in erster Linie nach seiner Bestzeit, wobei ein paar Sekunden für besonders präzises Ausschalten der Übungszielscheiben, gutgeschrieben werden. Erstens originell: Erst im Anschluss an diesen Test, wählt man den gewünschten Schwierigkeitsgrad und das Spiel gibt einem je nach Trainingsresultat eine Empfehlung ab. Zweitens Originell: Die erste wahre Mission im Anschluss daran, ist die Infiltration eines echten Großschiffes, mit einem kleinen Einsatzteam.Infiltration? Schiff? Kleines Team? Ja lieber CoD Fan der ersten Stunde, die Serie steht von nun an nicht mehr nur für große Schlachtfelder mit kurzen Häuserkampfeinlagen. Infinity Ward haben sich redlich Mühe gegeben, das Spielprinzip von Call of Duty in möglichst abwechslungsreichen Formen zu präsentieren. Ob wir uns durch Büros ballern, oder eben durch ein Schiff kämpfen, im Grunde haben wir es auch hier mit dem bewährt nervenaufreibenden Shoot’n’Run Prinzip zu tun. Sprinten wir also nicht im günstigen Moment in den nächsten Raum oder hinter die nächste Deckung, bekommen wir es gleich mit einer klonarmeeartigen Feindeswelle zu tun. Trotzdem spielt sich Modern Warfare nicht zuletzt durch die vielen Schauplatzwechsel, erfrischend neu. Klar, der Unterschied zwischen einem Schiff, einem Bürogebäude und einem offenen Feld besteht im Grunde hauptsächlich in der Enge des Umfelds und der Anzahl potenzieller Deckungen. Alleine dadurch fühlt sich jeder Levelabschnitt aber wie eine neue Form der Herausforderung an. Da weiß man auch gleich wieder, warum man die endlose Normandie aus CoD 3, keinesfalls vermisst.Weiter aufgepeppt wird das in den Vorgängern zuweilen von ein wenig Langeweile begleitete Spielprinzip, mit kleinen Zwischeneinlagen, welche den Spieler zwischen dem Dauerdruck durch Respawn-Soldaten, immer mal wieder etwas Luft schnappen lassen. Da schleicht man sich mal Nachts nach einem Hubschrauberabsturz übers von Feinden mit Taschenlampen durchsuchte Feld. Man schaltet auch mal ganz entspannt ein paar schlafende Soldaten in ihren Bettchen aus (hört sich jetzt hier natürlich weitaus utaler an, als es tatsächlich im Spiel aussieht). Ein anderes Mal ist man gar im Heli am Bombardiergeschütz und gibt den kämpfenden Truppen am Boden etwas Unterstützung aus der Luft. Anders als die lächerlichen Minispielchen im direkten Vorgänger von Treyarch, wissen sich die variantenreichen Erholungsmomente vom andauenden Massengefecht, hier blendend ins Believe & Feel von Call of Duty 4 einzufügen. Nicht minder gut als die WWII Gerätschaften, funktioniert das neue High-End Waffenarsenal mit dem CoD Spielprinzip. Jetzt gibt es eben mehr automatische Kanonen und man schlägt nicht mehr mit dem Gewehrkolben zu, sondern schlizt im Nahkampf mit dem Messer um sich. Ansonsten spielt sich die moderne Generation der Schießprügel, allerdings nicht dramatisch anders.
Wie in Hollywood: Gutes Script ist mehr als nur die halbe Miete
Dauerdruck, Dauerspannung und andauernde Konzentration, das verlangt die Serie im Einzelspielermodus seit dem ersten Teil vom Spieler. Kein Intellektduell mit IQ-Bestien. Freiere und in vieler Hinsicht auch klügere künstliche Intelligenzen, würden das simple aber effektive System des sich gegen endlose Feindesmassen immer weiter Voranpeitschens, nur zunichte machen. Trotzdem haben sich die Gegner in anderer Hinsicht stark verbessert. Endlich hat man als Spieler nicht mehr das Gefühl, alleiniges Primärziel einer ganzen Armee zu sein. Wo man früher fast immer sämtliche Gewehrläufe auf sich alleine gerichtet hatte, sobald man seine Deckung verließ, behandeln die Gegner jetzt keinen eurer K.I. Mitstreiter weniger böse, als euch selbst. Das lässt sich natürlich taktisch prima geauchen und macht das ganze Spielprinzip deutlich fairer.
