Call of Duty: World at War
Freitag, 14. November 2008
17:45 Uhr - Mit World at War zeigt Activision Blizzards Erfolgsfranchise wie gewohnt, dass es für effektvoll präsentierte Kriegsaction steht, wie man sie in keiner anderen Serie geboten bekommt. Leider demonstriert die neuste Ausgabe von Treyarch aber auch wieder den ebenso gewohnten Qualitätsunterschied im Vergleich zu den Call of Dutys von Infinity Ward. Actionliebhaber, die sich nach Modern Warfare mit der Rückkehr ins WWII Setting anfreunden können, bekommen trotz aller kleiner Schwächen jedoch nach wie vor ein edel präsentiertes Ballerfeuerwerk mit fulminanten Scriptsequenzen geliefert.
Wenn Explosionen sich gegenseitig die Luft zum Brennen rauben
Die typische Vegetation der Normandie bleibt wie bei Modern Warfare auch im neusten Ableger von Call of Duty wieder vor Schüssen, Explosionen und Soldatenstiefeln gefeit. Und das, obwohl es nun wieder zurück in den zweiten Weltkrieg geht. Die Fronten liegen allerdings auf anderen Schlachtfeldern, so z.B. im Pazifik oder in Berlin. Den Namen WELTkrieg und WORLD at War macht das fünfte Call of Duty damit zwar alle Ehre, nur fühlt man sich bei den jeweils verhältnismäßig kurzen Kapiteln etwas zu sehr über den Globus gehetzt. Wenn ich das Gefühl habe die Erstürmung Berlins habe nicht mehr als zehn Minuten gedauert und mich dann auch noch daran erinnere erst eine halbe Stunde vorher in einer Hütte am Dschungelstrand gefangen gewesen zu sein, kann kein Gefühl für die Epik des ganzen Krieges aufkommen. Dabei sind es gar nicht die abrupten Standortwechsel, die mich z.B. aus heiterem Himmel aus der Haut eines amerikanischen Soldaten im Pazifik heraus, in den Körper eines einsamen überlebenden Russen inmitten eines Leichenstapels versetzen. Ich glaube das Hauptproblem welches World at War auf Seiten der Atmosphäre hat ist, dass es selbst für ein Call of Duty viel zu linear wirkt. So viele unsichtbare Barrieren, so wenig weitläufige Flächen und so unflexible Schlauchlevelwege hat es wohl noch nie in einem Serienteil gegeben. Zudem mangelt es an wahrlich erinnerungswürdigen Momenten, die meiste Zeit über reiht sich eine Riesenexplosion an die andere. Die in Serie getriggerten Scriptevents schauen zwar durch die Bank toll aus, nutzen sich in der Häufigkeit und vor allem mit nur wenigen wahren Highlights allerdings naturgemäß ab. Dass man immer mal wieder Gelegenheit zum Durchatmen, regelmäßige echte WTF Momente und vor allem zumindest das Gefühl hatte die engen Levels seien so vollkommen natürlich aufgebaut - das alles war es, was Call of Duty 4 im Solomodes so brillant gemacht hat. Treyarch schaffen es leider nicht, diese Formel in ihr World at War zu übernehmen. Positiv bemerken wir aber definitiv das Auslassen der Hollywood Klischeegeschichte, mit der uns die Entwickler im dritten Teil nervten. Lieber lasse ich mich in nur historisch miteinenader verbundene, aneinander gereihte Ereignisse werfen, als zwischenmenschliche Beziehungen üblicher Actionfilmstereotypen mitten im zweiten Weltkrieg zu ertragen.
