Dungeon Siege III
Entwickler Obsidian (Fallout: New Vegas, Alpha Protocol) unterzog die bekannte Hack'n'Slay-Serie mit Dungeon Siege III einer kompletten Neu-Überarbeitung, wodurch dieser so gut wie gar nichts mehr mit seinen Vorgängern gemein hat. Ob man bei jener Erneuerung des Action-Rollenspiels allerdings eher von „Vercasualisierung“ als von Innovation sprechen sollte, verrät unser Test.
Unheilbringende Bösewichtin
Zu Beginn von Dungeon Siege III muss, wie in RPGs üblich, die Wahl eines Charakters getroffen werden. Zwischen vier verschiedenen Typen darf gewählt werden, darunter zwei Männer und zwei Frauen: Wächter Lucas, der die Rolle eines stupiden Kriegers einnimmt, Reinhart der Magier, Anjali, eine Feuergeist-Dame mit Nahkampf-Affinität und Freude an Haustierhaltung und Katarina, eine Lescanzi-Hexe, die äußerst gut mit Schusswaffen umgehen kann. Die übriggebliebenen Charaktere dienen später als helfende und vor allem gar nicht mal so dumme Kampfkumpanen. Die NPC-KI der Kollegen handelt nämlich tatsächlich intelligent und kann die ein oder andere entstandene brenzlige Situation entschärfen. Oder ihr lasst euch von einem lebendigen Freund helfen, der sich entweder in eurer Wohnung einen zweiten Controller schnappt oder sich online mit euch beschäftigt. Ist die Entscheidung gefallen, beginnt das Abenteuer im Dungeon Siege-Fans bereits bekannten Land Ehb. Die 10. Legion, die am besten ausgebildete und tapferste Armee des Imperiums, beschützte bislang jene idyllische Fantasy-Welt bis man ihr vorwarf den König des Reiches ermordet zu haben. Das Volk erhob sich unter der Leitung von Jeyne Kassynder und zerstückelte den Großteil der Legion und brannte ihre Quartiere nieder. Mittlerweile herrscht die letztgenannte Bösewichtin über Ehb und sollte schleunigst gestürzt werden. Die Nachfahren der 10. Legion, darunter auch die wählbaren Charaktere, haben ein Netzwerk unter der Leitung von Odo gebildet, um diese Aufgabe zu erfüllen. Der Auftrag lautet also, das Königreich zurückzuerobern und wieder Frieden ins Land einkehren zu lassen.
Schnelllebigkeit Hui, Komplexität Pfui!
Mit minimalistischen, aber dennoch schick gezeichneten Sequenzen bekommt jeder der Charaktere eine eigene kleine Einführung in die Story, der Verlauf des Spiels verändert sich durch die jeweils anderen Spielfiguren allerdings nicht. Man erlebt also immer nahezu identische Ereignisse. Nach der Einführung geht es auch schon direkt ins Spielgeschehen über, bei dem erstmals das überschaubare, dennoch strategisch angehauchte Kampfsystem genutzt werden darf. Dabei bediente man sich unter anderem kräftig an bekannten Spielelementen aus Baldurs Gate. Neben dem Hack 'n' Slay-Grundmetzelprinzip kann (und muss) geblockt und ausgewichen werden, wodurch dynamische und abwechslungsreiche Auseinandersetzungen entstehen. Mit eindrucksvollen Zaubern, deren Effekte optisch mit ihren bunten Farben und schwungvollen Luft-Zügen durchaus zu überzeugen wissen, darf man sich ebenfalls zur Wehr setzen. Zwar agieren die gewöhnlichen, ständig auftauchenden Gegner nicht sonderlich intelligent, erfordern trotzdem gelegentlich taktisches Umdenken, wenn bloßes sinnloses Knöpfedrücken nicht mehr weiterhilft. Bossgegner sind dabei jedoch noch wesentlich herausfordernder, da ständig zwischen Defensive und Offensive gewechselt werden sollte. Durch die Schwierigkeit der Gegner bleibt also eine gewisse Spannung erhalten, obwohl man die Komplexität des Kampfsystems generell vereinfacht hat. Der Skillbaum fällt hierbei nämlich eher spärlich aus. Wer sich erhofft hat, ähnlich eines Diablo, unzählige verworrene und verwachsene Talentzweige entlang hangeln zu dürfen sollte lieber auf den dritten Teil der Blizzard'schen