Die Tops und Flops der gamescom 2010!
Nachdem die ganzen Eindrücke der gamescom 2010 Zeit hatten, in Ruhe verarbeitet zu werden, kann nun auch eine erste Bilanz gezogen werden: Was waren die Überraschungshits der Messe, welche Spiele haben uns eher Angst gemacht? Welche Spiele sollte man unbedingt auf dem Radar haben und welche Titel können von der Wunschliste gestrichen werden? Unser Special gibt Auskunft.
Die Top 5 der gamescom 2010
Um in unsere Top 5 der gamescom 2010 zu kommen, musste uns das angebotene Produkt schon aus den Socken hauen. Spiele, die wie Diablo 3 oder Bioshock Infinite "nur" so genial sind, wie man im Vorfeld schon wusste, waren für unsere keine Überraschung mehr. So reicht auch die Tatsache, dass sich Daniel schon wieder in Fallout New Vegas verliebt hat, anbetracht seiner ärztlich attestierten Falloutsucht, nicht dazu aus das Obsidian Spiel in unsere Liste zu setzen. Aber seht selbst, was unsere Highlights der gamescom 2010 waren.
1. Nintendo 3DS
Kann man beim 3DS von einer Überraschung sprechen? Immerhin waren sich die Besucher der E3 bereits einig, dass der 3DS dank seines 3D-Bildschirms eines der größten Messe-Highlights war. Auf der gamescom konnten wir nun selbst endlich Hand anlegen und selbst als Gründer der 2D-Defense Force hat uns Nintendos DS-Nachfolger förmlich aus den Puschen gehauen. 3D ohne Brille funktioniert! Und es macht verdammt viel Spaß. Selbst wenn Nintendo nur seinen ganzen N64-Katalog noch einmal auf den 3DS bringen würde, sähen die Spiele wieder frisch aus. Das macht Nintendo aber nicht, sondern lässt stattdessen eine ungeahnte Spiele-Welle zum Launch des 3DS auf die Spieler los, inklusive vielversprechender Neuauflagen von Kult-Franchises wie Kid Icarus. Der 3DS wird damit zum Release im Frühjahr 2011 sowohl unter Hardcore- als auch Gelegenheitsspielern für den ein oder anderen ungläubigen, besser gesagt neidischen Blick sorgen. Zumindest bis man selbst so ein Teil sein eigen nennt.
2. The Witcher 2
Mit The Witcher gelang den polnischen Entwicklern von CD Projekt bereits 2007 ein Überraschungshit. Doch auch wenn das „erwachsene“ Rollenspiel vor allem dank seiner derben Sprache und Brustzurschaustellung punkten konnte, hatte es doch zahlreiche Mankos: Ein hakeliges Kampfsystem, die nervige Unterteilung in verschiedene Schwertarten, Schwächen in der Bedienungsoberfläche und andauernd auftauchende, ewig lange Ladebildschirme. Mit The Witcher 2 will CD Projekt ganz unbescheiden das schönste Rollenspiel des Jahres 2011 bieten. Und die gamescom-Präsentation wird diesem Anspruch gerecht. The Witcher 2 sieht atemberaubend gut aus und merzt dabei alle Schwächen des Vorgängers konsequent aus. Ladebildschirme wurden verbannt, stattdessen sind riesige Gebiete komplett begehbar, der Detailgrad ist dabei aber immer so hoch, wie wir ihn sonst nur aus kleinen, schlauchförmigen Leveln anderer Spiele kennen. Auch das Kampfsystem wurde überarbeitet und bietet jetzt eindrucksvolle Nahkampfattacken, die aus einem UFC-Kampf zu stammen scheinen. Das alles gemixt mit der gewohnten Unanständigkeit machen The Witcher 2 zum heißesten Anwärter auf den Rollenspielthron 2011. Schade nur, dass anbetracht der Grafikpracht eine entsprechend hübsche Konsolenversion wohl ausgeschlossen scheint.
