Die Chroniken von Siala
Alexey Pehow hat mit den CHRONIKEN VON SIALA den erfolgreichsten russischen Fantasy-Zyklus der Neuzeit geschrieben. Er teilt sich den Thron mit Sergej Lukianenkow, lässt aber im Gegensatz zum Erfinder der „Wächter der Nacht“ seine Geschichte konsequent in einer archaischen Welt spielen. In Siala gibt es alles, was das Herz begehrt: Menschen, Zwerge, Elfen, Götter, Orks und viele andere mystische Wesen. Ist man einmal in diese Welt eingetaucht, dann gibt es kein Zurück mehr.
Ein Reisebericht von Mikis Wesensbitter
Der Siala-Zyklus besteht aus drei Teilen. „Schattenwanderer“ bildet den Auftakt, „Schattenstürmer“ setzt die Reihe fort und der gerade frisch erschienene „Schattentänzer“ ist der Abschluss der Reihe. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Meisterdieb Garrett,
der in der Hauptstadt des Großreiches Vagliostrien seinem Handwerk nachgeht. Er hält sich abseits der Gilden, glaubt noch an die Ehre und zieht seine Raubzüge als klassischer Einzelkämpfer durch. Als er seinen letzten Auftrag annimmt, mit dessen Erlös er sich zur Ruhe setzen will, stolpert er in ein schieres Wespennetz. Denn er gerät mitten hinein in den geheimen Kampf der Mächte. Vom König persönlich wird Garrett vor die Wahl gestellt: Entweder er schließt sich einer lebensgefährlichen Mission an, die der Rettung des Reiches dient, oder er verbringt sein Leben fortan hinter den Mauern der grauen Steine, einem Gefängnis, aus dem noch nie jemand zurückgekehrt ist. Garrett geht den Pakt ein und trifft Vorbereitungen für die Reise, die ihn in die sagenumwogene Totenstadt Rad Spine führen soll, um dort das Horn des Regenbogens zu finden. Dieses ist die einzige Reliquie, welche das Reich gegen die Eroberungszüge des Unaussprechlichen schützen kann, der seine Truppen in den Weiten des Nordlandes zum Kampf rüstet.
Garrett und seine Gefährten müssen bald erkennen, dass sie selbst im eigenen Land nicht mehr sicher sind. Nicht nur die Vorboten des Unaussprechlichen sind ihnen auf der Spur, sondern auch eine geheimnisvolle andere Macht verfolgt sie und versucht sie aufzuhalten. Aber auch den Menschen, denen sie begegnen, können sie nicht vertrauen. Und so geraten sie in Hinterhalte, müssen sich Schamanenzauber erwehren und stellen sich aussichtlosen Gefechten mit übermächtigen Gegnern. Doch sie ziehen unbeirrt weiter, auch wenn ihre Verluste immer größer werden.
Natürlich erfindet Alexey Pehow das Genre nicht neu, das Motiv der Reisegesellschaft ist im Fantasy-Roman schließlich ein Standard. Aber trotzdem haben „Die Chroniken von Siala“ ein extrem hohes Suchtpotenzial. Man braucht eine Weile, um sich in die Welt von Siala hineinzufinden, denn neben Elfen, Orks, Zwergen, Kobolden, Riesen und Ogern gibt es auch noch Zauberer, Schamanen und die unterschiedlichsten Götter. Allein die verschiedenen Kreaturen und ihre Verhältnisse zueinander und zu den Mächten von Gut und Böse zu erkunden, dauert beträchtlich lang, zudem bietet die Geschichte von Siala auch noch jede Menge Irrungen, unzählige Schlachten und wechselnde Allianzen. Gewöhnungsdürftig ist die Perspektive des Ich-Erzählers, aber hat man diese Hürde erst einmal überwunden und sich in Garretts Rolle hineingefunden, dann eröffnet diese Ego-Perspektive eine große Intensität beim Lesen. Pehow macht es zwar durch geschickt gestreute Rückblicke auch Quereinsteigern leicht, in jeden einzelnen Teil einzusteigen, aber empfohlen ist natürlich (wie bei eigentlich jedem Zyklus), mit dem ersten Band zu beginnen. Ohne zuviel verraten zu wollen, bildet Garretts Odyssey durch das Labyrinth von Rad Spine den Höhepunkt der Geschichte, denn in dieser unterirdischen Friedhofsstadt gibt es nicht nur unzählige verschiedene Ebenen, sondern lauern hier auch Gefahren ohne Ende. Rad Spine könnte auch den Rahmen für ein extrem spannendes Spiel mit jeder Menge grausiger und heimtückischer Gegner in einer ultradüsteren Atmosphäre abgeben. Lassen wir uns überraschen, ob es demnächst als Plot für ein Game dienen wird, bis dahin bleiben „Die Chroniken von Siala“ erst einmal ein höchst empfehlenswerter Lesestoff.
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