16.01.2007 11:54
Club Football 2005
Im letzten Jahr wagte Hersteller Codemasters einen mutigen Schritt und veröffentlichte eine neue Fußball-Simulation auf PlayStation 2 und Xbox, welche sich derart spezifisch mit bestimmten Vereinen befasste wie noch kein Spiel zuvor. Klingt in der Theorie sicherlich äußerst spannend, in der Praxis sah es dann jedoch so aus, dass die Xbox-Fassung der vielen Club Football-Fassungen in unserem Test magere 61% eingeheimst hat. Der Nachfolger wurde dieses Jahr noch um einige Vereine bzw. Versionen erweitert, in Deutschland sind jedoch nur die Spiele rund um den FC Bayern München, die Borussia aus Dortmund, den Hamburger SV sowie die Königlichen aus Madrid erhältlich. Ob der ganze Aufwand lohnt, oder letztendlich doch wieder ein wenig berauschendes Spiel hinter einer derartigen Marketing-Kampagne steckt, klärt unser Review
Ganz davon ab, dass es äußerst fraglich sein dürfte, warum deutschen Fans ausgerechnet Ableger der vom Erfolg wenig verwöhnten Teams aus Hamburg und Dortmund geboten werden, bleibt die Serie ihren Prinzipien auch im Nachfolger treu. Fans freuen sich also auf Spiele, die samt ihrer Präsentation auf den eigenen Verein zugeschnitten sind. Egal ob es nun Menü-Bilder, Farbgebung oder sonstige Feinheiten sind, alles erstrahlt in den Farben des jeweiligen Teams. An dieser Stelle sollte auch erwähnt sein, dass die allgemeine Präsentation zwar nicht ganz an die des EA-Hits FIFA 2005 heranreicht, insgesamt aber auf jeden Fall überaus ansprechend und gut gelöst ist. Abgesehen von teils witzigen Übersetzungs-Fehlern wirkt dieses Spiel nicht gerade wie eine Low Budget-Produktion.
Neben üblichen Einstellungen wie Taktik oder allgemeinen Optionen ist vor allem die Erstellung eines eigenen Spielers interessant. Dieses wirklich gut präsentierte Feature ermöglicht es euch, einen frei erfundenen Kicker samt Aussehen und Fähigkeiten zu gestalten und letztendlich im Profi-Kader eures Vereins unterzuingen. Anhänger eines Vereins freuen sich zudem über qualitativ leider recht miese Videos, welche ein paar erlesene Tore sowie Erfolge der Vereins-Geschichte präsentieren sollen. Auch ein Vereins-Fotoalbum gibt es zu bestaunen, genau wie die bereits erwähnten Videos muss der Großteil des Contents hier jedoch durch Erfolge freigespielt werden. Panini-Sammelalben lassen grüßen.
Bei den Spielmodi bietet das Spiel dem Zocker Standard-Kost des Genres. Neben einer normalen Saison habt ihr also auch die Möglichkeit, die so genannte Superliga durchzuzocken. Dieser stark an die Champions League angelehnte Spiel-Modus präsentiert euch die Club Football-Vereine in Gruppenspielen. Wer keine Lust auf ein Kräfte-zehrendes Event dieser Art hat, kann auch einfach ein schnelles Freundschaftsspiel austragen. Zudem gibt es den Szenario-Modus zu bestreiten, welcher euch angeblich große Spiele der Vergangenheit präsentiert. So spielen die Anhänger des FCB zum Beispiel gegen eine führende Mannschaft aus Manchester in der Champions League. Zwar mag dies eine recht nette Idee sein, der Oberüller ist dieser Modus jedoch auch nicht wirklich
Wer auf Solo-Spiele keine Lust hat, ruft einfach drei weitere Kumpels zu sich auf die Couch und kann alle Modi auch mit mehreren Leuten gleichzeitig zocken. Dies gilt allerdings nur Offline, denn einen Online-Modus bietet das Spiel nicht. Dies ist in der heutigen Zeit sicherlich ein beachtlicher Kritikpunkt, da ja dieses Jahr FIFA und PES zumindest Xbox-Exklusiv Online gedaddelt werden können. Möchte Codemasters mit ihrem Titel also wirklich Anschluss an die Oberklasse der Fußball-Simulationen gewinnen, muss der Nachfolger unbedingt auch Online spielbar sein.
