Cocoto – Magic Circus
15:37 Uhr - Mit Cocoto – Magic Circus bekommen Wii-Spieler ein ultra-simples Schießbudenspiel in ultra-süßer Verpackung, dafür aber mit einer richtig bösen Knarre im Paket. Was soll man mit solch einem Angebot bloß machen?
Manchmal sind selbst abgebrühte Spiele-Tester noch zu beeindrucken. Nicht das Cocoto – Magic Circus ein gutes Spiel wäre. Das war nun wirklich nicht zu erwarten. Aber bei meiner (vorbildlichen) Recherche zum Spiel musste ich feststellen, dass doch tatsächlich bereits mehrere Titel unterschiedlichster Couleur, mit dem kleinen ... Ja, was ist das eigentlich? ... Hm, ich sag’ mal Scheißerchen ... Cocoto in der Hauptrolle für Playstation 2 und Nintendo DS veröffentlicht worden sind. Hände hoch wer davon gewusst hat? ... Wie, niemand!? Verdammt, was ist los mit euch? Es ist Cocoto! ... das Scheißerchen! Na gut, Spaß beiseite, denn der Knaller kommt noch: Der Hersteller möchte ernsthaft 50 Euro für das Teil haben!
Jetzt mal zu der Situation: Ich bin – wohlgemerkt nachdem ich es durchgespielt habe – davon ausgegangen, dass man hier eine Wiimote-Plastikhalterung in Form einer ziemlich fetten Pistole verkaufen möchte und netterweise noch ein familienfreundliches (An dieser Stelle halten bitte alle mal ihr strahlendstes Zahnpastalächeln aus dem Fenster und freuen sich das die Sonne scheint.) Lightgun-Spiel beilegt. Das ganze für hoffentlich nicht mehr als 20 Tacken. Doch selbst die wären schon überteuert gewesen, denn Magic Circus geht über gewöhnliches Browser-Game-Niveau nicht hinaus. Alleine schnappt ihr euch die fette Wumme und schießt euch im Arcade-Modus durch verschiedene Ziel-Übungen, um eine bescheuerte Fee zu befreien, der ich ständig ins Gesicht feuern wollte. Ging aber nicht, Mist!
Die Aufgaben sind durchaus abwechslungsreich. Ihr müsst eine Bombe zum Gegner auf der anderen Seite ballern, unter mehreren Symbolen dasjenige treffen, welches gerade angezeigt wird, einen balancierenden Artisten vom Seil schießen oder schlicht möglichst viele Monster wegpusten, manchmal auch bevor sie die dumme Fee erreichen. Die sich danach übrigens selbstständig die Fesseln zerreißt! Schätzchen, du stehst auf dünnem Eis ...
Ständig fliegen dabei Luftballons durchs Bild, die sich zu eurem Vorteil oder Nachteil auswirken, wenn ihr sie trefft. Das kann zum Beispiel Punkte oder Zeit kosten oder schenken, den Bildschirm verdunkeln oder umdrehen usw. Auf höheren Schwierigkeitsgraden wird die Sache sogar recht fordernd. Leider habt ihr nach zwei Stunden trotzdem schlichtweg alles gesehen. Das Konzept wird zu keiner Zeit richtig ausgereizt. Zumal ihr euch nicht mal wie bei einem Rail-Shooter auf Pfaden bewegt, sondern stets nur auf einen fixen Bildschirm glotzt. Unglücklicherweise dauert ein Durchgang im Arcade-Modus genauso lange, sodass ich ständig das Gefühl hatte, das Elend will überhaupt kein Ende nehmen. Nach bestimmten Etappen wird zwar regelmäßig automatisch gespeichert, den Modus könnt ihr aber zwischendurch nur verlassen, indem ihr per Home-Button ins Wii-Menü zurückkehrt. Ein ziemlicher Witz! Für den Extra-Kick dürft ihr noch nacheinander oder simultan lokal gegen bis zu drei weitere Spieler antreten. Aber wer will das schon?
Tja, das war’s auch schon. Ach so, na gut, Cocoto – Magic Circus tut weder in den Augen noch in den Ohren weh, bietet aber erwartungsgemäß nichts, aber auch wirklich gar nichts, was einen irgendwie in Verzückung versetzen könnte. Technisch ist das Spiel allerdings sauber. Die Zielerkennung funktioniert tadellos. Was mich richtig stört, ist aber nicht der spielerische Nullgehalt oder die Minimalpräsentation, sondern die aufgesetzte Familienspaß-Attitüde, die mal wieder von vorne bis hinten keinen Sinn ergibt. Das zuckersüße Design richtet sich ganz klar an unter Sechsjährige, aber huch, das Schießbuden-Geballer ist erst ab sechs Jahren freigegeben. Die beigelegte Pistole ist hingegen ein echtes Männerspielzeug, da sie richtig martialisch in der Hand liegt und dürfte dabei für die Kleinen fast zu groß sein. Und zu guter Letzt lassen mich lakonisch gesetzte Aufgabenstellungen, wie „Schieß auf den Boss bis er stirbt!“, in einem angeblichen Familienspiel doch arg stutzig werden. Mein Tipp: Die Knarre ist auch separat erhältlich, fühlt sich wesentlich realistischer und cooler an als die bisherigen waffenartigen Halterungen für Wiimote und Nunchuk (den ihr hier allerdings ganz normal in der anderen Hand haltet) und kostet mit 15 Euro nicht die Welt, wenn auch immer noch zu viel für ein Stück Plastik. Cocoto – Magic Circus erfüllt seinen Zweck halbwegs und für sehr kurze Zeit, aber 50 Taler ... ? Mann ... Ich meine ... Mann ... What the F***?
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Kommentare (3)
ChinChiller
Aber bin ich blind, oder fehlt hier die Wertung?
mfg
Alexander Laschewski-Voigt
UNescapeABLE