DVD/Blu-Ray-Check: Tales of Vesperia – The First Strike
Unser Filmbereich wird ja immer noch kontrovers aufgenommen und bevor jetzt einige von euch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, nein, wir werden zukünftig nicht alle möglichen DVD- und Blu-Ray-Neuveröffentlichungen besprechen. Doch Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Und wenn ein Film zu einer beliebten Videospielreihe nur auf den Wunderscheiben zu konsumieren ist, scheint uns das einfach naheliegend. Vor allem wenn dieser sich als überraschend gut herausstellt.
Videospielverfilmungen sind meistens Schrott. Sie atmen selten den Geist der Vorlage, verändern charakteristische Elemente bis zur Unkenntlichkeit und sind dilletantisch inszeniert. Zumindest trifft das auf die Realverfilmungen zu. Doch in den letzten Jahren erschienen auch immer mehr Anime-Umsetzungen gefeierter Game-Franchises als Direct-to-DVD-Release, die es weitaus besser verstehen Stimmung und Universum der Vorlage adäquat einzufangen, wobei es sich vorwiegend nicht um medienübergreifende Konvertierungen der Spielstories handelt, sondern um ergänzende Weiterführungen in Form von Spin-Offs, Pre- oder Sequels. „Devil May Cry“, „Dead Space: Downfall“ oder natürlich „Final Fantasy VII: Advent Children“ seien als Beispiele genannt. Sicher, echte Meisterwerke finden sich auch hier nicht. Doch die Qualität der Produktionen bewegt sich zumeist zwischen „Nicht toll, aber man leidet nicht beim Gucken.“ und „Durchaus sehenswert.“.
Worum geht’s?
Angesichts des oben gesagten könnt ihr euch vermutlich denken das es sich bei „Tales of Vesperia – The First Strike“ nicht um eine Fantasy-Zeichentrickversion von Jackie Chan's 98er „Erstschlag“ handelt, sondern um die Vorgeschichte zu „Namco Bandai's“ zehntem Teil ihrer traditionsreichen „Tales“-Reihe, der hierzulande nur für die Xbox 360 erschien. In „First Strike“ gehört der ungestüme Jungspund und Held des Spiels Yuri Lowell noch zum Ritterorden und sorgt zusammen mit seinen Kameraden, dem pflichtbewussten Flynn und den weiblichen Zwillingen Chalsim und Higasu, unter Führung des väterlichen Hauptmanns Fedrock für den Schutz der Stadt Sizontania. Diese sieht sich in jüngster Zeit durch erhöhtes Monsteaufkommen in den angrenzenden Wäldern bedroht, bedingt durch eine ungewöhnlich hohe Konzentration von Aer, der magischen Energie in der Welt von „Tales of Vesperia“. Als der Druck auf das Schutzschild der Stadt zu groß wird und die Verstärkung auf sich warten lässt, begibt sich Hauptmann Fedrock mit seiner Truppe, trotz aller Gefahren in den Wald, um der Ursache für die hohe Aer-Dichte auf den Grund zu gehen.
Ist der Film nur für Kenner des Spiels geeignet?
Aus nicht gerade prahlwürdiger Eigenerfahrung kann ich diese Frage deutlich verneinen. „The First Strike“ bietet eine in sich geschlossene Handlung, innerhalb eines sorgfältig gezeichneten Universums. Die Geschichte ist nicht so episch wie in manch anderen Genre-Werken und erzählt lediglich eine kleinere, auch nicht sonderlich originelle Episode, die in einem richtigen Rollenspiel eher einer umfangreicheren Quest entsprechen könnte. Man merkt irgendwie das man hier nur einen Ausschnitt aus einer übergeordneten Welt und deren Mythologie zu sehen bekommt. Umso erstaunlicher wie gut der Film auch ohne Vorkenntnis funktioniert. „Tales of Vesperia“ bietet ein angenehm ausgeglichenes Verhältnis aus Action, Humor und Dramatik, welches trotz mangelnder Originalität jeden halbwegs Anime-affinen Zuschauer über zwei Stunden bestens unterhalten sollte. Die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander hat man alle schon mal gesehen, doch sie sind glaubwürdig und sympathisch dargestellt, die Handlung mit ihren Ver- und Entwicklungen nachvollziehbar erzählt. Wie es sich gehört gibt es reichlich Rabbatz, mit Schwertkämpfen, magischem Feuerwerk, haushohen Monstern und dem ganzen Kram. Selbst auf eine zünftige Kneipenschlägerei hat man nicht verzichtet. Die Sequenzen wirken dabei nie aufgesetzt, sind temporeich, dynamisch und nicht allzu übertrieben inszeniert, ohne auch maßlos auszuschweifen. In den emotionalen Momenten hält sich der Film ebenfalls angemessen zurück und verzichtet weitgehend auf das animetypisch dick aufgetragene Pathos, verfehlt seine angestrebte Wirkung aber nicht und sorgt durchaus einige Male für Tüttefell und Herzenswärme. Bestreiter des Spiels erfreut das Werk zusätzlich mit Auftritten bekannter, später wichtiger Charaktere, die hier teils nur am Rande auftauchen, wie Rita oder Raven und interessanten wie gewitzten Hintergrunderzählungen (Weiß ich aus meiner vorbildlichen Recherche. Gezockt hab' ich den Titel nämlich nicht. Hähä.), etwa wie Yuri zu seinem Hund Repede kommt und weshalb dieser ständig mit einer Pfeife im Maul rumläuft.
