Der Pate 2
12:11 Uhr - Knapp zwei Jahre nach dem ersten Versuch seitens EA, der Filmlegende des Paten ein passendes Spiel zu bescheren, versucht man es nun mit „Der Pate 2“ erneut. Doch hat man aus den Fehlern des Vorgängers gelernt oder präsentiert man nur einen weiteren Aufguss einer überflüssigen Lizenzausschlachtung?
In gewisser Hinsicht ist bereits der Titel des Spiels irreführend: Korrekterweise sollte er „Der Pate – Das Spiel: Teil 2“ lauten und nicht nur lapidar „Der Pate 2“, was zumindest den etwas übertriebenen Eindruck erweckt, man hätte es hier mit einem Spiel zum zweiten Teil der legendären Filmsaga zu tun. Zwar wird das freie Sandbox-Spiel sanft in den Handlungsstrang um Michael Corleone und Hyman Roth eingebettet, dabei bleibt aber der größte Teil der Filmhandlung links liegen. Als Spieler schlüpft man in die frei gestaltbare Figur des Dominics, dem gleich zu Beginn des Spiels von Michael Corleone die Leitung einer eigenen Familie übertragen wird. Bis zu sieben „Mitarbeiter“ kann diese Kleinfamilie aufnehmen, die idealerweise alle Spezialgebiete besitzen, wie Sprengmeister, Sanitäter oder Techniker. Aus diesen sieben Familienmitglieder kann sich Dominic immer drei auswählen, die ihn auf seinen Touren begleiten. Ziel des Spiels ist es, ein Gebiet vollständig zu kontrollieren und den konkurrierenden Don zu vertreiben, was eine nette Umschreibung dafür ist, schlichtweg jeden Kriminellen umzubringen, der nicht das Glück hat, zum eigenen Dream-Team zu gehören.
Jedes Gebiet bietet zahlreiche Geschäfte, die darauf warten von euch übernommen zu werden. Also die Bude gestürmt, gegnerische Wachen ausgeschaltet und den Inhaber etwas unter Druck gesetzt, schon gehört der Laden uns. Gehören uns dabei zum Beispiel alle drei Bordelle des Gebietes haben wir ein „Kartell“ erobert und freuen uns über Boni, wie z.B. einen Schlagring oder eine kugelsichere Veste. Natürlich sind wir auf unserem Gebiet nicht allein, sondern kämpfen mit ein bis zwei anderen Mafia-Familien um die Herrschaft über die ganzen klein- und mittelständischen Unternehmen. Also fleissig Wachen postiert, wenn man erstmal ein Geschäft übernommen hat. Die recht stylisch einblendbare „Don“-Sicht gibt einem dabei einen schnellen Überblick, wo noch „freie“ Geschäfte sind und wo der gegnerische Don gerade zum Gegenangriff ansetzt.
Es gibt immer was zu tun - Und zwar immer das gleiche
Auf diese Weise gibt es immer wieder etwas für euch zu tun, schaltet man doch immer wieder ein neues Geschäft frei, das die Einnahmen besser sprudeln lässt. Dieses konstante Erobern von neuen Gebäuden basiert zwar im Grunde auf einem Spielprinzip, von dem schon das gute, alte Monopoly gelebt hat, bietet aber noch immer einen gewissen Reiz. Zwischendurch eingefädelte Storymissionen bieten dabei immer wieder einen kleinen Blick auf die Geschichte um Michael Corleone, lenken aber nie zu sehr von den eigenen Bemühungen ab, sich sein Gebiet untertan zu machen. Wobei Bemühungen eigentlich der falsche Begriff ist. Denn auch im Vergleich zum Vorgänger ist „Der Pate 2“ ausgesprochen einfach geworden. Eure Lebensenergie regeneriert sich sehr schnell (was die überall herumliegenden Heiltrankflaschen etwas überflüssig macht), eure Begleiter ballern fleißig um sich und lenken dabei das Feuer auf sich und wer einen Sanitäter im Team hat, ist quasi unsterblich. Der Pate 2 ist damit ein ausgesprochen einfaches und frustfreies Spiel geworden, das etwas zu offensichtlich auf Massenkompatibilität getrimmt wurde.
