DoA: Extreme Beach Volleyball

16.01.2007 11:46
DoA: Extreme Beach Volleyball


Als die Arbeiten an dem Xbox-Referenzprügler Dead or Alive 3 abgeschlossen waren, nahm das Team Ninja eine ausgiebige Schaffenspause. Tomonobu Itagaki höchstselbst verschlug es dabei an einen sonnigen Badeort. Hier muss der Herr und Meister über die DOA-Reihe ein Schlüsselerlebnis mit einigen Strandschönheiten gehabt haben. Ihm kam die fast schon göttliche Eingebung, ein Spiel zu machen in dem sich die DOA-Babes nicht wie sonst üblich gegenseitig verprügeln, sondern vielmehr friedlich auf einer einsamen Insel Beachvolleyball spielen und dabei ihre femininen Reize ins rechte Licht rücken. Jetzt - knapp anderthalb Jahre nach Itagaki-sans Eingebung - ist das entsprechende Xbox-Spiel fertiggestellt. Doch DOA-Fans seien gewarnt, Dead or Alive Xtreme Beachvolleyball - den neuesten Teil der Reihe - kann man nur wenigen Videospielern vorbehaltlos empfehlen und man könnte gar zu Recht die Frage in den Raum stellen, ob Tecmos Team Ninja nicht lieber gleich mit den Arbeiten an Dead or Alive 4 begonnen hätte.

Aber wie kommt es überhaupt dazu, dass sich die DOA-Damen alle auf ein und dergleichen Insel wiederfinden? Die Antwort ist recht einfach: Der aus DOA3 bekannte Kämpfer Zack hat beim Glücksspiel eine Trauminsel gewonnen, der er sogleich den naheliegenden Namen "Zack's Island" verpasst hat. Weil aber Trauminseln ohne die passende Begleitung furchtbar einsam sind, hat Zack die DOA-Mädels unter dem Vorwand auf seine Insel eingeladen, das DOA4-Turnier fände dort statt. Da die Damen ja bekanntlich immer für eine gepflegte Prügelei zu haben sind, finden sie sich auch prompt auf Zack's Island ein, nur um gleich festzustellen, dass es dort außer Beachvolleyball und nächtlichen Casino-Besuchen nicht sehr viel zu tun gibt.

An dieser Stelle kommt ihr ins Spiel: Im Storymodus übernehmt ihr die Rolle von einer der insgesamt acht Protagonistinnen. Für alte DOA-Hasen gibt es hier wenig Neues zu vermelden, einzig die dunkelhäutige Lisa ist als neuer Charakter hinzugekommen und feiert mit DOA X ihren Einstand. Habt ihr euch für eine der Badenixen entschieden, landet ihr auch sofort auf Zack's Island. Hier gilt es sich sogleich eine Partnerin zu suchen, die ihr natürlich aucht um ein standesgemäßes Beachvolleyballteam zu bilden. Zu Beginn stellt diese Partnersuche noch kein großes Problem dar, doch mit der Zeit werden die anderen Mädels immer zickiger und wollen zunächst einmal mit Geschenken besänftigt werden, die ihr gegen Bargeld käuflich erwerben könnt. Allerdings ist auch bei der Geschenkevergabe größte Vorsicht angeacht, denn jede der Volleyballerinnen hat Lieblingsfarben, Hobbys und andere Vorlieben, zu denen das potenzielle Geschenk passen sollte, damit es nicht sofort im Mülleimer landet. Aber auch wenn ihr dann eine Partnerin gefunden habt, solltet ihr diese immer bei Laune halten, denn sonst spielt diese nur halb so gut Volleyball wie sie eigentlich kann.

Diese psychologischen Feinheiten sind aber nicht das einzige Spielelement, das für ein Sportspiel sehr ungewöhnlich ist: Neben den Dating-Sim-Anleihen bietet DOA X auch noch ein komplettes Casino, dass ihr an jedem Tag eures zweiwöchigen Urlaubs zur Abendzeit besuchen könnt. Hier erfährt der Spielspaß allerdings auch schon seinen ersten Dämpfer. Neben der Tatsache, dass der Hauptreiz von Glücksspielen das Risiko ist, sich dieser aber bei einem virtuellen Glücksspiel um ein paar "Zack-Dollars" niemals einstellen kann, ist auch die Atmosphäre im Casino viel zu steril um Stimmung aufkommen zu lassen. Nur beim virtuellen Roulette stehen euch einige Mitspielerinnen zur Seite, die ihr aber nur durch ihre Stimmen bemerken könnt, alle anderen Spiele wie BlackJack, Slot-Machine und selbst Poker müsst ihr alleine spielen. Besonders Poker verliert alleine gegen den Computer jeglichen Reiz.

