Dr. Kawashimas Körper- und Gehirnübungen
Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg - Wer einen dermaßen langen Namen aufgebrummt bekommen hat, kann im Alltag sicherlich gut und gerne auf einen erschummelten Doktortitel verzichten. Dr. Kawashima hätte es in einem solchen Fall deutlich schwerer, steht sein Name in der Form doch längst als wiedererkennbare Marke einer hocherfolgreichen Spieleserie auf mehreren Millionen Verkaufsboxen. Seit kurzem gibt es das populäre Casual-Denktraining auch für Kinect. Unser Test dazu ist beileibe keine Dissertation geworden, dafür aber auch gänzlich plagiats- und irgendwie auch begeisterungsbefreit.
Macht reif für den Augen- und Ohren-Arzt
Die Hand/Augen-Koordination war schon immer etwas, das gerade passionierte Shooterspieler angeblich ganz herrlich im täglichen Umgang mit ihrem Hobby trainieren. Gleichzeitig sagt man Ballerspielen gemeinhin aber auch nach, dass sie ihre Spieler mit der Zeit verblöden lassen würden. Also habe ich mir Dr. Kawashimas Körper- und Gehirnübungen in meiner utopischen Vorstellung des perfekten Zockerlebens als den ultimativen Gegenpool zum Großteil meiner sonstigen Videospiele-Aktivitäten ausgemalt. Eine halbe Stunde Dr. Kawashima am Tag und die Natur verzeiht mir meine Actionsünden, so in etwa dachte ich mir das. Es hat nicht mal fünf Minuten gedauert, da hatte ich beim Testen von "Körper- und Gehirnübungen" allerdings schon den lauten Verdacht, dass ich dieses Spiel kaum täglich ertragen können würde. Eine absolut nervtötende Menümusik und schreckliche Wiederholungsschleifen-Soundeffekte beim Erscheinen der Texte im Spiel, anstelle einer vollwertigen Synchronisation, gehen mit absoluter Simpel-Präsentation ohne nennenswerte Spezialeffekte einher. Nach jedem einzelnen Minispiel muss ich mich wieder durch mehrere Menüpunkte manövrieren, wobei die Kinect-Erfassung leicht fummelig ist... und all das für nicht mehr als 20 Spielvarianten, die sich im Wesentlichen alle sehr ähnlich sind. Wie soll ich mein Gehirn überhaupt erst zum Training motivieren, wenn die Präsentation von Dr. Kawashimas neustem Spiel all meine neuronalen Mechanismen zum Schutz vor qualitativ minderwertigen Einflüssen aktiviert?
Drill Sergeant Kawashima
Die "Dr. Kawashima"-Spiele für den Nintendo DS haben ihre sehr breite Zielgruppe stets fantastisch bedient. Die helle, aufs Wesentliche reduzierte Präsentation passte super zum modernen Lifestyle-Image des Handhelds (laut Werbekampagne) und das Spielprinzip bot eine tolle Mischung aus Entspannung und Kopf-Arbeit für Zwischendurch, an der wirklich jedermann seine Freude finden konnte. Verschiedene Minispiele regen dabei die Kombinations- und Gedächtnisfähigkeiten des Gehirns an, je nach Schnelligkeit und Korrektheit der Eingabe ermittelt die Software dabei ein "Geistiges Alter", das sich im Zuge des wiederholten Spielens bei steigendem Schwierigkeitsgrad immer weiter verbessern lässt. Die von der Grundfragestellung her immer recht simpel gehaltenen Rechen- und Logik-Aufgaben von Dr. Kawashima regten DS-Besitzer aller Altersstufen zum gemütlichen, fordernden, jedoch nie frustrierenden Knobeln an.
Auf der Xbox 360 schafft es das Franchise jedoch nicht, diese Form der Ausgeglichenheit herüberzubringen. Die allgemeine Aufmachung des Spiels hat nun viel mehr Gameshow-Charakter, ob man sich nun alleine oder kompetitiv an einer Konsole auf das magere Minispiele-Angebot stürzt. Selten zugunsten des von diesem Label eigentlich gewohnten "Dr. Kawashima"-Feelings: Bei so gut wie jeder Rechenaufgabe sitzt einem nun beispielsweise eine enge Zeitbegrenzung im Nacken. Schafft man es nicht, innerhalb dieser zum korrekten Ergebnis zu kommen, erhält man vom Spiel keine Chance mehr, zuende zu rechnen. Ich frage mich: Sollte es nicht Sinn der Sache sein, sich auf dem Anfängerlevel alle Zeit der Welt nehmen zu dürfen, um den Lösungsweg zum Ergebnis trainieren zu können, damit man letztendlich schneller wird? Wie soll ich eine komplexere Aufgabe beim nächsten Versuch besser bewältigen können, wenn ich mir bis zum Ablauf des Timers gerade mal die Rechenformel zuende durchgelesen habe? - Mit dieser Problematik bricht sich Dr. Kawashima (auf sein neues Spiel bezogen...) hier selber das Genick, speziell da es um ein Kinect-Game mit Ganzkörpersteuerung geht.
