Dienstag, 11. November 2008
Auf den ersten Blick alles gleich
Inhaltlich unterscheidet sich die Xbox 360-Version von
„Alarmstufe Rot 3“ natürlich nicht von der PC-Fassung: Die Sowjetunion steht im Jahr 1991 kurz vor dem absoluten Niedergang. Die Alliierten stehen kurz vor Moskau, die ewig währende Schlacht scheint entschieden zu sein. Um sich zu retten, greift der russische Premierminister Cherdenko (von Tim Curry mit wunderbar russischen Akzent gespielt) zum allerletzten Mittel, das aber schon damals nicht den gewünschten Effekt hatte: der Zeitreise. So wie der Mord von Albert Einstein an Hitler zum, aus alliierter Sicht, beängstigendem Aufstieg der Sowjetunion führte, so sehen sich die Russen nach dem Mord an Einstein einem weitaus mächtigeren Feind gegenüber, dem Empire of the Rising Sun, kurz: Die Japaner. Die konnten sich aufgrund der nicht erfundenen Atombombe zu einer technischen Großmacht mausern und stehen in der neuen Zukunft wieder vor den Toren der Sowjetunion. Vom Regen in die Traufe also. Der Spieler hat also in der Ersten von drei Kampagnen, die jeweils 9 Missionen umfassen, die Aufgabe die Japaner unter der Führung des Kaisers Yoshiro (gespielt von George Takei aka Mr. Sulu) zurückzuschlagen. Später schalten sich auch die nicht mehr ganz so starken Alliierten in das Geschehen, doch bis dahin vergehen noch ein paar Missionen.
Schaulaufen der Stars und Babes
Wie es sich für ein Echtzeitstrategiespiel gehört, ist der erste Auftrag eine Art Tutorial. Man beginnt also mit einer Handvoll Einheiten, die dem Gegner, falls man sich nicht völlig bescheuert anstellt, vollkommen überlegen ist und macht sich mit der Steuerung (dazu gleich mehr) vertraut. Bereits hier fällt einem das absolut durchgeknallte Szenario auf. Da balgen sich Kampfbären mit Schäferhunden, Infanterie wird mit Hilfe von Transportern über Kanäle geballert und die Fähigkeit „Orbital Drop“ lässt bei Aktivierung einen Satelliten samt dem ihn umgebenden Weltraumschrott auf ein Zielgebiet stürzen. Lustig ist auch der Magnetstrahl, der mechanische Einheiten einfach in das Weltall zieht, aus unserer Sicht aber ein bisschen übermächtig ist, da man mit ihm ganze Flugzeugträgerflotten unschädlich machen kann. Ihr merkt also, Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3 nimmt sich zu keinem Zeitpunkt ernst. Das liegt neben dem Setting aber auch an den wirklich grandiosen Zwischensequenzen. Schon alleine ihretwegen spielt man die durchweg gut durchdesignten Missionen zu Ende, um einfach das nächste Stückchen Filmschnipsel, die allesamt ihn HD gehalten sind und auf einem entsprechenden Fernseher noch mal besser rüberkommen, genießen zu können. Hier muss ich EA wirklich ein Kompliment aussprechen, da sie die damalige Tugend, mit wenig Mitteln unfreiwillig komische Realfilmszenen zu drehen, perfektioniert haben. Mit dem Unterschied, dass man jetzt die Mittel hat. Der männliche Cast lässt sich wirklich sehen. Den einen oder anderen Schauspieler dürfte man sicherlich aus ein paar Hollywood-Filmen kennen. Sie spielen ihre Rolle mit einem so überzeugenden Overacting, dass man den Spaß, den sie bei den Dreharbeiten gehabt haben müssen, deutlich anmerkt. Und dann die Frauen. Hier muss ich EA ebenfalls loben, denn sie bedienen auf so klischeehafte Art und Weise die Bedürfnisse eines männlichen Spielers, dass man fast schon persönlich dem Verantwortlichen für die Besetzung auf die Schulter klopfen möchte. Statt wie bei den Herren der Schöpfung auf die schauspielerischen Qualitäten zu achten, stehen bei den Damen eher die schlagkräftigen Argumente im Zentrum der Auswahl. Da hätten wir die busengewaltige Gemma Atkinson, die busengwaltige Jenny Mc Carthy, die busengewaltige Ivana Milicevic, die buse... ihr wisst, worauf ich hinaus will.