Serie warten. Ob man bei seiner Charakter-Individualisierung Regeneration oder Angriff wählt, stellt sich eigentlich auch schon als die gravierendste zu treffende Entscheidung heraus. Demnach erlernt man zwar die ein oder andere neue Attacke oder kann einen anderen Zauberspruch sprechen, allerdings wiederholt sich der Ablauf der Attacken in Gefechten bereits nach kurzer Zeit, worunter die Tiefgründigkeit der Char-Entwicklung sichtlich zu leiden hat. Andererseits spielen die Rüstungen und Waffen hierbei auch eine erhebliche Rolle. Wechselt man nämlich die Kleidungsgegenstände und Schlagknüppel (oder anderweitige Mordinstrumente) verändert sich leider nur die Farbe. Trotzallem wird die Sammelleidenschaft dennoch geweckt, denn Werte verbessernd bzw. verschlechternd sind sie alle. Das Inventar selbst ist künstlerisch betrachtet zwar etwas altbacken gestaltet, führt aber einige komfortable Bedienelemente ein. Neu eingesammelte Gegenstände werden nämlich direkt als solche in der jeweiligen Sparte gekennzeichnet. Habe ich also einen goldig-glitzernden Superhammer gefunden, meldet meine Waffenhand nach Aufrufen des Ausrüstungsmenüs „Neu“ und ich muss mich nicht erst durch meinen Tascheninhalt lesen.
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Kommentare (11)
Belphegor
Da isser doch! Schöner Test, mittelmäßiges Spiel.
toul81
Matt1980
Schließe mich an: Spiel ist gut, aber eben kein Kracher. Da wurde viel Potenzial verschenkt. Mit etwas mehr Entwicklungszeit und Feintuning hätte es eine absolute Empfehlung werden können. Spaß macht es trotzdem und kommt nicht mit sinnlosen Quests der Marke "Sacred 2" daher.
2happy
Loopan
@2happy
http://lmgtfy.com/?q=0815
LookMyBullet
dalas
Ich finde die Kritikpunkte (wie bei anderen Magazinen auch) als etwas zu hervorgehoben. Das Dialogsystem sowie die Tatsache, dass es keinen intelligenten Split Screen gibt, ist IMO nicht so schlimm. Es ist eben ein H&S. Ich habe das Spiel im Coop nun fast durch und finde es sehr Spaßig. Für anspruchsvolle Solisten mag die 7/10 stimmen. Dafür bieten andere Spiele einfach mehr. Aber im Coop sind für H&S Fans sicher 8.5/10 auch gerechtfertig. Ich mag das motivierende Spielsystem die vielen Items die zu finden sind und ich persönlich finde die Grafik einfach klasse.
Für 49 Euro ist es ein kurzweiliges Spiel, welches sich immer wieder mal einwefen lässt!
Claudandus
Hatte es gestern bei nen Kumpel mal ne Stunde angespielt, im Coop ist es ganz nett und so fern es billiger wird ist es auf jeden Fall ein kauf wert. Doch Geschichte wird das Spiel nicht schreiben.
7/10 ist schon ok
Jace
Ich finde es ist ne gute 7/10, allein schon weil echte Alternativen auf der 360 fehlen.
Habs für 43,- Euro (UK, multilingual) gekauft und das wars soweit wert.
SotY
Ich hatte die Vorgänger nicht gespielt, auch wenn ich sie ja auf Steam mit dazu bekommen habe. Insofern weiss ich nicht wie die Vorgänger schon waren, aber nach der Demo und eben dem kurzen zocken bisher, errinnert es mich stark auch an die Baldurs Gate: Dark Alliance Reihe. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als an Diablo. Obsidian hatte sicherlich jetzt auch nicht den Gedanken, dass dieses Spiel D3 schlagen kann, sondern wohl einfach nur die Zeit bis dahin zu verkürzen, denn auch wenn es mich spielerisch bisher eher eben an BG:DA errinnerte, hat es aber auch schon etwas von Diablo, was aber wohl auch nicht allzu verblüffend sein sollte, da sich die Spiele sowieso alle gegenseitig befruchten, irgendwie.
Natürlich hat das Spiel einige Kritikpunkte, aber auch ein paar Sachen, die gefallen. Koop hab ich noch nicht ausprobiert. Letztlich wohl aber ein Spiel, wo eben Genrefans zu greifen und die anderen spielen auf Probe. ;)