Destroy All Humans: Path of the Furon
15:16 Uhr - Destroy All Humans! zeichnete sich als Parodie klassischer „Sci-Fi“-B-Movies schon seit dem ersten Teil vor allem durch seinen abgedrehten Humor aus. Gedankenlesen, Hirne-Sammeln, Ufos-Fliegen und vor allem Menschen-in-Massen-Töten hat bei Pandemics Serienerstlingen auf den Konsolen der letzten Generation auch immer recht viel Spaß gemacht. Inzwischen haben wir längst die Hardware ausgetauscht und auch Destroy All Humans! hat bei THQ einen Wechsel vollzogen. Dieses Mal wurden die Entwickler von Sandblast Games auf den fiesen, kleinen Crypto losgelassen. Speziell das Thema Selbstsatire scheinen sie dabei jedoch etwas zu ernst genommen zu haben. Anders lässt sich nämlich der beste Gag des ganzen Games auf keinen Fall erklären, der schon vor dem Startmenü über den Bildschirm flimmert: „Powered by Unreal Technology“.
“Invasion of the Killerbugs“
Paradoxerweise versteht man den Witz erst, nachdem man seine Augen mit der Ingamegrafik von Destroy All Humans! gequält hat. Dann wiederum ist man aber so geschockt, dass man gar nicht mehr lachen mag. Wie es scheint, haben Sandblast Games also das Grundkonzept des Witze-Erzählens nicht verstanden. Genau so wie sie offenbar die Logik von Physik, Ursache/Wirkung und allen möglichen anderen essenziellen Bausteinen ihrer Sandboxwelt nicht begriffen haben. Wenn ich als Crypto mit meinen Telekinesefähigkeiten eine riesengroße Stahlkugel durch die Straße schubse, brettert sie durch alles und jeden einfach durch. Ohne sichtbaren Zusammenstoß, ohne gebremst zu werden, ohne irgendeine Reaktion der eigentlich ja Überrollten. Erst viele Sekunden später, wenn ich mich dem Ort des Geschehens etwas genähert habe, explodieren aus heiterem Himmel alle möglichen Autos und sämtliche vorher von der Kugel „durchglittenen“ Menschen kippen plötzlich nachträglich doch noch um. Alien-Hokuspokus oder schlicht eine Engine, die verdammt „broken“ ist? Wenn ich mir die vielen extrem hakelig aussehenden Versuche physikalische Reaktionen darzustellen so ansehe, mich dabei noch an heftige Clippingfehler und NPCs, die an jeder Ecke einfach in Objekten feststecken, erinnere, fehlt es selbst mir an genug Fantasie, um die Städte des neuen Destroy All Humans! als akzeptable Comic-Spielwiesen zu empfinden. Genauso fehlt mir der Glaube, dass THQ der Truppe von Sandblast auch nur irgendeine Form von Qualitätssicherung zugestanden hat. Erwähnte ich bereits, dass Path of the Furon bei mir auf Xbox 360 und PlayStation 3 jeweils einmal abgestürzt ist, es beim Spielen immer wieder zu starken Framerate-Einbrüchen kam und selbst die Ingame-Cutscenes von auffälligen Pop-Ups sowie stockendem Ablauf bei jedem einzelnen Perspektivwechsel geplagt sind? Man kann im Spiel jedenfalls kaum zwei Schritte gehen, ohne nicht irgendwo einen herben Glitch, eine total abstruse Physikberechnung oder eine beschämend hölzerne Animation zu sehen. Das grundsätzliche Gesamtbild von Path of the Furon gibt sich die meiste Zeit über zwar noch auf relativ ordentlichem „Xbox 1/PlayStation 2“-Niveau, angesichts der ganz und gar kaputten Darstellung des Spiels in Bewegung hätte es streng genommen aber lieber den Untertitel „Invasion of the Killerbugs“ tragen sollen. Dass es in den verschiedenen Mini-Städten des neuen Destroy All Humans! dazu noch zahlreiche Stellen gibt, an denen man sich eher wie in einem „PlayStation 1“-Game vorkommt, das mit Hilfe des PC-Emulators Bleem! auf HD-Auflösung hochgerechnet wurde, ist noch das allerkleinste Übel dieser technisch unverschämt schwachen Darbietung.
