Colin McRae: DiRT 2
10:59 Uhr - Anders als der Vorgänger erscheint Dirt 2 auch für die Nintendo-Systeme. Wie befürchtet, ist die Version für die Wii etwas weniger reizvoll ausgefallen als die für PS3 und 360. „Etwas“, wenn man sich sagt das die Vier keine große Zahl ist. Sie stellt allerdings die Notendifferenz zwischen den unterschiedlichen Fassungen dar. Was die Sache dann doch wieder in ein anderes Licht rückt.
Wenn Dirt 2 auf den HD-Konsolen der Michael Bay-Blockbuster unter den Rennspielen ist, wie es Alex in seinem Test beschrieb, dann ist die Wii-Umsetzung wohl das Werk eines Paul W. S. Anderson – gewollt, aber nicht gekonnt. Das ist durchaus ernst gemeint, denn teilweise scheinen die Entwickler das Spiel gar nicht mal bewusst verbockt zu haben. Bestes Beispiel dafür ist die Grafik. Diese bietet eine ansprechende Objektdichte (wenngleich viele davon wie in die Landschaft geklebt wirken), ein ordentliches Geschwindigkeitsgefühl und läuft tatsächlich flüssig, ohne Ruckeln oder Pop-ups. Auch die Wagen-Modelle sind ansehnlich, werfen authentische Schatten und verdrecken während eines Rennens mit Matsch oder Schnee. Allerdings ist die „Qualität“ der Texturen durchgehend derartig grottig, dass man das blanke Grausen bekommt. Auch Farbgebung und Lichteffekte sind wenig schmeichelhaft. Kurzum: Viele Rennspiele der letzten Konsolengeneration, wie Gran Tourismo 4, die Burnout-Serie und sogar ein Colin McRae-Rally 2005 sehen besser aus. Selbst das neun Jahre alte Need for Speed Porsche, welches ich zufälligerweise kurz vor dem Test noch mal angespielt habe, hat – zumindest auf dem PC – in einigen Belangen grafisch mehr zu bieten.
Schon jetzt in die Jahre gekommen
Apropos Colin McRae 2005: Die Optik ist nicht das einzige, wo Dirt 2 für die Wii seinen Vorgängern hinterher hängt. Spielerisch hat sich der Titel, wie auch auf der 360 und der PS3 mehr auf zugänglichen Arcade-Spaß mit vielen Rundkursen und Kopf-an-Kopf-Rennen ausgerichtet. Das ist erst mal natürlich nicht verwerflich. Allerdings ist von der einst gepriesenen perfekten Mischung aus realistischem Fahrgefühl, bei gleichzeitig intuitiver Handhabung und den detaillierten Unfall-Darstellung, mit entsprechenden fahrerischen Auswirkungen nichts mehr übrig geblieben. Der Stand in Dirt 2: Die unterschiedlichen Autos fahren sich marginal anders, aber wenig realistisch. Das Schadensmodell hat den Namen nicht verdient und beschränkt sich auf kaum sichtbare Dellen, ohne jede Beeinträchtigung der Kontrolle. Die Fahrphysik ist schließlich ein absoluter Witz, fliegende Autos inklusive. Ihr habt die Wahl zwischen drei Steuerungsmethoden, die sich automatisch aktivieren, je nach dem, welchen Controller ihr angeschlossen habt: Wiimote und Nunchuk, Lenkbewegung per Wiimote-Bewegungserkennung oder Classic-Controller. Frei konfigurieren dürft ihr diese nicht. Per Analog-Stick habt ihr die Fahrzeuge gut im Griff. Wer auf die Motion-Control zurückgreift, ist selbst schuld.