3. Spec Ops - The Line
Yager Development präsentierten auf der gamescom mit der PC-Version von Spec Ops nicht nur einen der optisch gelungensten, sondern auch einen schon verdammt poliert aussehenden Shooter in angenehm hellem Endzeitsetting. Eine alles verbindende Oberwelt voller Sand und gleißender Sonne, unterbrochen von wunderschön designten Ruinen voller Sehenswürdigkeiten. Ein Museum mit ausgestopften Tieren und Aquarien, wunderschön malerisch ausgeleuchtet,... und doch so bedrückend, dass man am liebsten gleich jedes Fenster verschießen möchte, um etwas frische Luft reinzulassen. Bloß dass dann von außen eben auch ganz viel Sand ins Gebäude drängen würde. Und das wiederum kann man sich in den intensiven Feuergefechten zu Nutze machen. Spec Ops beeindruckte uns auf der gamescom allerdings nicht nur mit seinen überaus spannend aussehenden Deckungsballereien, sondern mit dem natürlichen Feeling seiner Schlauchlevel. Barrieren wirken in der Kulisse stets nachvollziehbar, neue Wege tun sich durch schicke Scriptevents auf und der ständige Dialog mit den K.I.-Kollegen erzeugte während der Präsentation in Köln überaus dichte Atmosphäre. Anblicke wie reihenweise erhängte Soldaten an den Straßenlaternen, Entscheidungsmomente wie die scheinbar aussichtslose Rettungsaktion unschuldiger Gefangener, die man antreten oder ignorieren kann... all das kam auf der gamescom so homogen ineinanderfließend rüber wie, genau, der Sand unter den Füßen des Spielers in der Welt von Spec Ops.
4. F1 2010
Im Vorfeld war man sich ziemlich sicher, dass Gran Turismo 5 das Rennspielhighlight der gamescom werden würde und die erlauchte Fachpresse, die uns selbstverständlich nicht mitwählen ließ, kam mit der Experten-Jury bei den Messe-Awards ja auch zu eben diesem Ergebnis. Nun, unsere Stimme(n) hätte Codemasters' F1 2010 bekommen! Flotte "Formel 1"-Rennen auf wunderschönen "EGO-Engine"-Kursen, genau so wie man das vom aktuellen Rennspiel-Meisterstudio seit der Ankündigung erwartet hatte. Nach den Anspielmöglichkeiten auf der Messe darf man sich endlich sicher sein, dass F1 2010 die Sehnsucht nach einer Rückkehr Geoff Crammonds endgültig verstummen lassen wird. Nach all den Jahren reiner Tourenwagen-, Rallye- und Off-Road-Racer ist die Formel 1 in solch technischer Hochform genau die erfrischende Abwechslung, welche sich nicht nur Hardcore-Rennspielgenrefans gewiss schon lange gewünscht hatten.
5. InVersion
Wenn man zur Präsentation eines Shooters wandert, von dem man noch nie zuvor gehört hat, freut man sich erst mal über ein gemütliches Viertelstunden-Nickerchen zwischen all den spannenden Messeterminen vorher und nachher. Und wenn dieser Shooter dann auch noch von Namco Bandai kommt... ja umso mehr! Bereits beim Anblick der extrem schicken Hauptmenü-Animation ahnte Daniel allerdings, dass hinter dem unscheinbaren Namen "InVersion" doch etwas mehr stecken könnte als nur irgendein beliebiger "Gears of War"-Klon. Nun gut, tatsächlich borgt sich die bunte Ballerei gegen Alien-Invasoren in Großstadtruinen mit seinen Gore-Effekten, dem Look der außerirdischen Truppen sowie dem Coverprinzip auf den ersten Blick das ganze Grundgerüst von Epics 3rd-Person-Shooter. Dafür garniert es dieses Konzept allerdings mit wunderbaren Physikeffekten, den ausgefallenen Spezialfähigkeiten eines Singularitys (Schwerelosigkeit erzeugen, Telekinese,...) und hinlänglich zerstörbaren Kulissen. Ideen wie Levels unter freiem Himmel, deren Schwerkraft sich im laufenden Kampf immer wieder verändert und den Spieler so plötzlich mitten in der Luft oder an Hauswänden kämpfen lässt, scheinen nicht nur für Abwechslung zu sorgen, sie sind in der gezeigten Pre-Alpha-Fassung auch noch bereits höchst stylisch in Szene gesetzt worden. - Mit InVersion ist ein technisch schon jetzt sehr vielversprechender Actionmix im Anmarsch, den man spätestens seit der gamescom-Präsentation als Geheimtipp auf der Rechnung haben sollte!
