Call of Duty: Modern Warfare 3 - Autor und Kriegsveteran kritisiert Werbekampagne
Viele werden sich noch an den "The Vet & The n00b" Live Action Trailer mit Sam Worthington und Jonah Hill erinnern. Der Spot wurde zwar von den meisten Gamern positiv wahrgenommen, allerdings meldet sich nun Afghanistan-Veteran und Buchautor D.B. Grady zu Wort und kritisiert den Werbeclip für Modern Warfare 3.
In seiner Kolumne äußert sich D.B. Grady kritisch zu dem Live Action Trailer für Modern Warfare 3:
- "Weil das Spiel in nur 16 Tagen mehr als eine Milliarde Exemplare verkauft hat, scheint dessen Vermarktungsstrategie eindeutig zu funktionieren. Aber nichts davon macht sie akzeptabel oder schwächt ihre Geschmacklosigkeit ab. Die Werbung verharmlost die Kämpfe und verdeckt die negativen Aspekte des Krieges. Wenn wir noch den 10. September 2001 hätten, dann wäre das vielleicht nicht so schlimm. Jene, die zu jung sind um sich an Vietnam zu erinnern, geben sich so vielleicht Kriegsfantasien hin, in denen sie ruhigen Herzens inmitten von raketengetriebenen Granaten stehen oder mit blitzenden Lichteffekten ihr Magazin in den Feind entleeren. Aber nach zehn Jahren des permanenten Krieges, nach tausenden Amputierten und mit Flaggen dekorierten Särgen sowie nach hunderten trauernden Gemeinden hat keiner der Verantwortlichen des Werbespots die Hand erhoben und gesagt: 'Wisst ihr, das ist wohl ein wenig zu krass. Vielleicht sollten wir nur Szenen aus dem Spiel zeigen.'"
- "Die Modern Warfare 3 Werbung endet damit, dass zwei selbstgefällige Clowns auf die Kamera zu marschieren, während ihre Gewehre über ihren Schultern hängen und Explosionen die Stadt New York erschüttern. Dann erscheinen die Worte: 'In jedem von uns steckt ein Soldat'. Nein, tut es nicht."
[atlantic]
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Kommentare (10)
NosferatuZodd
Wieso fällt es eigentlich so vielen Menschen so unglaublich schwer zwischen Videospielen und Realität zu unterscheiden?
82xbox360
Das ist ne gute frage !!!
XZNeoN
Jeder halbwegs vernünftig denkender Mensch dürfte doch wissen, dass ein echter Krieg scheiße ist. Und gerade dieser Spot ist so herrlich übertrieben, dass man schon merkt, dass das im echten Leben nicht möglich ist. Da sind die meisten Filme schlimmer-
Ausserdem finde ich die Aussage schön, dass das gleiche noch vor 9/11 völlig in ordnung gewesen wäre. Typische amerikanische Arroganz.
Mr.Doc
"Jene, die zu jung sind um sich an Vietnam zu erinnern, geben sich so vielleicht Kriegsfantasien hin, in denen sie ruhigen Herzens inmitten von raketengetriebenen Granaten stehen oder mit blitzenden Lichteffekten ihr Magazin in den Feind entleeren"
Das klingt fast so, als wäre es besonders schlau gewesen den Vietnamkrieg im Fernsehen zu zeigen. Und wer glaubt, dass man im Krieg wirklich Rambo spielen kann, während im Hintergund ACDC spielt, hat wirklich nicht mehr alle Tassen im Schrank.
Klar, wer Call of Duty oder irgendeinen Shooter spielt ist noch lange kein Soldat im wahrne Leben, auf dem Bildschirmen sieht das aber anders aus. Wer dem Slogan wirklich glauben schenkt, ist wirklich nicht ganz klar in der Rübe.
salasar
Die Werbung zielt genau darauf ab , comedy zu sein. Nicht umsonst ist Michael Cera dabei. Wenn er schon etwas krittisch hinterfragen möchte (darf er ja auch) sollte er das mal lieber mit dem offizielem U.S army fernsehspott machen! Das ding zeigt zwar keine (slapstick) aktion einlagen, dafür aber das die Army ein einziges rießen großes Abenteuer ist.
Goblinhead
@Nosferatu:
Thema verfehlt, Sechs, setzen. Darum geht's hier nicht.
