De Blob
Mittwoch, 08. Oktober 2008
15:16 Uhr - Seit dem Über-Jump’n run Super Mario Galaxy im letzten Jahr, gab es lange Zeit keine hochkarätige Hüpfspielkost mehr für die Wii. Böse Zungen behaupten ja auch das Genre sei tot. Doch diesen Monat leiten dennoch gleich zwei würdige Vertreter ihrer Zunft die kühle Jahreszeit ein. Den Anfang macht dabei de Blob. Und nein, bei dem Artikel gibt es keinen Schreibfehler.
Mir persönlich ist ein Spiel das de Blob heißt ja schon mal von vorneherein sympathisch. Auch das Cover der Packung sagt mir: „Das Teil ist gut!“ Keine Ahnung warum, aber irgendwie gab es zwischen mir und de Blob von vorneherein diese Verbindung. Anders als bei mir oder dem Blob aus dem gleichnamigen Horror-Film aus den 50ern bzw. 80ern, handelt es sich bei de(m) Blob aus de Blob aber nicht um ein unaufhaltsames, alles verschlingendes Monstrum. De Blob (Allein wie das klingt. Ich werde versuchen euch den Test über so oft wie möglich damit zu nerven.) ist hingegen ein selbstloser Kämpfer für Freiheit und Individualität. Chroma City, einst ein farbenfroher, dauerbedröhnt ... ähh fröhlicher Ort, wurde nämlich von der INKT-Corporation heimgesucht, die sämtlich Farbe aus der Stadt gezogen und seine Einwohner die Baulinge in – tadaa – Graulinge verwandelt hat, um so eine perfekt geordnete Gesellschaft völliger Gleichförmigkeit aufzubauen. Doch wo immer Ungerechtigkeit und Unterdrückung vorherrschen, regt sich Widerstand. Mensch, ein Satz, wie aus dem Lehrbuch für pathetisches Geschwafel, aber zutreffend. Und so macht sich auch in de Blob eine kleine Gruppe von Rebellen, mit Hilfe von de Blob auf Chroma City seine Farbe zurückzugeben und die INKT in die Flucht zu schlagen. Eine familiengerechte Anti-Faschismus-Botschaft verpackt in einem humorvollen und visuell originellem Jump’n run. Nicht sonderlich tiefgründig, aber ein weiterer Beweis dafür das Videospiele auch Kunst sein können.
Habt ihr euch das witzige Intro reingezogen und durch die übersichtlichen und von funkiger Musik unterlegten Menüs geklickt geht’s auch schon los, um in der Rolle von de Blob, einer mit Armen, Ohren, Mund und Augen versehenen Kugel aus irgendwas, die mittlerweile depressiv triste Stadt einer optischen Neugestaltung zu unterziehen. Tatsächlich erinnert das Spiel in seiner intuitiven Zugänglichkeit sofort an Nintendos Vorzeige-Serien, wie Mario oder Zelda. Mit dem Analog-Stick rollt ihr den anfangs noch durchsichtigen Klumpen durch die Levels, drückt den Z- oder A-Button auf kontextsensitiven Feldern oder Symbolen, bremst mit B und springt durch Schütteln der Wiimote. Letzteres ist mal wieder eine ziemlich sinnfreie und auf Dauer etwas nervige Zwangsunterstützung der Bewegungserkennung. Der A-Knopf hätte es zum Springen auch (besser) getan. Ansonsten macht de Blob, außer in den Menüs, ohnehin recht wenig Gebrauch von den Möglichkeiten der Wii-Steuerung. Aber lieber etwas Zurückhaltung, als eine unausgegorene Krampfbedienung. Ein paar weitere Fähigkeiten hätte der kleine Anarcho-Schmierfink aber schon vertragen können – viel mehr als kugeln, springen und Gegner zerstampfen kann er nämlich nicht. Doch das reicht erstaunlicherweise um jede Menge Spaß zu machen. Überall in Chroma City laufen kleine Roboter rum, die mit blauer, gelber oder roter Farbe gefüllt sind. Zermanscht de Blob einen von ihnen, lädt er sich mit ein paar Punkten der jeweiligen Couleur auf, sodass er fortan jedes Objekt oder Gebäude durch bloße Berührung in dieser Farbe umstreicht, was immer einen oder mehrer Punkte verbraucht, bis de Blob wieder transparent ist. Klares Wasser wäscht die Farbe allerdings sofort komplett wieder aus. Ihr müsst also ständig für Nachschub sorgen. Um Sekundär-Töne, wie Orange, Lila oder Braun zu erhalten ist es nötig die Grundfarben entsprechend zu mischen. Für Orange zum Beispiel zerstampft ihr also zuerst einen gelben Farb-Bot und dann einen roten oder umgekehrt. Das kunterbunte Einfärben der Welt sieht dabei schlicht umwerfend aus. De Blob zieht stets einen Farbstreifen hinter sich her, sodass der Fußboden nach ein paar Minuten anmutet, wie ein Jackson Pollock-Gemälde. Und zu sehen wie sich der Beton-Dschungel nach und nach in einen Regenbogenwald verwandelt ist wahrlich herzerwärmend. Allerdings hat dieses Prinzip auch seine Schattenseite. Da ihr grundsätzlich eine urbane Hochhauslandschaft in ein Gebiet aus roten, grünen und purpurnen Quadern verzaubert, entfallen beispielsweise typische Wald-, Wiesen- und Winterlandschaften und die optische Abwechslung bleibt auf der Strecke. Was das für die Aussage des Spiels bedeutet, dürft ihr euch selbst überlegen. An der innovativen Farbspielerei sieht man sich aber trotzdem nicht so schnell satt. De Blob könnte ein Titel sein, der wegen seines außergewöhnlichen und stylischen Looks noch öfter in einem Atemzug mit Spielen, wie Rez oder Okami genannt wird.