Damit sind dann auch eure Tätigkeiten für die ca. 15-20 Spielstunden umschrieben, die „Der Pate 2“ euch bietet. Ihr erobert Geschäfte, stellt doch Wachen ein, und sollte die mal nicht ausreichen, helft ihr persönlich bei der Verteidigung eurer eigenen Schutzgeldzahler. Habt ihr alle Geschäfte übernommen, könnt ihr zum Angriff auf die Basis des feindlichen Dons blasen, was meistens in längere Feuergefechte ausartet und mit dem anschließenden „heißen Abriss“ der gegnerischen Don-Behausung endet. Zwischendurch könnt ihr auch Jagd auf die Capos, also die obersten Hilfslakeien des Gegners machen, allerdings müsst ihr zuvor in Erfahrung bringen, auf welche spezielle Art man sie umbringen muss. Denn dieser höheren Hilfskräfte können immer nur auf eine bestimmte Art umgebracht werden, sonst erscheinen sie nach kurzer Zeit wieder auf der Bildfläche eures Fernsehers. Anbetracht der Tatsache, dass es insgesamt 5 Dons in drei Gebieten zu besiegen gibt, greift die typische Sandbox-Monotie um sich. Im Grunde erledigt ihr die immer gleichen Aufgaben nur mit veränderten Bedingen und anderer Kulisse.
Technik und Multiplayer reichen nur für Ladendiebe
Auch wenn man über die angesprochenen KI-Mängel einmal hinweg sieht, kann „Der Pate 2“ im Jahr 2009 wirklich niemanden mehr beeindrucken. Ob man sich in Miami, Cuba oder New York befindet, die Grafik der Umgebung wirkt stets verwaschen und detailarm, und auch die etwas besser ausgestatteten Innenräume hauen keinen Spieler mehr vom Hocker. Zwar wirkt alles deutlich detaillierter als im knapp drei Jahre alten Vorgänger, aber das sollte man nach einem Konsolengenerationswechsel auch schon erwarten können. Gelungen hingegen ist die deutsche Sprachausgabe, die in vielen Fällen sogar die Synchronsprecher der Filmtrilogie bietet. So bieten gerade Michael Corleone, Fredo und Tom Hagen ein für deutsche Ohren gewohntes Sprachbild, was in Michaels Fall auch etwas darüber hinweg täuscht, das Al Pacino als einziger nicht sein Gesicht zur Digitalisierung frei geben wollte. Ein weiterer Hoffnungsschimmer in der ansonsten unspektakulären Technikwüste sind die Feuereffekte und Explosionen, die der Spieler auch erfreulich häufig zu Gesicht bekommt. Weniger erfreulich sind kleinere Bugs wie Clipping und aufploppende Texturen und Gebäude, an die man sich als Vielspieler ja schon fast gewohnt hat.
Wenn man nach 15-20 Stunden mit der Kampagne durch ist, wartet eigentlich nur noch der Multiplayer. Wiederspielwert bietet die Singleplayer-Kampagne keinen. Ein richtigen Spielwert bietet der Multiplayer aber eigentlich auch nicht. Klar, es gibt wieder die Standard-Modi Deatmatch und Team-Deatmatch, aber wer will solche Spielmodi schon unbedingt im Rahmen des Paten spielen und mit etwas Glück auf ein paar Mitspieler hoffen, die vermutlich vier Wochen nach Release alle schon was anderes zocken? Da hilft es auch nicht die Rolle des Dons im Multiplayer einzunehmen, in der man nicht aktiv mitkämpft sondern seinen Team nur aus der Luftperspektive Wegpunkte setzen kann und erspielte Boni verteilt. Das erinnert etwas an der Commander-Modus aus Battlefield, macht aber weniger Spaß, weil man einfach zu passiv ist, keine wirkliche Rolle im Geschehen spielt und nur zugucken kann, während andere ihren Spaß haben. Auch „Der Pate 2“ gehört damit leider zu den Spielen, bei denen bereits im Vorfeld ein Multiplayer-Part problemlos hätte gestrichen werden können und die gewonnene Entwicklerzeit im Singleplayer-Modus besser investiert gewesen wäre.