Der Veteran von morgen
Vom unspielbaren Entlein, zum suchterzeugenden Schwan
Call of Duty 2 & 3 waren bemüht, einen ernstzunehmenden Mehrspielerpart auf die Beine zu stellen. Beide scheiterten, obwohl von Teil zwei zu drei merklich gebessert, gerade auf Konsolen an der netzwerktechnischen Umsetzung. Auch nach mehreren Patches liefen weder die Verbindung im Spiel, noch die Vermittlung in ein eben solches, reibungslos. Viele haben sich geärgert, nur wenige haben geweint, denn wahre Must-Plays stellten die Onlineschlachtfelder der CoD Reihe nie wirklich dar. Mehr als überraschend ist es also, dass bei Modern Warfare auf einmal ganz klar der exzellente Multiplayermodus voll im Fokus steht. Spätestens nach dem großen Betatest sowie der aufwendigen CharlieOscarDelta Kampagne, war die Qualität des fertigen Produkts für die meisten Fans und auch die Fachpresse, bereits unbestreitbar gut. Diese, durch diverse selbstbewusste Statements von Infinity Ward weiter aufgeheizte Erwartung, wurde zu unserer Freude definitiv erfüllt.Das passende Krisengebiet, auch für dich!
Blitzkrieg, Terrorkampf oder doch lieber Flaggenklauerei?
Ein Blick auf die Spielmodi kommt natürlich auch bei diesem Ego-Shooter wieder einem Treffen der üblichen Verdächtigen gleich. Domination lässt den Kampf um drei auf den Maps verstreute Flaggen entennen, für deren Eroberung man fortwährend Punkte bekommt. Search and Destroy erinnert an CounterStrike. Ein Spieler im Team trägt eine Bombe bei sich, welche er an einem von zwei Zielpunkten installieren muss. Hinzu gesellen sich mit verschiedenen Deatmatch Varianten im Team oder alleine, die beliebten Oldies unter den Wiederholungstätern. Wer es eher klassisch mag, kann viele der Grundeinstellungen des Spiels modifizieren und so z.B. Waffen zum Aufheben auf den Maps aktivieren und den Simulationscharakter von Call of Duty 4 ein wenig drosseln. Trotzdem bleiben äußerst kurze Gefechte bei denen der erste Sichtkontakt oft entscheidend ist, großer Hauptbestandteil des Spiels. Entsprechend schwerer zugänglich ist das Spiel im Mehrspielerpart auch für Neulinge oder gar Shooter-Einsteiger, die sich lieber für den Anfang eine große Lebensanzeige wünschen würden. Wer mit dieser eher realistisch anmutenden Art des Gameplays zurechtkommt, kriegt dafür stete Hochspannung geboten, die sich trotz allem spielerisch noch recht flott darbietet.Das Prinzip Militär: Wer überlebt macht Karriere
Wer außer Zielsicherheit auch sehr gut im Kugelausweichen ist, bekommt hierfür ebenfalls etwas feines in den tarnfarbenen Rucksack gesteckt. Drei Frags in Serie ohne selber zu sterben, verschaffen eurem Team und euch ein Radar Update per „Ghost Recon Advanced Warfighter“-esker UAV Drone. Für fünf Kills während eines Lebens, darf auf der Minimap ein Ort für einen weitläufigen Airstrike markiert werden und bei sieben ablebenlosen Kills winkt ein Helikopter, welcher auf eurer Seite ballernd übers Schlachtfeld hubschraubt. Nicht alle Upgrades, ob körperlicher oder maschineller Natur, erspielen sich zudem über die erfahrungspunktebasierte Rangleiter. Verbunden mit jeder Waffe gibt es Herausforderungen, deren Bewältigung ebenfalls Gadgets und Upgrades versprechen.
