Devil May Cry 4
15:53 Uhr - Die Actionserie Devil May Cry (von hier an DMC) begann auf Sonys PlayStation 2 im Jahre 2001 und revolutionierte das Action-Adventure Genre. Das Hauptaugenmerk lag auf der Action und die musste nicht nur wirksam sein, sondern vor allem gut aussehen. Es folgten ein enttäuschender zweiter Teil sowie ein hervorragender, wenngleich in manchen Versionen auch extrem schwieriger dritter Teil. Wie es auch schon bei letzterem der Fall war, erscheint der vierte Ableger auch auf dem PC. Wir haben uns die Windows-Variante näher angesehen und verraten, ob der Erfolg der Konsolenfassungen weitergeführt wird.
Run DMC, Run!
DMC4 startet ungewohnt sanft mit einem beruhigenden Song während der Zeremonie eines Ordens, zu dem auch ein junger Mann namens Nero gehört. Die Veranstaltung wird jäh unterochen, als der aus der Serie bekannte Dämonenjäger Dante ungebeten herein schneit und eiskalt den Anführer des Ordens aus point-blank-range niederstreckt. Das setzt eine Reihe von Ereignissen in Gang, die den Spieler ein ums andere Mal umdenken lassen. In Sachen Story war schon DMC3 weit über den seichten Vorgängern angesiedelt, aber DMC4 setzt noch mal einen drauf. Eine Vielzahl von Charakteren warten auf den Spieler, von denen kaum einer das ist, was er zu sein vorgibt. Die Ungewissheit, warum Dante tut, was er tut und die Frage, wer schlussendlich die Fäden in der Hinterhand hat und wozu, all das wird nach und nach in spannender Weise präsentiert. Für ein Game, das im Grunde nur einen Vorwand aucht, um Horden von Dämonen zu verprügeln, ist die Story schon sehr gut gelungen.Nero, my Hero
Viele Kombos sind timing-sensitiv. Reines Tastenhämmern ingt es also nicht. Drückt ihr die Angriffstaste viermal in Folge, setzt Nero zu seiner Standardattacke an. Stoppt ihr aber in der Mitte kurz und lasst die Animation durchlaufen und drückt dann wieder auf Angriff, so erfolgt aus dieser Bewegung eine neue Kombo. Mit der Schwertauflade-Taste könnt ihr wie bekannt den Teufel in eurer Spielfigur rauslassen, der eure Attacken kurzzeitig verstärkt. Ja, auch Nero ist vom Teufel besessen. Dazu gesellen sich Airkombos und die Jugglemoves. Hierfür müsst ihr eure Gegner in die Luft werfen und könnt ihn dann entweder mit eurer Handfeuerwaffe in der Luft halten oder hinterher springen und sicherstellen, dass er auch möglichst hart landet. Wer es schafft, so eine Vielzahl verschiedener Kombinationen hintereinander auszuführen, erhöht seine Stilanzeige. Euer Kampfstil wird immer bewertet und zwar von D bis hin zu SSS. Führt zu oft dieselbe Kombo aus und die Anzeige sinkt, kassiert einen Treffer und die Anzeige sinkt, lasst zuviel Zeit verstreichen und die Anzeige sinkt. Nur ein Meister des Kampfssystems kriegt die drei S zu Gesicht. Es sei denn, ihr verlasst euch auf die Automatikoption des Spiel, die das Ganze dann im Grunde für euch übernimmt. Das ist in etwa so wie ein Rennspiel mit Autopilot. Je höher eure Wertung, desto mehr Orbs erhaltet ihr, desto höher eure Gesamtwertung am Ende einer Mission, desto höher eure Seelenausbeute.Das Gameplay in DMC4 ist schnell und hart. Schleudert einen Gegner in die Luft, springt hinterher, verpasst ihm drei Schläge, zieht mit dem DevilBringer den nächsten zu euch rauf, packt ihn mit dem Dämonenarm und werft ihn wieder zu Boden, weicht dem Ritter aus, zerstört mit dem Arm seinen Schutzschild, attackiert ihn sodann von hinten mit einem GermanSuplex gefolgt von einem LowDropKick, haltet den nächsten Dämonen mit eurer Pistole in Schach und erledigt den Geist mit dem DevilTrigger. Es sieht genial aus, spielt sich absolut flüssig und man hat jederzeit die absolute Kontrolle über Nero. Die Kombos sind leicht zu lernen und das Kampfsystem ist übersichtlich und einfach zu bedienen, bietet aber genug Tiefe, um auch als Experte einige Traumkombinationen rauszuholen. Auch wenn einige Games versucht haben, den Stil des Titels zu kopieren, stylische Action fühlt sich in keinem Spiel so gut an wie in DMC.Ein wenig anders steuert sich Dante. Er verfügt über sein Schwert Rebellion und die beiden Handfeuerwaffen Ebony and Ivory. Beide kennt der geneigte DMC Fan zur Genüge. Während der Rebellion erst im zweiten Teil zu Dantes Ausrüstung gestoßen ist, begleiten Ebony und Ivory den Dämonenjäger seit seinen Anfängen. Zum Standardrepertoire gehört ebenfalls seine Shotgun, weitere Waffen erhält er im Laufe des Spiels. Zwischen allen Waffen kann Dante ingame wechseln, was ihm ganz neue Möglichkeiten im Kampf eröffnet. So mancher Gegner mag auf eine bestimmte Waffe besonders empfindlich reagieren. Wer will, kann aber auch bei Schwert und Pistole bleiben, die Kombination funktioniert eigentlich überall. Außerdem ingt er seine vier Kampfstile aus dem Vorgänger mit, die er jetzt ebenfalls ingame jederzeit durchschalten kann. Gunslinger konzentriert sich auf die Feuerkraft, Swordmaster, naja ,sollte klar sein. RoyalGuard verlagert den Schwerpunkt auf die Defensive und Trickster setzt auf Ausweichmanöver. Diese vier Stile sind nicht nur Show, manche Gegner verlangen geballte Feuerkraft, nur um dann geschwächt mit einem Schwert durchbohrt zu werden. Gekonntes Wechseln ist der Schlüssel. Davon abgesehen steuert sich Dante ebenso klasse wie eh und je. Voll aufgelevelt schneidet sich Dante wie ein Gott durch die Horden von Feinden. Wie er sich dabei anstellt, könnt ihr durch die Wahl der Waffen und der Stile selbst bestimmen.
