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El Shaddai

Dienstag, 13. September 2011 Johannes Krohn 
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Ungewöhnliche grafische Konzepte waren eigentlich selten ein Förderer für den Erfolg eines Videospiels. Ein Umstand der am wenigsten noch die günstigen Download-Titel schocken dürfte, denn zum kleinen Preis riskiert man schon mal eher den Blick über den Tellerrand. Umso schöner, wenn sich doch noch Entwickler trauen, mit aufwendigen Vollpreisprojekten gegen alle Widerstände unsere Sehgewohnheiten umzukrempeln. Ob dieser Mut im Falle von „El Shaddai“ belohnt wird, werden die nächsten Wochen zeigen. Ob dahinter überhaupt ein gutes Spiel steckt, klärt unser Test.

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Die Chancen stehen ziemlich gut, dass ihr von „El Shaddai – Ascension of the Metatron“ noch nie zuvor etwas gehört oder den komplizierten Titel glatt vergessen habt. Sie werden auch nicht geringer, wenn man darüber spekuliert, ob das Spiel nicht spätestens fünf Minuten nach der Lektüre dieses Artikels wieder aus eurem Gedächtnis verschwindet und nur dann vage im Hinterstübchen herumgeistert, wenn es zukünftig jemand als vermeintlich treffendes Beispiel in kontroversen Diskussionen über die Kunsttauglichkeit von Videospielen zur Sprache bringt. Ähnlich „Okami“ oder „Rez“ wird die entfesselte, meisterhaft gefertigte Optik und Klangkulisse des Spiels ihm seinen Vorzeige-Arthouse-Status verleihen, was genauso voreilig wäre wie Gegensetzliches zu behaupten. Eines dürfte aber sicher sein: Wer sich tatsächlich überwindet „El Shaddai“ Zugang zu seinem PS3- oder 360-Laufwerk zu gewähren, wird diesen Trip nie wieder vergessen.

Allerdings verdankt es solche prophetischen Lobeshymnen einzig und allein seiner überbordenden Präsentation, die seinen Stellenwert als künstlerisch wertvolles Werk zweifellos rechtfertigt. Auf dieser Ebene hätte "El Shaddai“ aber auch als Film oder akkustisch unterlegtes Gemälde, zumindest ähnlich funktionieren können. Um jedoch auch ein künstlerisch wertvolles Videospiel zu sein, ist das religiös verschwurbelte Hack’n Slay-Abenteuer spielerisch zu dünn und rückschrittlich. 


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Ihr steuert Enoch, einen auserwählten Diener Gottes, welcher auf die Jagd nach sieben gefallenen Engeln geschickt wird, durch die Welten des Himmelreichs, der Erde oder wer weiß wo? So genau ist das nicht auszumachen. Eine cineastische Kameraführung führt den Blick stets automatisch auf das, was die Augen nicht glauben wollen, während ihr mit Enoch bizarre Kreaturen ins Jenseits-Jenseits schickt. Nebenbei wird reichlich wirres Zeug schwadroniert und letztlich habt ihr wahrscheinlich die meiste Zeit nicht den geringsten Plan was eigentlich abgeht. In seiner Darstellung einer nicht greifbaren Meta-Welt kommt das Spiel dem eigentlich Unvorstellbaren somit wohl recht nahe.

Enoch bahnt sich seinen Weg zur Erfüllung seiner göttlichen Aufgabe anfangs mit bloßen Fäusten. Waffen müsst ihr euren Gegnern abnehmen, was diese gleichzeitig verletztlicher macht. Derer gibt es allerdings lediglich drei. Den Arch, der stark an das klingonische B ... Ba ... Blabla erinnert, eine Nahkampfklinge. Der, die oder das Gale, eine Handvoll pfeilartiger Geschosse, welche zu euch zurückkehren. Und das (der oder die) Veil, zwei hammerähnliche Waffen. Wenn ihr sie euren Feinden in lässig choreographierten Artistiknummern entreißt oder nach ein paar Angriffen, müsst ihr die heiligen Mordinstrumente reinigen, weil – so die poetische Originalformulierung in „El Shaddai“ – sich deren Widerwertigkeit auf ihnen ablagert. Ohne Reinigung, keine gewaltsame Missionierung. Horten und nach Belieben wechseln könnt ihr das Kampfwerkzeug übrigens nicht. Ihr solltet also zweimal überlegen, welchem Feind ihr sein astrales Spielzeug klaut.

