Crytek dementiert Vorwürfe wegen schlechter Arbeitsbedingungen
Schon mehrfach erhoben Mitarbeiter Vorwürfe gegen diverse Entwicklerstudios wegen miserabler Arbeitsbedingungen wie Überstunden oder Wochenend-Arbeit. Jüngst rückte Team Bondi in solchen Belangen in den Vordergrund, allerdings macht Crytek den Australiern nun den Platz streitig: Ein anonymer (Ex-)Crytek-Angestellter beschuldigt die Frankfurter aktuell, dass man während der Entwicklung von Crysis 2 unzumutbare Arbeitsbelastungen ertragen musste. Crytek bezieht mittlerweile Stellung zu diesem Posting.
In einem Blog-Posting bei Develop behauptet ein angeblicher (Ex-)Mitarbeiter von Crytek, dass man bei der Entwicklung von Crysis 2 knapp sechs Monate lang die sogenannte Crunch-Time mitmachen musste. Das bedeutet, die Angestellten hatten tagtäglich unzählige Überstunden zu bewältigen und ständig mit dem Druck zu kämpfen gehabt, das Spiel pünktlich fertigstellen zu müssen. Laut dem Autor der Vorwürfe hätten diese Bedingungen bei den Entwicklern sowohl zu psychischen als auch physischen Problemen geführt. Außerdem soll es rechtswidrige Entlassungen gegeben haben.
Cryteks Managing Director, Avni Yerli, bezeichnet das alles in einer Stellungnahme als "völlig irreführend":
- "Eine Sache, die immer dieselbe sein wird, ist, dass Crytek seine Mitarbeiter sehr respektiert und schätzt und es dabei keinen Unterschied macht - was sehr wichtig ist - ob es ein Praktikant oder ein Director ist; jeder ist wichtig."
Der 'Whistle-Blowing'-Blog wirft Crytek außerdem rechtswidrige Entlassungen vor. So habe man ältere Mitarbeiter durch Nachwuchskräfte ersetzt und anderen wiederum mit lächerlichen Gründen versehene Kündigungen vorgelegt. Yerli meint allerdings, dass man sehr großen wert darauf lege, eine gute Beziehung mit Ex-Angestellten zu führen.
Er fügt hinzu:
"Die Tatsache, dass wir solche starken Spiele und Techniken machen können, liegt an dem Können und der Leidenschaft der Leute mit denen wir zusammenarbeiten und spiegelt die Harmonie und Kompetenz unseres Teams wieder."
"Es belastet uns sehr, daran zu denken, das ein einzelner meint, wir hätten ihn unfair behandelt. Das ist sehr enttäuschend."
Zu den oben bereits erwähnten sechs Monaten Crunch-Time meint Yerli:
"Wie jedes andere Spiel auch, hatte auch Crysis eine Crunch-Phase. Allerdings haben wir keinen zu Wochenendarbeit gezwungen, sondern ließen den Leuten während dieser Phase die Wahl, ob man einen Tag am Wochenende arbeiten wolle."
Avni Yerli sagte außerdem, dass der Vorwurf der sechsmonatigen Crunch-Phase lächerlich sei und es sich allerhöchstens um drei gehandelt habe.
Bereits in der Vergangenheit wurden zwei Prozesse von ehemaligen Angestellten gegen Crytek eingeleitet, die jedoch vom Frankfurter Studio gewonnen wurden. Stolz sei man darauf dennoch nicht, wie Yerli sagt. Grund für die Klagen der Ex-Mitarbeiter waren, laut Yerlis Aussagen, das Bestreben selbiger nach einer höheren Abfindung, die sie schlussendlich nicht bekamen und sich mit der bereits vorgeschlagenen Summe zufriedengeben mussten.
Yerlis abschließende Worte zu der Sache:
"Ich finde, dass der Blog-Eintrag unfair gegenüber all den Leuten ist, die bei Crytek arbeiten. Es zieht die großartige Arbeit, die sie bereits verrichtet haben, in den Dreck."
Mittlerweile konnte anhand der IP-Adresse übrigens festgestellt werden, dass der Blog-Post aus dem Großraum Frankfurt stammt.
(Develop)
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Kommentare (7)
GamerRuMan
Bestimmt ist der nur wütend weil die ihn rausgeworfen haben oder so was in der art xD
Wombat77
Solche Vorwürfe sind lächerlich. Ich habe jahrelang jeden Tag Überstunden leisten und fast jedes Wochenende arbeiten müssen und das ständig mit einem enormen Termindruck im Rücken.
Es gibt nicht wenig Menschen, für die ist das der ganz normale Alltag, aber vielleicht sind studierte Informatiker einfach nur weicher, als der Otto Normal Arbeitnehmer.
Kohlenstoff
Das Crytek Studio in Frankfurt ist 2km entfernt von mir und genau neben einem McFit..sieht außerhalb ganz in ordnung aus..gepflegt...auf dem Parkplatz steht ein teures Auto...
Die Mitarbeiter kommen wohl mit dem Dreirad
BWARaZoR
@Kohlenstoff: Soweit ich dass jetzt verstanden habe geht es um das australische Crytek-Studio, wer weiß, es ist keine seltenheit dass das Ausland bei weitem nicht die gleichen Arbeitsqualitäten ausweist wie es in Deutschland der Fall ist, allerdings würde mich dass bei ein und dem selben Unternehmen schon wundern.
@Wombat77: "Informatiker" sind nur ein Teil der angestellten :P
cHaOs667
LOL! 6 Monate "Crunchtime" kann er auch ausserhalb der Spieleindustrie haben...
nea
Moin
cHaOs667 spricht es ganz richtig an: Bevor man so einzelne Betrachtungen auf die Spielindustrie macht, müsste man sich einfach ganz (ruhig auch subjektiv) den Arbeitsmarkt anschauen. Wenn ich nur an wochenendliche Gespräche in der "Kneipe" mit Bekannten lausche, dann macht jeder Überstunden, überall ist die Arbeit "bescheiden", und eigentlich sind sowieso alle besser, arbeiten 100 Stunden und alle anderen sind doof (mich ein- und ausgenommen natürlich ^^').
Wir wissen keine näheren Umstände, sondern nur eine Beschreibung die zwar nicht schön klingt, auch nicht normal sein sollte, aber objektiv und relativiert betrachtet werden sollte. Von daher, sollen die sich da Ihren Streit leisten, und wir weiter arbeiten, während wir auf AreaGames.de surfen.
Gruß
AlexCrow
Man sollte hierbei allerdings bedenken, dass das Problem einer Crunchtime ja nicht die Überstunden ansich sind, sondern dass diese häufig schlichtweg nicht bezahlt oder mit Urlaub entlohnt werden. Darüber hinaus ist die Crunchtime lediglich ein Produkt schlechter Planung. Es gibt viele Studios die ohne Crunchtime auskommen und über kurz oder Lang sollte das in der Branche auch Standard werden.