Die Siedler 7
10:23 Uhr - Nach Command & Conquer kehrt zum Anfang des Jahres auch die Siedler-Reihe wieder auf den heimischen PC zurück. Im Gegensatz zum letzten Auftritt von Kane besinnen sich die quirligen Dorfbewohner wieder auf ihre Wurzeln, ohne jedoch völlig auf diverse Neuerungen zu verzichten. Wir erzählen euch in unserem Testbericht, warum sich das Kolonistendasein lohnt!
In die Fußstapfen der (Ur-)Großeltern getreten
Von gescheiterten Experimenten wie „Das Erbe der Könige“ hat Die Siedler 7 glücklicherweise fast gar nichts geerbt: der aktuelle Ableger der beliebten Aufbau-Strategie-Reihe setzt zu großen Teilen auf das ganz klassische Spielprinzip der ersten Serienvertreter. So steht zu Anfang eines jeden Dorfes der Bau einer Holzfällerei sowie eines Steinmetzes. Sind erst einmal sämtliche Grundvoraussetzungen geschaffen, geht es weiter mit dem An- bzw. Abbau von Weizen, Gold und vielen weiteren wichtigen Rohstoffen, die zur Herstellung immer luxuriöser werdender Produkte benötigt werden. Also alles wie gewohnt? Fast, denn die Baumechanik als solche hat eine kleine Überarbeitung hinter sich: Statt jedes Gebäude einzeln zu errichten, wählt ihr eines der so genannten Hauptgebäude, zum Beispiel eine Berghütte. Selbige verfügt über drei weitere Bauslots, die der Situation angemessen verwendet werden. Befindet sich etwa eine Goldmine in der Nähe, so empfiehlt sich natürlich ein entsprechendes Goldbergwerk, um das kostbare Edelmetall abtragen zu können. Hat man sich erst einmal an dieses neue System gewöhnt und weiß instinktiv, unter welchem Hauptgebäude ein untergeordnetes Bauwerk zu finden ist, verläuft das Spiel wesentlich komfortabler. Immerhin will ausschließlich das Hauptgebilde an eine Straße angeknüpft werden. Letztere müssen auch in Die Siedler 7 wieder einmal klug verlegt werden, um straffe Produktionsprozesse und damit einen flotten Aufstieg zu gewährleisten. Dazu gehört selbstverständlich auch die geschickte Platzierung von Rohstofflagern, um den weiterverarbeitenden Betrieben keine allzu langen Laufwege zu bescheren. Verlief eine erfolgreiche Wirtschaft in vergangenen Serienablegern zwangsläufig auf einen Ausbau des Militärs hinaus, um angrenzende Konkurrenz übertrumpfen zu können, so kommen im siebten Teil auch Pazifisten voll auf ihre Kosten. Hier könnt ihr nämlich mit einer rein wirtschaftlichen Ausrichtung das Match für euch entscheiden.
Mit Siegpunkten zum… naja… Sieg eben
Wie man durch eine florierende Wirtschaft gewinnt? Die Überschrift dieses Abschnitts hat es euch bereits verraten: mit Siegpunkten! Von diesen benötigt der Spieler insgesamt drei Stück und muss sie für ganze drei Minuten halten - ohne, dass ein anderer Herrscher sie wieder wegschnappt. Siegpunkte erhält man auf unterschiedlichste Weise. Wie bereits erwähnt können ein gut ausgebautes Handelsnetz oder ein prall gefülltes Rohstofflager zum Erfolg beitragen. Darüber hinaus gibt es aber auch die Möglichkeit, mit einer riesigen Armee in Feindesland einzumarschieren (hier gilt die einfache Prämisse: wer mehr Soldaten des richtigen Typs hat, gewinnt) und die dort befindlichen Stadtsektoren dauerhaft einzunehmen. Wesentlich gewaltfreier ist der Einsatz von Novizen, die nicht nur unbehelligt durch gegnerische Gebiete marschieren dürfen, sondern durch ihre Gebete andere Siedlungen auf eure Seite predigen. Wesentlich schwieriger und langwieriger gestalten sich die diversen Quests, welche alle erdenklichen Ziele vorgeben können und ebenfalls Siegpunkte einbringen. Doch die Mühe lohnt sich: ein Punkt, der durch eine erfüllte Aufgabe errungen wurde, steht für eure Kontrahenten nicht mehr zur Verfügung und kann euch, im Gegensatz zu den eben genannten Beispielen, auf keinen Fall wieder abgezogen werden. Übrigens findet diese wohl größte Neuerung nicht nur in Skirmish-Spielen gegen die klug agierende KI Anwendung, sondern auch im Mehrspielermodus und der Kampagne. Letztere wird zunächst vor allem als lang gestrecktes Tutorial verwendet, was aber durchaus seine Daseinsberechtigung hat und Neulinge sowie Kenner in alle wichtigen Neuerungen und Spielmechaniken einführt. Das alles wird in eine nette, kleine Geschichte verpackt, in der ihr einer Prinzessin helft, auf den Thron des ihr rechtmäßig zustehenden Königreiches Tandrien zu gelangen.
