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Drawn to Life - Mal-Held sein

Dienstag, 13. November 2007
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15:56 Uhr - Überzeugte Ungläubige führen gegen die Existenz Gottes gerne folgende Frage ins Feld: Wenn es wirklich einen liebenden Gott gibt, wie kann er dann das ganze Elend und die Bosheit auf der Welt zulassen, ohne sich einzumischen? Wie banal eine solche Welt aussehen muß, in der ein Gott sich ständig höchstpersönlich um die selbstgemachten Probleme seiner Schöpfung kümmert, kann man derzeit wunderbar in Drawn to Life - Mal-Held sein studieren, einem Spiel für den Nintendo DS. Wie es sich anfühlt, in die Rolle des Stylus schwingenden Schöpfers zu schlüpfen, haben wir uns mal genauer angeschaut.

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Zu Beginn sieht es düster um das Dorf der Raposas aus, einem Völkchen von spitzohrigen Lebewesen, von denen sich die meisten bevorzugt kindisch benehmen. Dunkle Schatten haben große Teile des Dorfes verschluckt. Ein böse gewordener Raposa namens Wilfre hat sie erschaffen und zeitgleich noch wichtige Seiten aus dem Buch des Lebens entwendet. Wie man das als zünftiger Videospielbösewicht so macht, hat er sie natürlich in alle Himmelsrichtungen verteilt. Dadurch fehlen nun die elementarsten Dinge in der Welt der Raposas, was sie natürlich furchtbar unglücklich macht. Es gibt keine Sonne, keinen Mond, kein Firmament mehr und auch etliche zentrale Dinge des Dorflebens sind verschwunden. Die meisten Raposas haben längst ihre Sachen gepackt und das Weite gesucht. Die wenigen, die üig geblieben sind, beten nun den Schöpfer dieser Welt an, etwas gegen die Dunkelheit zu tun.

Es ist nicht leicht ein Gott zu sein

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Da die wenigen verbliebenen Raposas nicht zu Heldentaten taugen, ist die erste göttliche Amtshandlung des Spielers die Erschaffung eines Kämpfers für die gute Seite, der den Raposas ein wenig unter die Arme greift. Damit kommen wir zum innovativen Aspekt des Spiels. Man muss seinen Helden nämlich mit Hilfe eines simplen Editors selbst malen (sofern man sich nicht mit den Standardvorgaben des Spiels begnügen möchte). Das klingt erst mal faszinierend, doch in der Praxis zeigt sich hier, wer in seinem bisherigen Leben ein echter Mal-Held war und wer nicht. Ich war und bin es definitiv nicht, wie ich nach einer guten Stunde und etlichen, verworfenen Entwürfen feststellen musste. Mein erster Held sah trotz aller Mühen wirklich grausam aus und hatte stets frappierende Ähnlichkeit mit den grotesken Kritzeleien aus meiner Schulzeit. Ich konnte es wirklich nicht ertragen, mit dieser Monstrosität durch die knuddeligen Welten zu springen. Man muss sich dazu vorstellen, daß die Figur schon von Hause aus eine ganz andere Physiognomie hat, als die kleinen Raposas. Sie ist deutlich größer und schlackert dazu noch beim Laufen, mit den Armen und Beinen wie ein Hampelmann herum. Glücklicherweise kann man drei verschiedene Figuren abspeichern und bei meinem dritten Versuch war dann auch endlich "Kalle" geboren, eine Figur aus den Tiefen meiner Seele, mit der ich mich zumindest halbwegs anfreunden konnte.

Natürlich bleibt es nicht nur bei dieser kurzen Einlage. Während des Spiels muss man oft zum Stylus greifen, um sich zeichnerisch zu betätigen und tatsächlich zeigt sich schon bald, Übung macht den Meister. Man muss dazu auch sagen, die Erstellung der eigenen Spielfigur ist bereits die schwerste Übung. Danach begnügt man sich z.B. damit, diverse Plattformen, Bäume, Gebüsche, vom Wind aufgewirbelten Schmutz, Phantasiewaffen (man schiesst z.B. mit Eicheln) und ähnliches Zeug zu zeichnen. Manchmal reicht es dabei sogar aus, eine vorgegebene Form mit der Füllfunktion des Editors auszufüllen. Dieser ist ziemlich simpel gehalten, Füllen und freies Zeichnen sind die Grundfunktionen, mehr Stempel und andere Farbpaletten kann man im Dorfladen kaufen, sobald dieser wieder aus den Fängen der Dunkelheit befreit ist.

