DS-Testrunde: Assassins Creed 2, Ghostbuster, Turtles
12:31 Uhr - Auf zur nächsten Testrunde. Nintendojünger Johannes hat am Wochenende wieder den DS aufglühen lassen und präsentiert euch seine Tests von Assassin`s Creed2: Discovery, Ghostbusters: The Video Game und Teenage Mutant Ninja Turtles: Arcade Attack.
Teenage Mutant Ninja Turtles – Arcade Attack
“Hey, jetzt komm’ die Hero Turtles! Superstarke Hero Turtles!“ … NICHT! Mit Teenage Mutant Ninja Turtles – Arcade Attack will Ubisoft uns in die Hochzeit der Spielhallen zurückversetzen und den sorglosen Spaß simel-cooler Sidescroll-Beat’em ups bescheren. Ein äußerst begrüßenswertes Unterfangen. Schließlich haben Kampfkröten in diesem Genre eine starke Geschichte und unter anderem mit Turtles in Time einen viel gepriesenen Klassiker hervorgebracht. Außerdem ist die Revitalisierung vergangener Tugenden den Prince of Persia-Machern schon einmal, mit der Filmumsetzung TMNT für den Game Boy Advance mehr als gut gelungen. Grund genug also, für gehobene Vorfreude auf Arcade Attack.
Doch, ach, oh weh, was für eine Enttäuschung ist das Endergebnis! Statt der angestrebten Retro-Action, liefert Ubisoft eine künstlich modernisierte, elendig langweilige Klopperei und verschreckt die eigentliche Zielgruppe mit unverständlichen Design-Entscheidungen. Zu den guten Seiten des Spiels zählen die stilsicheren Cutscenes, im Look authentischer Schwarz-weiß-Comic-Panels, welche die hanebüchene Handlung, um Shredders Rückkehr aus der Zukunft erzählen und teilweise sogar witzig sind. Die Technik ist ebenfalls solide. Mir sind keine Ruckler oder gröbere Grafikfehler aufgefallen. Arcade Attack liefert auch endlich wieder den, eigentlich unverzichtbaren Zwei-Spieler-Koop-Modus. Doch damit fangen die Probleme auch schon an: Ihr seid immer zu zweit unterwegs. Ohne menschlichen Mitstreiter übernimmt der Computer den von euch gewählten Ninja-Bruder. Dieser macht seine Arbeit ganz gut. Da die unterschiedlichen Waffen der Helden, dank klobiger Polygongrafik kaum zu erkennen sind, könnt ihr die Martial Arts-erfahrenen Schuppenpanzerträger meist nur anhand ihrer farbigen Augentücher unterscheiden. Im Kampfgetümmel die eigene Figur auszumachen wird dadurch schwieriger, als den Gewinnbecher beim Hütchenspiel im Auge zu behalten. Erschwert wird die Übersicht durch den viel zu kleinen Bildausschnitt und die leicht schräge Kameraperspektive, die euch etwas in die Tiefe laufen lässt und so genaue Moves behindert. Überhaupt, was soll diese gezwungene 3D-Optik? Sie ist nicht sonderlich detailliert, erfüllt in keiner Weise das Ziel, ansprechendes Spielhallen-Flair zu erzeugen und von den vermeintlich flüssigeren Animationen habt ihr auch nichts, weil ihr sie einfach nicht vernünftig seht. Und welchen Sinn hat ein Kampfsport-fokussiertes Spiel, wenn ich die ganzen beeindruckenden Bewegungen, in einem Haufen aus Polygonen kaum wahrnehmen kann? Weitere Kritikpunkte sind die kurzen Schlagsperren nach bestimmten Aktionen, etwa einem Sprungkick, die es euch hier für ca. eine halbe Sekunde (ist beim spielen deutlich spürbar) nicht erlaubt, einen weiteren Move anzusetzen, die ungewohnte und nicht frei konfigurierbare Button-Belegung und der seltsame Combo-Zähler, der – wie es Standard ist – bei jedem eingesteckten Treffer abbricht, aber selbst minutenlange Kampfpausen ignoriert.
Turtles – Arcade Attack ist nicht kaputt. Man kann es spielen, weil es geht und sich so durch die Story arbeiten. Spaß macht das allerdings nicht. Deshalb nutze ich die Gelegenheit, um Fans von Beat’em ups nochmal in aller Deutlichkeit das tolle und zu unrecht missachtete TMNT ans Herz zu legen, das aber leider einen Solo-Spieler-exklusiven Spaß darstellt.
Wertung: 4/10
Assassin’s Creed II Discovery
Während Ubisoft mit ihrem neuesten Mutanten-Schildkröten-Streich böse auf die Schnauze fliegt, ist den Entwicklern mit Assassin’s Creed II Discovery eine positive Überraschung gelungen. Aufgrund des eher mittelprächtigen DS-Vorgängers hatte ich mit dem Schlimmsten gerechnet. Doch schon die ersten Screenshots von Teil 2 und sogar der Vorspann, mit den Logos der Beteiligten, strahlen irgendwie aus: Dieses Spiel ist gut!
Keine fünf Minuten später hat sich die Ahnung bestätigt. Nach einem kurzen Tutorial, welches euch in die kinderleichte Steuerung einführt und auch später immer wieder neue Fähigkeiten erklärt, rennt , springt und klettert ihr künftig, mit einem brillant animierten Ezio durch recht detaillierte, aber leblose Level und beseitigt nebenbei die zahlreichen, umherstreunenden Wachen. Dies erledigt ihr am besten hinterrücks, mit cool inszenierten Stealth-Kills oder in offenen Schwertduellen, die meiste auf Blocken und gut bis perfekt getimte Conter-Moves hinauslaufen. Alternativ hilft eine elegante Ausweichrolle bei der Flucht nach vorn. Doch Vorsicht: In den meisten Fällen wartet der Neustart, solltet ihr zu oft entdeckt werden. Hin und wieder zündet das Spiel aber auch den Turbo und lässt euch unter anhaltendem Pfeilregen, ohne Rücksicht auf Verluste, durch Gassen und über Dächer rasen.