Das Kampfsystem könnte auf den ersten Blick kaum simpler sein. Auf den Zweiten auch. Es gibt einen Knopf für Attacken, einen zum Blocken und einen zum Springen. Aus diesen drei Tasten, den unterschiedlichen Möglichkeiten des Waffentrios und speziell getimten Angriffen ergeben sich unerwartet vielfältige Techniken und Combos, welche aber erst auf dem freispielbaren höheren Schwierigkeitsgrad gefordert werden. Auf Easy und Normal kommt ihr meist mit purem Buttonmashing ganz gut voran. Dass die Gegner in ihrem Äußeren dabei immer noch absurder auftreten, bei ihren Verhaltensmustern die Zahl der Waffenvariationen jedoch kaum übertreffen, macht die Action nicht gerade spannender. Eine Auto-Lock-Funktion hätte zudem auch nicht geschadet.


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Ähnlich flach gestaltet sich leider auch der Rest des Spiels, der gar nicht mit göttlicher Abwechslung protzt. In den strikt linear gebauten Gebieten gibt es so gut wie keine Geheimnisse zu finden, Rätsel zu knacken oder Geschicklichkeitspassagen zu meistern. Der Ablauf besteht einen Großteil der Spielzeit aus Laufen, Gefäße zertrümmern, Gegner schlenzen, Speichern und – zugegeben – staunen. Einzige weitere Herausforderung neben den herausforderungslosen Kämpfen sind lediglich ein paar eingestreute Sprungabschnitte und das auch eher durch ungünstige Kamerawinkel, bei denen sich Enoch’s Positionierung manchmal nur ungenau abschätzen lässt. Einziges Highlight, dann jedoch wieder mehr grafischer Natur, sind die 2D-Einlagen, in denen der Gotteskrieger vor rauschhaften Hintergrundkunstwerken über Plattformen hüpft und damit abermals Gedanken an die vielen visuell ausgefallenen Download-Perlen weckt.


Warum bislang so wenig auf die für das Spielerlebnis offensichtlich ausschlaggebende audiovisuelle Gestaltung eingegangen wurde, hat den einfachen Grund das sie kaum in Worte zu fassen ist. „El Shaddai – Ascension of the Metatron“ muss man schlichtweg selbst sehen und hören, um es zu erfassen. Der Tanz aus Formen, Farben und surrealem Design, in Verbindung mit einem klanglichen Mix aus Ethnogesängen und treibenden Melodien, macht schon das Startmenü zu einer Eigenkomposition und zaubert ein Festival für die Sinne auf den Bildschirm, gegen das selbst „Child of Eden“ beinahe wie ein Schwarz-weiß-Foto aus den 20ern wirkt. Allein durch den Reiz welche überwältigenden Bilder euch hinter der nächsten Ecke erwarten, motiviert das seichte Spiel über seine komplette Lauflänge von etwa acht Stunden. Atemberaubend!

Doch wie bewertet man einen solchen Titel? Einerseits ist diese Reise in eine fantastische Zwischenwelt ein unvergleichliches Meisterwerk, wie es nur alle paar Jahre geschaffen wird. Andererseits ist es spielerisch nur leidlich unterhaltsam und bietet in etwa den Tiefgang einer Untertasse. Hier hilft nur ein Kompromiss mit dem deutlichen Rat euch selbst ein Bild zu machen.

El Shaddai - Story-Trailer

embed:

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Bewertung

El Shaddai - Ascension of the Metatronxbox360

7/10

Bewertung

El Shaddai - Ascension of the Metatronps3

7/10

 

Kommentare (7)

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13.09.2011 17:44 - Mal ein ganz anderer Anfang (dünn geschriebenes) :D Trifft auf mich auch zu. Hat ja auch einen doofen Namen das Spiel... :D
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13.09.2011 18:16 - Schade
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13.09.2011 19:34 - @Johannes: Mittlerweile halten sich die anderen Tester daran, einen (Spiele-) Test auch als solchen zu kennzeichnen, da Euer Redaktionssystem dies (seltsamerweise) nicht mehr zu lässt ;-)
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13.09.2011 20:03 -

Klasse Test :)

Irgendwie reizt mich dieses mythologische Setting. Und die Optik ist auch eine Erfrischung. Werds auf jeden Fall mal anspielen, um zu sehen ob ich mich auch mit dem Gameplay anfreunden kann.

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13.09.2011 21:04 -

el shaddai is the drippin door in anotha wurld, pflichkauf. letz follow him

johannes großes lob von mir, el shaddai sogar richtig geschrieben, scheint ja für einige ein prob zu sein. ich halt ja nichts von so pingeliker spießer mentalität, aber den titel des spiels sollte man richtig schreiben. hab schon el shadday für el shadai usw gelesen

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13.09.2011 22:09 -

Diskens: Ich will ja nicht pingelig sein, aber du hast el Shaddai mit nur einem d geschrieben (Ich konnt einfach nicht wiederstehen, man sehe mir das nach ^^)

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14.09.2011 13:34 -

-

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