Aber kommen wir zum eigentlichen Volleyball-Teil: Wie bereits erwähnt bestehen die Teams Beachvolleyball-typisch aus jeweils zwei Spielern. Das ist aber auch schon fast das einzige, was das Spiel von den echten Beachvolleyball-Regeln übernommen hat. Bei DOA X geht ein Match über insgesamt nur sieben Punkte. Aufschlag hat immer das Team, welches den letzten Punkt erzielt hat. Eine Spielfeldbegrenzung gibt es nicht; ihr könntet also theoretisch den Ball ins Nirvana feuern, solange er nur jenseits des Netzes auf den Boden kommt. Wohlgemerkt theoretisch, denn so etwas lässt das Spiel gar nicht erst zu. Überhaupt hat man nicht besonders viel Einfluss auf das Spielgeschehen, da die Steuerung schon arg simplifiziert ausgefallen ist. Im Wesentlichen beschränkt sich das Gameplay darauf, im richtigen Moment einen der beiden Knöpfe A oder B zu drücken, welche euch je nach Kontext pritschen, stellen oder schmettern lassen. Die Positionierung der eigenen Spielfigur spielt nur eine untergeordnete Rolle; die Flugrichtung des Balles zu steuern ist so gut wie gar nicht möglich. Natürlich war von vornherein klar, dass DOA X alles andere als eine bierernste Volleyball-Simulation werden würde, so dass man sich durchaus mit dieser einfachen arcade-lastigen Steuerung anfreunden könnte, wenn da nicht die absolut misslungene Kameraführung wäre...

Das Spielgeschehen wird nämlich bei DOA X aus einer seitlichen Perspektive etwa auf Höhe eines der beiden Netzpfosten verfolgt. Dabei schwenkt die Kamera jeweils auf die Seite des Netzes, auf der sich der Ball befindet. Die ungewöhnliche Kameraposition ingt als einzigen Vorteil mit, dass Spieler mit voyeuristischer Ader die gut gebauten DOA-Babes jederzeit ausgiebig begutachten können, was für Team Ninja offensichtlich einige der ebenfalls daraus resultierenden Mängel überwog: Die Kameraführung erschwert zum Beispiel die Positionierung der eigenen Spielfigur für einen Block oder sorgt für weitere Frustmomente, wenn ihr einen Schmetterball schlagen müsst, obwohl weder eure eigene Spielfigur noch der Ball im Bild sind. Hier wurde die Übersichtlichkeit zu Gunsten der Optik sträflich vernachlässigt.

Leider oder vielmehr glücklicherweise sind die Volleyball-Matches recht kurz, so dass sich die Urlauberinnen auch anderen Tätigkeiten widmen können. Neben einem unsäglichen Hüpf-Minispiel, das so schlecht ist, dass wir an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen wollen, dreht sich hier alles ums Einkaufen und Sammeln. Zur Auswahl gibt es eine riesige Menge an Accessoires, Bademoden und sonstigem Tand, den man in mehreren Shops erwerben und zur eigenen Sammlung hinzufügen oder als Geschenk einpacken lassen kann. Hier sind vor allem Spieler mit femininer Ader gefragt, die ihre Spielfigur in eine Art virtuelle Barbie-Puppe verwandeln und mit dieser die zahlreichen Kleidungsstücke und Accessoires anprobieren können.

Neben dem "Urlaubs-Modus" kann man natürlich auch einfach so eine Runde Volleyball spielen. Unter der Menüoption "Play Volleyball" verbirgt sich auch der Multiplayer-Modus, welcher leider ebenfalls recht unausgegoren daherkommt. Zwar kann man hier die Anzahl der für einen Sieg nötigen Punkte bis auf 15 erhöhen, aber neben dem Fakt, dass das Gameplay genauso dünn ausgefallen ist und unter den gleichen Kameraproblemen leidet wie im Story-Modus, vermiest auch die Tatsache den Spielspaß, dass der Mehrspieler-Part völlig unverständlicherweise auf nur zwei Spieler beschränkt ist und nicht einmal ein Co-Op-Spiel gegen zwei CPU-Gegner möglich ist.

Nicht verstecken muss sich die Grafik von DOA X: Genau wie DOA 3 ist auch DOA X ein echter Hingucker und lässt einen Großteil der Konkurrenz ziemlich alt aussehen. Hochauflösende Texturen, detaillierte Modelle und lebensechte Animationen machen zusammen mit realistischen Wassereffekten DOA X Beachvolleyball zu einem der grafisch schönsten Titel auf der Xbox. Einzig gelegentliches Flimmern stört etwas den guten Gesamteindruck in diesem Bereich. Wesentliche grafische Verbesserungen gegenüber dem Prügelspielvorgänger sind uns aber nicht aufgefallen. Auch beim Sound hat Team Ninja gute Arbeit geleistet: Der Soundtrack ist eine Mischung aus Reggae, Ska und Pop-Musikstücken und sorgt für eine perfekte Urlaubsstimmung. Auch die Einbindung von Soundtracks von der Festplatte ist möglich. Auf eine deutsche Sprachausgabe wurde leider verzichtet, so dass man mit der allerdings recht gut gelungenen japanischen Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln leben muss.