Die Flop 5 der gamescom 2010
Klar, es ist immer etwas unfair, Spiele oder Veranstaltungen anhand der vorherrschenden Erwartungshaltung zu bewerten. Aber unsere Flop 5 zeigt unsere persönlichen gamescom Enttäuschungen. Die Nominierten in dieser Liste mussten schon deutlich schlechter abschneiden, als im Vorfeld erwartet, um einen Spitzenplatz in unserem Ranking zu ergattern.
1. Die Pressekonferenzen
Knapp zwei Monate nach der E3 fällt es natürlich auch den Publishern schwer, neue oder gar spektakuläre Ankündigungen aus dem Hut zu zaubern. Aber etwas mehr hätte es dann schon sein können: Die gamescom Pressekonferenzen von Sony und Electronic Arts stellten sich als reine Zeitverschwendung heraus: Während EA logistisch zwar alles richtig machte, war das gezeigte Line-Up derart überraschungsarm, das nur die höllisch überdrehte Lautstärke noch für irgendwelche Reaktionen unter den anwesenden Journalisten sorgte. Den Vogel schoss aber Sony ab: Knapp 1,5 Stunden Anstehen bei einsetzenden Nieselregen, dazu ein Ausgabe von 3D-Brillen nur gegen Pfand und ein Sitzplatzangebot, das an die letzte Runde bei „Reise nach Jerusalem“ erinnert. Der Lohn der Mühe: Größtenteils Material, das man schon kannte oder Material, das man gar nicht kennen lernen wollte - wie im Fall von Ratchet & Clank: All 4 One. Da konnte auch kein Resistence 3 Trailer mehr die Stimmung kippen. Im nächsten Jahr also gerne auf Pressekonferenzen verzichten, wenn man nichts anzukündigen hat.
2. Gothic 4 auf Xbox 360
Ja, es fällt leicht, über die Gothic Schöpfer von Piranha Bytes zu lästern, wenn es um bugbelastete PC-Spiele geht (Gothic 1-3) oder um schlechte Konsolenportierungen (Risen), aber viel besser scheinen es die Kollegen von Spellbound auch nicht hinzubekommen. Zwar sieht deren Gothic 4 auf dem PC nicht unbedingt schlechter aus, als die Vorgänger, bietet zudem auch einige nötige Anpassungen an bekannte Rollenspielstandards (Fragzeichen für Questgeber, sinnvolle Questmaps), schießt aber bei der auf der gamescom mutig präsentierten Xbox 360 Fassung wieder den Vogel ab: Hier scheint jemand Mafia 2 den Rang ablaufen zu wollen, wenn es um eine schlampige Konsolenfassung geht. Matschtexturen, wohin das Auge blickt, Vegetation die nur zwei Meter vom Spieler reicht, ein verwaschener und unscharfer Gesamteindruck. Nein, die Xbox 360 kann wirklich mehr, als Spellbound mit Gothic 4 anbieten möchten. Auch Anbetracht von wenigen Wochen verbleibender Entwicklungszeit besteht hier kaum Hoffnung auf Besserung und wie die PS3 Fassung aussieht, möchte man sich nicht in den kühnsten (Alb-)Träumen ausmalen.
