Dragon Age 2
Die ersten 100 Stunden in Ferelden wurden mehr schlecht als recht überwunden. Ein Bastard sitzt jetzt auf dem Thron, der Hauptcharakter beißt (nachdem er fast die gesamte Party in seinem Zelt vernascht hat) ins Gras und der Spieler sitzt nach dieser epischen Reise vor den Credits und fragt sich: Wie geht es weiter? Und BioWare antwortet mit Dragon Age 2. Blutiger, actionlastiger und schnörkelloser versucht der Nachfolger gerade die Konsolenspieler zu bedienen. Doch des einen Freud ist des anderen Leid …
Deine Mutter spielt in Dragon Age 2
Der Erzdämon ist tot, lang lebe der König! So in etwa könnte man Dragon Age: Origins zusammenfassen. Nachdem wir in Teil 1 die Welt von Ferelden wieder in Ordnung gebracht haben, indem wir die Dunkle Brut in ihre Höhlen zurückprügelten, stellt sich in Teil 2 heraus, dass die Welt nicht nur aus der riesigen Stadt Denerim, Orzammar, den Zirkel der Magi und den Brecillian-Wald besteht. Nein, es gibt auch Städte wie Kirkwall (hat nix mit dem geschätzten Kapitän der Enterprise zu tun). Und in gerade die flüchtet sich der „Champion“ wie er ehrfurchtsvoll genannt wird. Warum ein Champion flüchtet? Nun, weil er zu dem Zeitpunkt, als er aus der Stadt Ostagar(bekannt aus Teil 1) flüchtet, noch gar kein Champion ist. IHR müsst ihn nämlich zu einem solchen machen (bitte nicht mit der Klasse „Champion“ aus Teil 1 verwechseln – wir halten den Namen auch für etwas unglücklich gewählt). In seinem Flüchtlingstreck befinden sich neben seiner Mutter, die Schwester Bethany und sein Bruder Carver. Das erzählen wir euch deshalb, weil einer der drei bei dem Aufeinandertreffen mit einem Oger sprichwörtlich den Kürzeren zieht und ein Kopf kürzer gemacht wird. Ja, leider muss die arme Bethany dran glauben und wer trägt an allem die Schuld? Natürlich, der Champion in spe! Die erste Krise zwischen Mutter („Tu doch was“) und Carver („Tu doch was“) ist damit vorprogrammiert.
Doch bevor wir zu solch dramatischen Familiendramen kommen, die demnächst in X-Diaries auf RTL II laufen, müssen wir uns einen Helden erschaffen. Wie in Teil 1 kann man an seinem Alter Ego all seine Minderwertigkeitskomplexe auslassen und ihn so gestalten wie man selbst schon immer sein wollte. Neben Aussehen soll er natürlich auch „Klasse“ haben. Davon gibt es drei Stück, die auch schon aus dem Vorgänger bekannt sind, sprich Krieger, Schurke und Zauberer. Die lassen sich dann je nach Skillung noch einmal in zwei bis drei Subklassen unterteilen. Zu Spielbeginn bedient sich BioWare eines Kniffes, der aus Spielen wie Metroid bekannt ist: In der ersten Sequenz, die von eurem Partymitglied Varic erzählt wird, seid ihr wahrlich ein Champion – denn für die jeweils ausgewählte Klasse sind die meisten Fähigkeiten freigeschaltet. Als Zauberer (dafür haben wir uns jetzt einfach mal entschieden) zaubern wir hübsche Flächenzauber gegen die Dunkle Brut auf den Bildschirm, während uns das Spiel die Grundlagen per Tutorial- Einblendungen beibringt. Mit dieser Allmächtigkeit ist dann aber ziemlich schnell Schluss und wir müssen uns als stinknormaler Flüchtling nach oben dienen. Dienen ist dabei ein gutes Stichwort, denn in Kirkwall angelangt sind wir nur einer von vielen Ostagar-Obdachlosen. Um überhaupt hereingelassen zu werden, müssen wir unsere Dienste für ein Jahr entweder an Söldner oder Assassinen verdingen. Keine Angst, der Spieler muss kein ganzes Jahr Riesenratten aus Küchen vertreiben oder 10 Schinken vom nahegelegenen Bauernhof zum Metzger eskortieren. Dragon Age 2 überspringt dieses Jahr einfach durch eine kurze Ladepause (die Ladebalken echt einen Design-Preis verdient) und wir stehen mit unserer Truppe am Eingangstor von Kirkwall – bereit die Welt zu retten.
Die Würfel singefalln !!!