Viel Renn, kein Sport
Für Solo-Spieler bietet Dirt 2 einen World Tour-Modus, in dem ihr unterschiedliche Renn-Events mit einer Auswahl von je ein bis zwei Wagen nacheinander abhakt. Der Action-Modus teilt sich in Einzelrennen, Meisterschaft für Punktehaschen in fünf aufeinanderfolgenden Rennen und Zeitfahren. Bei den Herausforderungen geht es schließlich zum Beispiel darum möglichst viele und lange Sprünge oder viele und lange Slides hinzulegen oder Checkpoint-Rennen zu absolvieren. Solider Stoff, aber lieblos aneinandergepappt. Rennsport-Feeling kommt, trotz des witzigen Wohnwagen-Menüs, zu keiner Zeit auf. Dafür ist das eigentliche Spielgeschehen keine totale Katastrophe. Die Strecken sind vielseitig und fordernd designt, wirken allerdings oft unglaubwürdig. Eure Kontrahenten werden mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad hartnäckiger, vermitteln hin und wieder aber auch den Eindruck, selbst nicht ganz mit dem eigenen Gefährt zurechtzukommen. Bei der Renn-Action gibt’s aber vor allem ein Problem: Durch die oben bereits angesprochenen Defizite machen sie einfach nicht lange genug Spaß. Man möchte irgendwann nicht mehr über das bescheuerte Kollisionsverhalten hinwegsehen. Man möchte sich die leblose Atmosphäre nicht antun, die auch akustisch während der Rennen lediglich eine Handvoll annehmbarer Soundeffekte bietet und ansonsten nur in den Menüs ein paar Lizenzmusikstücke abfährt, die man sich aber ohnehin nicht lange anhört. Und ganz bestimmt möchte man sich die Grafik nicht ewig angucken. Außerdem gibt es auch nichts was einen längerfristig motivieren könnte. Eine echte Karriere sucht ihr vergebens. Der World Tour-Modus ist nur Augenwischerei, ohne Substanz. Und solltet ihr mal drei Mitspieler zur Stelle haben, na holla, werdet ihr lieber einen anderen Multiplayer-Titel spielen wollen als Dirt 2.
Pro und Contra
- + technisch sauber ...
- + gutes Geschwindigkeitsgefühl
- + abwechslungsreiche Strecken
- - ... aber optisch zum weggucken
- - bescheuerte Unfallphysik
- - World Tour-Modus gehaltlos
- - schwache Inszenierung
Stabile Holzhütte, statt unverwüstlicher Protzvilla
Ich frage mich, wie die Entwicklung von Dirt 2 für die Wii wohl abgelaufen ist, denn ich hatte den Eindruck das die Entwickler nicht vor hatten ein schlechtes Spiel abzuliefern. Es wird wohl eher so gelaufen sein: „Oh Mist, wir haben ein Grafikgerüst, aber noch keine vernünftigen Texturen. Wir haben einen Karriere-Modus, aber noch kein motivierendes Belohnungs- und Aufstiegssystem. Fahrphysik, Inszenierung und Schadensmodell sind ebenfalls noch nicht fertig. Aber das schaffen wir nicht mehr bis zum Release. Dann lasst uns das was wir haben wenigstens sauber abliefern.“ Das nun zum Verkauf angebotene Dirt 2 vermittelt genau dieses Bild. Die Technik ist beinahe tadellos, wie man es bei einem billigen, schnell runtergekurbelten Spiel normalerweise nicht erleben würde. Auch Streckendesign, Tempo und KI zeigen das Potential eines Spiels das ganz offensichtlich einfach nicht fertig geworden ist. Somit bleibt letztendlich aber wieder nur die typische, durchschnittliche Wii-Enttäuschung. Aber Rennspiel-affine Nintendo-Fans haben ja schon seit den Tagen des N64 ein schweres Los. Es kann nur besser werden!
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Kommentare (17)
methi
......
W3b3
mfg
W3b3............
bufu117
mr. rogers
Ben Man
und das geht nun schon seit Monaten so...warum zum Teufel verkauft sich das Ding nur so gut ?
Ich hatte nie was gegen Nintendo, aber mich regt es auf wenn jemand ohne sichtlichen Grund für derart schwache Leistungen belohnt wird !
Ich raffs net...
Leoneo
@Dirt2 Wii Test: Warum bringen die´s dann überhaupt auf der Wii, wenn nur Mist dabei rauskommt. Eine Beleidigung für die Jungs, die für die XBox/PS3 Version zuständig waren...
el_bollo
Athene
*kopfschüttel*
ps3hero
chiefrebelangel