Dark Souls
Ihr habt Demon's Souls bezwungen?! Schön für euch. Nicht nur habt ihr euch damit unter den härtesten Hunden des RPG-Genres als würdig erwiesen, sondern durftet auch Zeuge eines überwältigenden Spielerlebnisses werden, wie es auf diesem Planeten keine Entsprechung findet. Die Zeit des Ruhms und der Bewunderung ist nun jedoch vorbei. From Software haben Dark Souls vollendet und die natürliche Auslese geht weiter. Einige Helden von einst werden diesmal auf der Strecke bleiben … garantiert.
Ihr findet diese Aussage provokant? Gut so. Denn sie ist nichts gegen die spottende Arroganz mit der Dark Souls auf euch herabblickt und euren Willen zu brechen versucht. Und ohne eine gewaltige Portion Selbstbewusstsein, Stolz und Durchhaltevermögen in der Grauzone zwischen Ehrgeiz und Masochismus wird es euch zur Aufgabe zwingen. Nun ist es fast schon ein wenig ermüdend und sicher nicht weit genug gedacht Dark Souls wie auch dessen Vorgänger nur auf seinen Schwierigkeitsgrad zu reduzieren. Es soll ja Menschen geben, die Demon's Souls gar nicht so schwierig fanden. Man könnte sie auch Übermenschen oder … Lügner nennen. Doch seid euch gewahr, Dark Souls wird die Belastungsgrenzen eures Nervenkostüms bis ins Letzte ausreizen und in nicht wenigen Fällen überspannen. From Software haben Wort gehalten und die Seelenjagd noch härter gemacht. Wer allein beim Lesen dieser Zeilen schlucken muss, kann gleich aufhören. Alle anderen dürfen sich die Haare schon mal prophylaktisch grau färben.
Normalerweise beginnt man den Test eines Rollenspiels gerne mit einer Kurzbeschreibung der Story. Doch die Handlung von Dark Souls wird für euch lange ein ähnliches Mysterium bleiben wie seine spielerischen Feinheiten. Ihr bekommt lediglich hier und da einige Schnipsel zugespielt, die das übergeordnete Universum und seine Mythologie veranschaulichen. Dark Souls legt keinen Wert auf kinoreif inszenierte Dialoge und Skriptdramatik und schafft doch eine Tiefe, von der viele andere Spiele nur träumen. Hier haben sogar die Waffen eine Geschichte. Inhaltlich gibt es dabei keine Verknüpfung zu Demon's Souls. So können sich auch die neu hinzugekommenen Xbox 360-Spieler ohne Vorkenntnisse dem sicheren Tod entgegenstellen.
Es gibt nicht viel was ihr zu Beginn wisst oder wissen müsst. Ihr seid ein Untoter, Träger des Finsterzeichens. Kein besonderer Held, sondern einer von vielen, ein Unbekannter, zum Tode verdammt. Dessen Antlitz legt ihr im abgespeckten Editor fest. Schönheiten bringt dieser immer noch nicht hervor. Euer Alter Ego hat keine Stimme oder einen individuellen Charakter. Was in anderen Spielen ein Minuspunkt wäre ist hier Teil der Erfahrung. Denn das auf dem Bildschirm ist keine aufgeblasene, stilisierte Heldenfigur, es ist die Projektionsfläche eurer eigenen Gedanken und Handlungen in der Welt von Dark Souls. Das Schicksal ist das Ziel dieser eurer ganz persönlichen Reise, an deren Ende eure Erlösung, die Erlösung der Welt oder nur ein noch tieferer Abgrund wartet. Ein zwanghafter Drang wird zu eurem Motivator. Überall ist die Hölle, permanente Bedrohung, Feindseligkeit und Unsicherheit umgibt euch und die Hoffnung auf einen besseren Ort treibt euch voran.