Der vielschichtige Wolf im kunterbunten Schafspelz
Von der comicartigen, vor Farben sprießenden (sowie allgemein sehr schicken, aber ebenso hardwarehungrigen) Präsentation und dem locker-fröhlichen Soundtrack des Spiels sollte man sich nicht täuschen lassen: Die Siedler 7 ist verdammt komplex. Das beginnt mit dem immer weiter wachsenden Wirtschaftskreislauf, den sich ständig erhöhenden Ansprüchen der Siedlung oder dem steigenden Druck, der von benachbarten Siedlungen ausgeht und endet mit der Vergabe von materiellen Belohnungen und Prestige-Punkten, die mir weitere Ausbaustufen für mein Lager oder den Einsatz neuer Einheiten gewähren. Dazu kommt die Vielfalt an Möglichkeiten, ein Match für sich zu entscheiden. Die Vergabe von Siegpunkten kann von Partie zu Partie so unterschiedlich erfolgen, dass ein ausschweifender Blick in die Siegesbedingungen vor jedem Spiel unabdingbar ist. Das verleiht dem Titel besonders im Mehrspieler-Modus, in dem man mit bis zu vier Teilnehmern gegeneinander oder zusammen gegen die KI antritt, eine für die Reihe ungewohnte Dynamik. In den letzten Sekunden der ablaufenden drei Minuten kann einer meiner Siegpunkte vollkommen unerwartet an mein Gegenüber gehen, weil er es doch noch geschafft hat, mehr Bewohner in seine Siedlung zu locken. Dann muss ich schnell reagieren und doch auf mein eher mittelmäßig ausgebautes Militär setzen, woran ich unter Umständen scheitere. Dann kippt das gesamte Match und der Kampf geht unentwegt weiter… Grandios!
Was für einige von euch das so genannte Haar in der Suppe sein dürfte, ist der kürzlich von Ubisoft (und mittlerweile auch Electronic Arts) eingeführte Kopierschutz. Nicht nur, dass ihr ein Ubisoft-Konto eröffnen müsst; euer PC muss während des gesamten Spiels dauerhaft online sein. Da die technische Hürde heutzutage eigentlich für jeden zu bewältigen sein müsste, der es auch geschafft hat, sich diesen Bericht durchzulesen, und es während unserer Testphase zu keinerlei Problemen kam, sehen wir von einer Abwertung natürlich ab. Zudem das Spiel dank der Verknüpfung an ein Konto so oft installiert werden kann wie man möchte und eine eingelegte DVD nicht von Nöten ist!