Cryptos fieseste Waffe: Mäßige Abwechslung
Dass in diesem Schmähbericht größtenteils von der versauten Technik des Spiels die Rede ist, hat einen ganz einfachen Grund: Was kann man schon groß über Gameplaymechaniken schreiben, die alle zusammen Platz in jedem Fingerhut hätten? Töte alles, mache alles kaputt oder trage Anzahl X von Objekten Y hierhin. Man kennt diese abwechslungsarme Aneinanderreihung simpler Aufgaben in einer frei begehbaren Spielwelt aus zahlreichen anderen Games. Am vergleichbarsten ist da wohl das Transformers-Filmlizenzspiel, das sich insgesamt auch qualitativ auf einer Wellenlänge mit Cryptos „Next-Gen“-Blamage bewegt. Zwischendurch rennt man sinnlos durch die Stadt und kann töten, wen man möchte. Immerhin ist man ein nahezu unbesiegbares Alien, das per Upgrades und ständig hinzukommende „Sci-Fi“-Waffen von Stunde zu Stunde mächtiger wird. Da es genug Möglichkeiten gibt, sich selbst in Windeseile zu regenerieren, hat man selbst im Kampf mit Panzerarmeen und feindlichen Ufos nie wirklich ein gesundheitliches Problem. Was nervt, ist dagegen, dass für jedes eurer Opfer praktisch auf der Stelle wieder ein Nachzügler ins Game spawnt. Es reicht oftmals schon einmal kurz in die entgegengesetzte Richtung zu blicken und schon hat man das Gefühl, das große Massaker von vor einer Sekunde hätte niemals stattgefunden. Selbst Analsonden und Ufos können für nicht mehr als höchst kurzweilige Unterhaltung sorgen. Zu unspektakulär sind die Auswirkungen ihrer Angriffe, was abermals auf die enorm veraltete Technik von Path of the Furon zurückzuführen ist. Aus The Force Unleashed, GTA IV, Saints Row 2 und Co. ist man mittlerweile dynamisch berechnete Körperbewegungen, effektreiche Explosionen und wirklichkeitsnahe Interaktion zwischen der Spielwelt und ihren Bewohnern gewohnt. Damit versäumt es das neue Destroy All Humans! elementarste Spielspaßelement seiner Zunft des Actiongenres überhaupt zu berücksichtigen. Es zieht keinerlei Register der schönen neuen „Next-Gen“-Möglichkeiten seinen Sandboxarealen Dynamik und Leben einzuhauchen, um den Spieler beim Entfesseln von Cryptos Power immer wieder mit unerwarteten Zerstörungsergebnissen und überhaupt befriedigendem Impact bei der Stange zu halten. So fühlt sich das Spiel wie ein geschmackloses Kaugummi an, das einfach nicht an Zähigkeit verlieren will. Über den Splitscreen-Mehrspielermodus möchte ich am liebsten den galaktischen Mantel des Schweigens hüllen. Von Grafik bis Gameplay ist hierbei ungelogen alles noch mal ein bis zwei Level schwächer als im Solopart. Drei stupide Spielmodi laden eure Gäste allenfalls dazu ein, sich selbst wieder auszuladen und eure Gegenwart von da an tunlichst zu meiden.