In Dark Souls ist der Tod meist erst der Anfang eures Martyriums. Von euch getötete Gegner überlassen euch Seelen, die wichtigste und einzige Währung im Spiel. Damit kauft und repariert ihr Rüstungen, Waffen und Items und bezahlt Attributverbesserungen. Es gibt keine Erfahrungspunkte, die euch nach und nach automatisch aufsteigen lassen. Seelen sind alles. Sterbt ihr, verliert ihr sie alle und landet am letzten Speicherpunkt. Eure bis dahin errungenen Seelen warten in einer Pfütze am Ort eures Ablebens auf euch. Das Problem: Sämtliche Gegner (abgesehen von Bossen) sind genau so quicklebendig und versessen darauf euch umzubringen wie zuvor. Springt ihr ein weiteres Mal über die Klinge, bevor ihr die Pfütze erreicht, sind die Seelen endgültig dahin.
So werden die zweiten, dritten und vierten (und zehnten) Anläufe zur eigentlichen Zerreißprobe, denn jeder noch so kleine Gegner stellt eine echte Gefahr da, jeder Fehltritt kann euren Tod bedeuten und ihr wollt euer wertvolles Gut nicht verlieren. Gleichzeitig raubt euch jeder neue Anlauf Kraft und strapaziert eure Geduld aufs Äußerste. Doch ihr dürft nie unachtsam werden, nie nachlassen. Auch wenn die vielgestaltigen Gegner immer an den gleichen Stellen auftauchen, spielt sich kein Versuch wie der vorhergehende. Und an Aufgeben ist trotz der aufsteigenden Verzweiflung nicht zu denken. Vorausgesetzt ihr schafft es immer wieder zur Pfütze und sterbt erst danach, sammeln sich beachtliche Seelenschätze an, zu wichtig, um nach all den Strapazen das Handtuch zu werfen. Eben weil jeder Tod dadurch eine solche Bedeutung mit sich bringt, entwickelt die Dark Fantasy-Schlachtplatte eine unerträgliche Spannung, die selbst das Survival Horror-Genre kaum zu liefern vermag.
Es gibt in Dark Souls drei Säulen des Überlebens. Die erste ist unermessliche Willensstärke. Die zweite ist das geniale Kampfsystem, welches man gar nicht genug loben kann. Demon's Souls-Gestählte wird die Steuerung sofort wieder in Fleisch und Blut übergehen. Das Lock-on-Feature wurde etwas verfeinert. Nach wie vor wäre aber eine Möglichkeit anvisierte Feinde durchzuschalten wünschenswert. Außerdem wurden eine paar kleine, jedoch keineswegs zu unterschätzende Extratechniken eingebaut, wie ein lässiger Fußtritt, der Gegner schon mal über die nächste Kante ins Bodenlose befördert, ohne das ihr zu viel Schwung aufbaut um gleich hinterherzufliegen. Ansonsten spielen sich die Fights so anspruchsvoll, präzise und letztlich auch realistisch wie im Vorgänger. Jeder Feind erfordert andere Taktiken. Dank der tollen Animationen könnt ihr richtiggehend in ihren Bewegungen lesen und dementsprechend darauf eingehen. Dabei sollte immer ein Auge mit der Überwachung des Ausdauerbalkens beschäftigt sein, der bei praktisch jeder Aktion sinkt, sich in Ruhemomenten aber schnell wieder auflädt. Einfluss darauf haben zudem der Konditionswert und das Ausrüstungsgewicht. Dark Souls verlangt von euch keine Shaolin-Reflexe oder das Auswendiglernen und manische Einhämmern von Button-Kombinationen, sondern lediglich genaue Beobachtung und absolute Konzentration. Nur das ideale Zusammenspiel aus Deckung, Angriff und Ausweichen führt zum Sieg. Die superb durchdachte Steuerung stellt hier das denkbar bestmögliche Werkzeug dar, um dieses Credo adäquat umzusetzen.