Pro und Contra
- + Pate-Lizenz
- + Unverbrauchtes Setting
- + Motivierendes Spielprinzip
- + Tolle Synchronstimmen
- + Endlich selber Don sein
- - Schlechte KI
- - Grafik nur Mittelmaß
- - Sinnloser Multiplayer
- - Repetitives Gameplay
Fredo würde es gefallen
Denn wer nicht zu hohe Ansprüche an ein Open World-Spiel stellt, kann eine Zeit lang Spaß mit dem Paten haben. Zumindest, bis man dann in Fredos Fall schließlich auf eine finale Bootstour eingeladen wird. Liebhaber der Filme von Francis Ford Coppola brauchen das Spiel „Der Pate 2“ natürlich so dringend wie Michael Corleone eine Steuerprüfung, denn im Grunde leiht man sich hier nur Settings, Figuren und einige der deutschen Synchronsprecher. Die enorm vielschichtige Geschichte des Films, der sich dabei noch auf zwei Zeitebenen parallel bewegt, bleibt hier zum großen Teil außen vor. Stattdessen erwartet den Spieler ein typisches Sandbox-Spiel im recht unverbrauchten 50/60er Jahre Setting, bei dem es immer etwas zu tun gibt und das einem stets das Gefühl gibt, seiner eigenen kleinen Mafia-Familie vorzustehen. Ob man aber Lust darauf hat, sich als Don Dominic durch die rund 15-20 Spielstunden zu kämpfen, hängt zum einen davon ab, wie nachsichtig man über zahlreiche technische Probleme hinweg sehen kann und zum anderen, wie müde man mittlerweile dem recht abgenutzten Sandbox-Schema geworden ist, das im Grunde seit Jahren nur auf Sparflamme variiert wird. Ob jüngere Titel wie Far Cry 2, Mercenaries 2 oder Just Cause, im Grunde ist das Spielprinzip, eine kleine Welt durch das Erfüllen von noch kleineren Aufgaben zu erobern immer noch spaßig und auch die winzigen Rollenspielelemente halten den Spieler gewohnt zuverlässig bei der Stange. Und wer von diesem Spielprinzip nicht genug kriegen kann, sollte ruhig einen Blick auf „Der Pate 2“ riskieren, und den größtenteils frust- und widerstandslosen Aufbau seines Mafia-Clans genießen. Ich persönlich gehöre allerdings zur Gruppe der Spieler, die sich langsam einen Umkehr aus den mit Miniaufgaben vollgestopften Sandkastenwelten hin zu linearen, dafür aber atmosphärisch dichten und abwechslungsreichen Spielerlebnissen mit fesselnden Geschichten wünscht.
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Kommentare (9)
KING_BAZONG
Ich selbst bin vom Spiel enttäuscht. Der Einser war deutlich besser. Im 2er ist einfach diese Strategie-Komponente viel zu aufdringlich und omnipräsent. Mich stört dieses ganze Abstellen von Wachen, Hochstufen von Attributen, Ausrüsten, Anweisen usw. gewaltig im Spiel-Fluß.
Weniger wäre mehr gewesen.
So habe ich keinen richtigen Bock mehr, das Ding weiterzuführen.
Klassisch "versaubeutelt" !
War.Dog
Slipknot666
Steffen261279
Und das mit den Wachen etc. find ganz cool gemacht. Ebenso das Leute zum verteidigen schicken. Ist doch geil, muss ich nicht selbst da hin und kann solange ein anderes Milieu übernehmen.
Wertung geht völlig in Ordnung, bei den technischen Mängeln muss so ein Abzug sein!
mwolf93
Tails
Saibot
frontle
Leoneo
Aber war ja der erste Teil schon murks..., im Genrevergleich.