Spring und Renn und Lauf

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Das Spielprinzip ist ziemlich klassisch aufbereitet. Nach und nach vertreibt man die dunklen Wolken aus dem Dorf und stellt die eigentliche Ordnung wieder her. Die Dorfbewohner sind dabei nur unwesentlich hilfreich, alles bleibt am Schöpfer und seiner Kreatur hängen. Anfangs bitten die verpeilten Raposas zwar noch freundlich um Hilfe, aber schon bald heisst es nur noch lapidar Kalle, erledige dies, erledige das, such mal diesen einen Raposa, geh mal dorthin und wenn du schon mal auf dem Weg bist...*gähn*. Bei so viel Unfähigkeit zur Selbstständigkeit verwundert es auch kaum, daß die Tochter des Häuptlings, angesichts ihrer bevorstehenden Amtsübernahme, in eine schwere Identitätskrise fällt, der sie vor allem mit schlechter Laune, Herumzicken und trübseeliges Hinausstarren auf's Meer begegnet. Sie fühlt sich dieser großen Aufgabe absolut nicht gewachsen und resigniert. Ein gute Portion Herz-Schmerz kommt auch noch dazu und selbst als ihr Vater stirbt, zieht sie sich noch stärker zurück und gibt dem Schöpfer die Schuld, nicht richtig auf ihn aufgepasst zu haben. Aber natürlich fügt sich letztlich doch alles zum Guten und auch die kleine Mari stellt sich ihrer Verantwortung, natürlich mit der gemeinschaftlichen Hilfe des ganzen Dorfes. Man sieht schon, ein bisschen pädagogisch wertvoll will das Spiel schon sein, auch wenn ihm das nicht durchgängig konsequent gelingt. Dennoch: Kiddies werden hier durchaus spielerisch mit dem Thema des Hineinwachsens in die Eigenständigkeit beschäftigt.

Spielerisches Zentrum von Drawn to Life sind allerdings nicht die drögen Laufspiele und Dorfmelodramen, sondern die 16 überraschend großen Jump & Run-Level, die aus der traditionellen 2D-Perspektive gespielt werden. Spielerisch sind sie nicht besonders anspruchsvoll oder schwer, machen aber durchaus Spaß, zu mal auch hier viele Maleinlagen eingebaut wurden. Die vier unterschiedlichen Welten, nach denen sich die Level aufteilen, unterscheiden sich nicht nur optisch, sondern legen auch spielerisch unterschiedliche Schwerpunkte. Während man im Waldlevel, mittels selbstgezeichneter Flügel, weite Sprünge machen kann, boxt man sich in der letzten Welt als Riese mit Heldenschwert durch Miniaturlevel. Zwischendurch gibt es immer wieder Fahreinlagen z.B. auf einem Wal, in einer Rakete oder an einem Seil entlang. Für Abwechlung ist also gesorgt, doch ein Wiederspielwert ist trotzdem kaum vorhanden. In jedem Level gilt es vier Teile einer Seite des heiligen Buches, drei gefangene Raposas und drei Geheimnisse zu finden und das stellt, trotz der ordentlichen Größe der Level, kein Problem dar. In den meisten Fällen findet man sämtliche Dinge schon beim ersten Durchlauf.Bleibt noch zu erwähnen, dass Drawn to Life einen ganz passablen Soundtrack hat, der auf nette melodische Ohrwürmer setzt. Grafisch macht das Spiel eine eher schlichte Figur. Besonders bei den Jump & Run-Einlagen wäre deutlich mehr drin gewesen, als nur die simplen und farblosen Hintergründe und die recht groben Animationen.

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Man muss es so sehen wie es ist: Drawn to Life richtet sich eindeutig an eine jüngere Zielgruppe und für die ist es sicherlich ein schöner, unkomplizierter Spielspaß. Klar, das Spiel bedient sich schamlos am Gameplay anderer Spiele, aber das macht es technisch zumindest sauber und vor allem sorgt es dafür, daß kontinuierlich neue Spielelemente eingestreut werden und deswegen keine Langeweile aufkommt. Mit den Maleinlagen kommt noch eine gute Portion Innovation und Kreativität hinzu und so aucht wirklich niemand ein schlechtes Gewissen haben, wenn er das Spiel seinen Kindern unter den Weihnachtsbaum legt. Man kann davon ausgehen, sie werden es mögen und es ist allemal besser als so manche seelenlose Lizenzverwurstung diverser Zeichentrickfilme.

Bewertung

Drawn to Life ds

0/10

 

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