Von NOD-Obermotz Kane gelernt
„Schlacht um Mittelerde II“ hat das RTS-Genre erstmals auf den Konsolen massentauglich gemacht, der dritte C&C-Ableger setzte noch einen drauf. Das dazugehörige Add-On,
„Kanes Rache“, etablierte in erster Linie dann noch das Kreismenü. Und genau das verwendet EA nun auch im neusten Teil der beliebten Strategiereihe. Via Druck auf den rechten Trigger öffnet sich die kontextsensitive Eingabefläche. Habt ihr zum Beispiel die Kaserne angewählt, könnt ihr mit dem linken Stick schnell die gewünschte Einheit auswählen, die gebaut werden soll. Betätigt ihr den RT-Button bei angewählter Einheit, kann hier ihr Verhalten (Aggressiv, Defensiv, etc.) bestimmt werden. Im Vergleich zu Kanes zusätzlichem Auftritt hat sich hier also wenig getan. Macht aber nix, das hat ja auch damals schon astrein funktioniert. Auch die anderen Funktionen sind mehrheitlich Altbekannte: Mit X wählt ihr alle auf dem Bildschirm befindlichen Einheiten aus, haltet ihr A gedrückt, erscheint ein Auswahlkreis. Viel besser kann man ein klassisches Echtzeitstrategiespiel wohl nicht auf einer Konsole umsetzen. Lediglich die standardmäßige Empfindlichkeit des linken Sticks konnte mich nicht vollständig überzeugen, hier hilft aber ein kurzer Gang ins Optionsmenü.
Wie die KI den Co-op Modus definiert
Größte Neuerung in
„Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3“ ist sicherlich der Co-op Modus, der aus meiner Sicht ein zweischneidiges Schwert ist. Auf der einen Seite macht es unglaublichen Spaß, sich mit einem ebenso verrückten C&C-Fan über Xbox LIVE durch die Missionen zu schlagen, gemeinsam Geld zu scheffeln, verschiedene Angriffspläne auszuhecken, sich gegenseitig zu beschützen und was man sonst noch zusammen machen kann. Auf der anderen Seite stört dieses System in der Single Player-Variante. Sämtliche Missionen sind nämlich auf den Co-op Modus ausgerichtet. Das heißt, selbst wenn ich alleine spiele, bekomme ich einen KI-General an meine Seite gestellt. Dem kann ich mit Druck auf die LB-Taste rudimentäre Befehle wie „Attackiere das“ oder , „Scoute das“ geben, die er meist korrekt ausführt. Ab und an hat er dann doch seine Probleme und baut, trotz seiner Ansage, sich nur auf die Lufteinheiten konzentrieren zu wollen, Panzer en Masse. Auch sonst wirkt er eher wie ein nicht zu kontrollierendes Zünglein an der Waage. Man weiß wirklich nie, ob der einem zur Seite gestellte General nun eine Hilfe ist, oder aber man im Endeffekt zwei Computern alleine gegenüber steht. Da die Missionen aber so designt sind, dass man sie zu zweit meistern sollte, können sie aufgrund der Untätigkeit des Helfers ziemlich schnell bockschwer bzw. unfair werden. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich nie das Gefühl hatte, wirklich alles im Griff und durch strategische Überlegung gewonnen zu haben. Meist hatte der Gegner aus irgendeinem Grund einfach keine Einheiten mehr, während ich in Ruhe meine allesvernichtende Panzerarmee aufbaute und dem fast wehrlosen Gegner den Gnadenschuss verpasste. Die übrig gebliebenen Geschütztürme habe ich vorher mit meinem Orbital Drop unschädlich gemacht. Ab einen gewissen Zeitpunkt wird das Geschehen sehr einfach, bis dahin entscheidet fast schon der Zufall. Das liegt zum einen an der eben schon genannten merkwürdigen KI und zum anderen an der Größe der Karte. Überall passiert etwas, dann wird im Laufe der Mission die Karte erweitert, so dass sich eine neue Front offenbart. Man kann sich selten auf solche Ereignisse vorbereiten, wenn man die Mission nicht schon zuvor gespielt hat, so dass das Gefühl, nicht wirklich Herr der Lage zu sein, verstärkt wird.
Daher fallen einem die besonders gut designten Missionen erst dann auf, wenn man nur ein paar Einheiten befehligen kann, zum Beispiel, wenn man den Palast des Kaisers mit einem stinknormalen Infanteristen infiltrieren muss, oder aber mit Terrordrohnen ganze Panzerverbände vernichtet. Meist gliedert sich ein Auftrag in mehrere Passagen. So hat man innerhalb von vier Minuten eine Streitmacht aufbauen, um einen Hinterhalt vorzubereiten. Gelingt dieser, wird das Schlachtfeld erweitert und es gilt, den Gegenschlag der Alliierten abzuwenden. Genau diese Missionen sind es, die das Potenzial von Alarmstufe Rot verdeutlichen – welches aber durch die besagte KI-Problematik empfindlich gestört wird. Dafür machen sie mit einem menschlichen Kollegen („Ich mache nur Luftwaffe, du gehst auf Panzer!“) umso mehr Spaß. Müsste ich eine Wertung für beide Arten geben, dann liegen zwischen Singleplayer mit Computer und Co-op mit einem echten Mitspieler zwei bis drei Wertungspunkte.