Mehr Härte, echte Tote inklusive
Treyarch versprachen uns gegenüber im Vorfeld in World at War keine Gräuel zeigen zu wollen, mit der Spieler nicht klar kämen. Trotzdem sollte der Härtegrad des fünften Call of Dutys auf ein in der Serie bisher nicht gesehenes Maß ansteigen. Mit der gestiegenen Brutalität haben sie Recht. Zwar gab es auch in früheren Teilen mal Folterverhöre und Exekutionen, ein japanischer Anführer der einem Gefangenen seine Zigarette im Gesicht ausdrückt, bevor er ihm mit einer Machete die Kehle durchschneidet, ist da allerdings noch mal ein ganz anderes Kaliber. Zumal wir diese Blutspritzerszene aus der First Person Ansicht, gefesselt am Boden liegend, miterleben müssen. Ohne die Möglichkeit virtuell wegzuschauen. Cutscenes dieser Art sieht man über die komplette Spielzeit von etwa sechs Stunden gerechnet nicht sehr häufig, entsprechend wirken sie auch mehr wie leicht überflüssige Effekthascherei. Gleiches gilt für die historischen Realaufnahmen, welche man in stylisch modern präsentierten Zwischeneinspielern während der Ladezeiten vor jedem Kapitel gezeigt bekommt. Die dort zu sehenden Exekutionen und sonstigen Kriegsszenen kommen mir inmitten der poppigen 3D Animationen und musikvideoartigen Einblendungen kurzer WWII Fakten geschmacklos deplatziert vor. Um beim Spielen nachdenklich zu machen, ethische Werte zu vermitteln oder andere Lernfaktoren zu übernehmen, versucht World at War einfach viel zu emsig und zum Glück erfolgreich, nicht mehr als ein Entertainmentprodukt zu sein. Spätere Scriptevents und Spielelemente, wie bei lebendigem Leibe verbrennende Feinde, wirken dagegen in der stark entschärften deutschen Version mit ihrem klassischen Hollywood Actionfilmcharakter nicht so verstörend wie erwartet.
Modern Warfare presents World War II
Wie auch das Quantum of Solace Game, wird World at War von einer fortentwickelten Call of Duty 4 Engine in Szene gesetzt. Schlachtenfeuerwerk im Edellook, so beschreibt sich das auch gar nicht anders erwartete Gesamtbild am besten. Strand-/Dschungeleinsätze bei Nacht erstrahlen dank Fackeln, Explosionen, Flammenwerfern und Mündungsfeuern höchst atmosphärisch, die Darstellung von dichter Vegetation wurde im Vergleich zu CoD 4 merkbar überarbeitet. Auch wenn in der Darstellung offener Naturgebiete noch immer nicht die Stärke der Engine liegt, Bad Company hat da doch noch die Nase vorn. Dafür macht Call of Duty wirklich niemand etwas bei verranzten Kriegsruinen und Rauch vor, Licht- und Schatten verleihen jeder Location aufwendig Flair. Ein gewisses brachiales Soundumfeld ist bei Call of Duty seit Serienbeginn genau so selbstverständlich, da macht auch World at War wieder eine prächtige Figur. Der Subwoofer kommt vor lauter Explosionsbrummen kaum hinterher, während Schüsse, Schreie und alle möglichen Nebengeräusche auf einmal auf uns einprassen. Wer hier was zu Meckern sucht, wird nur bei den krass unsynchron eingesprochenen deutschen Stimmen fündig.
Bei World at War habe ich zum ersten mal in einem Call of Duty nach ein paar Minuten den Veteranenmodus verlassen und erst mal auf Schwierigkeit „Söldner“ herunter geschaltet. Zu unflexibel konnte ich mich nur auf den Schlachtfeldern bewegen, zu perfekt schmeißen meine Feinde aus größter Entfernung platzierte Granaten in meine Deckung. Zu sehr ist das Ganze nur noch eine pausenlose Dauerballerorgie, welche das sonst immer mit der Serienspielmechanik einhergehende taktische Vorgehen kaputt macht. Und das nicht nur mit dem extrem übermächtigen Flammenwerfer, der mit großer Reichweite und ohne Bewegungseinschränkung keine echten Nachteile sonstiger Instantkill Waffen vorzuweisen hat. Die viel zu oft wahllos zwischen Kamikaze und Schaufensterpuppe hin und her schaltende K.I. ist nur eines der Beispiele dafür, dass Treyarch es einfach nicht schaffen die geniale Ausarbeitung der arcadigen Spielmechanik von Infinity Ward zu adaptieren. Auch Modern Warfare hatte nur dauerrespawnende Scriptsoldaten im Angebot, hier wirkte das Ganze aber in jedem Levelabschnitt mit Feinarbeit abgestimmt. Man erkennt wie Treyarch durchaus erfolgreich versuchen die oberflächlichen Markenzeichen der Serie umzusetzen, alles was in die Tiefe geht lässt ihr Call of Duty dagegen aber auch beim neusten Anlauf wieder vermissen. Das ist angesichts eines immer noch sehr guten Egoshooters als Ergebnis vielleicht weniger Kritik an ihnen, als viel mehr ein Lob an Infinity Ward.