„Schön und hohl“

(Meinung » Wolfgang Ophagen)

Gemeint ist in dem Fall kein allseits bekanntes deutsches Supermodel, sondern leider der neueste Teil der DOA-Reihe. Die grundlegende Idee eines Beachvolleyball-Spiels mit den beliebten Protagonistinnen der DOA-Reihe war keineswegs schlecht. Sega hat mit Beach Spikers auf dem Gamecube gezeigt, dass dieser Sport durchaus die ein oder andere Videospiel-Inkarnation verdient hat. Der Sexappeal den die DOA-Damen zweifellos auf einen Teil der männlichen Videospieler ausüben, sollte sein üiges tun, um dem Titel zu guten Verkaufszahlen zu verhelfen.

Doch vor lauter Voyeur-, Sammel- und Dating-Elementen wurde wohl der wichtigste Teil des Spiels, nämlich das eigentlich Beachvolleyball sträflich vernachlässigt. Zwar kommt, wenn man sich an die unterirdische Kameraführung gewöhnt hat, durchaus kurzfristig Spielspaß auf, doch das arg simplifizierte Gameplay sorgt hier nicht gerade für Langzeitmotivation. Auch der Multiplayer kann diese Tatsache nicht ändern, da er mit nur maximal zwei Spielern und ohne Co-Op-Modus daherkommt. Wer einmal Virtua Tennis im Co-Op gespielt hat, weiß wieviel Spaß ein solcher Modus machen kann. Umso unverständlicher, dass dieser von Team Ninja weggelassen wurde.

Wer seinen Sammeltrieb ausleben möchte oder sich den Eintritt ins Freibad nicht leisten kann, um dort seinen voyeuristischen Neigungen nachzugehen, dem kann man DOA Xtreme Beachvolleyball vielleicht empfehlen, alle anderen sollten lieber auf das Xbox Live-fähige Outlaw Volleyball warten.

„Sand im Getriebe"

(Meinung » Sebastian Philipp)

Ich kann nicht sagen, dass es mich wundert. Schon lange, bevor die attraktiven Mädels aus dem Dead or Alive-Franchise ihren Beachvolleyballauftritt bekamen, wurde das Spiel kräftig vermarktet. So gab es immer wieder neue Screenshots mit heißen Posen, die vor allem bei den männlichen Spielern das Blut aus dem Kopf in andere Körperteile treiben sollten. Vom eigentlichen Spiel bekam man dafür fast gar nichts zu sehen. Ob das daran liegt, dass die Entwickler von Tecmo selber wussten, dass es darauf nicht ankommt oder ob man einfach mit Scheuklappen den Text "Sex sells" vor Augen hatte, weiß ich nicht. Doch angesichts der japanischen Wurzeln wäre gar nichts dagegen einzuwenden, dass die Hauptlast des Spiels im Shoppen der Mädels liegt, beim Räkeln im Sand oder dem regen Austausch mit Freundinnen, um ihre Gunst zu gewinnen.

Dass man dies allerdings schon fast dilletantisch umgesetzt hat, ist äußerst schade. Da gibt es etliche Accessoires, die gar keinen, aber auch gar keinen Einfluss aufs Spiel haben, wer sich einmal intensiver mit den Mädels beschäftigt hat, schenkt denselben Personen immer wieder dieselben Items, um sie zu besänftigen und die "Vielzahl" der "sexy Animationen" lässt selbst den heißesten Südländer schnell wieder unter die Bettdecke kriechen. Frei nach dem Motto "Es wird schon keiner merken" wurde ein Spiel zusammengeschustert, das letztendlich weder Beachvolleyball-Fans noch Dating-Fetischisten zufrieden stellen kann. Verständlich ist es, dass man bei all der Vorfreude nur äußerst schwer eingestehen kann, dass Dead or Alive Xtreme Beachvolleyball in vielerlei Hinsicht ein Blender ist.

Das Spiel eignet sich, um seinen Freunden zu zeigen, welche Grafik so eine Xbox zu leisten vermag und wer schon in der frühen Menschheitsgeschichte eher Sammler als Jäger war, den mag es auch erfreuen, dass es eine Vielzahl von Bikinis und kleinen Accessoires gibt, die jedes Mädel in der Handtasche verstauen kann. Auch das Kasino mag für ein oder zwei Tage begeistern, danach fehlt mir dank spärlicher Präsentation aber auch hier die Motivation. Und was lernen wir aus dem Spiel? Die Protagonisten von DOA können sich definitiv besser verprügeln als shoppen. Alice Schwarzer wäre stolz darauf.

Bewertung

DoA: Extreme Beach Volleyballxbox

0/10

Alexander Laschewski-Voigt

Der gelernte Industriekaufmann probierte sich im BWL-Studium aus, um dieses dann allerdings zugunsten einer Xbox-Website namens AreaXbox vorzeitig zu beenden. Seitdem steht er als Chefredakteur auf der Kommandobrücke der MS AreaGames. Der bekennende US-Serienfan legt am liebsten Renn- oder Rollenspiele in seine Xbox 360. Zu den Alltime-Hits seiner mit dem C64 begonnenen Spieleleidenschaft gehören Deus Ex, System Shock 2 und die Wing Commander-Reihe.