Pro und Contra
- + erinnert an die besseren Serienableger
- + sinnvolle Neuerungen
- + dynamisches Siegpunktesystem
- + knuffige, trotzdem aber aufwändige Präsentation
- + komplexes, forderndes Wirtschaftssystem
- + packende Mehrspielerpartien
- - sehr hardwarehungrig
- - Kampagne zu großen Teilen mit Tutorial Charakter
- - u.U. nerviger Kopierschutz
Beim Siedeln sesshaft geworden
Vor dem Release von Die Siedler 7 herrschte bekanntlich eine leichte Negativstimmung, welche vor allem durch den für viele als störend empfundenen Kopierschutz angeheizt wurde. Ferner befürchteten die Fans durch die Einführung des Siegpunkte-Systems einen zu großen Bruch, die offensichtliche Fokussierung auf den Mehrspieler-Part zweifelte man ebenso an. Und jetzt? Jetzt sitzt hier ein nahezu rundum zufriedener Spieleredakteur an seinem PC und tippt diese Zeilen. Nahezu rundum zufrieden, weil die Kampagne vielleicht doch etwas weniger Tutorial-Charakter hätte haben können, vielleicht doch etwas länger hätte sein können. Abseits der hohen Hardwareanforderungen, welche für viele den hundertprozentigen Genuss der technischen Brillanz dieses Spiels verhindert, war’s das aber auch schon mit meiner Meckerei. Der Kopierschutz stört mich nicht die Bohne, ein Ubisoft-Konto besitze ich bereits (andernfalls ist selbiges schnell eingerichtet) und der PC ist so oder so dauerhaft mit dem Internet verbunden. Mit anderen Worten: ich habe während des Zockens keinerlei Unterschiede zu „normalen“ Computerspielen bemerkt. Und in dem Bereich, in dem Anno regelmäßig scheitert – ein motivierender, flotter und kurzweiliger Mehrspielermodus – trumpft das neue Siedler voll auf. Zudem stimmt auch der von Fans geliebte "W"-Faktor (nein, ich werden das offensichtliche Wort nicht ausschreiben, es nervt). Ihr könnt euren Händlern zusehen, wie sie ihre Marktkarre durch die Gegend schieben, dem Jäger beim Erlegen von Wild über die Schulter schauen und beobachten, wie der Förster einen Baum zu Kleinholz verarbeitet. Kurz gesagt: für mich ist Die Siedler 7 bislang das PC-Spiel des Jahres!
Siedler-Sammler aufgepasst: die limitierte Edition
Natürlich kommt auch Die Siedler 7 nicht um eine limitierte Verkaufsfassung herum. Selbige steht zeitgleich mit der normalen Retail-Version im Laden, allerdings zu einem Preis von ca. 60€. Welche Zusatzinhalte enthalten sind, seht ihr hier:
Exklusive Spieleigenschaften:
- Eine exklusive Map
- Castle Forge-Elemente um Siedlungen zu individualisieren und die eigene Burg weiter nach eigenen Vorstellungen anzupassen: 1 Torbogen, 2 Fenster, 1 Erker, 1 Balkon und 1 Gargoyle
Exklusive Goodies:
- Der Soundtrack zum Spiel
- Eine 16 cm große Siedler-Figur
- Eine Packung Pflanzensamen für Mais, Weizen und Gerste, die die Spieler an die Basis beim Aufbau von Siedlungen erinnern soll (Getreideanbau)
- Ein Poster mit Siedler-Charakteren im A2-Format
Mac-Version auf der Spiele-DVD enthalten
In diesem Monat wird Valves Steam für das Mac-OS erscheinen und somit vielen Publishern und Entwicklern eine Apple-Version ihrer Spiele schmackhaft machen. Blue Byte denkt schon jetzt an alle Steve-Jobs-Jünger: neben der Windows-Fassung befindet sich auch eine Mac-Ausgabe von Die Siedler 7 auf der DVD. Selbige empfiehlt kurioserweise eine Version von Snow Leopard, die es noch gar nicht gibt, trotzdem läuft das Spiel natürlich auch auf den aktuellen Systemen. Auf den Kopierschutz wird hier selbstverständlich ebenfalls nicht verzichtet.
Bewertung
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Kommentare (24)
cHaOs667
samurai
Bei Anno haben sie ja auch letzten Endes die Aktivierung rausgepatcht, mal schauen wie lange dass beim jetztigen DRM System noch dauert. Erst dann greif ich zu :X
Ragism
Stigma242
Imperator
zig
paramedic1806
Stigma242
mindVex
Stigma242