3. Crysis 2 Multiplayer auf Xbox 360
Man musste nicht erst auf die Bildschirme der PC-Spieler rüberblicken, um sich der schwachen Grafik von Crysis 2 auf der Xbox 360 bewusst zu werden. Was Crytek auf der gamescom in Hinblick auf die Konsolenversion des Shooters präsentiert haben, war allerhöchstens optischer Durchschnitt. Körnig, unflüssig, ohne Kantenglättung,... und die Pad-Steuerung wirkte auch nicht gerade auf dem Niveau von Battlefield, Call of Duty und Halo. Hier ist bis zum Release mehr als nur Feinabstimmung bei der Anpassung an die Xbox 360 nötig (die "PlayStation 3"-Version haben wir nicht gesehen), zumal Crysis 2 auf High-End-Rechnern bereits ungemein beneidenswert klasse ausschaut.
4. Red Faction Armageddon
Guerrilla feierten wir noch als den Sandkastenspaß, der Mercenaries 2 eigentlich hätte werden sollen. Bei unserer 9/10 konnten wir gar über manch eine typische Sandbox-Schwäche hinweg sehen, die wir in einem Nachfolger gerne nicht mehr dabei gehabt hätten. Volition haben jedoch anders geplant: Sie grenzen den Zerstörungsspaß in Red Faction: Armageddon weiter ein, indem sie das Setting unter die Erde verlagern und uns dort gegen Monster kämpfen lassen, die direkt aus Dead Space stammen könnten. Ruinen zerstören kann man hier immer noch, allerdings scheint dieser vorher so wichtige Aspekt nur noch eine Randerscheinung zu sein. Die Demonstration auf der gamescom konzentrierte sich jedenfalls mehr darauf im Mech oder eben anhand von typischen "Dead Space"-Spezialfähigkeiten gegen hohl anstürmende Monster anzukämpfen. Und das hat schon deswegen keine Begeisterung hervorrufen können, da Dead Space 2 so unverschämt viel spektakulärer, einfallsreicher und atmosphärischer aussieht.
5. Michael Jackson - The Experience
Michael Jackson war bekannterweise ein Fan von Videospielen. So war der Keller seiner Neverland Ranch nicht nur Hort von tausenden Film-Requisiten, sondern wies auch eine eindrucksvolle Sammlung von Spielhallen-Automaten auf. Das nun wenige Monate nach seinem Ableben mit heißer Nadel ein Tanzspiel getrickt wird, hat der King of Pop wahrlich nicht verdient. Auf der gamescom wurde die Wii-Version des Spiels gezeigt, die allerdings alles andere als beeindruckend war. Einem weißen Schattenmenschen beim Tanzen vor einer Ziegelsteinmauer zuzugucken ist nicht genau die Art von „Experience“ die man aus Zeiten von Thriller-Musikvideos gewohnt war. Wo bleiben bombastische Showeinlagen oder solche kreativ/abgedrehten Settings wie im Moonwalker-Film? Zwar sollen sowohl 360 Kinect- und PS3 Move Versionen deutlich besser aussehen, die extrem lieblos umgesetzte Wii-Version von Michael Jackson – The Experience vermittelt jedoch nur den traurigen Eindruck, als wolle die aus den recht profitorientierten Familienmitgliedern zusammengesetzte Jackson Family Foundation auch wirklich keine Geldquelle ungenutzt lassen.
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Kommentare (44)
Purpur Tentakel
Butcher78
07dohr
Ich finde die Xbox360 Version diesmal wirklich gelungen. Sieht vielleicht ein bisschen schlechter aus, aber es sieht immernoch gut aus.
Keine Ahnung, aber ihr scheint die Risen Xbox Version gespielt zu haben...
Pumpenmann
07dohr
PS: ab wann gibts endlich die längst überfällige Kommentar edit Funktion???
Pumpenmann
Minuterush
Jack Scallion
Crysis 2 sieht auf der Xbox mies aus? Jetzt können sie noch nicht mal mehr mit der Grafik punkten. Warum sollte man sich den Quark dann überhaupt noch kaufen?
Bhomas Tischler
jurista