Ein guter Fußball-Titel steht und fällt mit der gebotenen Ballphysik. Dieser Tatsache waren sich die Entwickler von Club Football 2005 scheinbar jedoch nicht wirklich bewusst, denn was uns das Spiel vom reinen Gameplay her bietet, ist schlichtweg unausgereift. Ein strukturierter Spielablauf ist quasi nicht möglich. Die Spieler kicken den Ball in einer derartigen Hektik über den Platz, dass jeder einzelne Akteur auf dem Platz nach dem Spiel garantiert zur Dopingkontrolle berufen würde. Der gesamte Spielablauf gestaltet sich viel zu schnell, mit Realismus hat dies leider nur wenig zu tun. Die üble KI tut ihr Üiges, um jeglichen Spielspaß vermissen zu lassen. Vor allem der Torhüter scheint mit dermaßen wenig Gehirnzellen ausgestattet zu sein, dass selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad des Titels Tore wie warme Semmeln fallen. Selbst Weltklasse Torhüter wie ein Oliver Kahn oder aber auch Buffon stellen sich beim neuesten Club Football 2005 als absolute Fliegenfänger heraus. Natürlich wirkt sich die Dummheit der Torhüter auch auf die Spielergebnisse aus. Wer genügend übt kann dem Gegner bei einer mittelmäßig langen Partie durchaus eine zweistellige Anzahl an faulen Eiern ins Netz legen. Nicht wirklich motivierend, wie wir finden.
Abseits des Torhüters gibt es auch in den anderen Mannschafts-Teilen arge Probleme. Während eure Spieler im Mittelfeld grundsätzlich den am weitesten postierten Mitspieler anspielen, während der besser positionierte Kamerad nur tatenlos daneben steht, ist wirklich konsequentes Angreifen in der Abwehr fast schon unmöglich. Spielt ihr einen bestimmten Kicker nicht gerade selbst, steht der Rest des Teams oftmals wie angewurzelt rum und scheint bereits an die nächste Sommerpause zu denken. Auch hier lässt die Intelligenz des Spiels also zu Wünschen üig. Gut fanden wir lediglich die Möglichkeit, auch nicht aktive Spieler via Knopfdruck zum Angriff zu bewegen.
Steuerungstechnisch merkt man dem Spiel deutlich an, dass es sich sowohl bei FIFA als auch beim ehrwürdigen Pro Evolution Soccer mächtig bedient hat. Grundsätzlich ist dies sicherlich keine schlechte Idee und somit geht die Steuerung auch sofort gut von der Hand. Nach gewisser Zeit habt ihr das Spiel mehr oder weniger im Griff. Schade nur, dass die misslungene Ballphysik sowie die quasi kaum vorhandene KI nicht gerade förderlich dabei sind, dass das Beherrschen der Steuerung auch wirklich Früchte trägt. Die Standardsituationen wurden ebenfalls bei den Größen des Genres abgeschaut und gehen in dieser Form absolut in Ordnung. Das von EA bekannte Motto "Wir bauen ein neues Schwachsinns-Feature ins Spiel ein", hat nun auch bei Codemasters Einzug erhalten und somit bietet das Spiel erstmals den so genannten Precision-Trigger. Mit Hilfe dieser Steuerungs-Variante soll es möglich sein, Ballkontrolle auf Weltklasse-Niveau auf den Platz zu zaubern. Klingt ja zugegebenermaßen ganz nett, in der Praxis ist das Ganze jedoch absolut nicht effektiv und wirklich spektakulär wirkt es auch nicht. Positiv ist hingegen die Möglichkeit, die Steuerung den eigenen Wünschen entsprechend frei zu konfigurieren. Gerade dieses Feature hatten wir beim neuesten FIFA schmerzlich vermisst.