Bloßes Anpinseln von Häuserfassaden wäre auf Dauer zu eintönig. Deswegen haben eure vier Mitverschwörer spezielle Aufgaben für euch, die ihr an farbig gekennzeichneten Pfeil-Symbolen erhaltet. Dabei stellt euch jeder Charakter vor die jeweils immer gleiche Art von Herausforderung: Bif schickt euch zum Beispiel stets los, um eine Gruppe von Gegnern platt zumachen. Bei Zip sollt ihr Markierungen bis zu einem bestimmten Punkt folgen. Es gibt also insgesamt nur vier Typen von Aufgaben, die sich lediglich in Dauer, Schwierigkeit und natürlich dem zugrundeliegenden Leveldesign voneinander unterscheiden. Auch hier hätte Entwickler Blue Tongue wesentlich mehr aus Spielkonzept und Hardware rausholen können. De Blob läuft im Story-Modus grundsätzlich unter Zeitdruck ab. Wenn ihr Graulinge befreit und umfärbt oder Missionen erfüllt, die stets ihr eigenes Zeitlimit haben, bekommt ihr bis zu drei Minuten Zeit auf den Gesamtzähler gutgeschrieben. Vergeigt ihr mal eine Aufgabe bzw. schafft es nicht in der vorgegebenen Zeit, könnt ihr sie sofort noch mal starten. Der bis dahin erreichte Missions-Fortschritt bleibt dabei, je nach bestimmten Ziel – zum Beispiel, wenn ihr spezielle Objekte einfärben sollt – erhalten. Ein Leben verlieren kann de Blob nur, falls er zu lange Tinte ausgesetzt ist (Lässt sich mit Wasser abwaschen.), Angriffe von Tinti-Soldaten erleidet oder mit Fallen, wie Herdplatten oder Dornen in Berührung kommt. Wer schnell genug ist kann das Leben aber gleich wieder einsammeln. Beim Testen musste ich diesen Verlust allerdings niemals hinnehmen. Trotz stetig ansteigendem Schwierigkeitsgrad bleibt de Blob ziemlich leicht. Etwas unverständlich ist dennoch die Tatsache, dass das Spiel nur nach einem bestandenen Level speichert. Eine freie Speicher-Option bietet de Blob nicht.
Abschließend bliebe zu sagen das THQ mit de Blob einen echten Überraschungshit auf den Markt schmeißt. Zwar weicht das Spiel unter seiner erfrischenden Hülle kaum von der üblichen Betrete-Level-löse-Aufgabe-bekämpfe-Gegner-finde-Extras-verlasse-Level-Jump’n run-Formel ab. Dafür merkt man an jeder Ecke das die Entwickler wirklich mit Liebe bei der Sache waren. Hätte man jetzt noch die Steuerung etwas verfeinert (Springen, Kamera) und in Sachen Abwechslung, Missionsdesign und Nutzung der Wii-Bedienung das enorme Potential ausgeschöpft, hätte de Blob ein echtes Meisterwerk werden können. So bleibt es ein rasantes, motivierendes Gute-Laune-Spiel mit einzigartigem Setting, das auf einen genialen Nachfolger hoffen lässt.
Autor: Johannes Krohn
Bewertung
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Kommentare (5)
Werner Stelzenpop
08.10.2008 17:44 - Ich finde den Grafikstil einfach super.
6 von 7 Lesern stimmen diesem Kommentar zu.
Crimson
09.10.2008 07:35 - ausgeliehen...gespielt....gut gefunden....zurückgebracht.
alelrdings muss ich doch sagen dass es stimmt dass man spätestens im 2. level alles gesehen hat, schade...aber für wii-verhältnisse ein super spiel (hätte online witzig werden können, doppelschade).
jetzt nur mal schnell das neue wario ausleihen...shake it.
2 von 3 Lesern stimmen diesem Kommentar zu.
Zerfikka
09.10.2008 20:53 - Ist mir zu eintönig, da lieber wario zocken.
0 von 0 Lesern stimmen diesem Kommentar zu.
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