Was bieten mir DVD und Blu-Ray?
Während es in Japan bereits mehrere Anime-Umsetzungen verschiedener „Tales“-Spiele in Serienform gibt, ist „Vesperia“ der erste Kinofilm aus der Reihe und bislang der einzige Ableger, der es auch zu uns geschafft hat. Nicht weiter verwunderlich, werden doch schon die durchgängig guten Spiele, seit ihrem Einstand auf dem Super Nintendo immer noch nur in circa jedem zweiten Fall dem Westen offeriert. Allerdings sollte die hiesige Japanimation-Fanbase eigentlich für eine Veröffentlichung ausreichen, wenn man bedenkt welch überflüssige Lizenz hier mitunter erworben wird. Da die Rollenspiel-Reihe seit jeher einen gehobenen Anime-Stil pflegt und die Produktion des Filmes von „Production I.G.“ übernommen wurde, welche für gewöhnlich auch für die Cutscenes in den Spielen verantwortlich zeichnen, gibt „Tales of Vesperia – The First Strike“ den typischen Look der Spiele perfekt wieder und bleibt ganz deren üppig koloriertem Artdesign treu, welches zwar immer sicher durchgeführt wird, mir aber ein einen Tick zu schlicht und austauschbar erscheint. Dem geschuldet ist vermutlich auch, das der Film für ein großes Leinwandabenteuer etwas zu unspektakulär daherkommt. Die Animationen sind gelungen, die Kulissen prächtig und die dezent eingesetzten Computereffekete fügen sich nahtlos ein. Alles wirkt klar und edel. Dennoch bewegt sich die Qualität eher auf gutem OVA-Niveau. Trotzdem ist „First Strike“ natürlich sehr hübsch anzusehen. Fans freuen sich ohnehin über die extreme Nähe zum Spiel. Besonderes Lob gebührt aber dem beeindruckend guten Soundtrack. Feinste Fantasy-Arragements, die selbst in der Genre-Masse einen eigenen Charakter mit deutliche Wiedererkennungswert finden und eine CD-Auswertung verdient hätten. Technisch wird die DVD der künstlerischen Klasse gerecht. Bild und Ton sind knackscharf. Jedoch bietet die Blu-Ray nur eine vernachlässigbar bessere Optik, weswegen sich die Zusatzkosten einfach nicht lohnen. Hoher Preis, wenig Fleiß ist nämlich die leidige Regel bei deutschsprachigen Anime-Releases, an die sich auch „Tales of Vesperia“ hält. Bis auf eine Handvoll, teils auch noch unpassender Trailer und einer überflüssigen Bildergalerie hatten Extras in beiden Versionen Zugangsverbot. Lediglich die Limited Edition bringt ein kleines Booklet mit. Knapp 17 bis 20 Euro sind dafür aber zuviel. Doch daran sind hiesige Anime-Fans ja bereits gewöhnt. Ebenso wie an fragwürdige deutsche Synchronisationen. Sind die deutschen Stimmen noch ganz gut gewählt, mangelt es doch deutlich an Timing und Dynamik in den Dialogen. Wie so oft ist also die lebendige japanische Vertonung, mit optionalen deutschen Untertiteln vorzuziehen. Mit der werdet ihr aber eine Menge Spaß haben.
Trailer - Tales of Vesparia: First Strike
Das sagt Johannes
Zugegeben, ich hätte auch eher damit gerechnet das „Tales of Vesperia – The First Strike“ typisch durchschnittliche Anime-Massenware wird, so weder richtig schlecht, jedoch auch nicht dafür gedacht länger als 20 Sekunden im Gedächtnis zu verweilen. Doch die Vorgeschichte zum Spiel ist nicht nur hochwertig produziert, sondern weiß auch inszenatorisch zu überzeugen. Natürlich bietet das Filmchen nichts wirklich neues. Doch die Figuren sind herzig, der Handlungsverlauf stets einnehmend und die Schauwerte abwechslungsreich. Tatsächlich hatte ich schon lange keinen so entspannten Sehgenuss mehr, bei dem alles so herrlich zueinanderpasst. „Vesperia“ findet in jedem Bereich genau das richtige Maß und bietet somit perfekte Unterhaltung, die beglückt und erfüllt, ohne dass das Gehirn vorübergehend ins Einwegglas wandern muss. Das ist auch eine Art von Kunst.
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Kommentare (3)
Ironside
Btw, ich will nen 2ten Vesperia Teil haben !!!
NEo-Shadow02
Ein Kumpel will sich alleine wegen dem Film das Spiel kaufen ^^
Henky