Selbst ohne Nazi Zombiemodus (in der deutschen Version leider nicht dabei) wertet ein toller Mehrspielermodus das Gesamtpaket selbstverständlich enorm auf, World at War bietet in diesem Bereich von Rangsystem bis zu Perks alles, was auch Modern Warfare zu bieten hatte. Ich persönlich habe zwar nach dem modernen Setting von Call of Duty 4 nicht mehr so viel Lust mich auch online wieder auf das Spielgefühl der Oldiewaffen einzulassen, wem's aber gefällt der wird nichts am umfangreichen Multiplayererlebnis auszusetzen haben und so wird es die kommenden Wochen über spannend zu sehen, ob beide Call of Duty Communitys online parallel koexistieren können. Ein Schmankerl das World at War seinem Vorgänger voraus hat, ist der kampagnenbasierte Koopmodus für bis zu vier Spieler. Wer schon immer mal zusammen oder gegeneinander im bombastisch inszenierten WWII Setting auf Punktejagd gehen wollte, muss sich das Game einfach auf die Einkaufsliste setzen. Wer nicht unbedingt ein Meisterwerk wie Modern Warfare erwartet und sich vom World War II Setting nicht gelangweilt fühlt, kann sein Geld ebenfalls guten Gewissens in Treyarchs für dieses Setting fast schon zu ballerlastigen Egoshooter stecken.
11.07.2008 - Sieben neue Ingamebilder aus Call of Duty: World at War mehr...
Bewertung
Call of Duty - World at War xbox360
8/10
Kommentare (24)
Stigma242
zum spiel selber . wenns mal billiger ist wird es sicher mal gezoggt . ansonsten ist mit cod4 vom setting her lieber .
Slipknot666
Slipknot666
lord.kaka
Finde ich....
SwissCoke
Habe erst kürzlich auf BBC (English), einen Bericht gesehen das war wirklich heftig. Darin ging es über den Einsatz verschiedener Truppen, besonderst Amerikanischer, im Irak. Dann kam im TV eine Videosequenz, die ein Aufklärer Jeep (Humer) zeigt der in der nähe einer Explosion seht, der Kanonier am Geschütz, wurde Auseinander gerissen.
Krieg ist kein Spiel, viele Soldaten wissen gar nicht was "Krieg" überhaupt ist.
@Videospiel
Auch wenn ich nicht wirklich ein Fan bin von alten Waffen, muss ich ehrlich zugeben das die Entwikler bei Teil 5, gute Arbeit geleistet haben. Bei mir in der Freundesliste haben schon einige von CoD4 auf CoD5 umgestellt. Bin gespannt wie lange der Trend anhaltet.
Gruäss
Coke
Barthz
Egal, für mich disqualifiziert sich das Spiel aufgrund des Setting ohnehin.
Daniel Pook
Es wird erst mal keine Videotests mehr geben, da wir demnächst regelmäßige neue Formate anbieten wollen, die man bei GameTrailers nicht in besser bekommt. :P Ne, im Ernst, der Aufwand ist ziemlich hoch so was immer pünktlich am Start zu haben und da man die Ingameszenen und unser Fazit meist eh in der AreaVision bekommt, wollen wir die Arbeitskraft bald in neue Sachen stecken. :)
Hinterwäldler
Für mich ist es sowieso nichts, denn der WW2 hängt mir zum Halse raus, beim nächsten modernen COD schlag ich dann wieder zu.
Nesaija
ich spiels momentan am pc und es taugt auf alle fälle, zwar nich tganz so gut wie teil 4 aber immerhin
yelloosnow
no rules - no fear - no mercy.. (hahaha)
jungs wir sind in europa.. =)