Abgesehen von diesen Mängeln, spielt sich
„Alarmstufe Rot 3“ ziemlich klassisch. Der Basisbau funktioniert wie gehabt, nur dass Ressourcen jetzt anders abgebaut werden. Wahrscheinlich wollte man mit diesem Schritt die ewige „Dummer Sammler“ Problematik beenden. So muss man vor Minen eine Art Raffinerie errichten, aus der dann der Sammler zur gegenüberliegenden Mine fährt und abbaut. Da die Strecke grob geschätzt ein Zentimeter beträgt, dürfte selbst der dümmste Sammler seinen Weg schnell und zuverlässig seinen Weg finden. Geschieht es aber, dass eine solche Raffinerie zerstört wird, der Sammler jedoch heile bleibt, fährt dieser zur nächsten Mine und liefert das Abgebaute in einer anderen Raffinerie ab. Wie sehr er bei diesen Ausflügen auf gegnerische Einheiten achtet könnt ihr euch sicherlich vorstellen...
Ähm Commander, sie haben keine Basis mehr!
Generell scheint sich das Orientierungsproblem des Sammlers auf die anderen Einheiten übertragen zu haben. So wollte ich meine gesamte Armada an Dreadnoughts auf die gegnerische Basis hetzen, nur um nach fünf Minuten festzustellen, dass die sich ersten ineinander und zweitens im Hafengebäude verhakt hatten. Auch ein nochmaliger Befehl sich zu der jeweiligen Stelle zu bewegen führte zu keiner Besserung. Mir blieb also nichts anderes übrig, als jedes einzelne Schiff anzuwählen und um dieses Hindernis herumzuführen. Das ist angesichts der Tatsache, dass ich einen „Überraschungsangriff“ wagen wollte, höchst ärgerlich. Hier hatte eher ich die Überraschung.
Was man aus der Grafikengine noch rausholen kann
Nach ein paar Missionen kommt man mit diesen Macken aber fast schon klar und kann sich über ein, von der Mechanik betrachtet, solides Echtzeitstrategiespiel freuen. Die drei Parteien spielen sich angenehm unterschiedlich. Die Sowjets stellen die „Hau drauf-Fraktion“ dar, die mit Panzern und Superwaffen gehörig aufräumt. Die Japaner dagegen sind ein aggressives Expansionsvolk, das mit seiner puren Masse und starken Kampfrobotern zu Felde zieht. Die Alliierten sind eine Art Mittelding, setzen aber eher auf eine starke Luftwaffe und mächtige Marineeinheiten wie dem Flugzeugträger, der eine enorme Reichweite besitzt. So gut wie jede Einheit besitzt Spezialfähigkeiten (RB-Taste), die eine Schlacht stark beeinflussen können. Die normalen Infanteristen der Sowjetunion können als Sekundärfeuer Molotowcocktails werfen und somit verschanzte Gegner aus Gebäuden treiben. Ihre Artillerie mit Raketen, die als Spezialfähigkeit Umgebungsschaden verursachen, erledigt dann den Rest. Als Laie wird man aufgrund dieser vielen Eigenschaften sichtlich überfordert sein, setzt man sich aber ein bisschen mit ihnen auseinander, lernt man sie schnell zu schätzen, da sie den sonst normalen „Masse statt Klasse – Kämpfen“ so etwas wie strategische Tiefe verleihen können.
Den Spaß am Krieg genießen
In erster Linie will das EA-Spiel Spaß machen. Und das tut es. Der Titel nimmt sich mit seiner Story zu keiner Zeit ernst und thematisiert das doch eher erwachsene Thema Krieg auf persiflierende Art und Weise. Die Grafik inszeniert die übertriebenen Angriffe von Superwaffen auch auf der Xbox 360 exzellent, die Blitze der Tesla-Panzer wirken ziemlich realistisch und das Wasser, auf dem man Neuerdings auch bauen kann, hat in keinem Echtzeitstrategie-Spiel so gut ausgesehen. Hier reicht die Leistung der Konsole fast an die Maximalkonfiguration des PCs heran. Wer einmal den Einschlag einer Dreadnaughtsalve in einen Delfin gesehen hat, die Reflexionen und Reaktionen der Wasseroberfläche, der weiß, was ich meine. Der Sound steht dem in Nichts nach und toppt das Geschehen manchmal. Das liegt vor allem an den erstklassigen Soundtrack, der sich dynamisch anpasst. Blast ihr zum Angriff, wird der Ansturm euer Panzer von rockiger Musik unterlegt, während es bei Infiltrationsaufträgen ruhiger zur Sache geht. Selten habe ich ein Spiel erlebt, das einem so sehr mit seiner Musik mitreißen kann.
Kommentare (6)
T.K.
nick goat
soweit ich weiss gibt es keine :(
Crone
T.K.
Barthz
Nesaija