Perk im Wörterbuch: Vergünstigung {f}; unentgeltliche Zuwendung {f}
Es gibt drei „Perk“-Slots, welche den selbstgemachten Soldaten mit speziellen Fähigkeiten ausstatten und damit auch abseits der Bewaffnung individuell machen. Im ersten Slot legt man die Spezialwaffe fest. Im Angebot sind unter anderem Claymore Minen, C4 und ausgefallene Sondergranaten. Die anderen beiden Professions-Sockel dürfen für passive Fähigkeiten genutzt werden, was beinahe an ein Rollenspiel, oder passender noch, an Bioshock erinnert. Ob man nun butterweich durch Wände ballern, mehr einstecken oder stärker austeilen will, all das ermöglichen die Perks in etwa so gut wie die Tonikas aus dem Unterwasserabenteuer. Wer sich in seinen ersten Modern Warfare Matches wundert, warum erschossene Feinde einem andauernd von hinten das Hirn durch die Augenhöhlen in den eigenen Mund pusten (nein, das sieht man nicht explizit, es ist natürlich nur eine maßlos übertriebene Assoziation des hier schreibenden Redakteurs), kennt einfach die Möglichkeiten der Perks noch nicht. Eines der beliebtesten Dauer-Gadgets ist die „Ausbluten“-Funktion, welche es einem ermöglicht, sich nach tödlichen Treffern noch ein paar Sekündchen vom Boden aus um seinen eigenen Mörder zu kümmern. Rabiatere Naturen lassen per Perk beim Ableben einfach automatisch den Stöpsel einer ihrer Handgranaten ziehen. Wehe allen mit der Gewohnheit, sich bei jedem Opfer noch einmal etwas Zeit zu nehmen, um hämisch ein paar Kugeln in den reglosen Körper zu donnern. Ja, als Geschundener bekommt man das in der Dead-Cam Perspektive zu sehen. Und ja, es ist eine Genugtuung, wenn einer der Fraktion Schadenfreude im wahrsten Sinne des Wortes explosionsartig bemerkt, dass der Tote sich doch noch wehren kann.Auch wenn wir ganz ehrlich gesagt bestimmt noch Monate Spielpraxis auchen werden um zu sagen, ob die Balance dieses Features vollends geglückt ist, haben wir bisher trotzdem das Gefühl, dass der spielerische Skill immer noch der ausschlaggebende Punkt für Sieg oder Niederlage ist. Mit den Perks kann man sein Spiel eben effizienter gestalten, die Perks spielen allerdings nicht von alleine für einen. Nebenher gibt es diverse Kombinationen, welche nicht erlaubt sind. So ist es beispielsweise nicht möglich, sich einen Sprengstoffexperten zu basteln, welcher ausschließlich mit großem Standmörser und allerhand Granatentypen umherläuft.Weiter freuen wir uns mit allen CoD Fans über endlich mal sauber laufende Lobbys und Spielervermittlungsoptionen, gepaart mit Komfortfunktionen wie dem Vetorecht bei der Map-Auswahl. Bringen wir es auf den Punkt: Call of Duty 4 hat aktuell einen der besten Mehrspielerparts auf dem Markt, ob auf Konsolen oder auf PC. Dabei wird der rein aus zeittechnischer Sicht höchstens ausreichende Umfang der hervorragend inszenierten Einzelspielerkampagne, auf jeden Fall mehr als wettgemacht. Ja, man ist fast versucht zu sagen, selbst für reine Mehrspielerfreunde bzw. Singleplayer-Ignoranten, lohne sich der Kauf. Grundlegende Konsolenfeatures wie 4-Splieler Splitscreen (allerdings kein Kampagnen-Koop!) und System Link, bietet CoD 4 überdies üigens auf Xbox 360 und PlayStation 3 von Anfang an, ganz ohne Patch.
Nach dem Krieg ist vor dem Hörsturz: „Hat et jeklingelt?“
Ein Hauch von Next-Next-Gen
Und das Ziel haben sie mit Auszeichnung erfüllt. Das Rangsystem ist von Anfang an motivierend, die Mischung aus spielerischem Anspruch und schnellem Spielfluss geglückt und technisch ist ebenfalls alles im grünen Bereich. Die Perks sind dann so etwas wie die Sahne auf dem Zuckerguss. Man aucht sie nicht unbedingt, sie machen den Kuchen aber um einiges leckerer. PC Spieler haben online ja ohnehin eine große Auswahl, PlayStation 3 Spieler bekommen mit Modern Warfare hier hingegen ihren ersten Pflichtkauf geliefert. Für Xbox 360 Besitzer ist Call of Duty 4 eine wahre Alternative für all jene die Halo an sich nicht mögen, oder überhaupt mit dem Sci-Fi Szenario nix anfangen können. Man kann ja als "Real World"-Fan nicht bis in alle Ewigkeit Rainbow Six Vegas spielen.Auch wenn Infinity Ward unterm Strich aufgrund der packenden, aber extrem kurzen Kampagne mit geringerem Wiederspielwert, nicht das ganz große Riesenpaket geschaffen haben, bleibt Call of Duty 4 mit dem bestimmt sehr langlebiegen Mehrspielerpart sowie vortrefflicher Technik, eines der bis heute hochwertigsten Kriegsspiele auf Konsolen und PC.

















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Werner Stelzenpop
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VeryOldLion