Fail of the Furon
Ok, wir haben fehlerhafte Technik und eintöniges Gameplay. Eine Wertung von maximal 2/10 wäre da doch im Prinzip unausweichlich. So ganz auf dem Niveau einer unbrauchbaren Gurke ist Path of the Furon dann allerdings doch nicht, dazu wird mit fünf ziemlich unterschiedlichen Locations zumindest szenerietechnisch zu viel Abwechslung geboten. Das Basisgameplay einer offenen, zerstörbaren Welt ist zudem auch mit dieser unpolierten, alten, kaputten Grafik nicht gänzlich zu verwüsten. Solange man seinen Charakter noch relativ störungsfrei durch die Welt wüten lassen kann, ist ein Mindestmaß an kurzweiliger Unterhaltung absolut geboten; gerade wenn man mit Jetpack, Gedankenkontrolle und Konsorten ausgestattet ist. Die vielen simplen Zwischensequenzen lassen außerdem regelmäßig ein paar Gags der gelungeneren Sorte aufblitzen, die von Cryptos hervorragender deutscher Synchronstimme auch akustisch mit der gewohnten Süffisanz zu glänzen wissen. Parodien über Sientology, Hollywood, Las Vegas und Co. gab es zwar auch vorher schon wie wertlose Aktien auf den internationalen Börsenparketts, trotzdem lacht man immer wieder gerne darüber. Ehe man nun aber einzig wegen zwei Händen voll Schenkelklopfer in den Spielehandel rennt und sein hart verdientes Geld ausgibt, kann man das lieber gleich in ein paar DVDs der ähnlich veranlagten Serien Dr. Who oder Futurama investieren. Kommt es einem auf Sandboxgameplay mit übermächtigem Charakter und viel Zerstörung an, greift man lieber zum deutlich besseren The Incredible Hulk (das trotz all seiner eigenen Schwächen immer noch viel mehr Spaß macht als Path of the Furon).
Abschließend sei ohnehin gesagt: Witze und nettes Simpelgameplay beiseite – belohnt THQ und Sandblast auf keinen Fall für diese technische „Next-Gen“-Katastrophe der ganz frechen Sorte, die garantiert nicht unwissend in diesem enorm unfertigen Zustand auf den Markt gekommen ist. Krasse Darstellungsfehler in diesem Ausmaß können von keinem guten Witz der Welt aufgefangen werden. Alleine aufgrund dieser Mutwilligkeit, dem Kunden (bzw. den Fans der Serie) ein vollkommen offensichtlich kaputtes Game zu verkaufen, kann ich im Gegenzug schon aus Prinzip nicht so wohlwollend sein und eine gnädige 4/10 für kurzweilig unterhaltendes Sandboxgameplay vergeben. Alternativen gibt es genug… und wenn ihr nur zu einem der älteren Destroy All Humans! greift.
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Kommentare (20)
MDBadHall
diger
Ja, das Spiel hat einige technische Macken, aber wesentlich weniger, als hier aufgezählt wurden. Und auch GTA IV hat reichlich Macken, die aber komischerweise nie so deutlich in den Vordergrund gestellt wurden.
Im Grunde ist das eine erweiterte GTA IV Version mit deutlich mehr Möglichkeiten und mehr Witz (zumindest wer alte 70er Jahre Sci-Fi B-Movies mag; und da scheint das Problem des Autors zu liegen!). GTA IV lag bei mir wegen Langeweile nach 3 Tagen in der Schublade, aber Destroy all humans macht mal wieder richtig Spass.
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xangor
Path of the Furon mit GTA IV zu vergleichen ist so als würde man einem Trabbi mit massiven Prduktionsfehlern einen Rolls Royce gegenüberstellen...Aber bitte: Jeder soll fahren bzw. spielen was er möchte ;-)
LtDada
Du hast natürlich jedes Recht, das Spiel gut zu finden. Aber dein Vergleich mit GTA4 ist in meinen Augen absoluter Mumpitz... Allein die beiden Spiele überhaupt zu vergleichen ist schon grenzwertig.
Ich habe die ersten beiden Teile von DAH geliebt, und mehrmals durchgedaddelt. Aber dieses Spiel hier ist wirklich eine extreme Frechheit. Nach 10 Minuten hab ich das Spiel in die Ecke gepfeffert, das werde ich garantiert nie wieder anrühren. Statt dessen werde ich mir wohl doch mal wieder die alten Teile antun.
Kann den Test nur unterstützen.
Zerfikka
Kudos
paramedic1806
Zum Spiel: Schade, mir hat der erste Teil auch sehr viel spass gemacht. Echt schade....
lord.kaka
frontle