Das Spiel sagt mir andauernd "Ätsch, du bist zu dumm in Mathe" oder "Haha, du kannst deine Hände nicht koordinieren, VERSAGT!", ohne echte Trainingsmöglichkeiten anzubieten, zum Weitermachen zu motivieren oder einfach nur... ja, für Spielspaß zu sorgen. Das Einzige was es erfolgreich schafft ist, dem Spielprinzip der Serie jede Menge Hektik und schon auf dem unausgeglichen konzipierten Anfängerlevel eine große Portion unbequemen Druck hinzuzufügen, den sich ein Titel mit allenfalls durchschnittlicher Kinect-Umsetzung überhaupt nicht leisten kann. Die direkte Kontrolle des Xbox 360 Avatars auf dem Bildschirm macht weitesgehend einen soliden Eindruck, gerade auf höheren Anforderungsstufen verlangt "Körper- und Gehirnübungen" jedoch ein hohes Maß an Präzision, das durch die hier gebotene Integration von Kinect nicht geboten wird. Die Steuerung, bei der man zumeist die Hände und Arme einsetzt, ist keine Gesamtkatastrophe, in Verbindung mit dem Zeitdruck der meisten Minispiele sorgt jede unbeabsichtigt durchgeführte Aktion im Spiel allerdings für besonders großen Frust. Gerade hierfür ist das Motion-Gaming von Dr. Kawashima dummer Weise extrem anfällig. Wenn ich mit Zahlen nummerierte Ballons in aufsteigender Reihenfolge zerschlagen soll, mein größtes Problem dabei aber die technische Synchronität meiner realen und meiner virtuellen Hand ist, wünsche ich mir spontan - genau - einen DS mit Stylus herbei. Tatsächlich wäre auch so gut wie jede Aufgabe der "Körper- und Gehirnübungen" problemlos, ja eigentlich viel besser, mit dem kleinen Plastikstift zu bewältigen gewesen. Richtiger Körper-Einsatz wird dem Spieler kaum abverlangt. Meist knobelt man im Kopf eine Lösung herbei und wählt diese dann mit eher maginalen Bewegungen auf dem Bildschirm aus, ohne sich physisch nennenswert anstrengen zu müssen.
Schon auf Seite 2 erfahrt ihr Wertung und Fazit zu Körper- und Gehirnübungen... bevor ihr uns beim Lesen einschlaft.
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Kommentare (14)
MuddaTui
Mal im Ernst: Wie kommt man überhaupt auf die Idee ein DS Spiel auf die Xbox zu transportieren??? Abgesehen mal von den übertrieben hohen Anforderungen und den wohl unüberwindbaren Zeitvorgaben: Kein Xboxler (verzeiht mir den Ausdruck, wenn er falsch ist) würde sich für den horrenden Preis von 60,-€ sowas zulegen! Und nur für mal kurz so zwischendurch scheint es ja auch nicht wirklich geeignet zu sein. Ich könnte mir das als Familienspiel für die Wii schon eher vorstellen. Da wäre dann eher ein Publikum da.
Sascha Ruess
@Areagames:
Mal ehrlich: Wollt Ihr nicht mal halbwegs zeitnah die wirklich interessanten Titel testen, statt
immer dieses langsam langweilig werdende "Wir sind anders"-Image aufrecht zu erhalten??
MuddaTui
Daniel Pook
Sorry, dass wir die Spiele auch so lange testen, dass wir ein sachgemäßes Urteil abgeben können. Jede Publikation muss selber wissen, ob es bei Tests ein wichtiger Faktor ist, unbedingt am schnellsten einen Artikel online zu haben. Bei uns zählt eine guten Gewissens geformte Meinung einfach mehr als Zwang zur Schnelligkeit. Dieser Test hier hat übrigens in keinster Weise die Arbeiten am Test zu Killzone 3 behindert, denn den schreibt Alex. Und wenn er sich mit der Wertung noch nicht sicher ist, schreibt er daran vielleicht auch noch bis nächsten Monat. :P
Du kannst dich jedenfalls darauf verlassen, dass ein Toptitel wie Killzone 3 bei uns nicht wegen Dr. Kawashima in die Warteschlange gestellt wird. Auch wenn es für dich total unvorstellbar zu sein scheint, dass ein Redakteur an einem weniger aufwändigen Test zu Dr. Kawashima schreibt, während der andere mit Killzone 3 beschäftigt ist...
Kritik wäre manchmal echt sinnvoller, würde der Autor sich dabei erst mal die Zeit zum Nachdenken nehmen, welche wir uns auch für die Einschätzung der von uns getesteten Spiele nehmen. Ehrlich. :)
Naed
Butcher78
Kinect ist mein Must Have für 2011 ....... not !
Grendel
Butcher78
blueeye
Alex und Daniel haben auch schon desöfteren im podcast erwähnt, dass dieses Jahr die PS3 wahrlich auch viel zu bieten hat.