Auch wenn spielerisch einiges versäumt wurde, rein grafischer Natur ist Club Football 2005 der Konkurrenz aus dem Hause EA zu keiner Zeit massiv unterlegen. Bei der Authenzität der Spielermodelle darf unserer Meinung nach sogar von der Referenz des Genres gesprochen werden. Während beim EA-Kick einige Spieler nicht gerade der Realität entsprechen, sehen Ballack & Konsorten bei Club Football 2005 wirklich hervorragend aus. Einziger Haken an der Sache ist die Tatsache, dass alle dem Club Football-Franchise nicht angehörenden Vereine wie zum Beispiel Bayer Leverkusen mit relativ fiktiv aussehenden Kickern daher kommen. Dieser kleiner Fauxpas ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die Optik auch ansonsten einfach nur klasse ist. Das Spiel läuft jederzeit flüssig, die Farben sind schön kräftig und die wirklich zahlreichen Stadien sind allesamt dermaßen detailiert dargestellt, dass es besser kaum sein könnte. Lediglich bei den Animationen haben die Entwickler offensichtlich geschlampt. So wirken die Bewegungsabläufe der Rasen-Helden alles andere als sauber und eher unausgereift.
Soundtechnisch gibt es nur wenig zu berichten. Neben einem relativ eingeschränkten, aber dennoch ganz netten Soundtrack, welchen ihr üigens nicht individuell erweitern könnt, gibt es neben ebenso unspektakulären Soundeffekten auf dem Platz den sagenumwobenen Paul Breitner sowie Marcel Reif am Mikro. Die Sprachsamples der beiden Nervensägen wirken oftmals derartig deplatziert, dass man nur noch mit den Kopf schütteln kann. Unmotivierte Phrasen und Sätze wie Der Sieg ist verdient, bevor das Spiel abgepfiffen wurde, sollten bei den Möglichkeiten, die Entwickler heutzutage beim Einbinden von Sprachsamples haben, eigentlich der Vergangenheit angehören. Beim nächsten Teil sollte Codemasters also definitiv jemand anderes ans Mikro lassen. Auch an der Stadionatmosphäre sollte man dann gewaltig arbeiten, denn spezifische Fangesänge wie bei FIFA sucht man hier vergeblich. Gerade für einen solchen Titel eigentlich ein Trauerspiel.
„Unausgereifter Kick“
(Meinung » René Held)
Zugegeben, die Idee, ein auf gewisse Clubs spezialisiertes Fußball-Spiel auf den Markt zu ingen ist nach wie vor super. Und hat man dann das aktuelle Club Football in die Konsole gelegt, begeistert einen die Präsentation rund um den eigenen Lieblings-Verein auf der Stelle. Auch Spielmodi-technisch gibt es abgesehen vom fehlenden Online-Modus eigentlich nichts zu meckern. Und dennoch ist Club Football 2005 alles andere als gut. Wie auch in der Realität liegt die Wahrheit halt letztendlich auf dem Platz und hier sieht es leider immer noch ziemlich mau aus. Das Gameplay ist zu keiner Zeit authentisch, die Pässe und Schüsse eurer Recken wirken überhastet und hektisch.
Auch der allgemeine Rythmus der einzelnen Begegnungen ist weit vom realen Tempo einer Fußball-Partie entfernt und stellt letztendlich auch den größten Kritikpunkt des Spiels dar. Zu guter Letzt sollte man beim kritisierenden Rundumschlag die Kommentatoren hervorheben. Paul "Schlaftablette" Breitner sowie Marcel Reif sitzen scheinbar dermaßen uninspiriert vor dem virtuellen Mikro, dass man sie am liebsten persönlich aus der Kommentatoren-Box ziehen würde. Ganz davon ab ist rein technischer Natur alles im grünen Bereich. Die Grafik wirkt insgesamt sehr stimmig und die Spielermodelle gehören zum Besten, was die Konsolenwelt je gesehen hat. Im nächsten Jahr sollte Codemasters also definitiv Wert darauf legen, eine vernünftige Ballphysik auf die Beine zu stellen, denn ohne gelungene physikalische Umsetzung der ledernen Kugel wird's auch mit dem Spielspaß nichts.