Ansonsten muss ich dem Mann recht geben. Klar habt ihr alle fein erkannt, dass der Spot witzig gemeint ist, aber genau das ist das Problem des Herren. Die Banalisierung eines sehr realen Gewalthintergrundes. Gott ich liebe Geballer und hab auch kein Problem mit fliegenden Extremitäten. Aber diese extrem auf Realitätsnähe getrimmten Shooter (und noch mehr wie Activision ihr dumbes Spielchen und seine Ästhetik zelebriert: siehe CoD-Expo) hinterlassen bei mir 'nen faden Geschmack im Mund.
Ich hatte schonmal 'nen ähnlichen Vergleich gezogen: wie würdet ihr ein HJ Jugendbuch über die "tollen Abenteuer" von Wehrmachtslandsern beurteilen? Und ich bin alt genug um zu DDR Zeiten Kinderbücher über unsere "Friedensarmee" gelesen zu haben und wir hatten Bilder von Panzern und Soldaten in Schule und Kindergarten. Ich fand den Spot echt unangenehm...
Ich ziehe mir jedes Left 4 Dead, Dead Space, Gears of War und was weiß ich vor. Das Problem hier ist weder Gewalt in Spielen noch eine idiotisch simplifizierte Denkweise "Ich bin gut in CoD, also werd ich jetzt Supersoldat" sondern die Banalisierung und Stupifizierung. Dann lustig gemeint ist die Werbung vielleicht, aber nicht witzig, denn "Witz" erfordert Geist und der ist da ganz fern.
Ein letztes: Ja, es war "besonders schlau" den Vietnam Krieg im Fernsehen zu zeigen, denn als erster militärischer Konflikt wurde er direkt in Wort, Bild und Ton von Presse reflektiert und diese Berichterstattung ermöglichte es erst ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, welches zu eben jenen Ausmaß an Anti-Kriegs-Bewegung heranwachsen sollte.
ps3hero
ich kann dem typ nur recht geben. ich finds ebenfalls völlig geschmacklos.
salasar
naja, mann sollte auch nicht vergessen das es sich um ein Videospiel handelt. Es gibt genug Actiom film Komödien die in die gleiche kerbe schlagen, wo sich keiner drüber aufregt. Ist gerade bei älteren Menschen halt immernoch beliebt auf Videospiele einzuprügeln.
cycro
"Weil das Spiel in nur 16 Tagen mehr als eine Milliarde Exemplare verkauft hat."
Wollt erst sagen das der Typ ist echt schlecht informiert, aber Ihr habt das falsch übersetzt. Das Spiel hat "nur" die eine Milliarde Dollar Marke geknackt:
"Because the game crossed the billion dollar sales mark in only 16 days, clearly its marketing strategy is working."
Ragism
Call of Stupid zu kritisieren, weil es übertrieben, dümmlich, lächerlich, für Vollidioten und maßlos daneben sei, ist doch wie eine Amsel Vogel nennen.
Aber im größeren Kontext hat der Mann sicherlich recht. Die Filme, Spiele und Dokumentationen sind von der abschreckenden und grausamen Darstellung des Krieges abgekehrt und wenden sich unterschwellig seiner Verherrlichung zu. Junge Vollpfosten sollen damit gelockt werden, ihre dümmlichen Männlichkeitsphantasien in der Kultur auszuleben, um damit auch dem realen Krieg wohlgesinnter zu sein. In den USA ist das natürlich am allerschlimmsten, aber auch hier habe ich schon lange kein Stück Kultur mehr gesehen, welches den Krieg in seiner absoluten Sinnlosigkeit und Grausamkeit zeigt. Sogar "Der Soldat James Ryan" kommt ohne große Explosionen und wohlchoreografierte Actionsequenzen nicht aus. Das hat natürlich einen Schauwert und sorgt für Spannung, aber gleichzeitig auch für Verharmlosung, weil die Phantasie des Zuschauers kindliche Begeisterung für "Krachbumm" auslösen soll.
Mir macht diese unterschwellige Verharmlosung und die Akzeptanz von Gewalt definitiv Sorgen. Videospiele wie Modern Fartware sind da aber das leichteste Opfer, weil sie nichts anderes als dümmlich sein und unsere Männerphantasien bedienen wollen.