Sterben werdet ihr trotzdem immer wieder. Denn vor dem Sieg steht die Erfahrung. Allerdings nicht nur eure. Was uns zur dritten Säule bringt, der Gemeinschaft der Dark Souls-Spieler. Wie Demon's Souls zieht auch die aktuelle Odyssee einen weiteren großen Teil ihrer Faszination aus der ungewöhnlichen Online-Einbindung. Der Begriff „Singleplayer-MMO“ umschreibt es ganz gut. Andere Spieler, die gleichzeitig in der Welt unterwegs sind, seht ihr für kurze Augenblicke als geisterhafte Schemen umherhuschen. Viel präsenter sind Blutflecken, welche bei Berührung die letzten Sekunden im Leben eines anderen Kriegers verbildlichen und die kurzen Nachrichten die sie und ihr (ab einem gewissen Punkt) überall hinterlassen könnt. Darin kann man unbekannte Mitstreiter auf Gegner, Fallen, Geheimnisse, Taktiken und dergleichen aufmerksam machen. Allein dadurch entsteht – trotz des einsamen Weges den ihr bestreitet – ein Gefühl der Vereinigung im Angesicht des Untergangs. (mehr...)
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Kommentare (24)
Mick0474
Würde mich schon reizen. Aber wie auch im Vorspiel gesagt, braucht man für dieses Spiel viel Zeit und man muss auch dranbleiben, um sich die Wege einzuprägen. Dafür habe ich leider nicht die Zeit, denn meine Wenigkeit kommt wenn dann nur am WE abends mal zum Zocken. Schade eigentlich, denn wie gesagt juckt es mich schon.
Aber es kommt ja bald Skyrim, das ist dann wohl Nutzerfreundlicher für mich und da freu ich mich auch schon tierisch drauf.
Jace
Sollen die Gegner nicht vor dem Release automatisch schwerer sein?
Meine Hoffnung auf einen Patch der den Schwierigkeitsgrad etwas senkt kann ich wohl aufgeben (kam ja für Demons Souls auch nicht). Wenn das Gegnerniveau so schon final ist, dann gute Nacht. Da geht bei mir Frust über Lust :(
hagenNORKANOIA
das spiel ist wirklich ein arschloch! es erzählt dir nichts!
was soll ich machen, was bringen meine fertigkeiten, wo muss ich lang, wofür brauch ich menschlichkeit? KEIN PLAN!!!
muss zugeben mal kurz in eine komplettlösung gekuckt zu haben, die mir den einstieg etwas erleichtert hat! nach dem tutorial gab es nämlich zig wege, die alle zu unbezwingbaren gegnern führten (z.B. geistern: ich hau gegen den geist, NIX passiert WTF!? geist haut gegen mich INSTANT DEATH WTF!?!!??!)
gut, dass es dann aber doch einen weg gibt, der einigermaßen machbar ist! und ich komme bald hoffentlich aufgelevelt zu den anderen biestern zurück!
PS: ich bin mir nicht sicher woran es liegt, aber wenn man während des spielens einer XBL party beitritt, wird das spiel beendet und man muss vom letzten speicherpunkt OHNE online-features wieder anfangen!
is das so gewollt???? oder ein bug???
Aylon5
hehe das Fazit sprizt ja nur so von begeisterung und großen worten. kann ich aber gut nachvollziehen.
Hab da jetzt auch echt bock drauf. Aber ich habe immernoch ein halbes Demon Souls vor mir das erst mal bewältigt werden muss. Dazu muss ich mich auch ertst mal wieder aufraffen nachdem ich 15000 Seelen verloren habe aber so langsam ist der schmerz wieder vergessen.
Jace
Bin immer der Meinung der Entwickler soll sein Spiel so machen wie er es für richtig hält, aber ich finds schon sehr schade das es nicht nen leichteren Modus gibt. Von mir aus ohne Achievements oder so.
Ist nicht das ich mir das Spiel so nicht zutraue aber mir fehlt vor allem eines: Zeit!
Robot7
2happy
Alexander Laschewski-Voigt
Nee, das war der Schnösel, der den Test online gestellt hat. Also ich.
BigSM
MrXYZ
Irgendwie verstehe ich das mit den Leutfeuern immer noch nicht, wenn ich an denen raste Speichre ich und die besiegten Gegner Spawnen neu. Ok. Aber wo liegt das Problem, man geht den Weg zum Startpunkt, wo die Gegner dann Respawnt sind, ja nicht zurück. Ich glaube irgendwas verstehe ich wirklich nicht. Der Test ist aber gut und das Spiel werde ich mir Kaufen.