BioWare unterstützt den Spieler dabei durch viele „Verbesserungen“, die Dragon Age 2 deutlich temporeicher werden lassen und weniger dazu anhalten über gewisse Vorgehensweisen nachzugrübeln. Die Kämpfe laufen deutlich flotter ab und sind darauf angelegt den Spieler ständig unter Strom zu halten. Am Beispiel des Magiers erkennt man WIE flott die Schlachten jetzt ablaufen. Während man in Teil 1 mit einer Feuerrate von einem Energieschuss pro Sekunde zufrieden war, kommt der angeberische Nachfolger mit 5-6 Stößen pro Sekunde daher. Auch die Attacken der Nahkämpfer wurden auf Coolness getrimmt und wirken – je nach Charakter wie aus Devil May Cry oder Soul Calibur. Die Manöver sind dabei so spektakulär wie effektvoll. Mächtige Bodenwellen, Wirbelstürme (der Barbar aus Diablo II lässt grüßen) und Schildattacken lassen teilweise vergessen, dass im Hintergrund immer noch die berühmten Würfel fallen. Die Magierkaste lässt sich ob dieser Manöver natürlich nicht lumpen und zieht mit den bildgewaltigsten Zaubersprüchen in die Arena. Neben dem übermächtigen „Zermalmenden Gefängnis“ „zaubert“ uns die Todeswolke oder der Feuersturm immer wieder ein Lächeln auf das Gesicht – sei es wegen der Resultate oder einfach nur weil es „so schön“ aussieht. Die einzigen, die wie immer die Langweiler-Fraktion bilden, sind die Bogenschützen. Klar, wie will man einen Pfeil auch spannend gestalten? Vielleicht wollen sie aber auch nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, denn wie in Dragon Age Origins, World of WarCraft und anderen Genrekollegen spielt „Aggro“ eine wichtige taktische Rolle in den Kämpfen. Klar, dass besonders mächtige Attacken die Gegner dazu anhalten, den Urheber dieses – aus ihrer Sicht – eher unerfreulichen Feuerballs mit Vorliebe anzugreifen. Einen Tank, der mächtig Aggro zieht und enorm viel einsteckt, sollte also jeder erfahrene Spieler mit in seiner Party führen. Gerade im späteren Verlauf von Dragon Age 2 ist diese Rolle wichtig, denn die Attacke eines ausgewachsenen Drachen überlebt kein“ Stoffi“ – also Zauberer.
Ihr merkt also, dass trotz der temporeichen Schlachten, das Taktikelement weiterhin eine wichtige Rolle spielt. Neben der Möglichkeit seine Mitstreitern per Voreinstellungen im Taktikmenü auf jede Situation gebührlich einzustellen, darf man auch wieder die Zeit anhalten – und im Gegensatz zu den ganzen Shootern kostet das keine Energie. Dieses Feature sollte trotz der Entwicklervideos, die zeigen, dass man Dragon Age 2 auch „so“ spielen kann immer brav genutzt werden, da man nicht immer alles im Blick haben kann und gewisse Situationen mit „diesem einen Zauber“ stehen und fallen. Sollte man z.B. in der Hitze des Gefechts mal übersehen haben, dass eine Arkane Bestie auftaucht und einen Blitzzauber wirkt, dann kann man fast schon wieder einen alten Spielstand laden (Kleiner Tipp: Zermalmendes Gefängnis auf das Biest, dann hat man seine Ruhe). Wir empfehlen also weiterhin die Nutzung der Pausen-Taste, zumal die übersichtliche Isometrische Perspektive auch auf der PC-Version abgeschafft wurde.
Lest auf Seite 2, was im Vergleich zum Vorgänger bei Dragon Age 2 alles geändert wurde.
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Kommentare (52)
gummibeer3
"man kann nur den Hauptcharakter ausziehen"
xD
Valium
Also der Test war richtig gut für meine Frühstückspause...
Allerdings hat er mir völlig die Lust auf das Spiel genommen...
Videothekentitel und gut is ;)
KampfbaerTheOnly
Fenix Fontaine
Ich bin schlussendlich froh, dass ich meine Vorbestellung storniert habe - bin ja noch nichtmal DA1 durch, und es so weit ist, kostet die PC-Version des zweiten auch nur noch nen Zwanziger. Aber schade, so ist wohl Dragon Age 2 für PC-Spieler die erste wirkliche Enttäuschung, die Bioware in der großen Geschichte des Studios geliefert hat - obwohl das natürlich Lästern auf hohem Niveau ist.
jurista
eagel
gekauft.
Daniel Pook
Wundert euch alle nicht, wenn ihr doch mal bei einem 8/10, 7/10 oder auch mal 6/10 Titel schwach werdet und auf einmal feststellt "Oha, das macht irgendwie Spaß." ;)
Maddox
IM Carlos
Spratz
Aber dass die Dialoge deutlich gekürzt worden sein sollen finde ich wirklich schade, da das Dragon Age für mich ausgemacht hat. Naja das Spiel sollte wenn nichts schief läuft heute in meinem Briefkasten liegen, dann werd ich mal schauen was ich selbst zum Spiel zu sagen habe.