Auf dem Doppelbildschirmer erzählt AC II einen Handlungsstrang, der in der Konsolenversion eine zeitliche Lücke füllt und den Vorzeige-Assassinen unter anderem auf die Suche nach entführten Kollegen schickt. Die Geschichte wird dabei in Dialogen fortgeführt, die durchgehend mit sehr guter englischer Sprachausgabe glänzen. Statt Open-World-Morden, erlebt ihr unterwegs mit Nintendos Taschenspieler ein zweidimensionales Jump’n run, mit nur geringem Augenmerk auf Kampfhandlungen. Hierbei erreicht Discovery teilweise sogar Traumspiel-Qualitäten. Denn mit einer derart höllischen Geschwindigkeit durch die Gegend zu fegen und irrsinnige Spiderman-Sprünge zu vollführen ist eine wahre Pracht. Sowas hab’ ich mir schon in den Jump’n run-überschwemmten 16bit-Zeiten gewünscht. Besonders begeistert hat mich dabei die intuitive und ultra-präzise Kontrolle.
Was dem Spiel, bei aller Euphorie, leider fehlt, ist Abwechslung und Tiefgang. Zwar macht die Meuchel-Tour bis zum frühen Ende, nach acht Kapiteln, Spaß. Viel neues bekommt ihr in der Zwischenzeit aber nicht zu sehen. Eure Gegner bringen es beispielsweise lediglich auf knappe vier bis fünf unterschiedliche Exemplare. Auch Ezios Repertoire an möglichen Aktionen und das Leveldesign könnten vielfältiger sein. Assassin’s Creed II Discovery wirkt an allen Ecken und Enden extrem poliert, wie man es nur selten sieht, erscheint aber spielerisch wie der Prolog zu etwas das noch viel größer werden sollte. Die eingeschlagene Richtung ist die richtige. Für Teil 3 wünsche ich mir nur noch mehr ... von allem. Nichtsdestotrotz, gut gemacht Griptonite.
Wertung: 7/10
Ghostbusters – The Videogame
Das liebevoll gemachte Ghostbusters konnte für Konsolen und PC bei uns schon eine beachtliche 8 von 10 absahnen. Vom Chef persönlich als Fan-Wertung deklariert, aber ein deutliches Indiz dafür, dass es wohl nicht so ganz scheiße sein kann. Ähnliches trifft auch auf den DS-Auftritt der Geisterjäger zu, der – das ist sogar ein kleiner Vorteil – auf den gesichtslosen Newcomer in der Truppe verzichtet und euch aus der Vogelperspektive stets die klassische, sympathische Vierertruppe steuern lässt. Mit dieser flitzt ihr vom Hauptquartier aus im Ecto-1 zu den Einsätzen. Das Kultauto dürft ihr sogar selbst durch die Stadt lenken, was durch hakelige Touchpen-Button-Mix-Bedienung (die ich bekanntlich besonders liebe) und gnadenloses Kollisionsverhalten nur wenig Freude bereitet, was aber verschmerzbar ist, da die Wege zu den Missionen recht kurz bleiben. Die eigentliche Action, sprich Geister blastern und einfangen, wird zuweilen etwas unübersichtlich und unfair. Da die Gegner gerne mal aus dem Off angreifen und eure ganze Truppe umhauen, die dann eine gefühlte Ewigkeit braucht, um wieder aufzustehen und der Bildschirmausschnitt etwas klein und obendrein mit Symbolen und Spielelementen überfrachtet ist, sind mangelnde Übersicht und Frust an der Tagesordnung.
Allein diese Punkte, plus die Probleme der Versionen für 360 und co., wie die eintönigen Missionen, verwehren Ghostbusters die mögliche Top-Wertung, denn das rollenspielartige Gameplay-Gerüst ist beeindruckend ausgiebig. Die Charaktere haben unterschiedliche Fähigkeiten und können individuell ausgestattet werden. Venkman lockt zum Beispiel Geister an, während Egon die Entwicklung neuer Ausrüstung beschleunigt. Ganz recht, mit eingesammeltem Schleim und verdientem Geld, könnt ihr im Hauptquartier neue Waffen, Gadgets und Upgrades erforschen, die euch deutliche Vorteile verschaffen. Auch bei der Präsentation ist das Spiel sehr ansprechend. Die atmosphärische Top-Down-Optik läuft extrem sauber über den kleinen Schirm. Die authentischen Soundeffekte und der glasklar aus den Lautsprechern tönende Titelsong (der aber überstrapaziert wird), sorgen ebenfalls für Gänsehaut bei Fans der Filme, welche die gleiche Story, wie die Konsoleros bekommen, die auch hier mit witzigen Dialogen punktet. Schade, dass das eigentliche Spielgeschehen so viel vom Fun-Faktor durch die oben genannten Probleme verliert, denn Engine und Spielkonzept sind stark. Damit stellt Ghostbusters – The Videogame auf dem DS fast schon eine neue Generation von verhauenen Lizenzspielen dar: Ambitionierte Titel, die aber in der Ausführung unfertig bleiben, statt von Anfang an unmotiviert zusammengeschusterter Software, die erwartungsgemäß als kompletter Mist endet, wie ein anderer Fail-Kandidat in unserer Testrunde.
Wertung: 6/10
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Kommentare (2)
Saibot
Aber es gibt so viel Spiele im Moment, da fehlt mir für den DS irgentwie die Zeit...
War das TMNT wirklich so gut?