Ein Schritt vor und ein Schritt zurück, ein Schritt vor und…
Gestatten: Gegner. Du musst mich verhauen.
Ich Boss, du nix
Devil may die
Grafisch hält das Game, was die Serie verspricht - zumindest dann, wenn man im Besitz einer entsprechend guten Hardware ist. Die Animationen sind butterweich, die Architektur ist toll designt und sehr abwechslungsreich, auch wenn man sich fragen darf, wieso die Stadt direkt an eine Festung auf einem verschneiten Berg und ein malerisches Wäldchen angrenzt. Bei all der Action auf dem Schirm gibt es niemals Ruckler oder Tearing. Effekte wie Regen, Pfützen, Explosionen oder Feuer machen sich ebenfalls sehr gut. Die Schauplätze sind in ihrer Größe etwas beschränkt und werden häufig aus einem festen Kamerawinkel gezeigt. Hin und wieder dürft ihr die Kamera selbst kontrollieren. Leider verhakte sie sich manchmal und drehte sich einfach mal sinnlos im Kreis, sodass man sie wieder manuell anhalten musste. Nervig können auch die spontanen Wechsel der Perspektive sein, vor allem, wenn euer Held ein paar Meter zurück geschleudert wird und sich wieder neu orientieren muss. Was leider Gottes bemerkt werden konnte, waren etliche Fälle von Clippingfehlern. Es mag noch angehen, wenn ein Wurf damit endet, dass der Gegner in der Wand landet, auch wenn das ärgerlich genug ist. Aber dass Dantes Schwert mit schöner Regelmäßigkeit durch seinen eigenen Umhang weht, das dürfte eigentlich nicht passieren. Ebenfalls ist schade, dass zerstörte Gegenstände wie Tische oder Stühle sofort ins Nichts verschwinden, dann aber wie von Geisterhand neu erscheinen, wenn man den Raum ein zweites Mal betritt.Absolut sagenhaft sind die Cutszenes, die in Sachen Choreografie neue Maßstäbe setzen. War schon der Vorgänger in dieser Hinsicht grandios, so hält der vierte Teil definitiv mit. Ob es die Kämpfe zwischen Nero und Dante sind oder die Vorstellungen der Bosse, man sitzt einfach gebannt vor dem Schirm. Die Sache hat leider einen kleinen Haken. Manchmal scheint es, als waren die Entwickler zu verliebt in ihre eigenen Videos. So sieht man Nero gleich zu Beginn mehrere Dutzend Dämonen plätten. Wenn man dann als Spieler endlich selbst Hand anlegen kann, darf man lediglich drei, vier üig gebliebene, traurige Gestalten abfertigen. So genial die Szenen auch immer anzusehen sind, aber als Spieler bleibt immer die Frage: Warum darf ich das nicht selber machen?Als gelungen darf man auch den Sound bezeichnen. Die Stimmen sind ganz auchbar, wenngleich die Charaktere an manchen Stellen doch arg überzogen wirken, aber das ist der typische japanische Stil. Allen voran Credo ist ein bisschen fehlbesetzt. Witzfiguren wie den Heihachi-Verschnitt aus DMC2 gibt es hier zum Glück aber nicht. Capcomtypisch findet sich keine deutsche Sprachausgabe auf den Scheiben, aber optional deutsche Untertitel. Fabelhaft ist definitiv der Soundtrack, dessen harte Rockklänge die Kämpfe gleich noch mal so episch wirken lassen. Die atmosphärischen Klänge in Kathedralen und langen Klängen verstärken das Gefühl, an einem magischen Ort zu sein. Die Kampfgeräusche sind in etwa aus den Vorgängern bekannt. Allerdings kann man den Sound der Barrieren, sowohl beim Aufbauen als auch beim anschließenden Zerspringen, nach etwa der Hälfte der Spielzeit nicht mehr hören.
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